Arzneistoffe von A-Z
Alles zu Wirkstoffen
 



Amlodipin



 

Amlodipin

Amlodipin ist ein chiraler Arzneistoff und wird als Racemat [1:1 Mischung aus (R)-(+)- und (S)-(–)-Amlodipin] vermarktet (R-Form oben; S-Form unten).

In Fertigarzneimitteln werden folgende Salze des Amlodipins eingesetzt: Amlodipinbesilat (Benzolsulfonsäure-Salz des Amlodipins) und Amlodipinmesilat (Methansulfonsäure-Salz des Amlodipins).

Formel Amlodipin Enantiomere

Wirkstoffklasse

  • Calciumantagonist

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Norvasc® 
  • Amloclair®
  • Vocado®

Wirkung

Amlodipin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Calciumkanalblocker des Nifedipin-Typs (Dihydropyridine). Es wird bei essentieller arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) als Basistherapeutikum eingesetzt. Bei der chronisch stabilen Angina pectoris und der Prinzmetal-Angina (vasospastische Angina pectoris) dient es zur Anfallsprophylaxe und zur Therapie.

Wirkungsmechanismus

Allgemeine Informationen zum Wirkmechanismus der Calciumantagonisten finden sich hier.

Bei Patienten mit mittelschwerer Hypertonie senkt Amlodipin in therapeutischer Dosierung den systolischen und diastolischen Blutdruck um etwa 10%. Dabei wird der Blutdruck im Liegen und im Stehen gesenkt, mit einem akuten Blutdruckabfall ist wegen des langsamen Wirkungseintritts nicht zu rechnen.
Es wird vermutet, dass Amlodipin neben der peripheren Gefäßerweiterung auch eine Dilatation der Koronararterien und -arteriolen in normalen und ischämischen Bereichen bewirkt.
Bei Hypertonikern wurde außerdem nach 6wöchiger Therapie ein Anstieg der GFR um 13%, des renalen Blutflusses um 19% und eine Abnahme des renalen Gefäßwiderstandes um 25% gezeigt. Untersuchungen haben ergeben, dass das Voranschreiten einer Hochdruck-bedingten Nierenfunktionsstörung (gemessen an der jährlichen Reduktion der Kreatinin-Clearance sowie progredienter Proteinurie) durch Amlodipin positiv beeinflusst werden kann.
Unverändert bei jungen und älteren Patienten blieben Plasmarenin-Aktivität und Aldosteron-Spiegel.
Anders als bei Felodipin oder Nitrendipin kommt es unter Amlodipin-Therapie weder in Ruhe noch unter Belastung zu einer Adrenalin- oder Noradrenalin-Ausschüttung, was sich bei gleichzeitiger Herzinsuffizienz als günstig erweist.
Bei gesunden Probanden wurde nach 3wöchiger Behandlung mit 5 mg Amlodipin/d weder eine Beeinflussung der Insulin-Sekretion noch der Gesamtcholesterol-Werte beobachtet.
Durch seine unter Dihydropyridin-Derivaten herausragende Kinetik kommt es zu günstigen Eigenschaften wie einmal täglicher Applizierbarkeit, hoher Bioverfügbarkeit sowie geringer Nebenwirkungsinzidenz bzw. hoher Gefäßselektivität.
Herzfrequenz sowie Überleitungszeit und Kontraktilität werden somit im therapeutischen Dosisbereich nur wenig beeinflusst.
Anheftung an bzw. Dissoziation von der alpha1-Untereinheit des Calciumkanals gehen vergleichsweise langsam vor sich, da Amlodipin im Gegensatz zu anderen 1,4-Dihydropyridin-Derivaten bei physiologischem pH-Wert größtenteils ionisiert vorliegt.
Anders als die übrigen 1,4-Dihydropyridin-Derivate interagiert Amlodipin zusätzlich mit den Bindungsstellen für Verapamil und Diltiazem, was jedoch nicht zu einer entscheidenden Änderung der pharmakodynamischen Eigenschaften von Amlodipin führt (mit Ausnahme einer bei sehr hohen Dosen beobachteten Hemmung der atrioventrikulären Überleitung).
Eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems wird nicht beobachtet.
Bei der Behandlung der chronisch stabilen Angina pectoris wird den pharmakokinetischen Eigenschaften von Amlodipin ein besonderer Wert beigemessen: Da beobachtet wurde, dass sowohl Angina pectoris-Anfälle als auch Myokardinfarkte vorwiegend in den frühen Morgenstunden stattfinden, kann sich ein über etwa 24h nahezu gleichbleibender Wirkstoffspiegel als besonders günstig für die Prävention erweisen.
In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 1153 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz Grad II-III (NYHA) unter kombinierter Therapie mit ACE-Hemmern, Digitalis und Diuretika hatte Amlodipin keinen ungünstigen Effekt auf kombinierte Mortalität und kardiale Morbidität. Bei Patienten mit nicht-ischämischer, dilatativer Kardiomyopathie besteht sogar die Tendenz zu einer Senkung der Mortalität.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Amlodipin oder anderen Dihydropyridin-Derivaten
- Herz-Kreislauf-Schock
- höhergradige Aortenstenose oder Obstruktion des Ausflusstrakts der linken Herzkammer anderer Ursache
- akuter Myokardinfarkt (innerhalb der ersten 4 Wochen)
- instabile Angina pectoris
- schwere Leberfunktionsstörung

Relative Gegenanzeigen
- Schwangerschaft (strenge Nutzen/Risiko-Abwägung)
- Stillzeit (möglichst Abstillen)
- Dialyse-pflichtige Niereninsuffizienz
- Kinder und Jugendliche

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Magen-Darm-Beschwerden


Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Schläfrigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen (v.a. zu Behandlungsbeginn)
- Tachykardie, Palpitationen, v.a. zu Behandlungbeginn Auftreten oder Zunahme von Frequenz, Dauer und Schweregrad von Angina pectoris-Anfällen
- Hautrötung mit Wärme-Gefühl, v.a. im Gesicht (Erythem, Erythromelalgie), v.a. zu Behandlungsbeginn
- Bauchschmerzen, Übelkeit
- periphere Ödeme
- Müdigkeit

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Mundtrockenheit, Erbrechen, Völlegefühl, Diarrhoe, Verdauungsstörungen
- Tremor, Geschmacksstörungen, Synkope, Hypästhesien, Parästhesien
- Tinnitus
- Sehstörungen (Kausalzusammenhang nicht immer gesichert)
- Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen
- hypotone Kreislauf-Reaktionen
- Thoraxschmerzen (Differenzierung vom natürlichen Verlauf der Grunderkrankung nicht möglich)
- Schwächegefühl
- Schmerzen, Unwohlsein
- Gewichtszu- oder -abnahme
- Dyspnoe
- Rhinitis
- Alopezie, Purpura, Haut-Verfärbung, vermehrtes Schwitzen, Exanthem, Pruritus
- Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Myalgien, Arthralgien
- Miktionsbeschwerden, erhöhte Miktionsfrequenz, Nykturie
- Impotenz, Gynäkomastie

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Leukozytopenie, Thrombozytopenie
- Hyperglykämie
- erhöhter Muskeltonus, periphere Neuropathie
- Vaskulitis
- Husten
- Gastritis, Pankreatitis, Gingiva-Hyperplasie
- Hepatitis, Transaminasenanstieg mit Ikterus bei intrahepatischer Cholestase (stationäre Therapie erforderlich, unklarer Kausalzusammenhang)
- allergische Reaktionen, Angioödem, Erythema exsudativum multiforme, Urtikaria
- Myokardinfarkt, Rhythmusstörungen (einschließlich Bradykardie, ventrikuläre Tachykardien, Vorhofflimmern, nicht vom natürlichen Verlauf der Grunderkrankung differenzierbar)