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Carboplatin


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Carboplatin

Formel Carboplatin


Wirkstoffklasse

  • Antineoplastikum
  • Zytostatikum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Axicarb® 
  • Ribocarbo-L®
  • Carbomedac®
  • Carboplatin Sandoz®

Wirkung

Carboplatin ist ein zytostatisch wirksamer Platinkomplex. Die eigentliche Wirkform der Platinverbindungen ist der elektrophile Aquo-Komplex, der vor allem intrazellulär entsteht. Er bewirkt eine Vernetzung von DNA-Strängen und hemmt auf diese Weise die Zellteilung.

Wirkungsmechanismus

Die Wirkung der zytostatisch wirksamen Platinkomplexe beruht letztlich - wie die der Alkylanzien, z.B. Cyclophosphamid - auf einer Reaktion mit der DNA und daraus folgend auf einer Hemmung der Zellteilung. In wässrigen Medien, wie auch den Körperflüssigkeiten, entstehen durch Hydrolyse des jeweiligen Komplexes einfach oder zweifach geladene Platin-Wasserkomplexe, die mit nucleophilen Zentren anderer Moleküle, wie der DNA reagieren. Im Falle der DNA hat dies eine Quervernetzung mit anschließender Funktionsunfähigkeit zur Folge.

Carboplatin wirkt antineoplastisch und zytozid. Seine zytozide Wirkung beruht auf einer Quervernetzung der DNA-Einzel- und Doppelstränge durch Platinierung mit einer Störung der Matrizenfunktion. Wie beim strukturverwandten Cisplatin entstehen in wässrigen Medien und in Körperflüssigkeiten, beispielsweise im Plasma und im Cytosol, durch Hydrolyse einfach oder zweifach geladene Platin-Wasser-Komplexe, die mit nucleophilen Zentren anderer Moleküle, wie der DNA, reagieren können und diese durch Quervernetzung an der Teilung hindern. Die Wirkung ist unabhängig vom Zellzyklus. Intrastrangvernetzungen werden durch die Entstehung von Addukten aus dem aktivierten Platin-Komplex und vorwiegend dem N7-Atom des Guanins gebildet. Dadurch entstehen 1,2-Intrastrangverbindungen mit dem angrenzenden Guanosin-Molekül, den benachbarten Guanosin- und Adenosinmolekülen oder zwischen benachbarten Guanosinmolekülen. Zusätzlich entstehen auch Interstrangvernetzungen innerhalb der DNA-Helix. Alle entstehenden Verbindungen sind sehr stabil.

Unterschiede zwischen Carboplatin und Cisplatin ergeben sich u.a. aus der Kinetik der Substanzen. Carboplatin reagiert deutlich langsamer als Cisplatin. Aus in vitro-Studien ergibt sich ein Maximum der DNA-Quervernetzung für Cisplatin nach 6-12h, für Carboplatin erst 12-18h nach Zugabe. Als Ursache wird die deutlich höhere Stabilität der Dicarboxylat-Ringstruktur des Carboplatins und damit verbunden die erschwerte Hydrolysierbarkeit des Komplexes zur aktiven Form angesehen. Um äquivalente DNA-Bindungsraten zu erreichen, muss Carboplatin, vgl. mit Cisplatin, in höheren Dosen verabreicht werden, Carboplatin ist auf molarer Basis 45mal weniger zytotoxisch wirksam als Cisplatin. Trotz dieser Unterschiede zeigen Untersuchungen an Experimentaltumoren der Maus sowie an menschlichen Xenografttumoren eine prinzipiell vergleichbare antineoplastische Wirksamkeit beider Platinkomplexe, wenn sie in bioäquivalenten Dosierungen verabreicht werden. Darüber hinaus besteht im Tierexperiment eine komplette Kreuzresistenz zwischen den beiden Platin-Komplex-Verbindungen. Als Vorteil kann die erhöhte Tumorselektivität von Carboplatin angesehen werden. Organschäden, insbesondere nephrotoxische und hepatotoxische Effekte sollen danach geringer sein als bei Cisplatin. In der Tat gehen aus präklinischen Studien bei äquivalenter Dosierung (z.B. halbmaximale letale Dosis) nach Gabe von Carboplatin deutlich geringere Nierenfunktionsstörungen als nach Cisplatin hervor. Es ist daher besonders für Patienten mit vorgeschädigten Nieren, bzw. Patienten, welche die notwendige Hydratation bei der Cisplatintherapie nicht tolerieren, indiziert. Auch die emetische, neurotoxische und ototoxische Wirkung von Carboplatin ist nach tierexperimentellen Untersuchungen geringer als nach Cisplatin. Ungünstig wirkt sich dagegen die myelosuppressive Wirkung von Carboplatin aus, die sich vor allem als Thrombozytopenie manifestiert und wesentlich stärker ausgeprägt ist als unter der Gabe von Cisplatin. Diese Myelosuppression stellt die dosislimitierende Nebenwirkung für Carboplatin bei der klinischen Anwendung dar.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Carboplatin oder andere Platinverbindungen;
- Schwangerschaft;
- Stillzeit;
- schwere Nierenfunktionsstörungen (GFR < 30 ml/min oder Kreatinin-Clearance < 20 ml/min);
- bestehende schwere Knochenmarksuppression;
- blutende Tumore.

Relative Gegenanzeigen

Eingeschränkte Nierenfunktion (Dosisanpassung, Anwendung nur unter besonderer Vorsicht).

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.



Unerwünschte Wirkungen - Allgemein
- Eine Myelosuppression ist schwerer und länger anhaltend bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, intensiver Vorbehandlung, herabgesetztem Allgemeinzustand und mit einem Alter >65 Jahre.
- Im Allgemeinen sind Knochenmark-Funktionsstörungen reversibel und nicht kumulativ, wenn Carboplatin nach den Dosierungsempfehlungen angewendet wird.
- Der Nadir wird bei Monotherapie meist nach 21 Tagen erreicht, bei Kombinationstherapie nach 15 Tagen. Die Thrombozyten und Leukozyten haben meist nach 28 Tagen ihre Ausgangswerte wieder erreicht, manchmal aber auch erst nach 35 bzw. 42 Tagen.
- Nierenfunktionsstörungen mit meist reversiblem Anstieg des Serumkreatinins und/oder des Harnstoffstickstoffs sind häufiger und stärker ausgeprägt bei vorbestehender Nierenfunktionsstörung. Ungeklärt ist, ob bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion durch Hydratationsmaßnahmen eine weitere Verschlechterung der Organfunktion vermieden werden kann.
- Periphere Polyneuropathien sind bei älteren Patienten bzw. solchen Patienten, die mit Cisplatin vorbehandelt sind, ausgeprägter und häufiger.
- Bei Patienten, die in der Vorgeschichte mit platinhaltigen Arzneimitteln behandelt wurden, ist das Risiko allergischer Reaktionen einschließlich Anaphylaxie erhöht.
- Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion vor Therapiebeginn waren Nierenfunktionsstörungen häufiger und stärker ausgeprägt als bei Patienten mit normaler Organfunktion.
- Auftretende Elektrolytverluste sind geringfügig und verlaufen meist ohne klinische Symptome
- Bei vorbehandelten Patienten scheint Erbrechen häufiger zu sein. Das Erbrechen begann ungefähr 6 Stunden nach der Verabreichung von Carboplatin, es war von relativ kurzer Dauer und klang nach 24 Stunden meist wieder ab.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Thrombozyten-Tiefstwerte von weniger als 50000/μ (30%)
- Leukozyten-Tiefstwerte von weniger als 2000/μ (20%)
- Hämoglobinabfall auf <=9,5g/100,l (48%)
- Nierenfunktionsstörungen mit meist reversiblem Anstieg des Serumkreatinins und/oder des Harnstoff-Stickstoffs (bei Verabreichung ohne Bewässerungsprogramm und forcierter Diurese 15%)
- Hyperurikämie (25%)
- Abfall der Plasmaelektrolyte (Magnesium, Kalium, Natrium, selten Calcium)
- Hörstörungen im Hochfrequenzbereich (4000 bis 8000 Hz)
- Anstieg der Leberenzyme (meist reversibel)
- Übelkeit mit und ohne Erbrechen
- Schmerzhafte gastrointestinale Beschwerden

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Anämie
- Periphere Polyneuropathien (Kribbeln, Taubheitsgefühl, und/oder Abnahme der äußeren Sehnenreflexe)
- Hörstörungen im Sprechbereich (meist durch Tinnitus)
- Medikamentös nicht beherrschbares Erbrechen
- Diarrhoe
- Obstipation
- Allergische Reaktionen (Ausschlag, Urtikaria, Juckreiz, Fieber, Hautrötungen)

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Infektionen und/oder Blutungen (in Einzelfällen lebensbedrohlich)
- Abfall der Kreatinin - Clearance unter 60 ml/min (meist reversibel)
- Zentralnervöse Symptome (Evtl. auch in Zusammenhang mit Antiemetika)
- Haarausfall
- Fieber und Schüttelfrost
- Mukositis
- Asthenie
- Unwohlsein
- Geschmacksveränderungen

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Febrile Neutropenie
- Notwendigkeit einer Erythrozytensubstitution (eventuell lebensbedrohlich)
- Hyponatriämie (Kausalzusammenhang nicht gesichert)
- Entzündung der Sehnerven mit Sehstörung einschließlich Erblindung
- Schwere Erhöhung der Leberfunktionswerte (nach sehr hohen Dosen und autologer Knochenmarktransplantation)
- Anorexie
- Hypersensitivitätsreaktionen mit Bronchospasmus und Blutdruckabfall (während der Infusion)
- Reaktionen an der Injektionsstelle (Brennen, Schmerzen, Rötung, Schwellung, Urtikaria, Nekrose in Zusammenhang mit Extravasation)
- Auftreten von akuter Promyelozytenleukämie 6 Jahre nach einer Monotherapie und vorausgegangener Strahlentherapie
- Auftreten von Zweitmalignomen nach Kombinationstherapien
- Hypertonie
- Hämolytisch - urämisches Syndrom
- Kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinsuffizienz, Embolie; Zusammenhang nicht gesichert)
- Zerebrovaskuläre Ereignisse (Apoplexie; Zusammenhang nicht gesichert)