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Clindamycin


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Clindamycin

Formel Clindamycin

Wirkstoffklasse

  • Antibiotikum
  • Lincosamid

Fertigpräparate (Auswahl)

  • ClindaHEXAL® 
  • Clindalind® 
  • Clinda-saar® 

Wirkung

Clindamycin ist ein halbsynthetisches Derivat des Lincomycins. Es gehört zur Gruppe der Lincosamide, die ein ähnliches Wirkungsspektrum besitzen wie die Makrolid-Antibiotika. Von besonderer Bedeutung ist die Wirkung auf Staphylokokken und Anaerobier. Clindamycin wirkt vorwiegend bakteriostatisch.

Wirkungsmechanismus

Clindamycin ist ein halbsynthetisches Derivat des Lincomycins (Chlor-Desoxy-Lincomycin). Es gehört zur Gruppe der Lincosamide, die als Pyranoside keine Verwandtschaft mit bisher bekannten Antibiotika aufweisen. Clindamycin hemmt durch Bindung an die 50S-Untereinheit der Bakterien-Ribosomen die bakterielle Protein-Synthese und wirkt damit vorwiegend bakteriostatisch.
Wirkung Antibiotika Clindamycin

Clindamycin wird teilweise als Ester verabreicht. Ester sind als Prodrugs anzusehen, nach Ester-Spaltung ist freies Clindamycin die Wirkform.
Die Resistenz von Staphylokokken (die meisten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus) bzw. Streptokokken beruht meist auf einem vermehrten Einbau von Methylgruppen in die 23S rRNA (konstitutive MLSB-Resistenz), wodurch die Affinität von Clindamycin an Ribosomen stark vermindert wird.
Bei Stämmen mit konstitutiver MLSB-Resistenz besteht eine vollständige Parallelresistenz von Clindamycin mit Lincomycin, Makroliden (z. B. Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin, Roxithromycin, Spiramycin) sowie Streptogramin B.

Behandlung der Akne vulgaris: In vivo wird Clindamycin-2-dihydrogenphosphat in den Talgdrüsen-Follikeln zur aktiven Base Clindamycin hydrolysiert. Clindamycin wird im Talg angereichert und hemmt das für die Entzündung der Follikel verantwortliche Propionibacterium acnes (MHK 0,03-0,5 μg/ml). Durch die Verminderung von Lipase-freisetzenden Propionibacterium acnes auf der Haut wird zudem die Produktion von freien Fettsäuren verringert (Reduktion des Gehalts an freien Fettsäuren auf der Hautoberfläche von 14 % auf 2 %), was die Abheilung der Akne-Effloreszenzen unterstützt.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen

- Überempfindlichkeit gegen Clindamycin oder Lincomycin (Kreuzreaktion)
extern/kutane Anwendung, zusätzlich:
- anamnestisch bekannte regionale Enteritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Antibiotika-assoziierte Colitis
- Alter < 12 Jahre (keine Indikation)
urogenital/intravaginale Anwendung, zusätzlich:
- anamnestisch bekannte regionale Enteritis, Colitis ulcerosa, Antibiotika-assoziierte Colitis
- Placenta praevia
- vaginale Infektion mit Clindamycin-unempfindlichen Keimen (z. B. Trichomonas vaginalis, Candida albicans)
- Risiko-Schwangerschaften

Relative Gegenanzeigen

- Stillzeit (Nutzen/Risiko-Abschätzung)
systemische Anwendung, zusätzlich:
- eingeschränkte Leberfunktion
- Störungen der neuromuskulären Übertragung (Myasthenia gravis, Morbus Parkinson)
- anamnestisch bekannte Magen/Darm-Erkrankungen (z. B. Kolitiden)
- bestehende Penicillin-Allergie
- Atopie, vorbestehende Allergien, Asthma (vorsichtige Anwendung)
- Schwangerschaft (sorgfältige Nutzen/Risiko-Abschätzung)
extern/kutane Anwendung, zusätzlich:
- Atopie, vorbestehende Allergien, Asthma (vorsichtige Anwendung)
- Schwangerschaft (sorgfältige Nutzen/Risiko-Abschätzung)
urogenital/intravaginale Anwendung, zusätzlich:
- 1. Trimenon der Schwangerschaft (Anwendung nur bei klarere Indikationsstellung)

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.


Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
systemische Anwendung:
- perorale Anwendung: Ösophagitis, Ösophagus-Ulzera, Stomatitis
- häufig bis sehr häufig: weiche Stühle, Diarrhoe, manchmal verbunden mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen (applikations-/dosisabhängig, meist leichter Natur, reversibel im Behandlungsverlauf bzw. nach Absetzen von Clindamycin)
externe Anwendung:
- unerwünschte Wirkungen in Folge systemischer Verfügbarkeit

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

urogenitale Anwendung:
- symptomatische Zervizitis, Kolpitis

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

systemische Anwendung:
- leichte, vorüber gehende Erhöhung der Serum-Transaminasen
- i.m. Injektion: lokale Reizungen, Schmerzen, Indurationen, sterile Abszesse an der Injektionsstelle
- i.v. Applikation: Schmerzen, Thrombophlebitiden
externe Anwendung:
- trockene Haut, Erythem, Brennen der Haut, Reizung um die Augen, Akne-Exazerbation, Pruritus
urogenitale Anwendung:
- Irritationen der Vulva

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

systemische Anwendung:
- reversible toxische oder allergische Blutbild-Veränderungen in Form von Thrombozytopenie, Leukopenie, Eosinophilie, Neutropenie, Granulozytopenie
- neuromuskuläre Blockade
- Allergien in Form von masernähnlichem Exanthem, Pruritus, Urtikaria
externe Anwendung:
- schmerzhafte Haut, schuppiger Ausschlag

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

systemische Anwendung:
- Schwellungen (Quincke-Ödem, Gelenkschwellungen), Arzneimittelfieber, Erythema exsudativum multiforme (z. B. Stevens-Johnson-Syndrom), Lyell-Syndrom (Auftreten teilweise bereits nach Erstanwendung)
- desquamatöse bzw. bullöse Dermatitis
- Scheidenkatarrh
externe Anwendung:
- Halsschmerzen
- Kopfschmerzen
- Kontaktdermatitis
urogenitale Anwendung:
- Hautausschlag
- Urtikaria

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

systemische Anwendung:
- akute allergische Reaktionen wie z. B. Rash, Pemphigus, anaphylaktischer Schock (teilweise bereits nach Erstanwendung)
- vorüber gehende Hepatitis mit cholestatischem Ikterus
- Polyarthritis
- Geschmacksstörungen
- pseudomembranöse Enterokolitis
urogenitale Anwendung:
- Sobrennen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen
- Schwindelzustände, Kopfschmerzen