Wirkstoffklasse
- Statine (Syn.:
CSE-Hemmer, HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren)
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Fertigpräparate
(alle
außer Handel)
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Vorbemerkung
Fertigpräparate mit dem Wirkstoff Cerivastatin wurden im
August
2001 von Bayer weltweit vom Markt genommen (sog. Lipobay-Skandal),
nachdem nach deren Einnahme zahlreiche Todesfälle bekannt
geworden
waren, da die Konsumenten, trotz Warnungen im Beipackzettel,
gemfibrozilhaltige Medikamente (Fibrate) eingenommen
hatten. Cerivastatin hatte in Kombination mit Gemfibrozil
(z.B. in Gevilon®),
einem
ebenfalls lipidsenkenden Präparat, zu einer
Zerstörung von
Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) und dadurch bedingtes Nierenversagen
geführt. Als Ursache wird eine Überdosierung der
Medikamente
sowie der gemeinsame Abbaumechanismus (CYP 2C8) von Cerivastatin und
anderen kontraindizierten Arzneistoffen angenommen.
Wirkung
Cerivastatin hemmt die
Cholesterinsynthese in
der Leber und führt somit zu einer Senkung des
Cholesterinspiegels
im Blut (LDL-Cholesterin).
Cerivastatin zeichnet(e) sich durch eine 200fach stärkere
Affinität zur HMG-CoA-Reduktase im Vergleich zu den analogen
Substanzen aus. In therapeutischer Dosierung von 0,1-0,3 mg senkt
Cerivastatin das LDL-Cholesterol bis zu 33% und das Gesamt-Cholesterol
bis zu 25%. Die um ein Vielfaches reduzierte Dosierung im Vergleich zu
analogen Substanzen kommt außerdem durch die
Biotransformation zu
aktiven Metaboliten zustande (in klinischen Studien waren 0,4 mg
Cerivastatin bzgl. der Senkung des LDL-Cholesterols äquivalent
mit
20 mg Simvastatin,
10 mg Atorvastatin,
40 mg Pravastatin
oder 80 mg Fluvastatin).
Wirkungsmechanismus
Inhibitoren der
3-Hydroxy-3-methyl-glutaryl-Coenzym A
(HMG-CoA)-Reduktase hemmen die intrazelluläre
Cholesterolsynthese in
der Leber. Zu diesen gehört Simvastatin. Die Geschwindigkeit
der Cholesterolbiosynthese wird durch
die Aktivität der HMG-CoA-Reduktase als
Schlüsselenzym bestimmt. Sie
katalysiert die Reduktion von 3-Hydroxy-3-methyl-glutaryl-CoA, das aus
drei Molekülen Acetyl-CoA entsteht, zu Mevalonsäure.
Diese wird in
mehreren Schritten über Isopentenyldiphosphat,
Farnesyldiphosphat und
Squalen zu Cholesterol verstoffwechselt.
Die HMG-CoA-Reduktasehemmer
sind dem physiologischen Substrat der HMG-CoA-Reduktase, dem HMG-CoA
ähnlich und haben eine höhere Affinität zur
HMG-CoA-Reduktase als
dieses. Die HMG-CoA-Reduktase wird kompetitiv gehemmt. Die
intrazelluläre Cholesterolsynthese sinkt. Daraufhin steigt an
der
Oberfläche der Leberzellen die Anzahl der LDL-Rezeptoren, so
dass
vermehrt LDL und damit auch Cholesterol aus dem Plasma in die
Leberzelle aufgenommen werden kann. Auf diese Weise kann LDL um 20-45%
gesenkt werden, ohne dass die intrazelluläre
Cholesterolkonzentration
abnimmt. HMG-CoA kumuliert durch die Hemmung der HMG-CoA-Reduktase
nicht in der Zelle; es wird wieder zu Acetyl-CoA abgebaut und in den
Intermediärstoffwechsel eingeschleust. Es besteht daher keine
Gefahr
der Akkumulation potentiell toxischer Steroid-Vorstufen.
Die
Cholesterolsynthese wird durch die HMG-CoA-Reduktasehemmer nicht
vollständig blockiert, so dass für den Aufbau von
Zellmembranen und die
Synthese von Steroidhormonen genügend Cholesterol zur
Verfügung steht. Unter
der Behandlung mit HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren werden im Serum sowohl
Gesamt- als auch LDL-Cholsterol und Apolipoprotein B (ein
Membrankomplex des LDL-Cholesterols) reduziert, in geringerem Umfang
zusätzlich VLDL-Cholesterol und Triglyceride. Der
HDL-Cholesterol-Spiegel steigt, ebenso wie die Konzentration an
Apolipoprotein A.
Untersuchungen
ergaben Hinweise darauf, dass die unter HMG-CoA-Reduktase-Hemmern
beobachtet Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse nicht nur mit
der
cholesterolsenkenden Wirkung, sondern mit weiteren Effekten auf
Blutgefäßwand, Blutfluss und -zusammensetzung
einhergeht.
Mit
der Hemmung des PDGF (platelet-derived growth factor) durch
Störung der
entsprechenden DNA-Synthese durch HMG-CoA-Reduktase-Hemmstoffe wird die
Makrophagen- und Plättchenmigration sowie die Proliferation
von
glatten
Muskelzellen und Fibroblasten gehemmt, entsprechend die Plaquebildung
in den Gefäßen reduziert. Zudem wurden
antithrombotische
Effekte
gesehen.
Nebenwirkungen
Unerwünschte
Wirkungen - (Art und Schweregrad)
Unter
der Behandlung mit Cerivastatin sind Linsentrübungen
beobachtet worden,
jedoch konnte ein Kausalzusammenhang mit der Einnahme der Substnz nicht
hergestellt werden.
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (1-10%)
- Sinusitis (3,8%)
- Kopfschmerzen (2,2%)
- Rhinitis (1,8%)
- verstärkter Husten (1,8%)
- Schlaflosigkeit (1,6%)
- grippeartige Beschwerden (1,4%)
- Myalgie (1,2%)
- Erhöhungen von CPK um mehr als das Dreifache des oberen
Normwertes nach 1- bzw. 2jähriger Therapie (1,7 bzw. 2,1%)
-
Rhabdomyolyse (teilweise mit sekundärem akutem Nierenversagen
nach
Myoglobinurie) bei gleichzeitiger Behandlung mit Cerivastatin und
Gemfibrozil.
Seltene
unerwünschte Wirkungen (< 1%)
- Abdominale Schmerzen (0,8%)
- Gelenkschmerzen (0,7%)
- Rückenschmerzen (0,5%)
- Erhöhungen von GOT um mehr als das Dreifache des oberen
Normwertes (0,46%)
- Erhöhungen von GPT um mehr als das Dreifache des oberen
Normwertes (0,44%)
- Erhöhungen von CPK um mehr als das 10fache des oberen
Normwertes (0,18%)
- signifikante Erhöhung um mehr als das 3fache des oberen
Normwertes der ALT (0,5%);
- signifikante Erhöhung um mehr als das 3fache des oberen
Normwertes der AST (0,57%).
Unerwünschte
Wirkungen, Einzelfälle
Nierenfunktionsstörungen
infolge Rhabdomyolyse
Unerwünschte
Wirkungen,ohne Angabe der Häufigke
Häufiger als selten:
geringgradiger Anstieg der Serumtransaminasen (auf weniger als das
Doppelte des oberen Normwertes).