Acetylsalicylsäure wirkt durch
Hemmung
der Cyclooxygenase 1 (COX-1) schon in kleinen Dosen (30–100
mg)
gerinnungshemmend (Thrombozytenaggregationshemmung). Mit steigender
Dosis (0.5–2 g) durch Hemmung der Cyclooxygenase 1 und 2
(COX-1
und COX-2) und der daraus folgenden, sinkenden Bildung von
Prostaglandinen wirkt es auch schmerzstillend (analgetisch),
antirheumatisch sowie fiebersenkend und schließlich
(2–5 g)
entzündungshemmend (antiphlogistisch). Prostaglandine sind
unter
anderem auch an der Regelung der Magensäuresekretion und der
Magenschleimhautdurchblutung beteiligt, so dass durch die Hemmung der
Prostaglandinsynthese bei höheren Dosierungen und
längerfristiger ASS-Einnahme, beispielsweise im Rahmen der
Behandlung von rheumatischen Beschwerden, Magenbeschwerden und
Magenblutungen auftreten können. Die
Magenunverträglichkeit
beruht zu einem wesentlichen Teil auf der (gewünschten)
systemischen Hemmung der Prostaglandinsynthese und lässt sich
durch andere Darreichungsformen (magensaftresistente Tablette,
Zäpfchen oder intravenöser Gabe) nur abmildern.
Über die
Hemmung der Prostaglandinsynthese kann die Acetylsalicylsäure
auch
die Entartung von gutartigen Darmgeschwülsten zu Krebs
behindern.
Wirkungsmechanismus
Die Wirkung der
Acetylsalicylsäure beruht auf einer irreversiblen Hemmung der
Prostaglandin-H2-Synthase, genauer
der Cyclooxygenasen 1 und 2 (COX-1 und COX-2). Diese Enzyme
katalysieren die Bildung von entzündungsverstärkenden
Prostaglandinen und Thromboxan A2, das u. a. thrombozytenaktivierend
wirkt. Die Acetylsalicylsäure überträgt bei
der Hemmung
einen Acetylrest auf einen Aminosäurerest (Serin 530) kurz vor
dem
katalytischen Zentrum. Dadurch kann die Arachidonsäure als
Substrat des Enzyms das aktive Zentrum nicht mehr erreichen und das
Enzym wird dauerhaft inaktiviert. Die COX-1 wird durch
Acetylsalicylsäure etwa 10–100 mal stärker
gehemmt als
die COX-2. Da Thrombozyten aufgrund des fehlenden Zellkerns keine
Enzyme nachbilden können, ist die gerinnungshemmende Wirkung
auf
sie irreversibel - die Wirkungsdauer deckt sich daher mit der
Überlebenszeit der Thrombozyten (8–11 Tage).
Ein weiterer indirekter Wirkmechanismus scheint die indirekte Hemmung
der Cyclooxygenase zu sein: ASS verstärkt effektiv die
Aktivität der Cytochrom P450-Isoformen CYP2E1 und CYP4A1
welche
Arachidonsäure zu Epoxyeicosatriensäuren abbauen.
Einige
dieser Epoxyeicosatriensäuren gehören zu den
endogenen
Antipyretika, also Stoffen des Körpers, die die Fieberreaktion
begrenzen; sie hemmen selber die Cyclooxygenase-2 effektiver als ASS
selber.
Im Gegensatz zu anderen NSAR
hat Acetylsalicylsäure (und andere Salicylate) neben der
Hemmung
der Cyclooxygenase einen weiteren Einfluss auf das
Entzündungsgeschehen eines Gewebes: die Substanz hemmt den
zellulären Kinasekomplex IKK, der seinerseits einen Komplex
aus
dem Transkriptionsfaktor NFkappaB und den inhibitorischen Proteinen
IkappaB spalten kann. Nur nach dieser Spaltung ist der
Transkriptionsfaktor in der Lage, in den Zellkern zu gelangen und dort
für inflammatorische Reaktionen verantwortliche Gene zu
aktivieren. Bei Hemmung von IKK durch Acetylsalicylsäure ist
die
Spaltung des Komplexes zwischen Transkriptionsfaktor und
inhibitorischen Proteinen sowie die Gen-Expression unterbunden.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegenüber
Acetylsalicylsäure
- anamnestisch bekannte allergische Reaktion (mit
Asthma-Anfällen
oder in anderer Weise) gegen Salicylate und andere NSAR (Gefahr von
Analgetika-Asthma bzw. -Intoleranz)
- akute Magen- und Darm-Geschwüre
- hämorrhagische Diathese
- 3. Trimenon der Schwangerschaft (Tagesmaximaldosis > 150 mg)
systemische Anwendung zusätzlich:
- Nierenversagen
- Leberversagen
- schwere dekompensierte Herzinsuffizienz
Relative
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen andere NSAR (Gefahr der Intoleranz
gegenüber Acetylsalicylsäure)
- Allergien allgemein, z. B. Hautreaktionen, Juckreiz, Nesselfieber
oder Asthma, allergische Rhinitis, Nasenschleimhaut-Schwellungen,
chronische Atemwegserkrankungen (Gefahr von Analgetika-Asthma bzw.
-Intoleranz)
- Alter < 18 Jahre (Anwendung nur auf ärztliche
Anweisung und nur bei Unwirksamkeit von Alternativen)
- anamnestisch bekannte Magen- oder Darmgeschwüre
- anamnestisch bekannte Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn,
Colitis ulcerosa
- eingeschränkte Nierenfunktion
- eingeschränkte Leberfunktion
- 1. und 2. Trimenon der Schwangerschaft (strenge
Nutzen/Risiko-Abwägung)
- 3. Trimenon der Schwangerschaft (Tagesmaximaldosis ≤ 150 mg,
strenge Nutzen/Risiko-Abwägung)
systemische Anwendung zusätzlich:
- Zeitraum kurz vor Operationen (auch kleinere Eingriffe wie z. B.
Zahn-Extraktionen, Gefahr der Verlägerung der Blutungszeit)
- Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel
- Hyperurikämie (Gefahr der Auslösung eines
Gichtanfalls)
- anamnestisch bekannte Magen-Darm-Blutungen
- Stillzeit (längere Anwendung höherer Dosen)
lokale Anwendung zusätzlich:
- Alter < 12 Jahren (unzureichende Erfahrungen)
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen,ohne Angabe der Häufigkeit
systemische Anwendung:
-
Verminderung der Harnsäure-Ausscheidung (in niedriger
therapeutischer
Dosierung), bei Prädisposition Auslösen eines
Gicht-Anfalls möglich
- möglicherweise Symptome einer Überdosierung:
Kopfschmerzen,
Schwindel, gestörtes Hörvermögen, Tinnitus,
mentale
Verwirrung
-
Blutungen, wie z. B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hautblutungen, mit
einer möglichen Verlängerung der Blutungszeit (Risiko
bis zu 4-8 d nach
der letzten Dosis)
- NSAR allgemein (für Acetylsalicylsäure nicht
auszuschließen): Flüssigkeitseinlagerung,
Ödeme,
Hypertonie
-
NSAR allgemein (für Acetylsalicylsäure nicht
auszuschließen):
geringfügig erhöhtes Risiko für arterielle
thrombotische Ereignisse
lokale Anwendung in der Zahnheilkunde:
- v. a. bei Asthmatikern: Überempfindlichkeitsreaktionen wie
Hautreaktionen, Dyspnoe-Anfälle
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
systemische Anwendung:
- Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen,
Bauchschmerzen, Mikroblutungen aus dem Magen-Darm-Bereich
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
systemische Anwendung:
- Magen-Darm-Blutungen, Magen-Darm-Geschwüre
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautreaktionen
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
systemische Anwendung:
-
Überempfindlichkeitsreaktionen wie schwere Hautreaktionen (bis
hin zu
Erythema multiforme), evtl. mit Blutdruckabfall,
Dyspnoe-Anfälle,
anaphylaktische Reaktionen, Quincke-Ödeme (v. a. bei
vorbestehendem
Asthma)
- v. a. bei Asthmatikern: Überempfindlichkeitsreaktionen wie
Hautreaktionen, Dyspnoe-Anfälle
-
schwerwiegende Blutungen wie z. B. zerebrale Blutungen, v. a.
bei
vorbestehender nicht eingestellter Hypertonie, u. U.
lebensbedrohlich
parenterale Anwendung zusätzlich:
- Reaktionen an der Einstichstelle (z. B. Schmerzen, Rötung)
Sehr seltene
unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
systemische Anwendung:
- Eisenmangel-Anämie in Folge Magen-Darm-Blutungen,
Perforation in Folge Magen-Darm-Geschwüre
- Erhöhungen der Leberwerte
- Nierenfunktionsstörungen
- Hypoglykämie
- bullöse Hautreaktionen wie Stevens-Johnson Syndrom, Lyell
Syndrom