Das Urikostatikum Allopurinol, ein
Inhibitor der Xanthinoxidase, wird angewendet zur Therapie der Gicht,
bei Enzym-Defekten, die mit einer erhöhten
Harnsäure-Konzentration im Serum einher gehen (bei Kindern),
bei
Harnsäure-Nephropathie bei Leukämie (bei Kindern)
sowie bei
sekundären Formen der Hyperurikämie.
Wirkungsmechanismus
Allopurinol ist ein Urikostatikum.
Die Substanz hemmt die Bildung von Harnsäure, welche das
untoxische, in Wasser relativ unlösliche Endprodukt des
Aminosäure- und Purin-Stoffwechsels darstellt.
Bei Überschreiten der Löslichkeit (> 6,5 mg% =
387
μmol/l bei physiologischen pH) kommt es zur Ausfällung,
entzündlichen Reaktionen der Nieren mit Stein-Bildung,
intestitieller Nephritis, Hochdruck, Urämie und zur
Ausfällung in den Gelenken mit evtl. Gicht-Anfall.
Als Isomer des Hypoxanthins (der Vorstufe der Harnsäure) hemmt
Allopurinol und sein Metabolit Oxipurinol (Alloxanthin) in niedriger
Konzentration kompetitiv und in höherer Konzentration
nicht-kompetitiv die Xanthinoxidase.
Allopurinol verzögert die Oxidation von Hypoxanthin zu Xanthin
und
weiter die Bildung von Harnsäure aus Xanthin. Dadurch steigt
die
Ausscheidung von Xanthin und Hypoxanthin an, die beide besser
wasserlöslich sind als Harnsäure. Die
Harnsäure-Ausscheidung nimmt ab (durch Einwirkung von
Allopurinol
wird die Gesamtkonzentration an Xanthin plus Hypoxanthin auf 0,3-0,4
mg/dl, im Extremfall bis auf 0,9 mg/dl angehoben, während der
Normalwert bei etwa 0,15 mg/dl liegt, Ausfällungen dieser
Substanzen finden jedoch erst ab etwa 7 mg/dl statt).
In Folge verringerter Urat-Konzentration im Harn steigt die
Rückresorption bzw. sinkt die Elimination von Calcium.
Allopurinol steigert den Einbau von Xanthin und Hypoxanthin in DNA und
RNA, woraus eine zusätzliche Senkung der Serum-Urat-Spiegel
resultiert.
Durch Pseudo-Rückkopplungshemmung wird zusätzlich die
Purin-Synthese (Enzym PRPP-Amidotransferase) durch AMP und GMP gehemmt
(welche ihrerseits aus dem [in Folge Einwirkung der
Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyl-Transferase entstandenen]
Inosinmonophosphat gebildet werden).
Bei einigen Patienten kommt es zusätzlich zur Reduktion der de
novo Purin-Synthese über eine Hemmung der
Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyl-Transferase.
Allopurinol hemmt die de novo Synthese von Pyrimidin-Nucleotiden in
Folge Hemmung der Orotidin-5'phosphat-Decarboxylase. Die Bildung von in
Wasser unlöslichem Orotidin ist klinisch nicht
auffällig.
Gleichzeitig wird die Bildung von Calciumoxalat-Steinen gehemmt, die
aufgrund einer heterogenen Kristallkeim-Bildung durch
Harnsäure-Mikrokristalle oder -Kolloide entstehen
können.
Allopurinol besitzt weder analgetische, antiphlogistische noch
urikosurische Eigenschaften und wirkt nicht zytotoxisch.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Allopurinol
- akuter Gicht-Anfall
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
- zu Behandlungsbeginn: reaktiver Gicht-Anfall
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Hautreaktionen (Auftreten zu jedem Zeitpunkt der Behandlung
möglich) mit Pruritus, in makulopapulöser,
schuppenartiger
oder Purpura-ähnlicher Form
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- v. a. bei vorbestehender Niereninsuffizienz: Thrombozytopenie,
Agranulozytose, aplastische Anämie
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Hautreaktionen, die mit Exfoliation, Fieber, Lymphadenopathie,
Arthralgie und Eosinophilie einher gehen (wie Stevens-Johnson-Syndrom
oder Lyell-Syndrom)
- immunologisch bedingte Vakulitis und Gewebe-Reaktionen mit
Manifestationen wie Hepatitis, interstitielle Nephritis
- Leberfunktionsstörungen (asymptomatischer Anstieg der
Leberwerte
bis hin zu Hepatitis einschließlich Lebernekrose und
granulomatöser Hepatitis)
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Blutbildveränderungen wie Leukopenie, Leukozytose,
Granulozytose, Eosinophilie
- angioimmunoplastische Lymphadenopathie (reversibel bei Absetzen von
Allopurinol)
- immunologisch bedingte Krampfanfälle,
Überempfindlichkeitsrekationen mit den Symptomen Fieber,
Hautreaktionen, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen,
Leberfunktionsstörungen (reversible Erhöhung der
Transaminasen und der alkalischen Phosphatase), akute Cholangitis,
Xanthin-Steine, generalisierte Überempfindlichkeit mit letalen
Verläufen (meist bei vorbestehenden Nieren- und/oder
Leberfunktionsstörungen), akuter anaphylaktischer Schock
- allgemeines Unwohlsein, Asthenie, Koma, Ödeme,
Muskel-Schmerzen, Angina
- periphere Neuritis, Ataxie, Sehstörung, Paralyse,
Parästhesie, Neuropathie
- Geschmacksabweichung, Stomatitis, Hämatemesis, Steatorrhoe
- Hämaturie, Urämie
- Hyperlipidämie, Diabetes mellitus
- Hypertonie, Bradykardie
- Infertilität, Impotenz, Gynäkomastie
- Katarakt, Makula-Degeneration
- Quincke-Ödem
- Kopfschmerz, Schwindel, Somnolenz, Depression
- Alopezie, verfärbtes Haar, Furunkulose