Dapoxetin ist ein Wirkstoff aus der
Gruppe der selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI). Dapoxetin
ist ein SSRI mit rasch einsetzender und kurzer Wirkung und der erste
Wirkstoff, der für die Behandlung des frühzeitigen
Samenergusses (Ejaculatio praecox) des Mannes zugelassen ist. Bereits
eine Stunde nach der Einnahme der Tablette wird die
Spitzenkonzentration im Plasma erreicht und innerhalb von 1,2 Stunden
ist die Hälfte des Wirkstoffes wieder aus dem Kreislauf
verschwunden. Dapoxetin wird nur bei Bedarf (1-3 Stunden vor dem
Geschlechtsverkehr) eingenommen.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der SSRI und SNRI finden sich hier.
Der Wirkmechanismus von Dapoxetin
bei vorzeitiger Ejakulation (Ejaculatio praecox) ist vermutlich mit der
Hemmung der neuronalen Serotonin-Wiederaufnahme und der darauf
folgenden Potenzierung der Wirkung des Neurotransmitters auf die
prä- und postsynaptischen Rezeptoren verbunden. Die
Ejakulation beim Menschen wird hauptsächlich über das
sympathische Nervensystem vermittelt. Die Ejakulation geht auf das
spinale Reflexzentrum zurück und wird durch das Stammhirn
vermittelt, das zunächst von einer Reihe von Nuclei im Gehirn
(mediale präoptische und paraventrikuläre Nuclei)
beeinflusst wird. Bei Ratten hemmt Dapoxetin den ejakulatorischen
Expulsionsreflex, in dem es auf supraspinaler Ebene mit dem Nucleus
paragigantocellularis lateralis (nPGC), als einer notwendigen
Gehirnstruktur für den Effekt, agiert.
Postganglionäre sympathische Fasern erregen die
Samenbläschen, den Samenleiter, die Prostata, die
bulbourethrale Muskulatur und den Blasenhals und bringen diese in
koordinierter Weise zur Kontraktion, um eine Ejakulation zu erzielen.
Dapoxetin moduliert diesen ejakulatorischen Reflex bei Ratten und
führt zu einer erhöhten Latenzzeit und einer
verringerten Dauer der reflektorischen Entladungen der pudendalen
Motoneuronen.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker. Dapoxetin darf nicht angewendet werden
bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
Dapoxetin darf nicht angewendet werden bei bekannten kardialen
Vorerkrankungen, wie:
- Herzinsuffizienz (NYHA Klasse II-IV)
- Leitungsanomalien (AV Block zweiten oder dritten Grades oder
Sick-Sinus-Syndrom), die nicht mit einem permanenten Herzschrittmacher
behandelt werden
- bekannter ischämischer Herzerkrankung
- bekannter Herzklappenerkrankung.
Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung wurden von den
klinischen Phase-III-Studien ausgeschlossen. Das Risiko
unerwünschter kardiovaskulärer Folgeschäden
durch Synkopen (kardiale Synkopen und Synkopen anderer Ursachen) ist
bei Patienten mit struktureller kardiovaskulärer Vorerkrankung
(z.B. bekannte Obstruktion des Ausflusstraktes, Herzklappenerkrankung,
Karotisstenose und koronare Herzkrankheit) erhöht. Es liegen
keine ausreichenden Daten vor, um zu bestimmen, ob das erhöhte
Risiko bei Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung
vasovagale Synkopen einschließt.
Bei Patienten, die ein SSRI in Kombination mit Monoaminooxidase-Hemmern
(MAO-Hemmer) erhielten, wurden schwerwiegende, mitunter
tödliche Reaktionen, einschließlich Hyperthermie,
Rigidität, Myoklonus, autonome Instabilität mit
möglichen schnellen Schwankungen der Vitalzeichen sowie
Veränderungen des mentalen Zustandes, einschließlich
ausgeprägter Agitation bis hin zu Delirium und Koma,
beobachtet. Diese Reaktionen wurden auch bei Patienten beobachtet, die
kurz zuvor ein SSRI abgesetzt und die Einnahme eines MAO-Hemmers
begonnen hatten. Einige Fälle zeigten Merkmale, die denen des
malignen Neuroleptischen Syndroms ähnlich sind. Daten aus
Tierstudien zur Wirkung der Kombination von SSRI und MAO-Hemmern deuten
darauf hin, dass diese Arzneimittel synergistisch wirken
können und den Blutdruck erhöhen und erregtes
Verhalten hervorrufen. Daher darf Dapoxetin nicht in Kombination mit
MAO-Hemmern oder innerhalb von 14 Tagen nach Absetzen der
MAO-Hemmer-Therapie angewendet werden. Ebenso soll ein MAO-Hemmer nicht
innerhalb von 7 Tagen nach Absetzen von Dapoxetin verabreicht werden.
Die Verabreichung von Thioridazin alleine führt zu einer
Verlängerung des QTc-Intervalls, was mit schwerwiegenden
ventrikulären Arrhythmien verbunden ist. Arzneimittel wie
Dapoxetin, die das Isoenzym CYP2D6 hemmen, scheinen den Metabolismus
von Thioridazin zu hemmen. Man geht davon aus, dass durch die
entstehenden erhöhten Spiegel von Thioridazin die
Verlängerung desQTc-Intervalls gesteigert wird. Daher ist eine
gleichzeitige Behandlung mit Thioridazin oder Anwendung innerhalb von
14 Tagen nach Absetzen der Behandlung mit Thioridazin kontraindiziert.
Ebenso soll Thioridazin nicht innerhalb von 7 Tagen nach Absetzen von
Dapoxetin verabreicht werden.
Eine gleichzeitige Behandlung mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern
(selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI),
Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI), trizyklische
Antidepressiva (TCA)) oder anderen Arzneimitteln/pflanzlichen
Produkten mit serotoninerger Wirkung (z.B. L-Tryptophan, Triptane,
Tramadol,
Linezolid, Lithium, Johanniskraut (Hypericum perforatum)) oder
Anwendung innerhalb von 14 Tagen nach Absetzen der Behandlung mit
diesen Arzneimitteln/pflanzlichen Produkten ist kontraindiziert. Ebenso
sollen diese Arzneimittel/pflanzlichen Produkte nicht innerhalb von 7
Tagen nach Absetzen von Dapoxetin verabreicht werden.
Eine gleichzeitige Behandlung mit starken CYP3A4-Hemmern wie z.B.
Ketoconazol, Itraconazol,
Ritonavir, Saquinavir, Telithromycin, Nefazodon, Nelfinavir,
Atazanavir, etc. ist kontraindiziert (erhöhte Cmax und AUC von
Dapoxetin).
Dapoxetin darf nicht angewendet werden bei mäßiger
und schwerer Leberfunktionsstörung.
Dapoxetin darf nicht bei Patienten mit Manie/Hypomanie oder einer
bipolaren Störung in der Anamnese angewendet werden und soll
bei jedem Patienten, der Symptome dieser Störungen entwickelt,
abgesetzt werden.
Dapoxetin darf nicht bei Personen unter 18 Jahren angewendet werden.
Auf Grund des Potenzials von SSRI, die Anfallsschwelle zu senken, soll
Dapoxetin bei jedem Patient, der Krampfanfälle entwickelt,
abgesetzt und bei Patienten mit instabiler Epilepsie vermieden werden.
Patienten mit kontrollierter Epilepsie sollen sorgfältig
überwacht werden.
Patienten sollen darauf hingewiesen werden, Dapoxetin nicht in
Kombination mit Drogen einzunehmen. Drogen mit serotoninerger
Aktivität, wie etwa Ketamin,
3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA) und
Lysergsäurediethylamid (LSD), können zu potenziell
schwerwiegenden Reaktionen führen, wenn sie mit Dapoxetin
kombiniert werden. Diese Reaktionen umfassen, sind jedoch nicht
beschränkt auf, Arrhythmie, Hyperthermie und
Serotonin-Syndrom. Die Anwendung von Dapoxetin zusammen mit Drogen mit
sedierender Wirkung, wie z.B. Narkotika und Benzodiazepine,
können Somnolenz und Schwindel weiter verstärken.
Männer mit Zeichen und Symptomen einer begleitenden Depression
sollen vor der Behandlung mit Dapoxetin untersucht werden, um eine
bislang undiagnostizierte Depression auszuschließen. Die
gleichzeitige Behandlung von Dapoxetin mit Antidepressiva
(einschließlich SSRI und SNRI) ist kontraindiziert. Es wird
nicht empfohlen, die Behandlung einer bestehenden Depression oder von
Angstzuständen abzusetzen, um die Einnahme von Dapoxetin zur
Behandlung von EP zu beginnen. Dapoxetin ist bei psychiatrischen
Störungen nicht indiziert und soll bei Männern mit
diesen Störungen, wie etwa Schizophrenie, oder bei Patienten,
die an begleitender Depression leiden, nicht angewendet werden, da eine
Verschlechterung depressiver Symptome nicht ausgeschlossen werden kann.
Dies kann sowohl durch die zugrunde liegende psychiatrische
Störung als auch durch die Arzneimitteltherapie bedingt sein.
Ärzte sollen die Patienten dazu auffordern, jegliche
betrübliche Gedanken oder Gefühle jederzeit
mitzuteilen. Wenn während der Behandlung Zeichen und Symptome
einer Depression auftreten, soll Dapoxetin abgesetzt werden.
Bevor eine Behandlung eingeleitet wird, soll ein orthostatischer Test
durchgeführt werden. Für den Fall anamnestisch
berichteter oder vermuteter orthostatischer Reaktionen, soll von einer
Behandlung mit Dapoxetin abgesehen werden.
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.