Arzneistoffe von A-Z
Alles zu Wirkstoffen
 



Adalimumab

 

Adalimumab

Struktur Adalimumab

Wirkstoffklasse

  • Monoklonaler Antikörper
  • Imunsupressivum
  • TNF-alpha-Blocker

Fertigpräparate

  • Humira® 

Wirkung

Adalimumab ist ein rekombinanter humaner monoklonaler Antikörper Immunglobulin 1 (IgG1) gegen den Tumornekrosefaktor alfa (TNF-alfa) zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, der polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis, der Psoriasis-Arthritis, der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew), des Morbus Crohn und der Plaque-Psoriasis.

Wirkungsmechanismus

Rheumatoide Arthritis ist eine allgemeine, entzündliche Veränderung der Gelenke, die vorwiegend junge Erwachsene und prämenopausale Frauen befällt. Die Krankheit ist dadurch charakterisiert, dass eine voranschreitende entzündliche Synovitis durch polyartikulare Gelenkschwellung und Schmerzempfindlichkeit manifestiert wird. Die Synovitis resultiert aus der Erosion des artikularen Knorpels und des randständigen Knochens mit fortschreitender Zerstörung des Gelenks. Diese Knochenzerstörung ist nach heutigem Kenntnisstand irreversibel.

Rheumatoide Arthritis erhöht sowohl Morbidität als auch Mortalität. Insbesondere Schmerzen, Schwellungen und Steifheit einer Vielzahl von Gelenken ist das Kennzeichen dieser Krankheit. Gewöhnlich werden Analgetika auf chronischer Basis verwendet. Zwei Jahre nach Diagnose erfahren die Patienten im Regelfall leichte Behinderungen; nach 10 Jahren gelten ca. 30 % als schwerbehindert. Nicht nur, dass diese Patienten häufig ihren Arbeitsplatz verlieren, sie sind auch ernorm in der Ausübung der Tätigkeiten des täglichen Lebens eingeschränkt.

Hormon-ähnliche Protein, Zytokine, gewährleisten Zell-Zellkommunikation und spielen somit eine wichtige Rolle in normalen biologischen Prozessen wie Zellwachstum, Entzündung und Immunabwehr. Zwei entzündungsregulierende Zytokine, der Tumornekrosefaktor alfa (TNF-alfa) und Interleukin-1 (IL-1) sind in der Entwicklung der entzündlichen Synovitis und des artikularen Matrixabbaus bestimmend. Darüber hinaus ist TNF-alfa aber auch zu einem großen Teil an der Vermittlung der systemischen Entzündungsaktivität beteiligt, welche mit Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitmangel einhergeht. Somit repräsentieren diese Peptidhormone ideale Targets zur therapeutischen Intervention bei rheumatoider Arthritis.

Adalimumab bindet spezifisch und sättigend mit einer Bindungskonstante (Kd) von 5,8x10E-11 bis 8,7x10E-11 an TNF-alfa. Durch die Bindung wird dessen biologische Funktion neutralisiert, indem es die Interaktion mit den zellständigen p55- und p75-TNF-Rezeptoren blockiert (IC50 für p55 und p75: 10E-9 bis 10E-11 mol/l). Adalimumab beeinflusst weiterhin biologische Reaktionen, die durch TNF ausgelöst oder gesteuert werden, einschließlich der Veränderungen der Konzentrationen von für die Leukozytenmigration verantwortlichen Adhäsionsmolekülen (ELAM-1, VCAM-1 und ICAM-1 mit eine IC50 von 1 bis 2x10E-10 mol/l).
Nach Behandlung mit Adalimumab wurde bei Patienten mit rheumatoider Arthritis eine im Vergleich zu den Ausgangswerten rasche Konzentrationsabnahme der Akutphase-Entzündungsparameter (C-reaktives Protein (CRP), Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG)) und Serumzytokine (IL-6) beobachtet. Die Serumspiegel von Matrixmetalloproteinasen (MMP-1 und MMP-3), die die für die Knorpelzerstörung verantwortliche Gewebsumwandlung hervorrufen, waren nach der Verabreichung von Adalimumab ebenfalls vermindert. Bei mit Adalimumab behandelten Patienten besserte sich im Allgemeinen die mit einer chronischen Entzündung einhergehende Veränderung der Blutwerte.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Aktive Tuberkulose oder andere schwere Infektionen wie Sepsis und opportunistische Infektionen
- Mäßige bis schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

Relative Gegenanzeigen

- inaktive latente, anamnestisch bekannte latente oder aktive Tuberkulose, vor der ersten Adalimumab-Gabe ist eine Tuberkulose Therapie in Betracht zu ziehen
- mehrere oder signifikante Risikofaktoren für Tuberkulose, auch wenn das Ergebnis der Testung auf latente Tuberkulose negativ ist, vor der ersten Adalimumab-Gabe ist eine Tuberkulose Therapie in Betracht zu ziehen
Vorsichtige Anwendung von TNF-Antagonisten:
- bei COPD Patienten
- bei Patienten mit erhöhtem Risiko für maligne Erkrankungen als Folge starken Rauchens

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Reaktivierung einer Hepatitis B
- demyelinisierende Erkrankungen (z.B. Optikusneuritis, Guillain-Barre Syndrom)
- interstitielle Lungenerkrankung, einschließlich Lungenfibrose
- kutane Vaskulitis
- anaphylaktische Reaktion
- Stevens-Johnson-Syndrom und toxisch epidermale Nekrolyse (Kausalzusammenhang nicht gesichert)
- Darmwandperforation
- hepatosplenales T-Zell-Lymphom
- Es gibt Berichte zu Lymphomen und anderen Krebskrankheiten bei Kindern und Jugendlichen unter Behandlung mit TNF-α-Blockern, Post-Marketing-Berichten zu Leukämien bei allen Altersgruppen sowie New-onset-Psoriasis bei Patienten, die mit TNF-α-Blockern behandelt wurden.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

- Reaktion an der Injektionsstelle (einschließlich Schmerz, Schwellung, Rötung oder Pruritus)

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Infektionen des unteren Respirationstraktes (einschließlich Pneumonie, Bronchitis), Virusinfektionen (einschließlich Influenza, Herpesinfektionen), Candidiasis, bakterielle Infektionen (einschließlich Harnwegsinfektion), Infektionen der oberen Atemwege
- Kopfschmerzen, Schwindel/Benommenheit, neurologische Empfindungsstörungen (einschließlich Parästhesien)
- Husten, nasopharyngealer Schmerz
- Übelkeit, Abdominalschmerzen, Diarrhöe, Stomatitis und Mundulzerationen
- Hautauschlag, Pruritus
- Müdigkeit/Abgeschlagenheit (einschließlich Asthenie und Unwohlsein), Fieber
- Erhöhte Leberenzyme (einschließlich Alanin-Aminotransferase und Aspartat-Aminotransferase)
- Muskuloskelettale Schmerzen

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

- Opportunistische Infektionen (einschließlich Tuberkulose, Histoplasmose), Sepsis, Abszess, Gelenkinfektion, Hautinfektion (einschließlich Weichteilinfektion und Impetigo), oberflächliche Pilzinfektionen (einschließlich Haut, Nagel, Fuß)
- Hautpapillom
- Neutropenie (einschließlich Agranulozytose), Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie, Lymphadenopathie, Leukozytose, Lymphopenie
- Systemischer Lupus erythematodes, Angioödem, Arzneimittelüberempfindlichkeit
- Überempfindlichkeit, saisonale Allergie
- Hypokaliämie, erhöhte Blutfettwerte, Appetitstörungen (einschließlich Anorexie), Hyperurikämie
- Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit (einschließlich Nervosität und Agitation)
- Synkope, Migräne, Tremor, Schlafstörungen
- Störungen des Sehvermögens, Empfindungsstörungen der Augen, Infektion, Reizung oder Entzündung des Auges
- Ohrbeschwerden (einschließlich Schmerz und Schwellung)
- Arrhythmie Tachykardie
- Blutdruckerhöhung, Flush, Hämatome
- Asthma, Dyspnoe, Dysphonie, nasale Kongestion
- rektale Blutung, Erbrechen, Dyspepsie, abdominale Blähungen, Verstopfung
- Urtikaria, Psoriasis, Ekchymose und vermehrt Blutergüsse, Purpura, Dermatitis, Ekzem, Haarausfall
- Rheumatoide Arthritis, Arthralgie, Schmerzen in den Extremitäten, Myalgie, Rückenschmerz, Muskelspasmus, Gelenkschwellung, Psoriasis-Arthropathie, Synovitis, Bursitis, Lendenschmerzen, Sehnenentzündung, Rheumaknoten, Schulterschmerz
- Hämaturie, eingeschränkte Nierenfunktion, Blasen- und Harnröhrenbeschwerden
- Störungen des Menstruationszyklus und Blutungsstörungen
- Brustschmerzen, Ödeme, Grippe-ähnliche Symptome
- Erhöhung der Kreatinphosphokinase im Blut, Verlängerung der partiellen Thromboplastinzeit, Nachweis von Autoantikörpern
- Versehentliche Verletzung, beeinträchtigte Wundheilung

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

- nekrotisierende Fasciitis, virale Meningitis, Divertikulitis, Wundinfektion
- Lymphom, solide Organtumoren (einschließlich Brust, Eierstock, Hoden), malignes Melanom, Plattenepithelkarzinome der Haut
- Panzytopenie, idiopathische thrombozytopenische Purpura
- Serumkrankheit, saisonale Allergie
- Schilddrüsenfunktionsstörung (einschließlich Struma)
- Hypercalcämie, Hypocalcämie
- Multiple Sklerose, Gesichtslähmung
- Panophthalmie, Iritis, Glaukom
- Hörverlust, Tinnitus
- Herzstillstand, Insuffizienz der Koronararterien, Angina pectoris, Perikarderguss, dekompensierte Herzinsuffizienz, Herzklopfen
- Gefäßverschluss, Aortenstenose, Thrombophlebitis, Aortenaneurysma
- Pankreatitis, intestinale Stenose, Colitis, Enteritis, Oesophagitis, Gastritis
- Lebernekrose, Hepatitis, Leberverfettung, Cholelithiasis, erhöhtes Bilirubin im Blut
- Erythema multiforme, Pannikulitis
- Rhabdomyolyse
- Proteinurie, Nierenschmerzen
- Lungenödem, pharyngeales Ödem, Pleuraerguss, Pleuritis