Diclofenac wirkt schmerzlindernd,
entzündungshemmend und antirheumatisch. Alle Wirkungen
resultieren
aus dem Eingriff in die Prostaglandinsynthese. In Dosen von 200 mg
hemmt Diclofenac die Thrombozytenaggregation. Außer der
Cyclooxygenase hemmt Diclofenac einige lysosomale Enzyme (Cathepsin B1,
neutrale Leukozyten-Protease).
Wirkungsmechanismus
Nichtsteroidale Antiphlogistika
(Antirheumatika, NSAR) hemmen das mikrosomale, membrangebundene Enzym
Cyclooxygenase, das in zahlreichen Geweben vorkommt. Dadurch wird die
Produktion verschiedener Prostanoide, wie Prostaglandin E2 (PGE2),
Prostacyclin (PGI2) und Thromboxan B2 (TXB2) gehemmt. Prostanoide
spielen eine wesentliche Rolle als Mediatoren der
Entzündungsreaktion und können in geeigneten
experimentellen
Modellen alle Kardinalsymptome der Entzündung
(Calor/Wärme,
Rubor/Rötung, Dolor/Schmerz, Tumor/Schwellung) hervorrufen.
Mit
PGE2 können Hyperämie und Fieber herbei
geführt werden,
PGE2 und PGI2 bewirken Vasodilatation mit Erythem, Hyperalgesie und
Schmerz, sowie eine Permeabilitätssteigerung der
Gefäße
mit Ödem-Bildung.
Da die antiphlogistische Wirksamkeit der NSAR gut mit der
Cyclooxygenase-Hemmung korreliert, wird dies als ihr
hauptsächlicher Wirkmechanismus betrachtet.
Die analgetische Wirkung der NSAR ist - wie die Antipyrese - von der
Serum-Konzentration abhängig.
Neben der Hemmung der Prostaglandin-Synthese besitzen NSAR eine
hemmende Wirkung auf die Chemotaxis und Phagozytose neutrophiler
Granulozyten und Monozyten sowie auf die Freisetzung der Leukotriene
LTB4 und LTC4. In vitro-Versuche mit Leukozyten-Peroxidase belegen
einen neutralisierenden Effekt auf aktiven Sauerstoff
(Radikalfänger).
Außer den therapeutisch genutzten analgetischen und
antientzündlichen Effekten können ferner eine
reversible
Hemmung der ADP- sowie der Kollagen-induzierten
Thrombozyten-Aggregation und als unerwünschte Begleiteffekte
ulzerogene Wirkungen (Reduktion der Konzentration zytoprotektiver
Prostaglandine der E-Reihe, Prostacyclin), eine Natrium- und
Wasser-Retention und bronchospastische Effekte als Folge der
Prostaglandin-Synthese-Hemmung gewertet werden. Als Auslöser
der
Bronchospasmen wird ein relatives Überwiegen
bronchokonstriktorischer Leukotriene gegenüber der reduzierten
Prostaglandin-Konzentration angesehen. Leukotriene entstehen ebenfalls
aus Arachidonsäure (Lipoxygenase-Reaktion), jedoch ohne
Mitwirkung
der Cyclooxygenase. Auch die Reduktion der Wehentätigkeit und
der
Verschluss des Ductus arteriosus Botalli werden zumindest teilweise auf
eine Verminderung der endogenen Prostaglandin-Synthese
zurückgeführt.
Die Prototypen der NSAR hemmen die beiden Isoenzyme der Cyclooxygenase,
COX-1 und COX-2 gleichermaßen.
Die COX-1 bewirkt als konstitutiv exprimiertes Enzym die physiologische
Synthese von Prostaglandinen, z. B. im Magen, in Thrombozyten oder in
der Niere. Eine Hemmung dieses Enzyms verursacht Nebenwirkungen in den
COX-1 exprimierenden Organen. Die COX-2 ist dagegen durch verschiedene
Faktoren (z. B. Zytokine) schnell induzierbar und wird bei
Entzündungen, Schmerz-Reaktionen und anderen
Gewebsschädigungen verstärkt exprimiert. Die
antiphlogistische, analgetische und antipyretische Wirkung der NSAR
kann daher hauptsächlich durch Hemmung der COX-2 erreicht
werden,
während zahlreiche unerwünschte Wirkungen der NSAR
durch die
COX-1-Hemmung erklärbar sind. Pharmaka, die selektiv die COX-2
hemmen, sollten deshalb weniger Nebenwirkungen verursachen.
Neuere Forschungsergebnisse haben allerdings gezeigt, dass auch die
COX-2 in einigen Organen wie Rückenmark, Niere und Uterus
konstitutiv exprimiert wird. Darüber hinaus wird die COX-2 im
Rahmen verschiedener physiologisch bedingter
Adaptationsvorgänge
vermehrt gebildet.
Diclofenac ist ein sehr potenter
Cyclooxigenase-Inhibitor, sowohl die COX-1 als auch die COX-2 werden
gehemmt, mit geringer Präferenz für die COX-2. Durch
die
COX-Hemmung wird die Synthese von Prostaglandinen gemindert, heraus
ergibt sich die analgetische (schmerzlindernde), antiphlogistische
(entzündungshemmende) und antirheumatische Wirkung
von
Diclofenac. Da einige Prostaglandine wichtige Funktionen für
den
Magen haben, kommt es unter der Thearpie mit Diclofenac nicht selten zu
Magenbeschwerden.
Nebenwirkungen
Es handelt sich um eine
vollständige
Auflistung des Nebenwirkungsprofils von Diclofenac, bitte beachten Sie
das die schwereren unerwünschten Wirkungen selten oder sehr
selten
bzw. Einzelfälle sind und häufig nur im oberen
Dosierungsbereich (verschreibungspflichtig!) auftreten. Bei Fragen
wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker oder nutzen das Forum.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
höher dosierte (150
mg/d), längerfristige systemische Anwendung: -
höheres Risiko für arterielle thrombotische
Ereignisse (z.B. Schlaganfall, Myokardinfarkt) lokal/okuläre
Anwendung: -
allergische Reaktionen wie konjunktivale Hyperämie,
allergische
Konjunktivitis, Rötung des Augenlides, Augen-Allergie,
Ödem des
Augenlides, Juckreiz des Augenlides, Nesselsucht, Ausschlag, Ekzem,
Rötung, Juckreiz, Hypersensibilität, Husten,
Schnupfen lokal/perkutane
Anwendung: -
v.a. bei großflächiger bzw. längerfristiger
Anwendung: Möglichkeit systemischer Nebenwirkungen
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
systemische Anwendung:
- Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Erbrechen,
Durchfall, geringfügige Magen-Darm-Blutverluste
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
systemische Anwendung:
- zentralnervöse Störungen (wie Kopfschmerzen,
Schwindel, Benommenheit, Erregung, Reizbarkeit, Müdigkeit)
- Dyspepsie, Flatulenz, Bauchschmerz, Bauchkrämpfe,
Inappetenz,
gastrointestinale Ulzera (u.U. mit Blutungen und Durchbruch)
- entzündliche Hautveränderung
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag oder
Hautjucken
- Erhöhung der Serum-Transaminasen
rektale Anwendung zusätzlich:
- lokale Reizerscheinungen, blutige Schleim-Absonderungen, schmerzhafte
Defäkation
parenterale Anwendung zusätzlich:
-
lokal brennendes Gefühl, lokale Gewebsschäden wie
Bildung eines
sterilen Abszesses, Fettgewebs- oder Hautnekrosen (Embolia cutis
necrosa) an der Injektionsstelle
lokal/okuläre Anwendung:
- leichte bis mäßige vorüber gehende
Augen-Irritation
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- Hautreaktionen wie Pruritus, Rötungen, Erythem, Ausschlag,
Hautreaktionen an der Applikationsstelle, allergische Dermatitis
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
systemische Anwendung:
- Hämatemesis, Meläna, blutige Diarrhoe
- Ausbildung von Ödemen, v.a. bei vorbestehender arterieller
Hypertonie oder Niereninsuffizienz
- Alopezie
- Urtikaria
- Leberschäden, v.a. bei Langzeittherapie, akute Hepatitis mit
oder ohne Ikterus
lokal/okuläre Anwendung:
- verschwommenes Sehen direkt nach der Anwendung
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- Hitzegefühl
lokal/perkutane Anwendung als Gel-Zubereitung:
-
lokale Hautreaktionen (allergisch oder nicht-allergisch bedingte
Kontaktdermatitis) mit Juckreiz, Rötung, Ausschlag, Brennen,
Schuppenbildung, Papeln, Trockenheit, Ödem- und Blasenbildung
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
systemische Anwendung:
- anaphylaktische oder anaphylaktoide Reaktionen
(einschließlich Hypotonie, Schock)
- Asthma (einschließlich Atemnot)
lokal/okuläre Anwendung:
- Überempfindlichkeitsreaktionen mit Juckreiz,
Rötung, Lichtempfindlichkeit
-
v.a. bei gleichzeitig bestehenden Risiken wie Infektionen oder
rheumatoide Arthritis, v.a. bei häufiger Anwendung: Keratitis
punctata,
Keratitis ulcerosa, Hornhaut-Verdünnung,
Hornhaut-Epithelschädigung,
-Ödeme
- Dyspnoe, Exazerbation von Asthma
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- trockene Haut, lokales Ödem
Sehr seltene
unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
systemische Anwendung:
-
Exantheme, Hautausschlag mit Blasenbildung, Ekzeme, Erytheme, Erythema
multiforme, Photosensibilisierung, (allergische) Purpura, schwer
wiegende Hautreaktionen (einige mit letalem Ausgang)
einschließlich
exfoliative Dermatitis, Stevens-Johnson Syndrom, Lyell Syndrom
(höchstes Risiko zu Therapiebeginn), Erythrodermie
- allergisch
bedingte Vaskulitis oder Pneumonitis, schwere
Überempfindlichkeitsreaktionen mit folgenden
möglichen Symptomen:
Gesichtsödem, Zungenschwellung, innere Kehlkopf-Schwellung mit
Einengung der Luftwege, Luftnot bis zum Asthma-Anfall, Tachykardie,
Blutdruckabfall bis hin zum bedrohlichen Schock
- Palpitationen, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Brustschmerz
-
Störungen der Blutbildung (Anämie, Leukozytopenie,
Thrombozytopenie,
Panzytopenie, Agranulozytose), hämolytische Anämie,
aplastische Anämie
- Anämie auf Grund geringfügiger
Magen-Darm-Blutverluste
- Sensibilitätsstörungen, Störungen der
Geschmacksempfindung, Gedächtnisstörungen,
Desorientierung,
Krämpfe, Zittern
- Sehstörungen (Verschwommen- und Doppeltsehen)
- Tinnitus, vorüber gehende Hörstörungen
-
Stomatitis, Glossitis, Ösophagus-Läsionen,
Verstärkung einer Colitis
ulcerosa oder eines Morbus Crohn, Obstipation, Pankreatitis
- Diaphragma-artige intestinale Strikturen
-
nephrotisches Syndrom, akute Niereninsuffizienz, u.U. mit akuter
Niereninsuffizienz, Proteinurie und/oder Hämaturie einher
gehende
Nierengewebsschädigungen (interstitielle Nephritis,
Papillennekrose)
-
Verschlechterung infektionsbedingter Entzündungen (z.B.
nekrotisierende
Fasciitis), Symptomatik einer aseptischen Meningitis mit
Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber
oder
Bewusstseinstrübung (Prädisposition evtl. bei
vorbestehenden
Autoimmunerkrankungen)
- Hypertonie
- fulminant verlaufende akute Hepatitis (auch ohne Prodromalsymptome)
- psychotische Reaktionen, Depression, Angst-Gefühle,
Albträume, Schlaflosigkeit
- Pneumonie
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- Erythema bullosum
-
generalisierter Hautausschlag, Überempfindlichkeitsreaktionen
wie
Angioödem, Reaktionen vom anaphylaktischen Typ,
Photosensibilisierung
lokal/perkutane Anwendung als Gel-Zubereitung:
- Magen-Darm-Störungen
- generalisierter Hautausschlag,
Überempfindlichkeitsreaktionen wie Angioödem, Atemnot
- Photosensibilisierung