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Cortison (Syn. Kortison)
Cortison (von lateinisch cortex,
"Rinde") ist
ein Steroidhormon, das um 1935 als erster Wirkstoff in der
Nebennierenrinde des Menschen gefunden wurde. Cortison ist die durch
Oxidation inaktivierte Form des Glucocorticoids Cortisol, das im
Kohlenhydrathaushalt, dem Fettstoffwechsel und dem Proteinumsatz
Bedeutung besitzt.
Wirkstoffklasse
Glucocorticoid
Fertigpräparate
in Dt. seit 2008 keine
Fertigpräparte
mehr im Handel
Wirkung
Cortison ist ein natürliches
Hormon der
Nebennierenrinde, das neben seiner glucocorticoiden Wirkung auch
mineralocorticoide Eigenschaften besitzt.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine
Informationen zum
Wirkmechanismus der Glucocorticoide finden sich hier.
Cortison ist wie Hydrocortison
(Cortisol) ein natürliches
Hormon der Nebennierenrinde, das neben seiner glucocorticoiden Wirkung
auch mineralocorticoide Eigenschaften besitzt. Es wird mit einer
Halbwertszeit von 30 Minuten in das biologisch wirksame Hydrocortison
(Cortisol)
umgewandelt.
Cortison selbst besitzt keinerlei Wirkung auf den Organismus, da es
weder an den Glucocorticoid-Rezeptor noch an den
Mineralocorticoid-Rezeptor bindet. Deshalb ist eine Anwendung auf der
Haut nicht sinnvoll. Bei oraler oder intravenöser Aufnahme
wird
Cortison durch das Enzym β-Hydroxy-Steroid-Dehydrogenase in
der
Leber in Cortisol umgewandelt, das die eigentliche Wirkung zeigt
Bezogen auf Hydrocortison ist seine relative
antiphlogistische und Mineralocorticoid-Wirkung geringfügig
schwächer (Faktor 0,8).
In physiologischer Dosierung wird die Kombination glucocorticoider und
mineralocorticoider Eigenschaften im Rahmen einer Substitutionstherapie
bei Nebenniereninsuffizienz vorteilhaft ausgenutzt.
Für eine anti-inflammatorische oder immunsuppresive Therapie
in
höherer Dosierung werden dem Cortison wegen der in diesem Fall
unerwünschten mineralocorticoiden Wirkung eher synthetische
Glucocorticoide mit geringeren mineralocorticoiden Eigenschaften
vorgezogen.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
In akuten Notfallsituationen gibt es für eine systemische
Behandlung mit Glucocorticoiden keine Kontraindikationen.
Bei vitaler Indikation (als lebenserhaltende Maßnahme)
müssen Kontraindikationen bzw. Nebenwirkungen einer
kurzfristigen
Corticosteroidtherapie in Kauf genommen werden.
Eine lokale Behandlung am Auge ist kontraindiziert bei:
- Glaukom
- Virus-, Bakterien- und Pilz-bedingten Augenerkrankungen (insbesondere
Herpes corneae superficialis, Keratomycosen Augentuberkulose)
- Verletzungen und ulzerösen Prozessen der Hornhaut
Relative Gegenanzeigen
Bei längerdauernder Anwendung muß in jedem
Einzelfall der zu
erwartende therapeutische Erfolg gegen die zu erwartenden
unerwünschten Wirkungen abgewogen werden.
Bei einer systemischen Therapie sind dabei folgende relative
Kontraindikationen zu beachten:
- akute Virusinfektionen
- fortgeschrittene ausgeprägte Osteoporose (Steroide nur
kurzfristig bei vitaler Indikation)
- Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom)
Begleitende Maßnahmen sind angezeigt bei:
- systemischen Mykosen und Parasitosen (antimykotische Therapie)
- Ulcus ventriculi sive duodeni (H2-Blocker)
- akuten und chronischen Infektionen, besonders aktiver Tuberkulose,
aber auch Tuberkulose in der Vorgeschichte (antibakterielle bzw.
tuberkulostatische Therapie)
- schwer einstellbarem Bluthochdruck (Antihypertonika)
- schwer einstellbarem Diabetes mellitus (sorgfältige
Therapieüberwachung, evtl. intensivierte Therapie)
- psychiatrische Anamnese (psychiatrische Mitbetreuung)
- Glaukom (engmaschige ophthalmologische Kontrolle und Therapie)
- Osteoporose (Gabe von Calcium, Calcitonin, Vitamin D, Estrogenen)
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Häufige unerwünschte Wirkungen (> 10%)
- Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes
Natrium- und Flüssigkeitsretention, Calcium- und Kaliumverlust
- Stoffwechselstörungen
verminderte Glucose-Toleranz (fast immer), Manifestation eines latenten
Diabetes mellitus, Entstehung eines sog. Steroid-Diabetes,
Verschlechterung der Stoffwechseleinstellung bei manifestem Diabetes
mellitus (fast immer), Fettumverteilung (Stammfettsucht, Stiernacken,
Vollmondgesicht), erhöhtes Arterioskleroserisiko (durch
Anstieg
der Apolipoproteinfraktion im Blut)
- Störungen des Immunsystems
wegen Beeinträchtigung von Lymphozytenzahl und -funktion
erhöhte Infektionsgefahr, Exazerbation bzw.
Begünstigung von
Virus- und Pilzinfektionen; alte Menschen sind besonders durch eine
weitere Beeinträchtigung der ohnehin herabgesetzten
Abwehrfunktion
gefährdet.
- Muskel- und Knochenveränderungen
Osteoporose (Wirbelkompressionssyndrome bis zu Kompressionsfrakturen
besonders bei Frauen in der Menopause und alten Menschen, sehr
häufig), Steroidmyopathien
- Hautveränderungen
Hautatrophie, Haut-oder Schleimhautblutungen, Purpura, Ekchymosen
(durch erhöhte Kapillarfragilität)
- Veränderungen am Auge
Erhöhung des intraokularen Drucks (Glaukom, bei
längerer lokaler Gabe), irreversible Linsentrübung
- Endokrinologische Störungen
bei Kindern Wachstumshemmung (regelmäßig,
dosisabhängig)
- Andere Störungen
Appetit- und Antriebssteigerung (sehr häufig), Kopfschmerzen
Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)
- Hautveränderungen
Extreme Atrophie ("Papierhaut") mit Striae rubrae distensae,
Steroidakne (bes. der Brust und des Rückens),
Pigmentverschiebungen der Haut
- Veränderungen am Auge
Glaukom (bei systemischer Gabe)
Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)
- Muskel- und Knochenveränderungen
aseptische Knochennekrosen nach hochdosiert systemischer Anwendung
- Neurologische Störungen
gesteigerte Erregbarkeit und Unruhe, Verstimmunsgszustände
(Euphorisierung oder Depression) bis zu psychotischen Episoden. Infolge
der psychischen Wirkungen ist bei Dauerbehandlung
Abhängigkeitsentwicklung möglich.
- Hautveränderungen
periorale Dermatitis
- Sonstige Störungen
Pseudotumor cerebri bei Kindern
- lokalisierte Fettablagerungen, evtl. mit Kompressionserscheinungen
- Endokrinologische Störungen
Ovulations- und Zyklusstörungen, Hypertrichose, Hirsutismus
- Herz-Kreislaufsystem
Hypertonie, Tachykardien, Extrasystolien, beschleunigte
AV-Überleitung
Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle
- Neurologische Störungen
Senkung der Krampfschwelle, evtl. Manifestation einer latenten Epilepsie
- Pankreatiden
- Impotenz bei Männern
- Komplikationen bei parenteraler Anwendung aufgrund der
Anwendungstechnik: die intramuskuläre Anwendung kann zu
schwerwiegenden Gewebsatrophien führen (Knochennekrosen,
Einschmelzung von Muskel- und Bindegewebe am Injektionsort).
- Herz-Kreislaufsystem
anaphylaktische oder anaphylaktoide Reaktionen bei parenteraler Gabe
von Glucocorticoiden (Kreislaufversagen, Herzstillstand,
Herzrhythmusstörungen, Bronchospasmus, Blutdruckabfall,
Blutdruckanstieg)
Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Blutbildveränderungen wie Lymphopenie, Eosinopenie,
Polyglobulie, Leukozytose können auftreten.
Darüber hinaus gibt es einige unerwünschte
Ereignisse, deren
ursächlicher Zusammenhang mit einer Glucocorticoidtherapie
ebenso
wie ihre Häufigkeit nicht schlüssig bewiesen ist, die
jedoch
klinisch bedeutend sind:
- Arteriosklerose, vorzeitig auftretend
- Ulzera des Magen-Darm-Traktes (gefährlich, da
häufig die typische Symptomatik fehlt)
- Perforationen des Magen-Darm-Traktes
- verzögerte Wundheilung
- Thromboembolien
Weitere unerwünschte Wirkungen bei längerdauernden
Glucocorticoid-Therapie (exogen zugeführte Glucocorticoide)
beruhen auf der Suppression der Nebennierenrindenfunktion durch Hemmung
der ACTH-Freisetzung, wobei es zur Atrophie der Nebennierenrinde kommen
kann. Diese Atrophie mit Funktionsausfall ist abhängig von der
Dosis, der Dauer der Therapie und dem Applikationsmodus (besonders der
Einordnung in den tageszeitlichen Rhythmus der endogenen
Cortisolsekretion) und kann bis zu einem Jahr und länger
andauern.
Für Patienten in Streß- und Belastungssituationen
(Unfall,
Krankheit, Operation) kann dies ein lebensbedrohliches Risiko bedeuten.