Arzneistoffe von A-Z
Alles zu Wirkstoffen
 



Abacavir


Vertiefende Informationen zum Thema Flachschleifen hier.
Mehr über Gartenaccessoires findet man hier.

 

Abacavir

Formel Abacavir


Wirkstoffklasse

  • Virustatikum, 
  • nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NRTI)

Fertigpräparate

  • Kivexa® 
  • Trizivir® 
  • Ziagen® 

Wirkung

Abacavir ist ein Arzneistoff zur Behandlung von mit HIV-1 infizierten Patienten im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat für Abacavir erstmals die Erlaubnis zur Verordnung eines Arzneimittels, an einen vorherigen Gentest gebunden. Bei diesem Test wird das Vorhandensein des Genmarkers HLA-B*5701 überprüft. Bei Patienten mit diesem Genmarker kommt es zu teilweise lebensbedrohlichen Überempfindlichkeitsreaktionen.

Wirkungsmechanismus

Nucleosidische Hemmstoffe der reversen Transkriptase (NRTI) sind Virustatika. Es handelt sich um 2,3-Didesoxynucleoside, die durch intrazelluläre Phosphorylierungsschritte zu 2,3-Didesoxynucleosid-5-triphosphaten bioaktiviert werden.
Als falsches Substrat hemmen diese kompetitiv das Virus-eigene Enzym reverse Transkriptase, welches bewirkt, dass die in Retro-Viren vorhandene Erbsubstanz RNA in die beim Menschen übliche Erbsubstanz DNA umgewandelt wird.
Zusätzlich kommt es zur Beendigung der DNA-Kettenbildung, da die fehlende Hydroxygruppe der falschen Bausteine eine Verknüpfung nach 2 Seiten hin nicht ermöglicht.
Beispiele für Nucleosid-analoge Hemmstoffe der reversen Transkriptase sind Abacavir, Zidovudin, Zalcitabin, Didanosin, Lamivudin, Stavudin und Emtricitabin.
Die Behandlung mit einem NRTI oder einer Kombination von mehreren NRTI senkt die Viruslast und bewirkt einen Anstieg der CD4-Zellzahl. Studien zeigen, dass eine Kombination von Zidovudin + Didanosin, Zidovudin + Lamivudin und Zidovudin + Zalcitabin das Fortschreiten der Immunschwäche verzögert, das Auftreten von Aids-definierenden Infektionen vermindert und das Leben verlängert. Studien zeigen aber auch, dass sich dieser Nutzen mit der Zeit verliert. Der Grund dafür liegt in der enormen Wandlungsfähigkeit des HI-Virus. Die Resistenz gegen einen Hemmstoff der reversen Transkriptase kann mit einer Resistenz gegen eine andere Substanz aus dieser Klasse (Kreuzresistenz) einhergehen.
Zwei Wege führen zur Entstehung einer Multi-Drug-Resistenz und damit zu einer phänotypischen Resistenz gegenüber Zidovudin und allen anderen zugelassenen nucleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmern. Im ersten Fall sind dies Mutationen an den Codons 62, 75, 77, 116, und 151 der HIV-reversen Transkriptase, im zweiten Fall kommt es zu einer Mutation am Codon 69 (T69S) sowie einer Einfügung von 6 zusätzlichen Basenpaaren an derselben Position. Liegt eines von beiden Mutationsmustern, die zur Multi-Drug-Resistenz führen, vor, sind zukünftige Optionen stark eingeschränkt.

Abacavir ist ein synthetisches carbocyclisches Nucleosid-Analogon mit Hemmaktivität gegen HIV. Intrazellulär wird es durch zelluläre Enzyme in den aktiven Metaboliten Carbovir-Triphosphat umgewandelt. Carbovir-Triphosphat ist ein Analogon des Desoxyguanosin-5'-Triphosphates (dGTP). Carbovir-Triphosphat hemmt die Aktivität der HIV-1 Reversen Transkriptase (RT) durch Verdrängung des natürlichen Substrates dGTP und durch die Inkorporation in die vom Virus gebildete Nucleinsäure. Das Fehlen einer 3'-OH-Gruppe in dem inkorporiertem Nucleosid-Analogon verhindert die Bildung einer 5' → 3'-Phosphodiester-Bindung, die für die DNA Ketten-Verlängerung essentiell ist. Der Abbau von Abacavir erfolgt nicht über das Cytochrom-P450-System (CYP450), sondern durch die Alkoholdehydrogenase und die Glucuronyl-Transferase. Dadurch werden Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln weitestgehend vermieden. Abacavir ist in vitro gut wirksam gegen HIV-1 und hat hier synergistische Aktivität in Kombination mit Amprenavir, Nevirapin und Zidovudin und additive Aktivität in Kombination mit Dadanosin, Lamivudin, Stavudin und Zalcitabin. Die virale Resistenz gegen Abacavir entwickelt sich in vitro und in vivo relativ langsam und erfordert eine Vielzahl von Mutationen. Abacavir-resistente Isolate können auch eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Lamivudin, Zalcitabin und/oder Didanosin zeigen, bleiben aber gegen Zidovudin und Stavudin empfindlich. Eine Kreuzresistenz zwischen Abacavir und Proteaseinhibitoren ist aufgrund der unterschiedlichen Enzymziele, die betroffen sind, unwahrscheinlich. Kreuz-Resistenz zwischen Abacavir und Nicht-Nucleosidalen Reverse Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) ist wegen der unterschiedlichen Bindungsstellen an der Reversen Transkriptase unwahrscheinlich. Eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Abacavir wurde bei klinischen Isolaten von Patienten mit unkontrollierter viraler Replikation festgestellt. Bei erwachsenen therapienaiven Patienten, die mit Abacavir in Kombination mit Lamivudin und Zidovudin behandelt wurden, betrug der Anteil der Patienten mit einer nicht nachweisbaren Viruslast (<400 Kopien/ml) ca. 70% (Intent-to-treat-Analyse nach 48 Wochen). Dies war mit einem korrespondierenden Anstieg der CD4-Zellzahl verbunden. In einer Vergleichsstudie bei Kindern mit unverblindeten Nucleosidalen RT Inhibitor-Kombinationen (NRTI) war der Anteil der Kinder mit HIV-1 RNA <= 400 Kopien/ml in Woche 48 in der mit Abacavir und Lamivudin (71%) oder Abacavir und Zidovudin (60%) behandelten Gruppe höher als in der mit Lamivudin und Zidovudin (47%) behandelten Gruppe (p = 0,09; Intent-to-treat-Analyse). Patienten, die bereits intensiv mit NRTI behandelt wurden, profitieren kaum von der zusätzlichen Gabe von Abacavir. Es ist unwahrscheinlich, dass klinische Isolate, die gegenüber drei oder mehr der verfügbaren nucleosidanalogen Reverse Transkriptase-Hemmer resistent sind, Abacavir-empfindlich sind.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Abacavir
- schwere Leberfunktionsstörungen

Relative Gegenanzeigen
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Hepatomegalie
- metabolische Azidose/Lactatazidose
- Hepatitis
- bekannte Risikofaktoren für eine Lebererkrankung
- bei Patienten mit einer hohen Viruslast (> 100.000 Kopien/ml) ist die Wahl der Behandlung mit der Dreifachkombination Abacavir, Lamivudin und Zidovudin besonders sorgfältig abzuwägen
- mittelschwere Leberfunktionsstörung
- Nierenerkrankung im Endstadium

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Lactatazidose: Fälle von Lactatazidose, die manchmal tödlich verliefen und in der Regel mit schwerer Hepatomegalie und Steatose assoziiert waren, wurden unter Behandlung mit Nucleosidanaloga beobachtet.
- Die antiretrovirale Kombinationstherapie wurde mit einer Umverteilung des Körperfetts (Lipodystrophie) bei HIV-Patienten assoziiert, einschließlich eines Verlustes von peripherem und fazialem Unterhautfettgewebe, vermehrtem intraabdominellen und viszeralen Fettgewebe, Hypertrophie der Brüste und dorsozervikaler Fettansammlung (Stiernacken).
- Die antiretrovirale Kombinationstherapie wurde mit Stoffwechselanomalien assoziiert, wie Hypertriglyceridämie, Hypercholesterolämie, Insulinresistenz, Hyperglykämie und Hyperlactatämie.
- Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt kann sich zum Zeitpunkt der Einleitung einer antiretroviralen Kombinationstherapie eine entzündliche Reaktion auf asymptomatische oder residuale opportunistische Infektionen entwickeln.
- Fälle von Osteonekrose wurden insbesondere bei Patienten mit allgemein bekannten Risikofaktoren, fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder Langzeitanwendung einer antiretroviralen Kombinationstherapie berichtet.

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Überempfindlichkeit: in klinischen Studien entwickelten etwa 5% der Patienten unter Abacavir-Behandlung eine Überempfindlichkeitsreaktion; einige dieser Fälle waren lebensbedrohlich und verliefen trotz Vorsichtsmaßnahmen tödlich. Diese Reaktion wird durch das Auftreten von Symptomen charakterisiert, die auf eine Multiorganbeteiligung hinweisen. Bei fast allen Patienten mit Überempfindlichkeitsreaktionen traten Fieber und/oder Hautausschlag (gewöhnlich makulopapulös oder urtikariell) als Teil des Syndroms auf, jedoch traten Überempfindlichkeitsreaktionen auch ohne Fieber oder Hautausschlag auf. Die Anzeichen und Symptome einer Überempfindlichkeitsreaktion auf Abacavir sind unten aufgelistet. Diese wurden entweder in klinischen Studien oder nach der Markteinführung beobachtet. Bei Kindern wurde im Vergleich zu Erwachsenen häufiger über Hautausschlag (81% bzw. 67%) und gastrointestinale Manifestationen (70% bzw. 54%) berichtet. Folgende Anzeichen und Symptome traten bei mindestens 10% der Patienten mit einer Überempfindlichkeitsreaktion (5%) auf:
-- Hautausschlag (gewöhnlich makulopapulös oder urtikariell)
-- Übelkeit
-- Erbrechen
-- Diarrhoe
-- Bauchschmerzen
-- Dyspnoe
-- Husten
-- Fieber
-- Lethargie
-- Allgemeines Krankheitsgefühl
-- Kopfschmerzen
-- Erhöhte Leberwerte
-- Myalgie
Weitere Anzeichen und Symptome einer Überempfindlichkeitsreaktion ohne Angabe der Häufigkeit:
-- Geschwüre im Mund
-- Halsschmerzen
-- akutes Atemnotsyndrom bei Erwachsenen (akutes Lungenversagen), respiratorische Insuffizienz
-- Ödeme
-- Lymphadenopathie
-- Blutdruckabfall
-- Konjunktivitis
-- Anaphylaxie
-- Parästhesie
-- Lymphopenie
-- Hepatitis
-- Leberversagen
-- selten Myolyse
-- Arthralgie
-- Erhöhung der Kreatinin-Phosphokinase
-- Erhöhung des Kreatinins
-- Nierenversagen
- Die folgenden unerwünschten Reaktionen können im Zusammenhang mit Abacavir stehen. Die Mehrheit davon führte nicht zu einem Abbruch der Therapie, jedoch muss bei Auftreten eines dieser Symptome die Möglichkeit einer Überempfindlichkeitsreaktion sorgfältig abgeklärt und ausgeschlossen werden:
- Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
- Kopfschmerzen
- Anorexie
- Fieber, Lethargie, Müdigkeit
- Hautausschlag (ohne systemische Symptome)

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Pankreatitis: Über das Auftreten einer Pankreatitis unter Abacavir-Therapie wurde berichtet, ein kausaler Zusammenhang mit der Behandlung ist aber nicht sicher.
- Veränderungen der Laborwerte

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse