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Canrenon


 

Canrenon

Abgebildet ist Canrenon, in Fertigarzneimitteln wird dessen Kaliumsalz (Kaliumcanrenoat) verwendet. Kaliumcanrenoat ist der int. Freiname für das Kaliumsalz der als Lacton vorliegenden 17-Hydroxy-3-oxo-17alpha-pregna-4,6-dien-21-carbonsäure (Canrenoinsäure).

Formel Canrenon

Wirkstoffklasse

  • Aldosteronantagonist
  • kaliumsparendes Diuretikum

Fertigpräparate

  • Aldactone® Amp.

Wirkung

Der diuretisch wirksame Aldosteron-Rezeptor-Antagonist Kaliumcanrenoat blockiert im spätdistalen Tubulus und im Sammelrohr kompetitiv die Bindung von Aldosteron an dessen zytoplasmatischen transkriptionsregulierenden Rezeptor. Dadurch unterbleibt die Synthese der Aldosteron-induzierten Proteine (Natriumkanäle und Na+/K+-ATPasen). Dies führt zu einer vermehrten Natrium- und Wasserausscheidung und einer verminderten Kalium-Ausscheidung, weshalb die Aldosteron-Antagonisten auch zu den Kalium-sparenden Diuretika zählen. Kaliumcanrenoat ist der aktive Metabolit von Spironolacton.

Wirkungsmechanismus

Aldosteron wurde zu Beginn der 50-er Jahre des 20. Jahrhunderts entdeckt und ist das physiologisch bedeutsamste Mineralocorticoid. Es wird hauptsächlich in der Nebennierenrinde gebildet und ist an der Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts beteiligt. Außerdem ist Aldosteron im Rahmen des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) Bestandteil der Aufrechterhaltung der normalen Kreislauffunktion.
Der Aldosteronantagonist Spironolacton und sein Metabolit Canrenon (bzw. Canrenonsäure) verhindern in der Niere am Ende des distalen Tubulus sowie im Sammelrohr kompetitiv die Bindung von Aldosteron an seinen intrazellulären Rezeptor. Dadurch wird die Synthese von Aldosteron-induzierten Proteinen verhindert, die als Natriumkanäle bzw. Na-/K-ATPasen fungieren. In der Folge kommt es zu einer Reduktion der Natriumrückresorption und zu einer Verringerung der Kaliumausscheidung. Die damit verbundene verstärkte Ausscheidung von Wasser bewirkt eine Reduktion der Vorlast des Herzens. Spironolacton wird vor allem bei Ödemen, die mit einem Hyperaldosteronismus (Leberzirrhose, Ascites) verbunden sind, eingesetzt. Darüberhinaus wird es als Komedikation bei chronischer Herzinsuffizienz verwendet. Wegen der relativ geringen Selektivität bindet es auch an andere Steroid-Rezeptoren, zum Beispiel Androgen- und Estrogen-Rezeptoren, was Nebenwirkungen wie Zyklusstörungen oder Hirsutismus bei Frauen sowie Gynäkomastie oder Impotenz bei Männern erklärt. Durch Molekül-Variation wurde das Spironolacton-Analogon Eplerenon entwickelt, das vergleichsweise selektiv an Mineralocorticoid-Rezeptoren bindet: Eplerenon hat zwar im Vergleich zu Spironolacton eine 15-20-fach niedrigere Affinität zum Mineralocorticoid-Rezeptor; dagegen ist die Affinität zu den Androgen-, Progesteron- und Glucocorticoid-Rezeptoren bis zu 500-fach geringer. Dies zeigt sich in der im Vergleich zu Spironolacton besseren Verträglichkeit hinsichtlich Zyklusstörungen, Hirsutismus, Gynäkomastie und Impotenz.

Kaliumcanrenoat blockiert im spätdistalen Tubulus und im Sammelrohr kompetitiv die Bindung von Aldosteron an dessen zytoplasmatischen Rezeptor. Aldosteron kann dadurch nicht über seinen Rezeptor in den Zellkern eindringen, wodurch die Synthese des Aldosteron-Proteins unterbleibt. Damit wird der wesentlichen Aldosteronwirkung, der Natriumreabsorption und der Kaliumsekretion, entgegengewirkt. Kaliumcanrenoat entwickelt nur in Gegenwart von Aldosteron eigene Aktivität. Die Wirkung kann durch ansteigende Aldosteronspiegel aufgehoben werden. Kaliumcanrenoat steigert die Natrium- und Chloridausscheidung sowie in geringerem Maße die Calciumausscheidung; reduziert werden die Kalium- und Ammoniumausscheidung sowie die Azidität des Harns. Es vermindert darüber hinaus die renale Magnesiumausscheidung. Kaliumcanrenoat kann über eine Senkung der glomerulären Filtrationsrate die Serumharnstoffkonzentration erhöhen. Aufgrund seiner strukturellen Ähnlichkeit mit Steroidhormonen kommt es bei Anwendung von Kaliumcanrenoat zu antiandrogenen und estrogenähnlichen Wirkungen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Kaliumcanrenoat
- akutes Nierenversagen
- Anurie
- schwere Nierenfunktionseinschränkung (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min bzw. Serum-Kreatinin-Konzentration über 1,8 mg/dl)
- Hyperkaliämie
- Hyponatriämie

Relative Gegenanzeigen

- Nierenfunktionseinschränkung leichteren Grades (Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 60 ml/min bzw. Serumkreatinin zwischen 1,2 und 1,8 mg/dl; wegen der Gefahr einer Hyperkaliämie regelmäßige Serum-Kaliumspiegelkontrollen)
- Hypotonie
- Hypovolämie
- Patienten, die als Folge ihrer Grunderkrankung zu Azidose und/oder Hyperkaliämie neigen, wie z.B. Patienten mit Diabetes mellitus
- Patienten mit Behinderungen des Harnsabflusses, besonders in der Anfangszeit der Behandlung (erhöhte Gefahr für das Auftreten einer Harnsperre bei plötzlicher starker Harnproduktion)
- Patienten mit krankhaften EEG-Veränderungen
- Patienten mit zerebralen Anfallsleiden (auch in der Vorgeschichte)

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 10%)
- gesteigerte Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen
- Gynäkomastie bzw. Mastodynie
- Hyperkaliämien (insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion)

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)

- Menstruationsstörungen (z.B. Zwischenblutungen)
- Hirsutismus
- Potenz- und Libidostörungen (beim Mann)
- Kopfschmerzen
- Schwindelgefühl
- Schläfrigkeit
- Verwirrtheitszustände
- Ataxie
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe)
- Harnstoff- und Kreatininanstieg
- Hyperammoniumämie bei Langzeitanwendung
- Erhöhung des Harnsäurespiegels

Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)

- irreversible Stimmveränderungen
- Amenorrhoe
- Magen-Darm-Geschwüre (auch mit Blutungen)
- Thrombozytopenie
- Eosinophilie
- Agranulozytose

Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle
- Hepatitis (mit Erhöhung der Leberenzyme)
- Osteomalazie
- Alopezie

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit

- Hypovolämie
- Hyponatriämie
- Kaliumcanrenoat kann eine Übersäuerung des Blutes bei gleichzeitiger hyperchlorämischer metabolischer Azidose induzieren oder verschlechtern
- Lethargie und Verwirrtheitszustände nach hohen Dosen (über 1000 mg)
- allergische und pseudoallergische Hautreaktionen (u.a. Hautrötung, Urtikaria, Erythema anulare sowie Lupus-erythematodes- und Lichen-ruber-planus-ähnliche Hautveränderungen)
- orthostatische Regulationsstörungen.