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Aciclovir



 

Aciclovir

Formel Aciclovir

Wirkstoffklasse

  • Virustatikum
  • Guanin-Derivat

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Zovirax® 
  • Aciclostad® 
  • Virzin®

Wirkung

Aciclovir ist ein Virustatikum aus der Gruppe der Nucleosidanaloga. Eingesetzt wird Aciclovir hauptsächlich bei Infektionen mit Herpes-Simplex-Viren (HSV) oder Varicella-Zoster-Viren (VZV) sowie zur Prophylaxe dieser Infektionen bei Immunsupprimierten.

Wirkungsmechanismus

Nucleosidanaloga stören die Bildung neuer Virus-DNA oder -RNA auf zwei Wegen: Zum einen hemmen sie viruseigene Enzyme wie DNA-Polymerase oder reverse Transkriptase. Zum anderen lassen sie als "falscher Baustein" DNA-Ketten bei der Synthese vorzeitig abbrechen. Um wirksam zu werden, müssen sie in der Zelle aktiviert werden. Dies kann, wie bei Aciclovir, durch viruseigene Enzyme geschehen. Daher wirkt der gegen Herpes-simplex- und Varicella-Zoster-Viren verwendete Arzneistoff vorwiegend auf bereits infizierte Zellen. Andere Nucleosidanaloga, wie die HIV-Mittel Zidovudin, Didanosin und Zalcitabin sowie das bedrohlichen Cytomegalie-Virusinfektionen vorbehaltene Ganciclovir, werden auch von Enzymen nicht infizierter Wirtszellen in die Wirkform gebracht und stören daher auch deren Vermehrung.

Aciclovir wird nach Aufnahme in die infizierte Zelle mit Hilfe einer viralen Thymidinkinase durch Phosphorylierung in Acycloguanosin-Monophosphat umgewandelt. Aus dem Monophosphat entsteht durch zelleigene Kinasen das Triphosphat. Dieses Triphosphat ist die eigentliche Wirkform. Die Thymidinkinase der normalen nicht infizierten Körperzellen verwendet Aciclovir kaum als Substrat, daher ist die Toxizität auf die Wirtszelle gering. Die virale DNA-Polymerase, welche die Synthese der viralen DNA katalysiert, lagert Acycloguanosin-Triphosphat als falschen Baustein an das Ende einer wachsenden DNA-Kette an und bewirkt so deren vorzeitigen Abbruch. Außerdem bleibt die virale DNA-Polymerase, die normalerweise den Zusammenbau weiterer Ketten katalysieren würde, fest in dem Komplex mit der DNA und dem Medikament verbunden und wird auf diese Weise inaktiviert.
Aciclovir ist wirksam gegen Herpes-Simplex-Virus Typ I (H.labialis) und II (H.genitalis) sowie gegen Varicella-Zoster-Virus (Windpocken/Gürtelrose). Ebenfalls empfindlich reagieren Epstein-Barr-Virus und Zytomegalie-Virus, wenn auch in geringerem Ausmaß. Aciclovir hat keine Wirkung bei latenten Infektionen und reduziert nicht die Rezidivhäufigkeit. Häufig wiederauftretender Herpes genitalis kann durch eine dauerhafte orale Gabe von Aciclovir supprimiert werden. Besonders bei AIDS-infizierten nach langzeitiger Aciclovir-Prophylaxe sind vermehrt sekundäre Resistenzen von Herpes-Simplex-Viren beschrieben worden. Die Resistenz soll sich u.a. aufgrund eines Verlustes der viralen Thymidinkinase-Aktivität entwickeln.

Aciclovir kann systemisch (oral oder parenteral) sowie bei leichteren Erkrankungen lokal (als Haut- oder Augensalbe) angewendet werden.
Der klinische Nutzen von Aciclovir bei immunkompetenten Patienten ist bei der primären HSV-Infektion größer als bei Rezidiven, die normalerweise milder verlaufen. Aciclovir ist von besonderem Nutzen bei immunsupprimierten Patienten, da diese sowohl häufiger als auch schwerer unter HSV- und VZV-Infektionen leiden. Da VZV schlechter als HSV auf Aciclovir ansprechen, müssen zur Behandlung von Windpocken- oder Gürtelrose-Infektionen höhere Dosen als bei Herpes-Simplex angewendet werden. Bei bestehender Cytomegalie-Virus Infektion ist Aciclovir nicht wirksam, jedoch kann es zur Prophylaxe bei Transplantatempfängern eingesetzt werden. Die durch das Epstein-Barr-Virus verursachte orale Haarzell-Leukoplakie kann sich unter Aciclovir aber bessern.
Aciclovir ist in der Regel gut verträglich. Topisches Aciclovir kann zu Irritationen der Mukosa und Brennen beim Auftragen auf Läsionen im Genitalbereich führen. Orales Aciclovir kann gelegentlich zu Übelkeit, Diarrhoe, Ausschlag oder Kopfschmerzen führen. Selten treten eine Nierenfunktionseinschränkung oder Neurotoxizität auf. Eine dauerhafte Suppression von H.genitalis erwies sich über einen Zeitraum von 5 Jahren als sicher und gut verträglich. Die Hauptursache zur Dosisbegrenzung bei intravenösem Aciclovir ist eine Niereninsuffizienz und in seltenen Fällen zentralnervöse Nebenwirkungen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
systemische Anwendung:
- Überempfindlichkeit gegenüber Aciclovir
- Während einer intravenösen oder einer oralen Aciclovir-Therapie sollte nicht gestillt werden.
- Da über die vorbeugende Behandlung von Aciclovir bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder Anurie noch keine Angaben vorliegen, sollte eine Anwendung unter diesen Bedingungen nicht erfolgen.
topische Anwendung:
- Überempfindlichkeit gegenüber Aciclovir
- Aciclovir Creme zur Anwendung auf der Haut darf nicht auf Schleimhäute (z.B. in der Mundhöhle, am Auge oder in der Scheide) angewendet werden, da sonst mit lokalen Reizerscheinungen zu rechnen ist.

Relative Gegenanzeigen

Systemische Anwendung:
- Patienten mit Niereninsuffizienz und/oder einer Therapie mit Arzneimitteln, die die Nierenfunktion beeinträchtigen;
- Patienten mit ZNS-Störungen;
- Schwangerschaft, sollte sich während einer Schwangerschaft eine Behandlung als notwendig erweisen, so sind der Nutzen und die möglichen Risiken sorgfältig gegeneinander abzuwägen.
Topische Anwendung:
- Bei schweren Störungen der Immunabwehr ist vor der Anwendung der Arzt zu konsultieren.
- Während einer Herpes-Erkrankung am Auge, bzw. der Anwendung der Augensalbe sollten keine Kontaktlinsen getragen werden.

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 10%)

Parenteral:
Bei zu rascher intravenöser Injektion ist mit einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion zu rechnen.

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)

a) systemisch:
- Überemfindlichkeitsreaktionen, wie Hautausschläge, einschl. Photosensibilisierung, Urtikaria, Juckreiz;
- Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Abdominalschmerz;
parenteral:
- kurzfristiger Anstieg des Harnstoffs und Kreatinins im Blut;
- reversibler Bilirubin - Anstieg.
b) lokal:
- Rötung;
- Eintrocknung;
- Juckreiz;
- Brennen;
- Stechen;
- Abschuppung der Haut.
c) Augensalbe:
- leichtes, schnell wieder abklingendes Brennen kurz nach Einbringen der Augensalbe.
Nach Anwendung der Augensalbe können aufgrund ihrer fettartigen Beschaffenheit gelegentlich vorübergehende Sehstörungen auftreten.

Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)

systemisch:
- diffuser Haarausfall (Zusammenhang mit der Aciclovir-Therapie ungeklärt);
- neurologische Erscheinungen, hauptsächlich in Form von Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen, Krampfanfälle und Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Müdigkeit; (diese traten hauptsächlich bei Patienten mit geschädigter Nierenfunktion und bei komplizierten Krankheitsverläufen auf);
- Atembeschwerden, Quincke-Ödem, anaphylaktische Reaktionen;
- vorübergehender Bilirubin-, Leberenzym-, Serumharnstoff- und Kreatinin-Anstieg (bei parenteraler Gabe häufiger);
- Absinken hämatologischer Werte (z.B. Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie);
c) lokal:
- Kontakdermatitis.

Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle

Systemisch:
- reversible Entfremdungsprozesse; Psychosen, Koma, Bewusstseinsstörungen.
- Hepatitis, Gelbsucht;
- akutes Nierenversagen;
- lebensbedrohliche metabolische Enzephalopathie;
Augensalbe:
Bei längerer Anwendung (über 14 Tage) kann es in vereinzelten Fällen zu einer oberflächlichen entzündlichen Reaktion des unteren Hornhautrandes und der angrenzenden Bindehaut sowie zu oberflächlichen Hornhautdefekten (Keratitis superficialis punctata), die in der Regel kein vorzeitiges Behandlungsende erfordern und die ohne Folgeerscheinungen ausheilen können.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit

parenteral:
schwere Entzündungen der Haut - gelegentlich auch Zerstörung der betreffenden Hautareale (nach versehentlicher Verabreichung von Aciclovir in das die Vene umgebende Gewebe)