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Baclofen

Agebildet sind (S)-Baclofen (links) und (R)-Baclofen (rechts). Pharmazeutisch wird das Racemat (Mischnung aus beiden) genutzt. Chemisch handelt es sich um ein chirales Derivat der γ-Aminobuttersäure, das als spezifischer Agonist am GABAB-Rezeptor von Säugetieren wirkt.

Formel Baclofen Enatiomere

Wirkstoffklasse

  • Muskelrelaxans

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Baclofen AL® 
  • Baclofen dura® 
  • Lioresal® 

Wirkung

Baclofen ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Muskelrelaxantien. Das zentral angreifende Muskelrelaxans führt zur Verminderung der Erregungsübertragung und damit zu einer Abnahme des spastischen Muskeltonus. Eingesetzt wird Baclofen bei spastischen Syndromen mit pathologisch gesteigertem Muskeltonus unterschiedlicher Ursache (z.B. Multiple Sklerose).

Wirkungsmechanismus

Baclofen ist das racemische beta-(p-Chlorphenyl)-Derivat der ubiquitär im ZNS vorkommenden gamma-Aminobuttersäure (GABA), dem wichtigsten hemmenden Neurotransmitter im ZNS. Baclofen stimuliert GABA-B-Rezeptoren, die prä- und postsynaptisch lokalisiert sind. Daher ist die Baclofen-induzierte präsynaptische Hemmung von Motoneuronen - anders als bei GABAergen Effekten - nicht durch Bicucullin inhibierbar.
Die myotonolytische Wirkung von Baclofen beruht auf einer vorwiegend im Rückenmark ansetzenden Verstärkung der präsynaptischen Hemmung, die zu einer Dämpfung der Erregungsübertragung führt. Dadurch kommt es zu einer Abnahme des spastischen Muskeltonus und der pathologischen Massenreflexe bei der Spastik.
Die neuromuskuläre Reizübertragung wird nicht beeinflusst.
Unterstützend für die Behandlung von Spasmen wirkt sich die antinozizeptive Wirkung von Baclofen aus. Die Substanz stimuliert die Magensäure-Sekretion.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Baclofen
orale Behandlung:
- Epilepsie und andere zerebrale Anfallsleiden
- terminale Niereninsuffizienz
- Spastizität bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Therapie nicht geeignet)
- Spastizität bei Morbus Parkinson (Therapie nicht geeignet)
- Spastizität bei Trauma-induzierten zerebralen Erkrankungen (Therapie nicht geeignet)
intrathekale Anwendung:
- Therapie-resistente Epilepsie
- Alter <4 Jahre

Relative Gegenanzeigen

- eingeschränkte Nierenfunktion
- schwere Leberfunktionsstörungen
- Ulzera des Magen-Darm-Traktes
- akute oder chronische Verwirrtheitszustände
- zerebrovaskuläre Störungen/Insuffizienz
- bulbär-paralytische Symptome
- Schwangerschaft (strenge Nutzen/Risiko-Abwägung)
- Stillzeit (strenge Nutzen/Risiko-Abwägung)
- höheres Lebensalter, körperliche Schwäche, hirnorganische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Ateminsuffizienz (besonders langsame Dosissteigerung)
orale Anwendung zusätzlich:
- schwere psychische Erkrankungen
- Syringomyelien mit schlaffer Lähmung im Schulterbereich und ausgeprägter Atrophie der betroffenen Muskulatur
- akute Vergiftung, z.B. mit Alkohol oder Schlafmitteln
intrathekale Anwendung zusätzlich:
- verlangsamte Liquor-Zirkulation infolge Passage-Behinderung
- Dysreflexie des autonomen Nervensystems in der Anamnese
- Epilepsie und andere zerebrale Anfallsleiden
- Paresen der Atemmuskulatur
- psychotische Zustände, Schizophrenie, Morbus Parkinson
- respiratorische Insuffizienz
- vorbestehende Sphinkterhypotonie der Blase
- Alter <6 Jahre

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit

intrathekale Anwendung:
- Konzentrationsstörungen, verwaschene leise Sprache, Lethargie, Gedächtnisverlust/Vergesslichkeit, verminderte Wahrnehmung, Paranoia, Angst, Suizidgedanken bzw. -versuch
- erhöhte Muskelspannung, Krampfanfälle
- Hypothermie
- zerebellare Dysmetrie/Koordinationsstörungen, zerebrovaskuläre Störungen
- Druckgefühl im Nacken-/Kopfbereich
- Hypertonie, Bradykardie, Kollaps, tiefe Venenthrombose, Schwellung der unteren Extremitäten
- Hautrötung, Blässe
- Appetitminderung, Dehydratation, Ileus, Hypersalivation
- Beklemmung im Brustkorb, Aspirationspneumonie
- Blasenspasmen, sexuelle Störungen
- Alopezie, Ödeme, Diaphorese
- subdurale Hämorrhagie, akzidentelles Trauma
- Gewichtsverlust, Fieber/Schüttelfrost, Schmerzen

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

orale Behandlung, besonders zu Behandlungsbeginn (bei ausreichend myotonolytischer Wirkung), intrathekale Anwendung:
- Übelkeit, Erbrechen
- Müdigkeit, Schläfrigkeit, Benommenheit, Tagessedation
- unerwünschte Schwächung der verbliebenen Willkür-Kraft

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

orale Behandlung, intrathekale Anwendung:
- Mundtrockenheit, Diarrhoe
- Hypotonie, Palpitationen
- Parästhesien, Tremor, Ataxie, Nystagmus, Akkommodationsstörungen
- Kopfschmerzen, Schwindel
- Atemdepression
- Depression, Euphorie, Halluzinationen, v.a. bei älteren Patienten: Verwirrtheit

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

orale Behandlung, intrathekale Anwendung:
- Geschmacksstörungen, Obstipation, Leberfunktionsstörungen
- Exantheme, Hyperhidrosis
- Muskelschmerzen
- Agitiertheit, Schlafstörungen
- Harninkontinenz oder -verhalt
- erektile Dysfunktion
- Dysarthrie

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

orale Behandlung, intrathekale Anwendung:
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- beim Absetzen reversible akute Enzephalitis mit EEG-Veränderungen, Desorientiertheit, Tremor, Agitiertheit, Myoklonien
- reversible orofaziale Dyskinesien (1 Fall)
- Dosis-abhängige, reversible Erhöhung von SGOT, SGPT (1 Fall)
- Hypothermie




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