Busulfan wird synthetisch durch Reaktion
von 1,4-Butandiol mit Methansulfonylchlorid hergestellt. Es entstammt
im Gegensatz zu anderen Zytostatika wie Vincristin, Topotecan oder
Paclitaxel keiner Pflanze.
Wirkstoffklasse
Zytostatikum
Alkylans
Fertigpräparate
Busilvex®
Myleran®
Wirkung
Busulfan ist ein bifunktionales
Alkylans. Die Bifunktionalität ergibt sich aus zwei
Methansulfonat-Gruppen, die an den Enden der C4-Kette vorzufinden sind.
Die beiden Methansulfonatgruppen stellen gute Abgangsgruppen dar und
werden leicht nukleophil substituiert. Alkyliert wird vor allem die
DNA, aber auch andere Moleküle in der Zelle können
Ziele der Alkylierung durch Busulfan sein. Anwendungsgebiete von
Bulsulfan sind die Chronische myeloische Leukämie (CML) und
die Konditionierungsbehandlung vor Stammzelltransplantation. Busulfan
wird bei der Konditionierung vor Stammzelltransplantation
typischerweise in Kombination mit Cyclophosphamid eingesetzt.
Wirkungsmechanismus
Busulfan
((Butan-1,4-diyl)bis(methansulfonat)) ist ein Zytostatikum aus der
Gruppe der bifunktionellen Alkylanzien. Der Wirkungsmechanismus der
Substanz beruht auf einer Interaktion mit der zellulären DNA.
Hierbei werden durch kovalente Bindung von Alkylgruppen die
DNA-Einzelstränge alkyliert. Eine Vernetzung der
DNS-Stränge (Cross-Linking) konnte nicht schlüssig
nachgewiesen werden. Außerdem erfolgt eine Alkylierung der
RNA. Ein Teil der DNA-Schäden kann durch
Reparaturvorgänge wieder beseitigt werden. Der
während der Synthesephase einer Zelle noch vorhandene Grad an
DNA-Schädigung führt zu einer Behinderung der
Replikation und entscheidet darüber, ob nur eine
Wachstumsverzögerung oder eine Zellabtötung
herbeigeführt wird. Proliferierende Zellen, die unmittelbar
vor der Synthesephase gegenüber einem alkylierenden Agens
exponiert sind, werden daher stärker geschädigt als
solche, die sich in der Ruhephase (G0) befinden. Seine zytostatische
Wirkung entfaltet Busulfan besonders intensiv auf proliferierendes
Knochenmark unter Einschluss der Knochenmarkstammzellen.
Zusätzlich zur DNA- und RNA-Alkylierung scheint bei Busulfan
auch die Alkylierung von Strukturproteinen und Enzymen eine Rolle
für den Grad und das Spektrum der zytostatischen Wirkung zu
spielen. Die besondere Wirkungsweise des selektiven Effekts von
Busulfan auf die Granulozytopoese ist noch nicht vollständig
geklärt. Obgleich Busulfan nicht kurativ wirksam ist, erreicht
man doch eine effektive Verringerung der gesamten Granulozytenmasse und
eine deutliche Verbesserung der Symptomatik und des klinischen Zustands
des Patienten. Bei der Beurteilung der Überlebenszeiten und
der Aufrechterhaltung der Hämoglobinwerte hat sich die
Busulfan-Behandlung gegenüber einer Bestrahlung der Milz
überlegen gezeigt. Bei der Beeinflussung der
Milzgröße sind beide Therapieformen gleichwertig.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Busulfan darf
nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den
Arzneistoff.
Eine venookklusive Erkrankung ist eine wesentliche Komplikation, die
während der Behandlung mit Busulfan auftreten kann. Ein
erhöhtes Risiko besteht für Patienten, die
vorausgehend eine Strahlentherapie, 3 oder mehr Zyklen Chemotherapie
oder eine hämatopoetische Stammzelltransplantation erhalten
haben.
Wegen einer möglichen Abnahme der Busulfan-Metabolisierung ist
bei Einnahme von Paracetamol
vor (weniger als 72 Stunden) oder gleichzeitig mit der Anwendung von
Busulfan Vorsicht geboten.
In den entsprechenden klinischen Studien wurde bei einem Patienten, der
verstarb, über eine akute respiratorische Insuffizienz mit
nachfolgendem Atemstillstand, verbunden mit einer interstitiellen
pulmonalen Fibrose berichtet, wobei die Todesursache nicht eindeutig
festgestellt werden konnte. Weiterhin kann Busulfan eine pulmonale
Toxizität verursachen, die die Lungentoxizität
anderer zytotoxischer Arzneimittel verstärken kann. Daher soll
bei Patienten mit mediastinaler oder pulmonaler Bestrahlung in der
Vorgeschichte diese pulmonale Auswirkung berücksichtigt werden.
Die Fanconi-Anämie-Zellen sind gegenüber
Vernetzungsmitteln überempfindlich. Bei der Anwendung von
Busulfan als Bestandteil der Konditionierung vor einer HSCT bei Kindern
mit einer Fanconi-Anämie gibt es wenig klinische Erfahrung.
Deshalb sollte Busulfan bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet
werden.
Unter der Behandlung mit hochdosiertem Busulfan wurde über
Krampfanfälle berichtet. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn
die empfohlene Dosis von Busulfan an Patienten mit
Krampfanfällen in der Vorgeschichte angewendet wird. Die
Patienten sollen eine entsprechende antikonvulsive Prophylaxe erhalten.
Bei den Erwachsenen wurden alle Daten mit dem Arzneimittel mit der
Anwendung von Phenytoin
erhalten. Es stehen keine Daten zur Anwendung mit anderen
antikonvulsiven Arzneimitteln wie Benzodiazepine zur
Verfügung. Daher ist die Wirkung dieser antikonvulsiven
Arzneimittel (andere als Phenytoin) auf die Pharmakokinetik von
Busulfan nicht bekannt. Bei den Kindern wurden die Daten mit Busulfan
mit der Anwendung von Phenytoin oder Benzodiazepinen erhalten.
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.