Budesonid ist ein stark wirksames
Glucocorticoid, welches zur intranasalen, inhalativen, rektalen und
oralen Anwendung zugelassen ist. Es wird zur Therapie des Asthma
bronchiale und der mittelgradigen bis schweren chronisch obstruktiven
Lungenerkrankung, der saisonalen und perennialen allergischen Rhinitis,
bei Nasenpolypen, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine
Informationen zum Wirkmechanismus der Glucocorticoide finden sichhier.
Budesonid
ist
ein stark wirksames lokales Glucocorticoid mit antiphlogistischer,
antiallergischer, antiödematöser und antiexsudativer
Aktivität. Gemessen an der Affinität zu
Glucocorticoidrezeptoren ist die spezifische Wirksamkeit 15-mal
stärker als die von Prednisolon. Die mineralocorticoide
Aktivität ist schwach.
Im Bronchialbereich werden durch Budesonid folgende Wirkungen
ausgelöst:
-- Hemmung der Bildung, Speicherung und Freisetzung von Mediatoren aus
Mastzellen, Basophilen und Makrophagen
-- Dämpfung der Hyperreagibilität des
Bronchialsystems auf exogene Reize
-- Verminderung der cholinergen Reize und dadurch Abnahme der
Sekretproduktion
-- Abdichtung der epi- und endothelialen Membranen
-- Abnahme der entzündlichen Erscheinungen (Ödeme,
zelluläre Infiltration)
Budesonid normalisiert, wie alle Corticosteroide, die Ansprechbarkeit
auf Beta-2-Sympathomimetika.
Budesonid bindet nach der Diffusion durch die Zellmembran an ein
zytoplasmatisches Rezeptorprotein. Der Budesonid-Rezeptor-Komplex
gelangt in den Zellkern, wo er die Biosynthese bestimmter Proteine wie
z.B. Makrocortin induziert. Makrocortin hemmt die Phospholipase A2 und
greift damit inhibitorisch in die Bildung von
Entzündungmediatoren
(z.B. Leukotriene, Prostaglandine, Thromboxane) ein. Da der Prozess der
Induktion der Proteinsynthese eine gewisse Zeit benötigt,
tritt
der volle therapeutische Effekt von Budesonid mit Verzögerung
ein.
Nach neuesten Erkenntnissen schätzt man die direkte Bindung
des
Steroid-Rezeptor-Komplexes an die DNA geregelten Gene pro Zelle auf 10
bis 100. Dabei kommt einer erhöhten Transkription für
bestimmte Proteine wie z.B. der Beta-2-Rezeptoren (permissiver Effekt)
durch Bindung des Steroidrezeptorkomplexes an ein
Glucocorticoid-response-Element (+GRE)eine Bedeutung für den
Steroideffekt zu. Der wesentliche Effekt der inhalativen Steroide
erfolgt über eine Blockade der Gentranskription durch Blockade
von
Transkriptionsfaktoren wie dem Aktivator-Protein-1 (AP-1) und dem
nukleären Faktor-kappa-B(NF-kappa-B). Dadurch wird die
Transkription von Entzündungsmediatoren, insbesondere auch der
Zytokine, unterbrochen. Zytokine steuern ganz wesentlich das
entzündliche Geschehen. So wird z.B. durch Interleukin-5
(IL-5)
das Knochenmark zur vermehrten Produktion von Eosinophilen angeregt.
Gleichzeitig aktiviert Interleukin-5 diese Entzündungszelle
und
erlaubt ihr Überleben im Lungengewebe. Andere Zytokine wie
z.B.
der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) und Interleukin-1-beta
(IL-1-beta) aktivieren die Transkriptionsfaktoren AP-1 und NF-kappa-B
und unterhalten so den Entzündungsprozess.
Budesonid hat in Provokationsuntersuchungen einen anaphylaktischen und
antientzündlichen Effekt gezeigt, der zu einer Abnahme der
bronchialen Obstruktion sowohl bei der allergischen Sofortreaktion als
auch Spätreaktion führt. Budesonid setzt bei
Patienten mit
hyperreagiblem Bronchialsystem die Empfindlichkeit gegenüber
inhalativen Reizen herab und senkt damit die Anfallsbereitschaft.
Budesonid ist auch vorbeugend wirksam bei anstrengungsinduziertem
Asthma, einer besonderen Form des hyperreagiblen Bronchialsystems.
Aufgrund der raschen Metabolisierung von verschluckten oder in die
Blutbahn gelangten Budesonidanteilen in der Leber sind auch bei
inhalativer Langzeitanwendung in therapeutischen Dosen klinisch
relevante unerwünschte systemische Steroideffekte wie z.B.
eine
Depression der körpereigenen Cortisolproduktion nicht zu
erwarten.
Studien, in denen gesunde Probanden mit inhalativem Budesonid behandelt
wurden, haben eine dosisabhängige Wirkung auf die Plasma- und
Urincortisolwerte gezeigt. ACTH-Tests beweisen, dass inhalatives
Budesonid in den empfohlenen Dosierungen einen signifikant geringeren
Einfluss auf die Nebennierenfunktion hat als 10 mg Prednison.
Eine Atrophie der Bronchialschleimhaut wurde auch bei Langzeitanwendung
nicht beobachtet. Langzeitstudien zeigen, dass Kinder und Jugendliche,
die mit Inhalationen von Budesonid behandelt wurden, letztendlich ihre
Zielkörpergröße als Erwachsene erreichen.
Zu
Behandlungsbeginn ist jedoch eine geringe, wenn auch kurzzeitige,
Wachstumsreduktion (ca. 1 cm) beobachtet worden. Diese tritt
normalerweise während des ersten Behandlungsjahres auf.
Der genaue Wirkmechanismus von Budesonid bei der Behandlung von Morbus
Crohn ist noch nicht vollständig geklärt. Ergebnisse
aus
klinisch-pharmakologischen und anderen kontrollierten Studien
klinischen Studien geben starke Hinweise darauf, dass Budesonid
hauptsächlich über lokale Angriffspunkte im Darm
wirksam ist.
Klinische Studien haben gezeigt, dass bei oraler Gabe von Budesonid in
einer magensaftresistenten Zubereitung die Häufigkeit
Glucocorticoid-assoziierter Nebenwirkungen ca. um die Hälfte
niedriger ist als bei der oralen Gabe äquieffektiver Dosen von
Prednisolon.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
-- Überempfindlichkeit gegen Budesonid
orale und rektale Anwendung:
-- lokale Infektionen des Darms durch Bakterien, Viren, Amöben
oder Pilze
-- Leberzirrhose und Zeichen einer portalen Hypertension, z.B. im
Spätstadium einer primär biliären Zirrhose
Relative Gegenanzeigen
-- Schwangerschaft
-- Stillzeit
Bei Lungentuberkulose soll Budesonid nur angewendet werden, wenn
gleichzeitig eine wirksame tuberkulostatische Therapie
durchgeführt wird.
Bei Mykosen oder anderen Infektionen im Bereich der Atemwege soll
Budesonid nur eingesetzt werden, wenn eine begleitende anitbakterielle
oder antimykotische Behandlung durchgeführt wird.
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
-- Kopfschmerzen
-- Atemwegsinfektionen
-- Synkope
-- Pruritus
-- Bauchschmerzen
-- Mundtrockenheit
-- Geschmacksveränderungen
-- Konjunktivitis, Augeninfektion
-- Ohrenschmerzen, -infektion (Innen- und Außenohr)
-- Epistaxis (plötzliches Nasenbluten)
-- Sinusitis
-- Pharyngitis
-- grippeähnliche Symptome
-- Virusinfektionen (Herpes simplex)
-- Moniliasis
-- Veränderungen der Stimme
orale Anwendung:
-- allergisches Exanthem
-- Striae rubrae
-- Petechien
-- Ekchymosen
-- Steroidakne
-- verzögerte Wundheilung
-- Kontaktdermatitis
-- Muskelschwäche
-- Osteoporose
-- aseptische Knochennekrosen (Femur- und Humeruskopf)
-- Glaukom
-- Katarakt
-- Depression
-- Gereiztheit
-- Euphorie
-- Magenbeschwerden
-- Ulkus ventrikuli
-- Pankreatitis
-- Cushing-Syndrom: Vollmondgesicht, Stammfettsucht, verminderte
Glucosetoleranz, Diabetes mellitus, Natriumretention mit
Ödembildung, vermehrte Kaliumausscheidung,
Inaktivität bzw.
Atrophie der Nebennierenrinde, Wachstumsverzögerung bei
Kindern,
Störungen der Sexualhormonsekretion (z.B. Amenorrhoe,
Hirsutismus,
Impotenz)
--- Hypertonie
-- Erhöhung des Thromboserisikos
-- Vaskulitis (Entzugssyndrom nach Langzeittherapie)
-- Behinderung der Immunvorgänge (z.B. Erhöhung des
Infektionsrisikos)
Mögliche systemische Nebenwirkungen, die bei Anwendung
inhalativer
Corticosteroide (besonders bei hohen Dosen über einen
längeren Zeitraum) auftreten können, sind
Funktionsminderung
der Nebennierenrinde, Wachstumsverzögerungen bei Kindern und
Jugendlichen, verringerte Knochendichte, Katarakt und Glaukom. Diese
Wirkungen sind jedoch bei oralen Corticosteroiden viel wahrscheinlicher
als unter einer Inhalationsbehandlung. Die Stressanpassung kann
behindert sein. In Dosen bis zu 0,8 mg (inhalativ) Budesonid pro Tag
konnte in der Langzeitanwendung bei der Mehrzahl der Patienten keine
Suppression der Nebennierenrinde gefunden werden. Bei Dosen bis zu 1,6
mg pro Tag ist ein relevanter Effekt nicht auszuschließen.
Bei einer Umstellung von systemischer Glucocorticoid-Anwendung auf eine
lokale intranasale oder inhalative Therapie können Symptome
manifest werden, die zuvor durch die systemische Behandlung
unterdrückt wurden, (z.B. Heuschnupfen, allergisches Ekzem,
Muskel- und Gelenkschmerzen) und die eine zusätzliche
Behandlung
erfordern können.
Bei rektaler Anwendung von Budesonid wird die Wahrscheinlichkeit
für das Auftreten von systemischen Glucocorticoidwirkungen
aufgrund der geringeren Beeinflussung des
Hypothalamus-Hypophysenvorderlappen-Nebennierenrinden-Regelkreises
wesentlich niedriger eingeschätzt als für oral oder
rektal
verabreichte systemisch wirksame Glucocorticoide.
Auch wenn typische, durch Glucocorticoide ausgelöste
Nebenwirkungen unter der rektalen Anwendung von Budesonid nicht
beobachtet wurden, sind Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme,
Erhöhung des Blutzuckers, Osteoporose, Abwehrschwäche
gegen
Infektionen, Magengeschwür, Haut- und Muskelatrophie,
Hirsutismus,
Blutdruckanstieg, psychische Störungen und verzögerte
Wundheilung möglich. Das Risiko solcher Nebenwirkungen ist
allerdings aufgrund der lokalen Wirkung niedriger als bei der Gabe von
systemisch wirksamen Glucocorticoiden.
Bei intranasaler Anwendung von Budesonid, insbesondere wenn hohe Dosen
über längere Zeiträume gegeben wurden,
können
systemische Wirkungen einschließlich Nebennieren-Suppression,
Wachstumsverzögerung bei Kindern und Jugendlichen, verminderte
Knochenmineraldichte, Zeichen von Hypercortizismus, Katarakt und
Glaukom nicht ausgeschlossen werden.
Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
intranasale Anwendung:
- Reizung der Nasenschleimhaut
- leichte hämorrhagische Sekretion
- kurzzeitiges Auftreten von Nasenlaufen, Verkrustungen oder
Nasenbluten zu Beginn der Behandlung
- Niesen (kurz nach der initialen Anwendung)
- Dyspnoe
- Heiserkeit
- pfeifendes Atemgeräusch
- Nasenschmerzen
- trockener Hals
inhalative Anwendung:
- Reizungen im Rachenraum
- Husten und Heiserkeit
- Candidose im Mund-Rachenraum
orale Anwendung
- cushingoide Eigenschaften (Vollmondgesicht, Hypokaliämie)
- Magenbeschwerden (Dyspepsie)
- Muskelkrämpfe
- Palpitationen
- Verschwommensehen
- Nervosität
- Schlaflosigkeit
- Stimmungsschwankung
- Menstruationsstörungen
- Hypokaliämie
rektale Anwendung:
- gastrointestinale Störungen, z.B. Blähungen,
Übelkeit, Durchfall
- Hautreaktionen (Urtikaria, Exantheme)
- Brennen im Enddarm und Schmerzempfindung
Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
intranasale Anwendung:
- insbesondere nach Langzeitbehandlung: Candidiasis und
Schleimhautatrophie
- Urtikaria
- Rash
- Dermatitis
- Juckreiz
- Angioödem
orale Anwendung:
- Tremor
- Urtikaria
- Exantheme
rektale Anwendung:
- Unruhe
- Schlaflosigkeit
- Harnwegsinfektionen
- Anämie, Anstieg der Blutsenkungsgeschwindigkeit, Leukozytose
- Appetitsteigerung
- Kopfschmerzen, Schwindel, Geruchstäuschung
- Bluthochdruck
- Übelkeit, Bauchschmerzen, Dyspepsie, Blähungen,
Missempfindungen im Bauchraum, Analfissur, aphthöse
Stomatitis,
häufiger Stuhldrang, Hämorrhoiden, Rektalblutung
- Anstieg der Transaminasen (GOT, GPT), Anstieg der Cholestaseparameter
(GGT, AP)
- Akne, vermehrtes Schwitzen
- Anstieg der Amylase, Veränderung des Cortisols
- Asthenie, Zunahme des Körpergewichtes
Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
intranasale Anwendung:
- Osteoporose (bei lang andauernder Anwendung)
- Glaukom und Katarakt (bei lang andauernder Anwendung)
inhalative Anwendung:
- paradoxe Bronchospasmen
- unmittelbare oder verzögerte
Überempfindlichkeitsreaktionen
wie Hautausschlag, Urtikaria, Juckreiz, Angioödem und
Kontaktdermatitis
- Blutergüsse
- Suppression der
Hypothalamus-Hypophysenvorderlappen-Nebennierenrinden-Achse
- Nervosität, Ruhelosigkeit
- depressive Verstimmung
- Aggressivität
- Hyperaktivität
- Verhaltensstörungen (insbesondere bei Kindern)
- Wachstumsverzögerungen bei Kindern und Jugendlichen
- Hypokortizismus, Hyperkortizismus
- Verringerung der Knochendichte einschließlich Osteoporose
- Glaukom
- Katarakt
rektale Anwendung:
- Anzeichen oder Symptome wie z.B. Akne oder eine Unterfunktion der
Nebenniere, die auf systemische Glucocorticoideffekte hinweisen, in
Abhängigkeit von der Behandlungsdauer, einer begleitenden oder
vorausgegangenen Glucocortidoidbehandlung sowie einer individuellen
Empfindlichkeit
Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
intranasale Anwendung:
- Ulzerationen der Nasenschleimhaut
- Nasenseptumperforation
orale Anwendung:
- metabolische Störungen (Beinödeme, Cushing-Syndrom)
- Pseudotumor cerebri, zusätzlich Papillenödem bei
Jugendlichen
- diffuse Muskelschmerzen und -schwäche
- Osteoporose
- verringerte Wachstumsgeschwindigkeit bei Kindern