Wirkstoffklasse
- Thrombozytenaggregationshemmer
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Fertigpräparate (Auswahl)
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Wirkung
Clopidogrel
wird als Thrombozytenaggregationshemmer ähnlich der Acetylsalicylsäure
(ASS) eingesetzt. Das heißt, er behindert Teile des
Gerinnungssystems im Blut und bewirkt damit einen gewissen Schutz vor
Arterienverschlüssen, wie beispielsweise bei Myokardinfarkt
und
Schlaganfall.
Clopidogrel hemmt sowohl die initialen Schritte der Hämostase
als
auch die Folgereaktionen der fortschreitenden Thrombose. Die
Blutgerinnungszeit wird durch Clopidogrel 1,5- bis 1,7-fach
verlängert. Jedoch hat Clopidogrel keinen Einfluss auf die
plasmatische Gerinnungszeit, d.h. das System der humoralen Gerinnung
bleibt von Clopidogrel unbeeinflusst.
Wirkungsmechanismus
Unter
normalen physiologischen Bedingungen adherieren Blutplättchen
nicht an gesunden Endothelzellen von Blutgefäßen.
Sobald die
Endotheloberfläche Läsionen aufweist und
subendotheliale
Bestandteile wie Kollagen Typ I und II oder Elastin mit dem Blutstrom
in Kontakt treten, werden an den Thrombozyten Änderungen der
Membraneigenschaften induziert mit der Folge einer Adhäsion
der
Thrombozyten an die Gefäßwand. Die aktivierten
Blutplättchen setzen aus ihren alpha-Granula unter anderem
Platelet-derived Growth Factor (PDGF) frei, der zu einer Proliferation
der glatten Gefäßmuskulatur am Ort der
Adhäsion
führt. In diesem Stadium kommt es auch zu einer Freisetzung
von
Calcium aus den Thrombozyten, in deren Folge sich die
Plättchen
kontrahieren und Serotonin und ADP aus ihren delta-Granula freisetzen.
Das freigesetzte ADP ist als Botenstoff bei der fortschreitenden
Aggregation von größter Bedeutung. ADP bindet an 3
verschiedene Rezeptorsubtypen der Plättchenmembran, die
entweder
den durch ADP ausgelösten Kationeninflux (P2X1-Rezeptor)
vermitteln, die Calciummobilisation auslösen (P2Y1-Rezeptor)
oder
die Adenylatcyclase aktivieren (P2YAC). Die Rezeptoraktivierung
löst nunmehr eine Erhöhung der zytoplasmatischen
Konzentration von CA2+-Ionen, ADP und Thromboxan aus, so dass die
aktivierten Thrombozyten ihre Gestalt ändern und rasch
aggregieren. Bei diesem Vorgang spielt auch eine verringerte
Phosphorylierung des VASP (Vasodilator-Stimulated-Phosphoprotein) eine
entscheidende Rolle, da die Phsophorylierung von VASP eng mit der
Aktivierung des Glykoprotein-(GP) IIb/IIIa-Fibrinogenrezeptors in der
Plättchenmembran gekoppelt ist. Sinkt die Phosphorylierung von
VASP, steigt der Aktivierungsgrad der Plättchen und des
GP-IIb/IIIa-Rezeptors an.
Clopidogrel gehört zur Gruppe der
Thrombozytenaggregationshemmer
aus der Klasse der Thienopyridine und blockiert irreversibel
thrombozytäre ADP-Rezeptoren des P2YAC-Typs.
Im Unterschied zu ASS
oder zu Dipyridamol hemmt Clopidogrel weder die Cycloxygenase
noch erhöht es die Konzentration an cAMP in den
Blutplättchen
durch Hemmung der Phosphodiesterase bzw. Hemmung der Adenosinaufnahme.
Es greift demnach auch nicht in die Bildung von Thromboxan/Prostacyclin
ein.
Clopidogrel hemmt selektiv die Bindung von Adenosindiphosphat (ADP) an
dessen Rezeptor auf den Thrombozyten. Dadurch wird die
anschließende ADP-induzierte Aktivierung des
GP-IIb/IIIa-Rezeptorkomplexes und somit die Thrombozytenaggregation
weitgehend verhindert. Darüber hinaus hemmt Clopidogrel auch
die
durch andere Substanzen ausgelöste Thrombozytenaggregation,
indem
die Verstärkung der Thrombozytenaktivierung durch das
freigesetzte
ADP gehemmt wird. Unter Clopidogrel bleiben Blutplättchen
für
ihre gesamte Lebensdauer beeinträchtigt; die
Thrombozytenfunktion
normalisiert sich entsprechend der Geschwindigkeit der
Thrombozytenneubildung.
Da die Aktivierung der GP-IIb/IIIa-Rezeptoren die gemeinsame
thrombogene Endreaktion im Thrombozyten darstellt, hemmt Clopidogrel
nicht nur die durch ADP, sondern auch die durch Thrombin, Kollagen,
Arachidonsäure oder Platelet Activating Factor (PAF)
induzierte
Thrombozytenaggregation.
In vitro ist Clopidogrel nicht wirksam, sondern wird erst in vivo durch
Öffnung des Thiophenringes in 2 - 1 - [ ( 1 S ) - 1
-(2-Chlorphenyl)-2-methoxy-2-oxoethyl]
-4-sulfanyl-3-piperidinylidenessigsäure
überführt. Die
4-Sulfanylgruppe bindet irreversibel durch Ausbildung einer
Disulfidbindung an einen Cysteinrest der thrombozytären
P2YAC-Rezeptoren. Hierdurch wird die ADP-induzierte Hemmung der
thrombozytären Adenylatcyclase verhindert. Da Thrombozyten
nicht
mehr über die Fähigkeit zur Proteinbiosynthese
verfügen, ist die Aufhebung des
Effekts an die Neubildung von Thrombozyten geknüpft.
Die Wirkung von Clopidogrel ist stereospezifisch. Von den 4
identifizierten Isomeren zeigt nur das (7S)-Isomer mit Z-Konfiguration
der C3-/C16-Doppelbindung eine Hemmwirkung auf die
Thrombozytenaggreagtion. Daher wird nur das rechtsdrehende S-Enantiomer
als Wirkstoff eingesetzt. Das linksdrehende R-Enantiomer SR25989 und
seine Metaboliten hemmen nicht die Thrombozytenaggregation, sind aber
in höheren Dosierungen im Tierversuch krampferzeugend. Eine
metabolische Konfigurationsumkehr tritt in vivo bei der Ratte nicht
auf. In geringem Umfang (4 bis 8%) wurde allerdings eine
nichtenzymatische Konfigurationsumkehr (zum (7R)-Isomer) festgestellt.
Nebenwirkungen
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Blutungen
sind die am häufigsten gemeldeten Ereignisse je nach der
Markteinführung und wurden meist im ersten Behandlungsmonat
beobachtet.
Über einige Fälle mit letalem Ausgang wurde berichtet
(insbesondere
intrakranielle, gastrointestinale und retroperitoneale Blutungen);
weiterhin traten schwerwiegende Fälle von Blutungen in die
Haut
(Purpura), in Muskulatur und Gelenke (Hämarthros,
Hämatome)
Augenbluten, (konjunktival, okulär, retinal), Nasenbluten,
Blutungen im
Bereich des Atemtraktes (Hämoptysen, Lungenblutungen),
Fälle von
Hämaturie und Blutungen im Bereich von Operationswunden auf;
Fälle von
schwerwiegenden Blutungen wurden bei Patienten, die mit Clopidogrel und
ASS oder Clopidogrel, ASS und Heparin vorbehandelt waren, beobachtet.
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Durchfall, Bauchschmerzen,
Dyspepsie
- Blutungen (insgesamt)
Angaben aus der Literatur:
- Ödeme, Bluthochdruck
- Hypercholesterolämie
- Harnwegsinfektionen
- Arthralgie, Rückenschmerzen
- Dyspnoe, Rhinitis, Bronchitis, Husten, Infektion der oberen Atemwege
- Grippe-ähnliche Symptome
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Kopfschmerzen,
Benommenheit, Parästhesien
- Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, Gastritis, Erbrechen,
Übelkeit, Verstopfung, Flatulenz
- Blutungszeit verlängert und Thrombozytenzahl vermindert
- Ausschlag und Juckreiz der Haut
- Leukopenie, Abfall der Neutrophilenzahl und Eosinophilie
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Schwindel
- schwere Neutropenien (<0,45 x 109/l)
- Thrombozytopenie (<80 x 109/l)
Sehr seltene
unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
-
thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP), zum Teil auch nach
kurzzeitiger Gabe, 1/200000 exponierte Patienten
-
schwere Thrombozytopenie (Thrombozytenzahl <= 30 x 109/l),
Agranulozytose, Granulozytopenie, aplastische
Anämie/Panzytopenie,
Anämie
- anaphylaktische Reaktionen, Serumkrankheit
- Verwirrtheit, Halluzinationen
- Geschmacksstörungen
- Vaskulitis, Hypotonie
- Bronchospasmus, interstitielle Pneumonie
- Pankreatitis, Colitis (einschließlich ulceröser
und lymphatischer Colitis), Stomatitis
- akutes Leberversagen, Hepatitis
-
Angioödem, bullöse Dermatitis (Erythema multiforme,
Stevens-Johnson
Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), erythematöses
Exanthem,
Urtikaria, Ekzem, Lichen planus
- Arthralgie, Arthritis, Myalgie
- Glomerulonephritis
- Fieber
- Leberwerte außerhalb der Norm, Anstieg des Serumkreatinins
- Verminderung von Gerinnungsfaktoren (Faktor VIII) durch
Autoantikörper-Bildung
- schwere Thrombozytopenie (<30 x 109/l)