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Clonidin

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Clonidin

Formel Clonidin

Wirkstoffklasse

  • zentralwirksames Antihypertensivum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Clonidin-ratiopharm® 
  • Clonistada® 
  • Haemiton® 

Wirkung

Das Imidazolin-Derivat Clonidin gehört in die Gruppe der Antihypertonika. Durch seine Affinität zu zentralen Imidazolin- und α-2-Rezeptoren wirkt es blutdrucksenkend. Nach lokaler Anwendung am Auge verbessert es den Kammerwasserabfluss und senkt dadurch den Augeninnendruck.

Wirkungsmechanismus

α2-Adrenozeptor-/Imidazolin-Rezeptor-Agonisten wirken als zentral angreifende so genannte Antisympathotonika und damit Antihypertensiva (bedeutsam v.a. Clonidin, Moxonidin, Methyldopa).
Wegen der starken Wirksamkeit und der gleichzeitig nicht unerheblichen Nebenwirkungsinzidenz werden α2-Adrenozeptor-/Imidazolin-Rezeptor-Agonisten bei schwerer Hypertonie meist als Mittel der 2. Wahl und in Kombination mit anderen Blutdruck-senkenden Mitteln (Diuretika, Betablocker, AT1-Rezeptor-Antagonisten) eingesetzt.
Folgende Mechanismen spielen bei ihrer Wirkung eine unterschiedlich ausgeprägte Rolle:
- Die Stimulation autoinhibitorischer präsynaptischer α2-Rezeptoren führt zu einer reduzierten Ausschüttung von Noradrenalin (physiologischer negativer Rückkopplungsmechanismus).
- Die Aktivierung postsynaptischer α2-Rezeptoren des Nucleus Tractus Solitarii, einer Hauptumschaltstelle der Blutdruck-Regulation bewirkt eine direkte Blutdruck-Senkung in Folge Erhöhung der Toleranz gegenüber niedrigeren Blutdruck-Werten. Die Erregung postsynaptischer α2-Rezeptoren wird gleichzeitig für die nicht unerheblichen Nebenwirkungen (v.a. Sedation, verminderte Speichel-Sekretion) verantwortlich gemacht.
- Die Affinität an postsynaptischen α1-Rezeptoren bewirkt demgegenüber eine periphere Vasokonstriktion, von Moxonidin werden hierfür 10- bis 100-fach höhere Konzentrationen benötigt als für die Affinität an α2-Rezeptoren (relative α2-Selektivität, therapeutische Breite).
- Die Affinität an Imidazolin-Bindungsstellen in der rostralen ventrolateralen Medulla (einer Hirnstamm-Region, die für die Umschaltung zentraler exzitatorischer sympathischer Reize auf die präganglionären sympathischen Nervenfasern verantwortlich ist), ist Hauptursache für den antisympathotonen und damit anthypertensiven Effekt von Moxonidin und Clonidin. Moxonidin z.B. zeigt in vitro eine 50- bis 500-fache Imidazolin-Selektivität in Relation zur Affinität an α2-Rezeptoren.
Imidazol(in)-Rezeptoren kommen daneben in verschiedenen peripheren Organen vor, die Affinität an renalen Rezeptoren wird als Ursache für eine direkte natriuretische Wirkung angesehen.

Clonidin ist ein Imidazolinderivat, welches im ZNS die postsynaptischen, α-2-adrenergen Rezeptoren stimuliert. Die Affinität zu α-2-Rezeptoren ist 10fach stärker ausgeprägt als zu α-1-Rezeptoren und bestimmt somit den Wirkungscharakter.
Nach neuesten Erkenntnissen ist für den starken antihypertensiven Effekt von Clonidin allerdings seine Affinität zu zentralen Imidazol-Rezeptoren verantwortlich. Peripher finden sich diese Rezeptoren u.a. in Niere, Uteruswand, Harnröhre, Thrombozyten, Leber und Plazenta. Die Angriffsstelle von Clonidin ist in der rostralen ventrolateralen Medulla im Hirnstamm lokalisiert. Hier findet die Umschaltung zentraler exzitatorischer Reize auf die präganglionären sympathischen Nervenfasern statt, wobei der Imidazolin-Rezeptor offensichtlich eine kontrollierende Funktion einnimmt. Nach Untersuchungen mit Antagonisten am jeweiligen Rezeptor korreliert die Affinität von Clonidin zu zentralen α-2-Rezeptoren eher mit unerwünschten Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Sedation, der Angriff an Imidazolin-Rezeptoren dagegen mit der antihypertensiven Wirkung. Durch die Verminderung der Sympathikusaktivität bei gleichzeitiger Steigerung des Vagotonus kommt es infolge Senkung der Herzfrequenz zu einer Reduzierung des Herzzeitvolumens, später zu einer Herabsetzung des peripheren Widerstandes. Die blutdrucksenkende Wirkung von Clonidin wird durch eine Verminderung der Reninfreisetzung unterstützt.
Die Erregung peripherer α-2-Rezeptoren kann, v.a. bei i.v. Applikation, zu einem kurzfristigen initialen Blutdruckanstieg führen.
Die Wirkmechanismen von Clonidin sind bei der Migräneprophylaxe, bei klimakterischen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen und dem Tourette-Syndrom noch hypothetisch.
Beim Opiatentzug entsteht durch plötzliche Enthemmung eine Überaktivität noradrenerger Neurone besonders des Locus coeruleus, die für die Entzugssymptomatik verantwortlich gemacht wird. Clonidin dämpft diese Überaktivität, indem es über zerebrale α-2-adrenerge Rezeptoren und Rückkopplungsmechanismen die neuronale Noradrenalin-Freisetzung vermindert.
Bei lokaler Anwendung am Auge senkt Clonidinhydrochlorid den intraokularen Druck in hypertonen wie auch in normotonen Augen. Bei einseitigem Eintropfen ist ein schwächer ausgeprägtes, paralleles Absinken des Druckes im unbehandelten Auge feststellbar. Dieser Effekt ist bei den höheren Clonidin-Konzentrationen stärker ausgeprägt, bei 1/8% bzw. 1/16% jedoch kaum zu beobachten.
Pupillenweite und -motorik werden durch Clonidin-Augentropfen normalerweise nicht beeinflusst. Ebenso kommt es zu keiner Akkommodationsstörung. Die Senkung des Augeninnendrucks beruht in erster Linie auf einer Verbesserung des Kammerwasserabflusses. Durch selektive Kontraktion von Muskelfasern im meridionalen Teil des Ziliarmuskels wird das Trabekelsystem entfaltet, so dass sich der Schlemmsche Kanal öffnet und das Kammerwasser besser abfließt. Zusätzlich kann durch Clonidin auch die Kammerwasserproduktion leicht gedrosselt werden.
Präklinische Studien weisen auf neuroprotektive Eigenschaften von Clonidin hin. Es liegen klinische Hinweise vor, dass Clonidin beim Glaukompatienten gesichtsfeldstabilisierend wirken kann.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen

oral, parenteral:
- bekannte Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Clonidin
- bestimmte Erregungsbildungs- und Erregungsleitungsstörungen des Herzens z.B. Sinusknotensyndrom oder AV-Block II. und III. Grades
- Bradykardie (Herzfrequenz kleiner als 50 Schläge/min)
- Depressionen
- ausgeprägte Hypotonie (eine Hypovolämie ist v.a. vor Beginn einer i.v. Therapie auszugleichen)
parenterale Applikation, zusätzlich:
- Schwangerschaft
- Stillzeit
ophthalmologisch:
- Hypotonie
- Gefäßsklerose
- Sinusknotensyndrom
- Überempfindlichkeit gegen Clonidin
- Schwangerschaft
- Stillzeit


Relative Gegenanzeigen

oral, parenteral:
- koronare Herzkrankheit, insbesondere bei frischem Herzinfarkt, schwerer Herzinsuffizienz (NYHA IV)
- fortgeschrittene arterielle Verschlusskrankheit
- Raynaud-Syndrom
- Thrombangiitis obliterans
- zerebro-vaskuläre Insuffizienz
- fortgeschrittene Niereninsuffizienz
- Obstipation
- Polyneuropathien
oral zusätzlich:
- Schwangerschaft


Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Nach dem plötzlichen Absetzen von Clonidin, insbesondere nach langfristiger Behandlung und hohen Dosierungen, sind akute Absetzerscheinungen in Form von starker, eventuell auch lebensbedrohender Blutdrucksteigerung und Herzjagen sowie Herzrhythmusstörungen, Unruhe, Nervosität, Zittern, Kopfschmerzen und/oder Übelkeit beschrieben worden (akutes Absetzsyndrom).
Insbesondere zu Beginn der Therapie kann eine Gewichtszunahme, bedingt durch Natrium- und Wasserretention, auftreten.
Bei Patienten mit Alkoholentzugssyndrom kann spontan Darmträgheit bis hin zum paralytischen Ileus auftreten, die durch die Behandlung mit Clonidin noch verstärkt werden kann. Dies kann eine Dosisreduktion bis hin zum Absetzen von Clonidin sowie eine symptomatische Therapie erforderlich machen.
Bei Anwendung am Auge:
- Fremdkörpergefühl

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

- Sedation (Abgeschlagenheit, Müdigkeit)
- orthostatische Beschwerden wie Schwindel und Kollapsneigung in aufrechter Körperhaltung sowie beim Lagewechsel vom Liegen zum Stehen
- Mundtrockenheit

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Schlafstörungen
- depressive Verstimmungen
- Kopfschmerzen
- Obstipation und Verstärkung einer Obstipation
- Übelkeit
- Erbrechen
- Schmerzen in den Ohrspeicheldrüsen
- Abnahme von Potenz und Libido
bei Anwendung am Auge:
- Augenbrennen

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

- Alpträume
- Wahrnehmungsstörungen
- Sinnestäuschungen
- Missempfindungen in Händen und Füßen (Parästhesien)
- Reduzierung der Herzfrequenz (Bradykardie)
- Durchblutungsstörungen der Hände und Füße (Raynaud-Syndrom)
- Überempfindlichkeitsreaktionen (Allergien) in Form von Hautreaktionen mit Hautausschlag (Exanthem), Nesselsucht (Urtikaria) und Juckreiz (Pruritus)
- Unwohlsein

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

- vorübergehende Verwirrtheitszustände
- Verminderung des Tränenflusses
- Akkomodationsstörungen
- Verstärkung bestimmter Formen von bereits bestehenden Herzrhythmusstörungen (AV-Blockierungen, AV-Dissoziation)
- Verstärkung einer bestehenden Herzinsuffizienz
- anfänglicher (paradoxer) Blutdruckanstieg bei Therapiebeginn
- Austrocknen der Nasenschleimhäute
- Pseudoobstruktion des Dickdarms
- Haarausfall (Alopezie)
- Miktionsstörungen
- Abnahme der Harnproduktion (Minderperfusion der Niere)
- Gynäkomastie
- vorübergehender Anstieg der Blutzuckerwerte
- vorübergehende Veränderung der Leberfunktionstests
- positiver Coombs-Test
- Gewichtsabnahme