Betamethason ist ein stark wirksames
Glucocorticoid mit antiallergischen, antientzündlichen,
antiphlogistischen und immunsuppressiven Eigenschaften. Betamethason
hat ein sehr breites Wirkungsspektrum. Es wird u. a. eingesetzt bei
verschiedenen Hauterkrankungen, bei Allergien und akuten
Insektenstichen, akuten Asthma-Anfällen, in der Rheumatologie
und
bei Autoimmunerkrankungen.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine
Informationen zum Wirkmechanismus der Glucocorticoide finden sichhier.
Betamethason
zählt zur Gruppe der
fluorierten Glucocorticoide.
Die relative entzündungshemmende Äquivalenzdosis
zwischen
verschiedenen Glucocorticoiden beträgt: 5 mg Prednisolon
entspricht 5 mg Prednison, entspricht 0,7 mg Dexamethason, entspricht
0,7 mg Betamethason, entspricht 2,5 mg Cloprednol, entspricht 4 mg
Triamcinolon, entspricht 4 mg Methylprednisolon, entspricht 20 mg
Hydrocortison, entspricht 25 mg Cortisol.
Mineralocorticoide Wirkungen sind nur sehr gering ausgeprägt.
Damit ist Betamethason nicht Mittel der Wahl zur Monotherapie der
Nebennierenrinden-Insuffizienz.
Wie Dexamethason gehört Betamethason zu den lang wirksamen
Glucocorticoiden.
Die Cushing-Schwellendosis wird mit 1,5 mg Betamethason/d angegeben.
Die Derivatisierung von Betamethason zu Betamethason dinatrium
dihydrogenphosphat bewirkt eine gute Wasserlöslichkeit, so
dass
die Substanz vor allem systemisch als Injektionslösung
eingesetzt
wird.
Bei der rektalen Anwendung im Rahmen der Behandlung des Morbus Crohn
werden v. a. die antiphlogistische Wirkung von Betamethason sowie die
Induktion von Brushborder-Enzymen am Darm-Epithel ausgenutzt.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Betamethason bzw.
Betamethason-Ester
rektale/parenterale (als Depot) Anwendung, zusätzlich:
- Magen-/Darm-Ulzera
- schwere Osteoporose
- psychiatrische Anamnese
- Herpes simplex
- Herpes zoster in der virämischen Phase, Windpocken
- Amöben-Infektionen
- Systemmykosen
- Poliomyelitis mit Ausnahme der bulbär-enzephalitischen Form
- Eng- bzw. Weitwinkelglaukom
- Herpes ophthalmicus
- Lymphknotenvergrößerung nach Tuberkulose-Impfung
- Leberzirrhose
- Hypothyreose
rektale Anwendung, zusätzlich:
- Infektionen der Darmwand, die auf antibiotische/chemotherapeutische
Behandlung nicht ansprechen
parenterale Anwendung als Depot, zusätzlich:
- Alter < 12 Jahre
parenterale Anwendung als Depot (Indikation Induktion der Lungenreife
bei drohender Frühgeburt), zusätzlich:
- nicht stabilisierte EPH-Gestose
- Amnioninfektionssyndrom
(- Anwendung post partum)
okuläre (subkonjunktivale) Anwendung, zusätzlich:
- durch virale, bakterielle oder mykotische Infektionen bedingte
Augenerkrankungen
intraartikuläre/infiltrative Anwendung, zusätzlich:
- bestehende Infektionen im Applikationsbereich
- bestehender Psoriasis-Herd im Applikationsbereich
- schwerer Allgemeininfekt
- hämorrhagische Diathese
- nicht vaskularisierte Knochennekrose
- Instabilität des zu behandelnden Gelenks
- Alter < 18 Jahre (unzureichende Datenlage)
Relative Gegenanzeigen
- Schwangerschaft (sorgfältige
Nutzen/Risiko-Abwägung, v. a. im ersten Trimenon)
- Stillzeit (strenge Indikationsstellung, bei langfristiger Behandlung
bzw. Anwendung höherer Dosen möglichst Abstillen)
parenterale/perorale Anwendung, zusätzlich:
- akute Virus-Infektionen (Herpes simplex, Herpes zoster, Varizellen,
Keratitis herpetica, strengste Indikationsstellung, ggf.
zusätzlich gezielte antiinfektiöse Therapie)
- HbsAG-positive chronisch-aktive Hepatitis (strengste
Indikationsstellung, ggf. zusätzlich gezielte
antiinfektiöse
Therapie)
- systemische Mykosen und Parasitosen (z. B. Nematoden, strengste
Indikationsstellung, ggf. zusätzlich gezielte
antiinfektiöse
Therapie)
- Meningoenzephalitis (strengste Indikationsstellung, ggf.
zusätzlich gezielte antiinfektiöse Therapie)
- Poliomyelitis (strengste Indikationsstellung, ggf.
zusätzlich gezielte antiinfektiöse Therapie)
- Myasthenia gravis (strengste Indikationsstellung, ggf.
zusätzlich gezielte antiinfektiöse Therapie)
- Lymphadenitis nach BCG-Impfung (strengste Indikationsstellung)
- akute und chronische bakterielle Infektion (strengste
Indikationsstellung, ggf. zusätzlich gezielte
antiinfektiöse
Therapie)
- Tuberkulose in der Anamnese (Risiko einer Reaktivierung) oder latente
Tuberkulose (Anwendung bei strengster Indikationsstellung nur unter
Tuberkulostatika-Schutz, möglichst keine Anwendung bei aktiver
Tuberkulose)
- Magen-Darm-Ulzera (strenge Indikationsstellung, ggf.
zusätzliche spezifische Therapie)
- Osteoporose (strenge Indikationsstellung, ggf. zusätzliche
spezifische Therapie)
- schwer einstellbare Hypertonie (strenge Indikationsstellung, ggf.
zusätzliche spezifische Therapie)
- schwer einstellbarer Diabetes mellitus (strenge Indikationsstellung,
ggf. zusätzliche spezifische Therapie)
- (anamnestisch bekannte) psychiatrisch zu behandelnde Erkrankungen
(strenge Indikationsstellung, ggf. zusätzliche spezifische
Therapie)
- Hornhaut-Ulzerationen und -Verletzungen (strenge Indikationsstellung,
ggf. zusätzliche spezifische Therapie)
- Eng- bzw. Weitwinkelglaukom (strenge Indikationsstellung, ggf.
zusätzliche spezifische Therapie)
- Niereninsuffizienz (strenge Indikationsstellung, ggf.
zusätzliche spezifische Therapie)
- schwere Herzinsuffizienz
- schwere Colitis ulcerosa (drohende Perforation, Anwendung nur bei
zwingender Indikation und unter entsprechender Überwachung)
- Divertikulitis (Anwendung nur bei zwingender Indikation und unter
entsprechender Überwachung)
- Enteroanastomosen (unmittelbar postoperativer Zeitraum, Anwendung nur
bei zwingender Indikation und unter entsprechender Überwachung)
- Wachstumsalter (strenge Indikationsstellung)
parenterale Anwendung, zusätzlich:
- höheres Lebensalter (strenge
Nutzen/Risiko-Abwägung, erhöhtes Osteoporose-Risiko)
- erosive Ösophagitis
- Herpes ophthalmicus
orale Anwendung, zusätzlich:
- Thrombophlebitis (strenge Indikationsstellung, ggf.
zusätzliche spezifische Therapie)
- Hypoprothrombinämie (strenge Indikationsstellung, ggf.
zusätzliche spezifische Therapie)
parenterale Anwendung als Depot, zusätzlich:
- Cushing Syndrom
i.m. Anwendung, zusätzlich:
- idiopathische thrombozytopenische Purpura
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
perorale/parenterale Anwendung, Inzidenz abhängig von
Therapiedauer und Dosis:
- adrenale Suppression, Induktion eines Cushing-Syndroms (typische
Symptome: Vollmondgesicht, Stammfettsucht, Plethora), verminderte
Glucose-Toleranz, Diabetes mellitus, Wachstumshemmung bei Kindern,
Störungen der Sexualhormon-Sekretion
(unregelmäßige
Menstruation bis hin zur Amenorrhoe, Impotenz), adrenocorticale und
hypophysäre Nichtansprechbarkeit, besonders unter Stress wie
bei
Trauma, chirurgischen Eingriffen oder Krankheit
- Gewichtszunahme, Hypercholesterolämie,
Hypertriglyceridämie, Natrium-Retention mit
Ödem-Bildung,
vermehrte Kalium-Ausscheidung (cave: Rhythmusstörungen),
hypokaliämische Alkalose, Calcium-Verlust,
Flüssigkeitsretention, Stauungsherzinsuffizenz (bei
Prädisposition), negative Stickstoff-Bilanz auf Grund eines
erhöhten Protein-Katabolismus, Lipomatose z. T. mit
mediastinaler
oder epiduraler Ausbildung und möglichen neurologischen
Komplikationen
- Striae rubrae, Hautatrophie, Teleangiektasien, erhöhte
Kapillarfragilität, Petechien, Ekchymosen, Hypertrichose,
Steroid-Akne, verzögerte Wundheilung, Rosacea-artige
(periorale)
Dermatitis, Änderungen der Haut-Pigmentierung,
Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Arzneimittel-Exanthem),
vermehrtes Schwitzen, Urtikaria, Exanthem
- Muskel-Atrophie, Muskel-Schwäche, Osteoporose
(dosisabhängig, auch bei nur kurzer Anwendung
möglich),
aseptische Knochen-Nekrosen (Kopf des Oberarm- und
Oberschenkel-Knochens), Corticoid-Myopathie, vertebrale
Kompressionfrakturen, Spontanfrakturen der langen
Röhrenknochen,
Sehnenruptur, Verstärkung der Symptome einer bestehenden
Myasthenia gravis, Gelenk-Instabilität (nach wiederholten
intraartikulären Injektionen), Charcot-artige Arthropathie,
steriler Abszess
- Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Antriebs- und Appetitsteigerung,
Psychosen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen,
Persönlichkeitsveränderungen, Verwirrung
- Pseudotumor cerebri (v. a. bei Kindern), Manifestation einer latenten
Epilepsie, Erhöhung der Anfallsbereitschaft bei manifester
Epilepsie, Krämpfe, Kopfschmerzen, Schwindel,
Koordinationsstörungen
- Magen-Darm-Ulzera, gastrointestinale Blutungen, Pankreatitis,
ulzerative Ösophagitis, Blähungen, Schluckauf
- Herzinsuffizienz
- Blutdruck-Erhöhung, Erhöhung des Arteriosklerose-
und
Thrombose-Risikos, Vaskulitis (auch als Entzugssyndrom nach
Langzeittherapie)
- mäßige Leukozytose, Lymphozytopenie, Eosinopenie,
Polyglobulie
- Schwächung der Immunabwehr, Maskierung von Infektionen,
Exazerbation latenter Infektionen, allergische Reaktionen,
anaphylaktische Reaktion
- Katarakte (v. a. mit hinterer subkapsulärer
Trübung,
insbesondere bei Kindern), Glaukom, Verschlechterung der Symptome bei
Hornhaut-Ulkus, Begünstigung viraler/fungaler/bakterieller
Infektionen am Auge, Aggravation vorbestehender Infektionen,
erhöhter intraokularer Druck, Exophthalmus, Ptosis, Chemosis,
Mydriasis
- Mundtrockenheit, Parästhesien
- veränderte Beweglichkeit und Anzahl der Spermien
- bei Anwendung zur Induktion der Lungenreife bei drohender
Frühgeburt: nach Blasensprung erhöhtes Risiko
für eine
early onset-Sepsis
länger dauernde und/oder hoch dosierte rektale Anwendung:
- Cushing Syndrom (z. B. Gesichtsschwellung bzw. -rötung,
Stammfettsucht, Muskelschwäche, erhöhter Blutdruck,
Menstruationsstörungen, Potenzstörungen,
Hypertrichosis im
Gesicht und an den Beinen, Striae, Akne, Osteoporose, verringerte
Glucose-Toleranz, Hyperglykämie)
- Wachstumsstörungen bei Kindern
- Anfälligkeit gegenüber Infektionen, Behinderung der
Immunvorgänge
- punktförmige oder flächenhafte Blutungen,
Vaskulitis, verzögerte Wundheilung
- Magen-/Duodenalulzera, Pankreatitis
- aseptische Knochennekrosen
- Glaukom, subkapsulärer Katarakt
- psychische Störungen
- erhöhtes Thrombose-Risiko
lokale (infiltrative, intraartikuläre) Anwendung,
zusätzlich:
- lokale Reizungen, Nachschmerz nach der Injektion
- systemische Unverträglichkeitsreaktionen
(Hitzegefühl, länger anhaltende Schmerzen)
- Entwicklung einer Hautatrophie und/oder Atrophie des Unterhautgewebes
mit Depigmentierung und Lanugo-Verlust
- Verletzungen von Gefäßen, Nerven,
periartikulären Strukturen
- erhöhtes Risiko einer Infektion im Bereich der behandelten
Gewebs- bzw. Gelenkstrukturen
- bei vorbestehender Osteoarthritis und wiederholter
intraartikulärer Injektion: Beschleunigung der
Gelenk-Zerstörung
Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- intraläsionale Behandlung im Bereich des Gesichts bzw. des
Kopfes: Erblindung
- infiltrative Anwendung: Sehnenschäden und/oder
spätere Ruptur