Acetylcystein wirkt bei chronischer
Bronchitis
oder Mukoviszidose protektiv bezüglich der Häufigkeit
und
Schwere bakterieller Exazerbationen.
Das Vorliegen einer reaktiven SH-Gruppe im Molekül von
Acetylcystein sowie die Bildung von Cystein als Hauptmetaboliten sind
für die günstigen Wirkungen bei speziellen
Vergiftungen
verantwortlich (z.B. Paracetamolvergiftung).
Wirkungsmechanismus
Der Wirkungsmechanismus von
Acetylcystein bei
der Behandlung von Bronchitiden sowie anderen chronisch-obstruktiven
Lungenerkrankungen ist nicht letztlich geklärt. Bei Patienten
mit
chronischer Bronchitis oder Mukoviszidose ist ein protektiver Effekt
bezüglich der Häufigkeit und Schwere bakterieller
Exazerbationen durch die prophylaktische Gabe von Acetylcystein
beschrieben.
Möglicherweise reduziert die SH-Gruppe der Substanz
Disulfidbrücken in den Mukopolysacchariden und Glykoproteinen
des
Bronchialschleims, wodurch dieser verflüssigt wird. Daneben
soll
Acetylcystein im eitrigen Schleim einen depolymerisierenden Effekt auf
die DNA-Fasern ausüben. Außerdem wurde eine
Beeinflussung
von Entzündungsmediatoren (Interleukin 12, Interleukin 10) in
Alveolarmakrophagen beschrieben.
Die wichtigste Eigenschaft scheint jedoch die antioxidative Wirkung der
Substanz selbst wie auch des Metaboliten Cystein, der die Konzentration
des körpereigenen Antioxidans Glutathion erhöht,
darzustellen. Durch ein vermehrtes Angebot dieser Substanzen kommt es
zu einer Verringerung des durch Entzündungsvorgänge
ausgelösten oxidativen Stress im bronchopulmonalen System.
Die Wirksamkeit von Acetylcystein als Antidot bei Vergiftungen mit
Paracetamol beruht ebenfalls auf der freien Sulfhydryl-Gruppe. Sie
bindet den reaktiven hepatotoxischen Metaboliten von Paracetamol,
N-Acetyl-p-benzochinonimin, mittels Radikalfänger-Funktion.
Ferner trägt Acetylcystein über seinen Metaboliten
Cystein zu
einer erhöhten Synthese von Glutathion bei. Glutathion bindet
physiologischerweise reaktive Metaboliten.
Zudem soll Acetylcystein die Verfügbarkeit des aktiven Sulfats
erhöhen und damit zu einer Steigerung der Sulfatkonjugation
der
entstandenen Metaboliten beitragen.
Der Hauptmetabolit von Acetylcystein, Cystein, hemmt Cytochrom P 450,
das zur Metabolisierung des Paracetamols zu N-Acetyl-p-benzochinonimin
beiträgt.
Acrylnitril und Methacrylnitril werden über die SH-Gruppe von
Acetylcystein gebunden und somit detoxifiziert.
Bei Vergiftungen mit Methylbromid, einem Alkylierungsmittel, wirkt die
SH-Gruppe des Acetylcysteins als Methylgruppenakzeptor
(Radikalfänger).
In einer Studie wurde bei Patienten mit leichter Niereninsuffizienz
durch prophylaktische Gabe von Acetylcystein ein protektiver Effekt
bzgl. einer weiteren Schädigung der Niere durch Iod-haltige
Kontrastmittel beobachtet. Auch dieser Effekt soll auf einem Abfangen
reaktiver Sauerstoff-Verbindungen beruhen.
Lokal (kutan) wurde Acetylcystein in einer Studie mit einer einzigen
Patientin erfolgreich gegen Ichthyosis eingesetzt, weitere
Untersuchungen stehen aus.
Die okuläre Anwendung von Acetylcystein wird v.a. auf eine
Hemmung der Kollagenase zurückgeführt.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
Sekretolyse:
- Überempfindlichkeit gegenüber Acetylcystein
Sekretolyse, parenterale Behandlung:
- Möglichkeit der oralen Behandlung
- Lebensalter <10 Tage
Relative
Gegenanzeigen
Sekretolyse:
- Leberversagen (reduzierte Zufuhr Stickstoff-haltiger Substanzen)
- Nierenversagen (reduzierte Zufuhr Stickstoff-haltiger Substanzen)
- Asthma bronchiale
- Ulcus-Anamnese
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Lebensalter <1 Jahr (Anwendung nur bei lebenswichtiger
Indikation
und unter strengster ärztlicher Kontrolle, parenteral nur
unter
stationären Bedingungen)
- Kinder <= 2 Jahre (Anwendung unter besonderer
ärztlicher Kontrolle)
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte Wirkungen,
ohne Angabe der Häufigkeit
orale/parenterale Behandlung zur Sekretolyse:
- Minderung der Blutplättchenaggregation
Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
parenterale Behandlung als Antidot:
- Abfall des Prothrombinwertes (Kausalzusammenhang nicht
vollständig geklärt, u.U. Intoxikationssymptom)
Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
parenterale Anwendung als Antidot:
- anaphylaktische Reaktionen mit Urtikaria, Angioödem,
Bronchospasmus, Tachykardie, Hypotonie
Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
orale/parenterale Behandlung zur Sekretolyse:
- Blutungen, z.T. im Rahmen von
Überempfindlichkeitsreaktionen,
Minderung der Thrombozytenaggregation (ungeklärte klinische
Relevanz)
- v.a. bei vorbestehendem hyperreaktivem Bronchialsystem, Asthma
bronchiale: Dyspnoe, Bronchospasmen
Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
orale Behandlung zur Sekretolyse:
- schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom oder Lyell-Syndrom
(Kausalzusammenhang nicht vollständig geklärt)
- anaphylaktische Reaktionen bis hin zum Schock