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Diclofenac

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Diclofenac

Formel Diclofenac

Wirkstoffklasse

  • Nichtsteroidales Antirheumatikum
  • Nichtopioides Analgetikum
  • Antiphlogistikum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Voltaren® 
  • Diclac®
  • Dedolor®

Wirkung

Diclofenac wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und antirheumatisch. Alle Wirkungen resultieren aus dem Eingriff in die Prostaglandinsynthese. In Dosen von 200 mg hemmt Diclofenac die Thrombozytenaggregation. Außer der Cyclooxygenase hemmt Diclofenac einige lysosomale Enzyme (Cathepsin B1, neutrale Leukozyten-Protease).

Wirkungsmechanismus

Nichtsteroidale Antiphlogistika (Antirheumatika, NSAR) hemmen das mikrosomale, membrangebundene Enzym Cyclooxygenase, das in zahlreichen Geweben vorkommt. Dadurch wird die Produktion verschiedener Prostanoide, wie Prostaglandin E2 (PGE2), Prostacyclin (PGI2) und Thromboxan B2 (TXB2) gehemmt. Prostanoide spielen eine wesentliche Rolle als Mediatoren der Entzündungsreaktion und können in geeigneten experimentellen Modellen alle Kardinalsymptome der Entzündung (Calor/Wärme, Rubor/Rötung, Dolor/Schmerz, Tumor/Schwellung) hervorrufen. Mit PGE2 können Hyperämie und Fieber herbei geführt werden, PGE2 und PGI2 bewirken Vasodilatation mit Erythem, Hyperalgesie und Schmerz, sowie eine Permeabilitätssteigerung der Gefäße mit Ödem-Bildung.

Da die antiphlogistische Wirksamkeit der NSAR gut mit der Cyclooxygenase-Hemmung korreliert, wird dies als ihr hauptsächlicher Wirkmechanismus betrachtet.
Die analgetische Wirkung der NSAR ist - wie die Antipyrese - von der Serum-Konzentration abhängig.

Neben der Hemmung der Prostaglandin-Synthese besitzen NSAR eine hemmende Wirkung auf die Chemotaxis und Phagozytose neutrophiler Granulozyten und Monozyten sowie auf die Freisetzung der Leukotriene LTB4 und LTC4. In vitro-Versuche mit Leukozyten-Peroxidase belegen einen neutralisierenden Effekt auf aktiven Sauerstoff (Radikalfänger).
Außer den therapeutisch genutzten analgetischen und antientzündlichen Effekten können ferner eine reversible Hemmung der ADP- sowie der Kollagen-induzierten Thrombozyten-Aggregation und als unerwünschte Begleiteffekte ulzerogene Wirkungen (Reduktion der Konzentration zytoprotektiver Prostaglandine der E-Reihe, Prostacyclin), eine Natrium- und Wasser-Retention und bronchospastische Effekte als Folge der Prostaglandin-Synthese-Hemmung gewertet werden. Als Auslöser der Bronchospasmen wird ein relatives Überwiegen bronchokonstriktorischer Leukotriene gegenüber der reduzierten Prostaglandin-Konzentration angesehen. Leukotriene entstehen ebenfalls aus Arachidonsäure (Lipoxygenase-Reaktion), jedoch ohne Mitwirkung der Cyclooxygenase. Auch die Reduktion der Wehentätigkeit und der Verschluss des Ductus arteriosus Botalli werden zumindest teilweise auf eine Verminderung der endogenen Prostaglandin-Synthese zurückgeführt.
Die Prototypen der NSAR hemmen die beiden Isoenzyme der Cyclooxygenase, COX-1 und COX-2 gleichermaßen.

Die COX-1 bewirkt als konstitutiv exprimiertes Enzym die physiologische Synthese von Prostaglandinen, z. B. im Magen, in Thrombozyten oder in der Niere. Eine Hemmung dieses Enzyms verursacht Nebenwirkungen in den COX-1 exprimierenden Organen. Die COX-2 ist dagegen durch verschiedene Faktoren (z. B. Zytokine) schnell induzierbar und wird bei Entzündungen, Schmerz-Reaktionen und anderen Gewebsschädigungen verstärkt exprimiert. Die antiphlogistische, analgetische und antipyretische Wirkung der NSAR kann daher hauptsächlich durch Hemmung der COX-2 erreicht werden, während zahlreiche unerwünschte Wirkungen der NSAR durch die COX-1-Hemmung erklärbar sind. Pharmaka, die selektiv die COX-2 hemmen, sollten deshalb weniger Nebenwirkungen verursachen.
Neuere Forschungsergebnisse haben allerdings gezeigt, dass auch die COX-2 in einigen Organen wie Rückenmark, Niere und Uterus konstitutiv exprimiert wird. Darüber hinaus wird die COX-2 im Rahmen verschiedener physiologisch bedingter Adaptationsvorgänge vermehrt gebildet.

Diclofenac ist ein sehr potenter Cyclooxigenase-Inhibitor, sowohl die COX-1 als auch die COX-2 werden gehemmt, mit geringer Präferenz für die COX-2. Durch die COX-Hemmung wird die Synthese von Prostaglandinen gemindert, heraus ergibt sich die analgetische (schmerzlindernde), antiphlogistische (entzündungshemmende) und antirheumatische Wirkung von Diclofenac. Da einige Prostaglandine wichtige Funktionen für den Magen haben, kommt es unter der Thearpie mit Diclofenac nicht selten zu Magenbeschwerden.

Nebenwirkungen

Es handelt sich um eine vollständige Auflistung des Nebenwirkungsprofils von Diclofenac, bitte beachten Sie das die schwereren unerwünschten Wirkungen selten oder sehr selten bzw. Einzelfälle sind und häufig nur im oberen Dosierungsbereich (verschreibungspflichtig!) auftreten. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker oder nutzen das Forum.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
höher dosierte (150 mg/d), längerfristige systemische Anwendung:
- höheres Risiko für arterielle thrombotische Ereignisse (z.B. Schlaganfall, Myokardinfarkt)
lokal/okuläre Anwendung:
- allergische Reaktionen wie konjunktivale Hyperämie, allergische Konjunktivitis, Rötung des Augenlides, Augen-Allergie, Ödem des Augenlides, Juckreiz des Augenlides, Nesselsucht, Ausschlag, Ekzem, Rötung, Juckreiz, Hypersensibilität, Husten, Schnupfen
lokal/perkutane Anwendung:
- v.a. bei großflächiger bzw. längerfristiger Anwendung: Möglichkeit systemischer Nebenwirkungen

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
systemische Anwendung:
- Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, geringfügige Magen-Darm-Blutverluste

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
systemische Anwendung:
- zentralnervöse Störungen (wie Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Erregung, Reizbarkeit, Müdigkeit)
- Dyspepsie, Flatulenz, Bauchschmerz, Bauchkrämpfe, Inappetenz, gastrointestinale Ulzera (u.U. mit Blutungen und Durchbruch)
- entzündliche Hautveränderung
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag oder Hautjucken
- Erhöhung der Serum-Transaminasen
rektale Anwendung zusätzlich:
- lokale Reizerscheinungen, blutige Schleim-Absonderungen, schmerzhafte Defäkation
parenterale Anwendung zusätzlich:
- lokal brennendes Gefühl, lokale Gewebsschäden wie Bildung eines sterilen Abszesses, Fettgewebs- oder Hautnekrosen (Embolia cutis necrosa) an der Injektionsstelle
lokal/okuläre Anwendung:
- leichte bis mäßige vorüber gehende Augen-Irritation
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- Hautreaktionen wie Pruritus, Rötungen, Erythem, Ausschlag, Hautreaktionen an der Applikationsstelle, allergische Dermatitis

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
systemische Anwendung:
- Hämatemesis, Meläna, blutige Diarrhoe
- Ausbildung von Ödemen, v.a. bei vorbestehender arterieller Hypertonie oder Niereninsuffizienz
- Alopezie
- Urtikaria
- Leberschäden, v.a. bei Langzeittherapie, akute Hepatitis mit oder ohne Ikterus
lokal/okuläre Anwendung:
- verschwommenes Sehen direkt nach der Anwendung
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- Hitzegefühl
lokal/perkutane Anwendung als Gel-Zubereitung:
- lokale Hautreaktionen (allergisch oder nicht-allergisch bedingte Kontaktdermatitis) mit Juckreiz, Rötung, Ausschlag, Brennen, Schuppenbildung, Papeln, Trockenheit, Ödem- und Blasenbildung

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
systemische Anwendung:
- anaphylaktische oder anaphylaktoide Reaktionen (einschließlich Hypotonie, Schock)
- Asthma (einschließlich Atemnot)
lokal/okuläre Anwendung:
- Überempfindlichkeitsreaktionen mit Juckreiz, Rötung, Lichtempfindlichkeit
- v.a. bei gleichzeitig bestehenden Risiken wie Infektionen oder rheumatoide Arthritis, v.a. bei häufiger Anwendung: Keratitis punctata, Keratitis ulcerosa, Hornhaut-Verdünnung, Hornhaut-Epithelschädigung, -Ödeme
- Dyspnoe, Exazerbation von Asthma
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- trockene Haut, lokales Ödem

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
systemische Anwendung:
- Exantheme, Hautausschlag mit Blasenbildung, Ekzeme, Erytheme, Erythema multiforme, Photosensibilisierung, (allergische) Purpura, schwer wiegende Hautreaktionen (einige mit letalem Ausgang) einschließlich exfoliative Dermatitis, Stevens-Johnson Syndrom, Lyell Syndrom (höchstes Risiko zu Therapiebeginn), Erythrodermie
- allergisch bedingte Vaskulitis oder Pneumonitis, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen mit folgenden möglichen Symptomen: Gesichtsödem, Zungenschwellung, innere Kehlkopf-Schwellung mit Einengung der Luftwege, Luftnot bis zum Asthma-Anfall, Tachykardie, Blutdruckabfall bis hin zum bedrohlichen Schock
- Palpitationen, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Brustschmerz
- Störungen der Blutbildung (Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, Agranulozytose), hämolytische Anämie, aplastische Anämie
- Anämie auf Grund geringfügiger Magen-Darm-Blutverluste
- Sensibilitätsstörungen, Störungen der Geschmacksempfindung, Gedächtnisstörungen, Desorientierung, Krämpfe, Zittern
- Sehstörungen (Verschwommen- und Doppeltsehen)
- Tinnitus, vorüber gehende Hörstörungen
- Stomatitis, Glossitis, Ösophagus-Läsionen, Verstärkung einer Colitis ulcerosa oder eines Morbus Crohn, Obstipation, Pankreatitis
- Diaphragma-artige intestinale Strikturen
- nephrotisches Syndrom, akute Niereninsuffizienz, u.U. mit akuter Niereninsuffizienz, Proteinurie und/oder Hämaturie einher gehende Nierengewebsschädigungen (interstitielle Nephritis, Papillennekrose)
- Verschlechterung infektionsbedingter Entzündungen (z.B. nekrotisierende Fasciitis), Symptomatik einer aseptischen Meningitis mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder Bewusstseinstrübung (Prädisposition evtl. bei vorbestehenden Autoimmunerkrankungen)
- Hypertonie
- fulminant verlaufende akute Hepatitis (auch ohne Prodromalsymptome)
- psychotische Reaktionen, Depression, Angst-Gefühle, Albträume, Schlaflosigkeit
- Pneumonie
lokal/perkutane Anwendung als Wirkstoff-haltiges Pflaster:
- Erythema bullosum
- generalisierter Hautausschlag, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Angioödem, Reaktionen vom anaphylaktischen Typ, Photosensibilisierung
lokal/perkutane Anwendung als Gel-Zubereitung:
- Magen-Darm-Störungen
- generalisierter Hautausschlag, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Angioödem, Atemnot
- Photosensibilisierung




Eine Biopsie der Prostata hilft bei der Diagnose.