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Ciclosporin

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Ciclosporin (Syn. Cyclosporin A)

Formel Ciclosporin

Wirkstoffklasse

  • Immunsupressivum
  • Calcineurin-Inhibitor
  • Interleukin-2-Inhibitor

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Cicloral® 
  • Immunosporin® 
  • Sandimmun® 

Wirkung

Ciclosporin wird aus den norwegischen Schlauchpilzen Tolypocladium inflatum und Cylindrocarpon lucidum isoliert. Ciclosporin unterdrückt die Immunabwehr, indem es das Enzym Calcineurin hemmt und wird vor allem in der Transplantationsmedizin verwendet, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden.

Wirkungsmechanismus

Ciclosporin ist ein Immunsuppressivum. Es ist ein Stoffwechselprodukt des Bodenpilzes Tolypocladium inflatum und hat die Struktur eines cyclischen Peptids mit 11 Aminosäuren. Eine Aminosäure weist die D-Konfiguration auf (D-Alanin). Ciclosporin blockiert spezifisch und reversibel die ruhenden Lymphozyten in der G0- oder G1-Phase des Zellcyclus (durch Bindung an Calcineurin). Es hemmt die Freisetzung von Interleukin 1 (IL1) aus Makrophagen und vermindert die Sekretion von Interleukin 2 (IL2) aus aktivierten T-Helferzellen. Damit wird die Proliferation weiterer T-Helferzellen, die Proliferation der für die Transplantatabstoßung entscheidenden T-Effektorzellen und die Freisetzung von gamma-Interferon aus den natürlichen Killerzellen verhindert. Der relative Mangel an Interleukin 2 und gamma-Interferon führt zu einer verminderten Expression der MHC (Major Histocompatibility Complex)-Antigene. Da sowohl das MHC-Merkmal als auch das Antigen auf einer Zielzelle ausgeprägt sein müssen, wenn die Zellen oder das Organ als fremd erkannt werden sollen, kommt es zu einer Abnahme der zellulären Immunabwehr.
Die Unterscheidung zwischen körpereigenen und körperfremden Proteinen durch das Immunsystem wird nicht nur von den Histokompatibilitätsantigenen (HLA) und den T4 und T8-Antigenen, sondern auch von T3-Antigenen bestimmt. Die Histokompatibilitätsantigene umfassen eine Gruppe von Gewebsantigenen des Menschen, die auch Transplantations-Antigene genannt werden. Diese lassen sich besonders gut auf Leukozyten nachweisen; sie werden daher auch als Human Leukozyte Antigens (HLA) oder als Major Histocompatibility Complex (MHC) bezeichnet. Die Aktivität der T-Helferzellen wird in nanomolaren Konzentrationen von Ciclosporin gehemmt, während die Funktion der T-Effektorzellen und die der T-Suppressorzellen durch mikromolare Konzentrationen eingeschränkt wird. Die mitogen oder antigen-induzierte Aktivierung des Phosphoinositol-Stoffwechsels und die damit verbundene Erhöhung des intrazellulären Calciumgehaltes wird durch Ciclosporin nicht beeinflusst. Bei höheren Konzentrationen kann Ciclosporin als sehr lipophile Substanz den Phospholipid-Stoffwechsel stören.
Ciclosporin diffundiert passiv durch die Zellmembran von T-Helferzellen und wird intrazellulär an Cyclophilin und Calmodulin gebunden. Der Komplex Ciclosporin/Cyclophilin bindet und hemmt seinerseits die Phosphatase Calcineurin. Calcineurin ist für die Dephosphorylierung von NFAT (nuclear factor of activated thymocytes) zuständig, wodurch im Zellkern auf der DNA die Transkriptionseinheit von IL2 aktiviert wird. Die Blockade von Calcineurin durch den Ciclosporin/Cyclophilin-Komplex hat die Hemmung der Phosphatase-Aktivität und damit die Inhibition der IL2-Ausschüttung zur Folge.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
allgemein:
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Ciclosporin
- Impfung mit Lebendvakzinen
- Stillzeit
Ciclosporin, sojaemulgiert, zusätzlich:
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Soja
andere Anwendungsgebiete als Transplantationen, zusätzlich:
- Nierenfunktionsstörungen (Ausnahme: nephrotisches Syndrom und leichte bis mäßige Niereninsuffizienz )
- unkontrollierte Hypertonie
- unkontrollierte Infektionskrankheiten
- anamnestisch bekannte oder diagnostizierte maligne Tumore jeglicher Art
Psoriasis zusätzlich:
- schwerwiegende Lebererkrankungen
- Hyperurikämie
- Hyperkaliämie
- durch Arzneimittel hervorgerufene oder verstärkte Formen der Psoriasis
- gleichzeitige Anwendung von PUVA (Photochemotherapie), Retinoiden (Beginn der Ciclosporin-Gabe frühestens 4 Wochen nach Beendigung einer Etretinat-Therapie) oder Immunsuppression
nephrotisches Syndrom zusätzlich:
- Kreatinin-Werte größer 0,2 mmol/l bei Erwachsenen bzw. größer 0,14 mmol/l bei Kindern
atopische Dermatitis zusätzlich:
- mit konventioneller Behandlung, v.a. mit topischen Glucocorticoiden therapierbare atopische Dermatitiden
- gleichzeitige PUVA- oder selektive UV-Therapie, übermäßige Sonnenbestrahlung
Da keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, darf Ciclosporin bei den Indikationen Psoriasis, rheumatoide Arthritis und atopische Dermatitis bei Kindern unter 18 Jahren nicht angewendet werden.

Relative Gegenanzeigen

allgemein:
- Hyperurikämie
- Schwangerschaft
andere Anwendungsgebiete als Transplantationen zusätzlich:
- unkontrollierte Hypertonie (Dosisreduktion oder Therapieabbruch)
Psoriasis zusätzlich:
- gleichzeitige, langjährig bestehende PUVA-Therapie (eingehende Nutzen/Risiko-Abwägung wegen erhöhten Hautkrebs-Risikos), übermäßige Sonnenbestrahlung
- unzureichende Erfahrungen bei Alkoholkrankheit, erythrodermischer oder pustulöser Psoriasis sowie bei vorausgegangener langjähriger Methotrexattherapie
atopische Dermatitis zusätzlich:
- Varizellen- und andere virale Infektionen
- manifeste Herpes simplex- oder Herpes zoster Infektionen
- Staphylococcus aureus Infektionen ohne antibiotische Begleittherapie (kein systemisches Erythromycin ohne Blutspiegel- und Nierenfunktionskontrolle)

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit

- erhöhtes Risiko lymphoproliferativer Störungen oder maligner Tumore, insbesondere der Haut (bei Ciclosporin, sojaemulgiert: diese unerwünschte Wirkung hat die Häufigkeitsangabe "gelegentlich")
- bei Psoriasis-Patienten: benigne lymphoproliferative Störungen sowie B- und T-Zell-Lymphome, diese verschwanden nach sofortigem Absetzen von Ciclosporin wieder.
- bei nierentransplantierten Patienten: benigne Fibroadenome in der Brust
- bei Patienten mit atopischer Dermatitis: gutartige Lymphadenopathie (häufig in Verbindung mit einem Schub)
- erhöhtes Infektionsrisiko
- Anstieg der Serumspiegel von Bilirubin und Leberenzymen
- Langzeitbehandlung von Nierentransplantations-Patienten: NNR-Suppression

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

- Hyperlipidämie
- Tremor, Kopfschmerzen
- Hypertonie
- Nierenfunktionsstörungen

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Alopezie
- Muskelkrämpfe, Muskelschmerzen
- Hypertrichose
- Gingivitis hypertrophicans, gastrointestinale Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gastritis und Gastroenteritis
- Parästhesien (v.a. Brennen in Händen und Füßen)
- Müdigkeit
- Leberfunktionsstörung
- leichte, umkehrbare Erhöhung der Blutfettwerte (speziell in Kombination mit Corticosteroiden), Elektrolytstörungen wie Hyperkaliämie bzw. Verschlechterung einer bereits bestehenden Hyperkaliämie, sowie Hypomagnesiämie, Hyperurikämie

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

- Anämie, Thrombozytopenie
- Hyperthermie
- Hitzewallungen
- Sinusitis
- Gicht
- Hyperglykämie (bei Ciclosporin, sojaemulgiert: diese unerwünschte Wirkung hat die Häufigkeitsangabe "selten")
- Akne, Hautausschlag, allergische Hauterscheinungen
- Enzephalopathie mit den möglichen Symptomen: Verwirrtheitszustände, Bewusstseinsstörungen manchmal bis zum Koma, Seh- und Hörstörungen, Bewegungsstörungen, corticale Blindheit, Taubheit, Paresen (Hemiplegie, Tetraplegie), Ataxie, Agitation, Schlafstörungen
- Konvulsionen
- Ulcus ventriculi
- Menstruationsstörungen wie Amenorrhoe und reversible Dysmenorrhoe (bei Ciclosporin, sojaemulgiert: diese unerwünschte Wirkung hat die Häufigkeitsangabe "selten")
- Ödeme, v. a. Gesichtsödeme
- Gewichtszunahme

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

- Mikroangiopathische hämolytische Anämie mit Nierenversagen, hämolytisch-urämisches Syndrom
- Leukopenie
- Hautrötung, Juckreiz
- ischämische Herzkrankheit
- motorische Polyneuropathie
- Pankreatitis
- Gynäkomastie
- Muskelschwäche, Myopathie

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

Sehr selten kommt es zu einem Pupillenödem, einschließlich Papillenödem, mit möglicher Verschlechterung des Sehvermögens. Dies kann auch die Folge eines Pseudotumor cerebri (benigne intrakranielle Hypertension, BIH) sein. In Einzelfällen wurde eine Kolitis beobachtet.