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Bosentan



 

Bosentan

Formel Bosentan

Wirkstoffklasse

  • Endothelin-Rezeptorantagonist

Fertigpräparate

  • Tracleer® 

Wirkung

Bosentan hemmt das natürlich vorkommende Hormon Endothelin-1 (ET-1), das die Verengung der Blutgefäße bewirkt. Somit sorgt Bosentan für eine Dilatation der Blutgefäße.
Im Gegensatz zu anderen peripheren Vasodilatatoren erfolgt keine reflexive Sympathikus- und Renin-Angiotensin-System-Aktivierung.
Bosentan wird zur Behandlung der primären und sekundären pulmonalen Hypertonie eingesetzt (Orphan-Drug-Status) und ist indiziert zur Reduzierung der Anzahl neuer digitaler Ulzerationen bei Sklerodermie-Patienten (Orphan-Dug-Status).


Wirkungsmechanismus

Endothelin-1 gehört zu den stärksten derzeit bekannten Vasokonstriktoren. Es bildet zusammen mit den Typen Endothelin-2 und Endothelin-3 eine Gruppe von gefäßaktiven Peptiden aus 21 Aminosäuren. Nach Stimulation der Endothelzellen durch Hypoxie oder Ischämie wird innerhalb von Minuten die Synthese von Endothelin-1 in Gang gesetzt. Über 2 Vorstufen erfolgt die Umwandlung zu Endothelin-1 durch Endothelin-Converting-Enzyme (ECE). Endothelin-1 bindet an 2 Typen von Rezeptoren (ET-A- und ET-B-Rezeptor). ET-A-Rezeptoren finden sich vor allem auf glatten Gefäßmuskelzellen sowie auf Myozyten des Herzens. Die Interaktion von Endothelin-1 mit ET-A-Rezeptoren, die mit hoher Affinität erfolgt, ruft über eine Erhöhung der intrazellulären Calciumkonzentration eine starke Vasokonstriktion hervor. Die Bindung von Endothelin-1 an ET-B-Rezeptoren, die auf Endothelzellen, im Intestinaltrakt sowie im ZNS vorkommen, hat dagegen die Elimination von Endothelin sowie eine vasodilatierende und antiproliferative Wirkung zur Folge, die zum Teil auf der Freisetzung von Stickstoffmonoxid und Prostacyclin beruht.
Endothelin-1 fördert Fibrosen, Zellproliferation, Herzhypertrophie und -umbau und wirkt entzündungsfördernd. Erhöhte Endothelin-1-Konzentrationen liegen im Plasma und Lungengewebe von Patienten vor, die an Pulmonalarterienhypertonie sowie anderen Herz-Kreislauf-Störungen und Bindegewebserkrankungen leiden, darunter Sklerodermie, akutes und chronisches Herzversagen, Myokardischämie, systemische Hypertonie und Atherosklerose, was auf eine pathophysiologische Beteiligung von Endothelin-1 bei diesen Erkrankungen schließen lässt. Bei Pulmonalarterienhypertonie und Herzversagen stehen erhöhte Endothelin-1-Konzentrationen in enger Korrelation mit der Schwere und der Prognose dieser Erkrankungen.
Endothelin-Rezeptorantagonisten sind gegen die starke vasokonstriktorische Wirkung von Endothelin gerichtet und senken erhöhten Blutdruck. Als erster Vertreter dieser Stoffklasse wurde 2002 Bosentan zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie zugelassen. Sitaxentan folgte im Jahr 2006. Mit Ambrisentan wurde 2008 ein weiterer Endothelin-Rezeptorantagonist eingeführt.
Bosentan ist ein dualer Endothelin-Rezeptorantagonist mit Affinität sowohl zu ET-A- als auch zu ET-B-Rezeptoren. Es konkurriert mit Endothelin-1 und anderen Endothelin-Peptiden um die Bindung an ET-A- und ET-B-Rezeptoren. Die Affinität von Bosentan zu ET-A-Rezeptoren (Ki 4,1-43 nM) ist etwas höher als zu ET-B-Rezeptoren (Ki 38-730 nM). Es antagonisiert spezifisch ET-Rezeptoren und bindet nicht an andere Rezeptoren. Bosentan verringert sowohl den pulmonalen als auch den systemischen Gefäßwiderstand, wodurch es zu einem Anstieg des Herzzeitvolumens ohne Anstieg der Herzfrequenz kommt. Außer zur Behandlung der pulmonal arteriellen Hypertonie ist Bosentan auch zugelassen zur Reduzierung der Anzahl neuer digitaler Ulzerationen bei Patienten mit systemischer Sklerose, die an digitalen Ulzerationen leiden.
Sitaxentan ist ein potenter und hochselektiver ET-A-Rezeptorantagonist (Ki 0,35 nM). Die Affinität zu ET-A-Rezeptoren ist ca. 6500-mal höher als zu ET-B-Rezeporen.
Ambrisentan besitzt ebenfalls eine hohe Selektivität für den Endothelin-A-Rezeptor.

Bosentan ist ein nicht-selektiver kompetitiver Antagonist am Endothelin-A- und am Endothelin-B-Rezeptor mit einer höheren Affinität zum A-Rezeptor. Endothelin ist einer der stärksten, bekannten natürlichen Vasokonstriktoren. Bei der pulmonalen Hypertonie sind die Spiegel an Endothelin erhöht; dadurch wird das Krankheitsbild verschärft, weil an den glatten Muskelzellen der Lunge und den Herzmuskelzellen über den Endothelin-A Rezeptor eine verstärkte und langanhaltende Kontraktion erwirkt wird. Die Aktivierung von Endothelin-B-Rezeptoren führt ebenfalls zur Vasokonstriktion, zusätzlich wird dadurch auch die Zellproliferation, Fibrose und Apoptose vermittelt. Durch den erhöhten Druck in der Lunge und wegen der ebenfalls Endothelin-vermittelten chronischen Entzündungsreaktion wird die bindegewebige Umwandlung der Lungengefäße gefördert und die Elastizität des Lungengewebes lässt weiter nach. Die verstärkte Neubildung von Bindegewebszellen und Kollagen kann zu einer Lungenfibrose führen, durch Apoptose kann es zum Absterben von Herzmuskelzellen kommen. Durch Bosentan werden vor allem die Gefäße erweitert und das Herzzeitvolumen erhöht. Da andere neurohormonale Systeme nicht beeinflusst werden, kommt es nicht zur Erhöhung der Herzfrequenz.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen

- Überempfindlichkeit gegenüber Bosentan
- Mittlere bis schwere Leberfunktionsstörungen (Child-Pugh-Klasse B oder C)
- Über dreifach über den Normwert erhöhte Leber-Aminotransferasen (Aspartat-Aminotransferase und Alanin-Aminotransferase) schon vor Behandlungsbeginn
- Systemischer systolischer Blutdruck unter 85 mmHg
- Schwangerschaft
- Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässigen Verhütungsmethoden anwenden

Relative Gegenanzeigen

Stillzeit

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.


Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
Indikation pulmonale Hypertonie:
- Infektion der oberen Atemwege
- Nasopharyngitis
- Kopfschmerzen
Indikation digitale Ulzerationen:
- periphere Ödeme

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

Indikation pulmonale Hypertonie:
- Pneumonie
- Ödeme der unterne Extremitäten
- Palpitationen
- Ödeme
- Dyspepsie
- Mundtrockenheit
- Flush-Symptomatik
- Hypotonie
- Juckreiz
- Ermüdung
- beeinträchtigte Leberfunktion
- Anämie
- rektale Hämorrhagie
- gastroösophageale Refluxkrankheit
- Benommenheit
- Brustschmerzen
Indikation digitale Ulzerationen:
- infiziertes Ulkus der Haut
- Harnwegsinfektion
- Flush-Symptomatik
- Dyspnoe
- Diarrhoe, gastrointestinale Refluxkrankheit, Bauchschmerzen, Obstipation
- Erythem, Dermatitis
- Schmerzen in den Extremitäten
- Rückenschmerzen
- Zunahme peripherer Ödeme
- Ermüdung
- Aspartat-Aminotransferase-Werte erhöht
- Alanin-Aminotransferase-Werte erhöht
- veränderte Leberfunktionswerte
Nebenwirkungen nach Markteinführung:
- Übelkeit
- Anämie oder Erniedrigung der Hämaglobinkonzentration, die manchmal Bluttransfusionen erforderten

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

Nebenwirkungen nach Markteinführung:
- Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
- Anstieg der Aminotransferase-Werte mit Hepatitis und/oder Gelbsucht
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Dermatitis, Juckreiz und Rash
- Thrombozytopenie

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

Nebenwirkungen nach Markteinführung:
- Leberzirrhose, Leberversagen
- Anaphylaxie und/oder angioneurotisches Syndrom