Amlodipin ist ein chiraler Arzneistoff
und
wird als Racemat [1:1 Mischung aus (R)-(+)- und
(S)-(–)-Amlodipin] vermarktet (R-Form oben; S-Form unten).
In Fertigarzneimitteln werden folgende Salze des Amlodipins eingesetzt: Amlodipinbesilat
(Benzolsulfonsäure-Salz des Amlodipins) und Amlodipinmesilat
(Methansulfonsäure-Salz des Amlodipins).
Amlodipin ist ein Arzneistoff aus der
Gruppe der Calciumkanalblocker
des Nifedipin-Typs (Dihydropyridine). Es wird bei essentieller
arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) als Basistherapeutikum
eingesetzt. Bei der chronisch stabilen Angina
pectoris und der Prinzmetal-Angina (vasospastische Angina
pectoris) dient es zur Anfallsprophylaxe und zur Therapie.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der Calciumantagonisten finden sich hier.
Bei Patienten mit
mittelschwerer Hypertonie senkt Amlodipin
in therapeutischer Dosierung den systolischen und diastolischen
Blutdruck um etwa 10%. Dabei wird der Blutdruck im Liegen und im Stehen
gesenkt, mit einem akuten Blutdruckabfall ist wegen des langsamen
Wirkungseintritts nicht zu rechnen.
Es wird vermutet, dass Amlodipin neben der peripheren
Gefäßerweiterung auch eine Dilatation der
Koronararterien
und -arteriolen in normalen und ischämischen Bereichen bewirkt.
Bei Hypertonikern wurde außerdem nach 6wöchiger
Therapie ein
Anstieg der GFR um 13%, des renalen Blutflusses um 19% und eine Abnahme
des renalen Gefäßwiderstandes um 25% gezeigt.
Untersuchungen
haben ergeben, dass das Voranschreiten einer Hochdruck-bedingten
Nierenfunktionsstörung (gemessen an der jährlichen
Reduktion
der Kreatinin-Clearance sowie progredienter Proteinurie) durch
Amlodipin positiv beeinflusst werden kann.
Unverändert bei jungen und älteren Patienten blieben
Plasmarenin-Aktivität und Aldosteron-Spiegel.
Anders als bei Felodipin
oder Nitrendipin
kommt es unter Amlodipin-Therapie weder in Ruhe noch unter Belastung zu
einer Adrenalin- oder Noradrenalin-Ausschüttung, was sich bei
gleichzeitiger Herzinsuffizienz als günstig erweist.
Bei gesunden Probanden wurde nach 3wöchiger Behandlung mit 5
mg
Amlodipin/d weder eine Beeinflussung der Insulin-Sekretion noch der
Gesamtcholesterol-Werte beobachtet.
Durch seine unter Dihydropyridin-Derivaten herausragende Kinetik kommt
es zu günstigen Eigenschaften wie einmal täglicher
Applizierbarkeit, hoher Bioverfügbarkeit sowie geringer
Nebenwirkungsinzidenz bzw. hoher
Gefäßselektivität.
Herzfrequenz sowie Überleitungszeit und
Kontraktilität werden
somit im therapeutischen Dosisbereich nur wenig beeinflusst.
Anheftung an bzw. Dissoziation von der alpha1-Untereinheit des
Calciumkanals gehen vergleichsweise langsam vor sich, da Amlodipin im
Gegensatz zu anderen 1,4-Dihydropyridin-Derivaten bei physiologischem
pH-Wert größtenteils ionisiert vorliegt.
Anders als die übrigen 1,4-Dihydropyridin-Derivate interagiert
Amlodipin zusätzlich mit den Bindungsstellen für
Verapamil
und Diltiazem, was jedoch nicht zu einer entscheidenden
Änderung
der pharmakodynamischen Eigenschaften von Amlodipin führt (mit
Ausnahme einer bei sehr hohen Dosen beobachteten Hemmung der
atrioventrikulären Überleitung).
Eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems wird nicht beobachtet.
Bei der Behandlung der chronisch stabilen Angina pectoris wird den
pharmakokinetischen Eigenschaften von Amlodipin ein besonderer Wert
beigemessen: Da beobachtet wurde, dass sowohl Angina
pectoris-Anfälle als auch Myokardinfarkte vorwiegend in den
frühen Morgenstunden stattfinden, kann sich ein über
etwa 24h
nahezu gleichbleibender Wirkstoffspiegel als besonders günstig
für die Prävention erweisen.
In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 1153 Patienten mit
chronischer Herzinsuffizienz Grad II-III (NYHA) unter kombinierter
Therapie mit ACE-Hemmern, Digitalis und Diuretika hatte Amlodipin
keinen ungünstigen Effekt auf kombinierte Mortalität
und
kardiale Morbidität. Bei Patienten mit
nicht-ischämischer,
dilatativer Kardiomyopathie besteht sogar die Tendenz zu einer Senkung
der Mortalität.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Amlodipin
oder anderen Dihydropyridin-Derivaten
- Herz-Kreislauf-Schock
- höhergradige Aortenstenose oder Obstruktion des
Ausflusstrakts der linken Herzkammer anderer Ursache
- akuter Myokardinfarkt (innerhalb der ersten 4 Wochen)
- instabile Angina pectoris
- schwere Leberfunktionsstörung
Relative
Gegenanzeigen
- Schwangerschaft (strenge Nutzen/Risiko-Abwägung)
- Stillzeit (möglichst Abstillen)
- Dialyse-pflichtige Niereninsuffizienz
- Kinder und Jugendliche
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Magen-Darm-Beschwerden
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Schläfrigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen (v.a. zu
Behandlungsbeginn)
- Tachykardie, Palpitationen, v.a. zu Behandlungbeginn Auftreten oder
Zunahme von Frequenz, Dauer und Schweregrad von Angina
pectoris-Anfällen
- Hautrötung mit Wärme-Gefühl, v.a. im
Gesicht (Erythem, Erythromelalgie), v.a. zu Behandlungsbeginn
- Bauchschmerzen, Übelkeit
- periphere Ödeme
- Müdigkeit