Arzneistoffe von A-Z
Alles zu Wirkstoffen
 



Amiodaron


Ihr Partner zum Thema Mantelthermoelement. Weitere Infos hier.

 

Amiodaron

Formel Amiodaron

Wirkstoffklasse

  • Klasse-III Antiarrhythmikum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Cordarex® 
  • Cornaron®
  • AmioHEXAL®

Wirkung

Amiodaron wird zur Behandlung tachykarder Herzrhythmusstörungen, wie z. B. AV-junktionalen Tachykardien, supraventrikuläre Tachykardien bei Wolff-Parkinson-White-Syndrom oder paroxysmales Vorhofflimmern, eingesetzt. Seine antiarrhythmische Potenz beruht auf einer Verlängerung der Repolarisation, oftmals im Oberflächen-EKG erkennbar an einer Verlängerung der QT-Zeit. Im Vergleich zu anderen Klasse-III-Substanzen wird die geringe Rate an proarrhythmischen Effekten, insbesondere von Torsades de pointes-Tachykardien, vor allem mit der zusätzlichen Beeinflussung unterschiedlicher kardialer Kanalstrukturen durch Amiodaron erklärt. Trotz der niedrigen Proarrhythmierate sollte man die in der Literatur beschriebenen klinischen Konstellationen und Einflüsse kennen, bei denen Amiodaron-assoziierte Torsades de pointes-Tachykardien dokumentiert wurden. Proarrhythmische Effekte unter Amiodaron treten generell im Zusammenhang mit Arzneimittelwirkungen und/oder Elektrolytverschiebungen auf.

Wirkungsmechanismus

Zur Therapie der symptomatischen und behandlungsbedürftigen tachykarden supraventrikulären und ventrikulären Herzrhythmusstörungen stehen die Antiarrhythmika zur Verfügung. Die Wirkung der Antiarrhythmika basiert auf Interaktionen mit Ionenkanälen, Rezeptoren oder Ionenpumpen. Es kommt vor allem zur Blockade von Natriumkanälen, zur Beeinträchtigung von Kaliumkanälen und zur Blockade der Calciumkanäle vom L-Typ. Wegen der Vielzahl und strukturellen Verschiedenheit der Wirkstoffe hat sich die an den unterschiedlichen Wirkungsmechanismen orientierte Einteilung nach Vaughan Williams bewährt. Während der Systole, d. h. bei der Kontraktion des Herzmuskels, verändert sich die elektrische Spannung (das Membranpotential) charakteristisch, verursacht durch phasenartig ablaufende Ionenströme. Das Einströmen von Na+-Ionen und Ca2+-Ionen in die Herzmuskelzelle löst eine Kontraktion aus. Das Ausströmen von K+-Ionen aus der Zelle, wodurch das Elektrolytgleichgewicht wiederhergestellt wird, beendet den Prozess. Während des gesamten Aktionspotentials, das die Phase 0 bis 3 umfasst, ist die Membran depolarisiert. Man bezeichnet diesen Zustand als refraktär, d. h. die Membran bleibt dabei vor einem weiteren depolarisierenden Reiz geschützt. Die Klasse-III-Antiarrhythmika verlängern, ohne Beeinflussung der Schrittmacheraktivität, die Dauer des Aktionspotentials (Kaliumkanalblocker). Der Herzschlag wird durch Verzögerung des repolarisierenden Kaliumstroms verlangsamt. Eine bedeutsame Nebenwirkung dieser Substanzklasse ist die Auslösung einer charakteristischen Herzrhythmusstörung (Torsades de pointes-Arrhythmie), die durch Verlängerung des Aktionspotentials (verlängertes QTc-Intervall) hervorgerufen wird und lebensbedrohlich sein kann.
Der kombinierte Einsatz eines ICD (implantierbarer Defibrillator) mit einem Antiarrhythmikum verringert die Häufigkeit der Elektroschockauslösung durch den ICD (Verbesserung der Lebensqualität). Ferner gelingt die Elektrokonversion von chronischem Vorhofflimmern leichter bei gleichzeitiger Gabe von Klasse-III-Antiarrhythmika.

Amiodaron bewirkt eine Hemmung des Kaliumausstroms in der Phase III des Aktionspotentials im Myokardgewebe und verlängert dadurch selektiv die Repolarisationsdauer und Refraktärperiode des Aktionspotentials. Dies führt zu einer Unterdrückung von Ektopien und Reentry-Mechanismen ohne Beeinträchtigung der Kontraktionskraft des Myokards. Amiodaron reduziert die Leitungsgeschwindigkeit und verlängert die Refraktärzeit in akzessorischen atrioventrikulären Bahnen. Die Verlängerung der langsamen diastolischen Depolarisation im Schrittmacherpotential führt zu einer Unterdrückung der Automatie im Schrittmachergewebe mit Verlangsamung der Herzfrequenz, die atropinresistent ist. Amiodaron zeigt eine dosisabhängige, nicht kompetitive Hemmung der alpha- und beta-adrenergen Aktivitäten. Hämodynamisch äußert sich dies in einer koronar- und gefäßdilatatorischen Wirkung und ebenso in einer Verbesserung der Sauerstoffbilanz. Amiodaron weist bei oraler Gabe keinen signifikant negativ inotropen Effekt auf. Bei i.v. Gabe kann es hauptsächlich nach Injektion zu einer Verminderung der Kontraktilität kommen. Amiodaron wird auf Grund seines wichtigsten Wirkeffektes, eine Verlängerung der Repolarisation durch Blockade der IK- und Ito-Kaliumkanäle, den Antiarrhythmika mit Klasse-III-Wirkung nach Vaughan Williams zugerechnet. Aufgrund zusätzlicher multipler Kanalbeeinflussungen weist das Präparat jedoch Eigenschaften aller vier Antiarrhythmika-Klassen auf. Amiodaron blockiert L-Calciumkanäle (Klasse-IV-Effekt) und vermindert die Geschwindigkeit der Erregungsleitung durch Reduktion des schnellen Natriumeinstroms (Klasse-I-Effekt). Ferner weist Amiodaron β-Rezeptor blockierende Eigenschaften (Klasse-III-Effekt) vom nichtkompetitiven Typ auf. Hierdurch wird der additive Effekt zur kompetitiven Wirkung klassischer β-Rezeptorenblocker erklärt. Die selektive Verlängerung der Aktionspotentialdauer äußert sich im Oberflächen-EKG während der Therapie mit Amiodaron in einer Zunahme der QT-Zeit durch Abflachung und Verbreiterung der T-Welle, u.U. mit Ausbildung einer U-Welle. Die Inhomogenität dieser Verlängerung der Repolarisation ist jedoch geringer ausgeprägt als bei anderen Klasse-III-Substanzen. Durch die Hemmung der schnell leitenden Natriumkanäle kann eine QRS-Verbreiterung sowie eine Verlängerung der PQ-Zeit auftreten. Die atrioventrikuläre Überleitung kann verzögert, eine Herzinsuffizienz verstärkt werden (v.a. nach parenteraler Applikation). Bei einer übermäßigen QT-Verlängerung besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Torsades de pointes (weniger als 1 %). Auch wenn Proarrhythmien unter Amiodaron selten sind, muss in der klinischen Anwendung auf arrhythmogene Konstellationen geachtet werden, um das Therapierisiko bei Patienten mit Bradykardie, Herzinsuffizienz oder Elektrolytverarmung zu minimieren. Klinische Beobachtungen weisen auf das gesteigerte Proarrhythmierisiko einer Kombinationstherapie aus Amiodaron, β-Blockern und Digitalisglycosiden bei reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion hin.

Amiodaron ist ein Benzofuran-Derivat, das sowohl bei supraventrikulären als auch bei ventrikulären Rhythmusstörungen wirkt. Amiodaron zeigt enge strukturelle Verwandtschaft zum Urikosurikum Benzbromaron. Strukturelle Ähnlichkeit besteht auch zum Thyroxin und zum Psoralen und anderen Furocumarinen, was zur Folge hat, dass bei seiner Verabreichung hyper- und hypothyreotische Zustände auftreten können und mit einer Photosensibilisierung zu rechnen ist. Auch die Verstärkung des gerinnungshemmenden Effekts der 4-Hydroxycumarin-Derivate könnte man mit einer strukturellen Ähnlichkeit in Verbindung bringen. Amiodaron ist außer den β-Adrenozeptorenblockern das bisher einzige Antiarrhythmikum, das die Mortalität im Vergleich zu Placebo senken konnte. Die Steuerbarkeit ist jedoch gering, da Amiodaron im Gewebe stark angereichert wird und die Halbwertszeit mit 14-28 Tagen (in Einzelfällen bis zu 100 Tagen) sehr hoch ist. Amiodaron entfaltet im Tierexperiment und bei der Anwendung am Menschen akut keine oder nur geringe Wirkungen. Der antiarrhythmische Effekt ist bei oraler Gabe erst nach Tagen maximal. Hemmung der Umwandlung von T4 in T3 → T4↑, T3↓: Da Amiodaron die periphere Umwandlung von Thyroxin (T4) in das wirksamere 3,5,3'-Triiodthyronin (T3) hemmt und dadurch zu vermehrter Bildung von 3,3',5'-Triiodthyronin (reverse T3, rT3) führt, wird die Verlängerung der Aktionspotentialdauer und damit der Refraktärzeit mit einer verminderten Wirkung der Schilddrüsenhormone im Myokard in Zusammenhang gebracht (lokale Hypothyreose). Unterstützt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass eine Hypothyreose mit ähnlichen kardialen elektrophysiologischen Veränderungen einhergeht. Dieser Effekt kann auch erst Monate nach Therapieende auftreten.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Amiodaron;
- Sinusbradykardie (< 55 Schläge/min);
- alle Formen einer Leitungsverzögerung (sinuaurikuläre und nodale Leitungsverzögerung) einschließlich Syndrom des kranken Sinusknotens, AV-Block II. und III. Grades sowie bi- und trifaszikuläre Blöcke, sofern kein Herzschrittmacher eingesetzt ist (Gefahr eines Sinusknotenstillstands);
- Schilddrüsenerkrankungen;
- vorbestehende QT-Verlängerung;
- Hypokaliämie;
- Iodallergie;
- anamnestisch bekanntes angioneurotisches Ödem (hereditär oder idiopathisch, z. B. infolge einer früheren Amiodaron-Therapie).
für die i.v.Injektion zusätzlich:
- Kreislaufkollaps;
- Hypotonie;
- Herzinsuffizienz;
- schwere Ateminsuffizienz;
- Kardiomyopathie.

Relative Gegenanzeigen
- Schwangerschaft;
- Stillzeit;
- Kinder.

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Angioneurotisches Ödem (Quincke-Ödem);
- Bei männlichen Patienten sind nach längerer Behandlung erhöhte Serumspiegel für LH und FSH gemessen worden, die auf testikuläre Dysfunktionen hindeuten.
oral zusätzlich:
- Lungenblutung

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Mikroablagerung an der Vorderfläche der Hornhaut des Auges, üblicherweise auf die Region unterhalb der Pupille begrenzt mit Sehstörungen (Schleiersehen, Farbhöfe um Lichtquellen), bilden sich 6-12 Monate nach Absetzen von Amiodaron zurück.
- gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Geschmacksveränderungen zu Behandlungsbeginn, reversibel;
- isolierte Erhöhung der Serumtransaminasen (1,5 bis 3-fache des Normalwertes) normalisieren sich spontan oder bei Dosisreduktion;
- Photosensibilisierung mit Erythem und Hautausschlag, erhöhte Sonnenbrandneigung.

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Hyperpigmentierung (Pseudozyanose), erst nach längerer Behandlung. Die Verfärbung bildet sich innerhalb 1-4 Jahre nach Absetzen des Präparates zurück;
- Hypothyreose: Gewichtszunahme, Abgeschlagenheit, extreme Bradykardie;
- Hyperthyreose: Gewichtsverlust, Tachykardie, Tremor, Nervosität, vermehrtes Schwitzen, Wärmeintoleranz, Wiederauftreten von Arrhythmien oder Angina pectoris, Herzinsuffizienz;
- Bradykardie (normalerweise moderat und dosisabhängig);
- akute Hepatitis mit stark erhöhten Serumtransaminasen und/oder ein cholestatischer Ikterus, einschließlich Leberversagen, mit in Einzelfällen tödlichem Verlauf;
- Schlafstörungen, Albträume;
- Muskelschwäche;
- extrapyramidaler Tremor.
- parenteral zusätzlich: Reaktionen an der Einspritzstelle (Schmerzen, Erythem, Ödem, Nekrose, Extravasation, Infiltration, Entzündung, Verhärtung, Thrombophlebitis, Phlebitis, Cellulitis, Infektion, Änderung in der Pigmentierung)

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Schwindel;
- Überleitungsstörungen (SA-Block, AV-Block);
- Müdigkeit;
- Verminderte Libido;
- Koordinationsstörungen;
- Parästhesien;
- periphere sensorische Neuropathien und/oder Myopathien reversibel nach Absetzen;
- Proarrhythmische Wirkungen in Form von Veränderungen oder Verstärkung der Herzrhythmusstörungen, die zu starker Beeinträchtigung der Herztätigkeit mit der möglichen Folge des Herzstillstandes führen können.
- Bauchschmerzen, Völlegefühl, Verstopfung, Anorexie.
- Atypische Pneumonie als Ausdruck einer Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitäts-Pneumonitis), alveoläre oder interstitielle Pneumonien oder Fibrosen, Pleuritis, Bronchiolitis obliterans mit Pneumonie/BOOP. Einzelfälle mit tödlichem Verlauf wurden berichtet. Nicht produktiver Husten und Atemnot sind erste Anzeichen der vorgenannten Lungenveränderungen. Des Weiteren können Gewichtsverlust, Fieber und Schwächegefühl auftreten.

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Vaskulitis;
- vorübergehend eingeschränkte Nierenfunktion;
- Thrombozytopenie.
- Im Zusammenhang mit Allgemeinnarkose: atropinresistente Bradykardie, Blutdruckabfall, Überleitungsstörungen und reduziertes Herzminutenvolumen

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Optikusneuropathie/Optikusneuritis (evtl. mit anschließender permanenter Blindheit);
- schwere Hyperthyreosen mit tödlichem Verlauf;
- Schocklunge (ARDS) nach chirugischem Eingriff, in Einzelfällen tödlicher Verlauf;
- Ausgeprägte Bradykardie oder Sinusknotenstillstand, vor allem bei älteren Patienten oder bei gestörter Sinusknotenfunktion;
- Asystolie;
- Torsades de pointes, Kammerflimmern, -flattern;
- hämolytische oder aplastische Anämie;
- Benigne intrakraniale Drucksteigerungen (Pseudotumor cerebri), zerebrale Ataxie, Kopfschmerzen;
- Syndrom der inadäquaten Sekretion des antidiuretischem Hormon (SiADH);
- Erythembildung unter Strahlentherapie, Erythema nodosum und wenig spezifische Exantheme;
- exfoliative Dermatitis;
- Alopezie;
- Epididymitis;
- Impotenz;
- erhöhter Kreatiningehalt des Blutes;
- chronische Leberkrankheiten (in Einzelfällen mit tödlichem Verlauf), Leberzirrhose;
- Bronchospasmus bei Patienten mit schwerer respiratorischer Insuffizienz und besonders bei Asthmatikern.
parenteral zusätzlich:
- anaphylaktoide Reaktionen bis zum Schock;
- Hypotension, Schweißausbruch und Flush;
- Bronchospasmen bis zur Apnoe bei atmungsinsuffizienten Patienten und besonder bei Asthmatikern.