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Azathioprin



 

Azathioprin

Formel Azathioprin


Wirkstoffklasse

  • Immunsuppresivum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Zytrim® 
  • Imurek®
  • Colinsan®

Wirkung

Azathioprin greift in das Immunsystem ein, wobei der Hemmung der natürlichen Killer-Lymphozyten, der T8-Lymphozyten mit zytotoxischer und Suppressorfunktion, die größte Bedeutung zukommt. Azathioprin wird angewendet zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen von Organtransplantaten nach Nieren-, Herz-, Lungen-, Pankreas- und Lebertransplantationen sowie bei Krankheiten, denen eine autoimmune Pathogenese zu Grunde liegt.

Wirkungsmechanismus

Azathioprin gehört zur Gruppe der Immunsuppressiva und ist ein Imidazol-Derivat des 6-Mercaptopurins (6-MP). Es wird auch als aktives oder aktiviertes 6-Mercaptopurin bezeichnet. Azathioprin verfügt wahrscheinlich über keine immunologische Eigenwirkung und ist wie 6-MP ein Prodrug. In vivo erfolgt rasche Spaltung von Azathioprin in 6-MP und 1-Methyl-4-nitro-5-thioimidazol.
6-MP passiert Zellmembranen schnell und wird intrazellulär in eine Reihe von Purin-Thioanaloga umgewandelt, zu denen als das wichtigste aktive Nucleotid die Thioinosinsäure gehört.
Die Aktivität von 1-Methyl-4-nitro-5-thioimidazol ist bisher nicht ganz geklärt. In verschiedenen Systemen scheint es jedoch die Aktivität von Azathioprin im Vergleich zu 6-MP zu modifizieren.
Azathioprin unterdrückt die Immunantwort. Obwohl der genaue Mechanismus für diese Wirkung nicht bekannt ist, wurden folgende Mechanismen postuliert:
- Purin-Antimetabolismus durch das freigesetzte 6-MP
- Blockade von SH-Gruppen durch Alkylierung
- Hemmung mehrerer Stufen der Nucleinsäure-Synthese und dadurch Hemmung der Proliferation und Aktivität immunkompetenter Zellen (B- und T-Lymphozyten)
- Störung der DNA-Replikation durch Einbau der Purin-Thioanaloga in die DNA.
In einer Studie wurde gezeigt, dass Azathioprin und seine Metaboliten bei der Regulation der Apoptose der T-Zellen (v.a. CD45RO Gedächtnis-T-Zellen) eine Rolle spielen. Es ist daher möglich, dass Azathioprin bei Autoimmunerkrankungen oder chronisch entzündlichen Erkrankungen durch die Elimination pathogener Gedächtnis-T-Zellen wirksam ist.
Azathioprin besitzt eine unspezifische antiphlogistische Wirkung (Hemmung der Prolinhydroxylase und der Sulfatinkorporation in die sauren Mucopolysaccharide).


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Stillperiode
- Überempfindlichkeit gegen Azathioprin und/oder 6-Mercaptopurin

Relative Gegenanzeigen
Thiopurin-Methyltransferase (TPMT)-Mangel (genetischer Polymorphismus, zu etwa 10% der Patienten, Gefahr einer rasch nach Therapiebeginn einsetzenden Myelosuppression)
- vorbestehende unbehandelte, schwere akute Infektionen
- vorbestehende schwere Störungen der Leberfunktion
- Nierenfunktionsstörungen
- vorbestehende schwere Störungen der Knochenmarkfunktion
- Pankreatitis
- Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyl-Transferase-Mangel (Lesch-Nyhan-Syndrom, Azathioprin wahrsheinlich wirkungslos)
- multiple Sklerose im Kindesalter
- juvenile idiopathische Arthritis
- Schwangerschaft


Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Makrozytose
- Erhöhungen des Hämoglobingehalts der Erythrozyten
- megaloblastäre Veränderungen des Knochenmarks

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Knochenmarkdepression (Dosis-abhängig, meist reversibel, prädisponierende Faktoren: TPMT-Mangel, Leber- und Nierenfunktionsstörungen)
- Übelkeit, bisweilen mit Erbrechen
- Infektionen (Inzidenz nach Transplantation)
- Leukopenie (Transplantation)

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Thrombozytopenie
- Anämie
- Infektanfälligkeit (Inzidenz bei entzündlichen Darmerkrankungen)
- Leukopenie (rheumatoide Arthritis)

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- virale, mykotische und bakterielle Infektionen (einschließlich schwere oder atypische Infektionen, Erhöhung der Anfälligkeit, Inzidenz bei Autoimmunerkrankungen)
- Anämie
- Überempfindlichkeitsreaktionen (klinische Symptome: allgemeines Unwohlsein, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Fieber, Schüttelfrost, Hautausschlag, Vaskulitis, Myalgie, Arthralgie, Hypotonie, renale Dysfunktion, Leberfunktionsstörungen, Cholestase)
- Pankreatitis (v.a. nach Nierentransplantation oder bei vorbestehenden entzündlichen Darmerkrankungen)
- Cholestase, Verschlechterung von Leberfunktionswerten (möglicherweise im Rahmen einer Überempfindlichkeitsreaktion, meist reversibel nach Absetzen)

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Tumore einschließlich Non-Hodgkin-Lymphome, Melanome und andere Karzinome, Kaposi-Sarkom und andere Sarkome und Zervix-Karzinome in situ, akute myeloische Leukämie und Myelodysplasien (einige davon in Verbindung mit Chromosomenveränderungen)
- Agranulozytose
- Panzytopenie
- aplastische Anämie
- megaloblastäre Anämie
- erythrozytäre Hypoplasie
- lebensbedrohliche Leberschädigung (v.a.chronische Applikation, Transplantatempfänger), histologische Befunde: sinusoidale Dilatation, Peliosis hepatis, Lebervenenverschluss, noduläre regenerative Hyperplasie (in einigen Fällen bei Absetzen temporäre oder andauernde Erholung)
- Haarausfall, teilweise Besserung trotz Weiterbehandlung (unklarer Kausalzusammenhang)

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- hämolytische Anämie
- Überempfindlichkeitsreaktionen mit letalem Ausgang (evtl. auch Kausalzusammenhang mit Begleiterkrankungen)
- reversible Pneumonitis
- bei Transplantatempfängern: Colitis, Divertikulitis, Darmperforation (Kausalzusammenhang nicht klar nachgewiesen)
- bei vorbestehenden entzündlichen Darmerkrankungen: schwere Diarrhoe