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Enrofloxacin
Wirkstoffklasse
Antibiotikum
Gyrasehemmer
Fertigpräparate (Auswahl)
Baytril®
Enrostarl®
Enroxil®
Wirkung
Enrofloxacin ist ein Chinolon der 2.
Generation, welches seit 1983 ausschließlich in der
Veterinärmedizin verwendet wird. Es wirkt gegen gramnegative und
grampositive Bakterien, die Wirksamkeit gegen Anaerobier ist nur
schwach.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informtionen zum
Wirkmechanismus von Gyrasehemmern finden sich hier
Enrofloxacin ist ein bakterizid wirkendes Antibiotikum, das
sowohl in die stationäre Phase, als auch in die Wachstumsphase der
Bakterienreplikation eingreift.Es verfügt wie die meisten
Fluorochinolone über einen postantibiotischen Effekt, so daß
auch nach Absinken des notwendigen Blutwirkspiegel noch das
Bakterienwachstum unterdrückt werden kann.
Enrofloxacin und sein Metabolit Ciprofloxacin
besitzen sehr niedrige minimale Hemmkonzentrationswerte (MHK-Werte,
bzw. MIC-Werte (minimum inhibitory concentration)): zwischen 0,008
µg/ml (Pasteurella multocida) und 0,75 µg/ml (C. pyogenes).
Gegen viele gramnegative Mikroorganismen hat Ciprofloxacin niedrigere
MHK-Werte als Enrofloxacin. Somit beruht die Wirksamkeit von
Enrofloxacin auch auf seinen Metaboliten Ciprofloxacin. Die meisten
pathogenen Keime des Respirations- und Gastrointestinaltraktes bei
Schweinen haben MHK-Werte zwischen 0,01 - 2 µg/ml.
Die MIC-Werte von Enrofloxacin gegen verschiedene pathogene Organismen bei Kameliden betragen 0,03 µg/ml für E. coli, Actinobacillus spp., Pasteurella haemolytica und Klebsiella pneumoniae; 0,15 µg/ml für Pasteurella multocida; 0,25 µg/ml für Clostridium perfringens und Proteus mirabilis; 0,13 µg/ml für Staphyllococcus aureus bzw. 0,125 µg/ml für Corynebacterium pseudotuberculosis.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Jungtiere / Wachstum Hunde und Katzen, jünger als 12 Monate
(Riesenrassen bis 18 Monate), sollten nicht mit Enrofloxacin behandelt
werden, da es zu Knorpelschäden kommen kann. Auch Tiere mit
bereits vorhandenen Knorpelschäden sollten nicht mit
Fluorochinolonen therapiert werden. Eine rassespezifische Disposition
wird beim Labrador vermutet.
Trächtigkeit / Laktation Trächtigen oder laktierenden Tieren darf kein Enrofloxacin verabreicht werden.
ZNS-Symptome Tiere mit bestehenden Anfallsleiden dürfen nicht mit Enrofloxacin behandelt werden.
Hypersensibilität Tiere, die empfindlich auf Chinolone sind, sollten nicht mit Enrofloxacin behandelt werden.
Katzen / Hunde
Bei Katzen und Hunden mit ausgeprägter Niereninsuffizienz, jungen
oder trächtigen Tieren, sowie Zuchtkatzen sollte die Anwendung von
Enrofloxacin vermieden oder die Dosis reduziert werden.
Pferd Enrofloxacin ist bei Pferden wegen
möglicher Arthropathien kontraindiziert. Es sollte nur im Notfall
bei Pferden verwendet werden. Der Besitzer muss in jedem Fall auf die
möglichen Nebenwirkungen hingewiesen werden.
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Lokale Nebenwirkungen
Vor allem bei jungen Kälbern kann es
aufgrund der geringeren Muskelmasse zu Reizungen an der
Injektionsstelle kommen. Deshalb ist bei Kälbern eine s.c. oder
i.v.-Applikation zu bevorzugen. Bei Pferden sollte Enrofloxacin, falls
erforderlich, oral oder i.v. verabreicht werden. Allgemein sollte eine
i.v.-Injektion von Enrofloxacin bei Rindern, Pferden, Schweinen und
Geflügel vorsichtig durchgeführt werden, da es sehr alkalisch
ist.
Bei Reptilien kann es nach intramuskulärer Applikation zu schweren
Muskelnekrosen kommen. Ebenso können beim Elefanten vor allem nach
mehreren intramuskulären Injektionen sterile Abszesse,
Muskelnekrosen und Entzündungen auftreten.
Systemische Nebenwirkungen
Gastrointestinaltrakt Vereinzelt können gastrointestinale
Störungen, wie Erbrechen, Durchfall oder Anorexie auftreten. Beim
Menschen sind gastrointestinale Reaktionen die häufigste
Nebenwirkung während einer Therapie mit Quinolonen. Übelkeit,
Erbrechen, Bauchschmerzen, Diarrhoe und Geschmacksstörungen
können beobachtet werden.
Bewegungsapparat (Arthropathien / Tendopathien) Quinolone haben toxische Effekte auf den
immaturen Gelenksknorpel bei allen bis jetzt untersuchten Tierspezies.
Bei Neugeborenen und sehr jungen Tieren kann der Knorpel der
Epiphysenfuge ebenfalls geschädigt werden. Adulter Gelenksknorpel
ist hingegen wesentlich weniger empfindlich. Die für eine
knorpelschädigende Wirkung benötigten Dosierungen liegen im
therapeutischen Bereich: aus diesem Grund sind Quinolone bei
pädiatrischen Patienten kontraindiziert.
Quinolone können auch Tendopathien verursachen. 1991 wurde
erstmals eine Fluoroquinolon-assozierte Sehnenruptur beim Menschen
beschrieben. Als frühes Symptom einer Tendopathie kommt es zu
einem kongestiven und/oder entzündlichen Ödem (Sehne
schmerzhaft und geschwollen). Diese Veränderungen treten in 50%
der Fälle bilateral auf und können mehrere Wochen oder Monate
bestehen bleiben. Im weiteren Verlauf, insbesondere wenn therapeutische
Massnahmen unterbleiben, kann es zur Ruptur der Sehne kommen. Betroffen
sind überwiegend Patienten über 60 Jahre, Patienten, welche
gleichzeitig Kortikosteroide einnehmen und im Training stehende
Athleten. Die Zeit zwischen der Behandlung mit Quinolonen und dem
Auftreten der Tendopathie liegt zwischen 1 - 152 Tagen. Das Potential
eine Tendopathie auszulösen, ist innerhalb der Fluoroquinolone
unterschiedlich: sehr gross ist es bei Pefloxacin (Inzidienz 2,7%) und Fleroxacin bzw. Ofloxacin. Hingegen können mit Ciprofloxacin, Norfloxacin und Tosufloxacin bei juvenilen Ratten auch in hohen Dosierungen keine toxischen Effekte auf die Sehnen beobachtet werden.
ZNS-Symptome Bei einigen Tieren wurden
Empfindlichkeitsreaktionen und ZNS-Symptome beobachtet. Chinolone
dringen schnell durch die Bluthirnschranke und binden an die
γ-Aminobuttersäurerezeptoren (GABA) im Gehirn. Sie hemmen so
den Neurotransmitter, wodurch es zu Krämpfen kommt. Dies kann mit
Diazepam therapiert werden.
Bei Pferden wurden bei einer i.v. Dosierung von 15 - 25 mg/kg
vorübergehende neurologische Symptome, wie Muskelzucken oder
erhöhte Reizbarkeit beobachtet, welche innerhalb von 10 Minuten
komplett verschwanden. Eine Verdünnung und langsame Injektion
dient zur Vorbeugung.
Auch beim Menschen sind neurologische Nebenwirkungen bei einer Therapie
mit Quinolonen bekannt. Milde neurotoxische Reaktionen sind z.B.
Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Schlaflosigkeit,
Sehstörungen, Ruhelosigkeit und Alpträume, die Inzidienz
beträgt 1 - 2%. Schwere neurologische Effekte, wie Psychosen,
Halluzinationen, Depressionen und Konvulsionen sind selten (<0,5%).
Junge, weibliche Patienten sind häufiger betroffen. Der genaue
Mechanismus der ZNS Toxizität ist noch nicht vollständig
geklärt. Möglicherweise kommt es aufgrund struktureller
Ähnlichkeiten zwischen bestimmten Gruppen an Position 7 des
Quinolon-Ringes und der GABA zu einer Vedrängung von GABA an den
Rezeptoren im ZNS und somit zu einer Stimulation.
Hautreaktionen, Phototoxizität Beim Menschen kann es zu kutanen
Überempfindlichkeitsreaktionen, in Form von Erythemen, Pruritus,
Urtikaria und Hautauschlag, kommen. Die Inzidienz ist jedoch gering
(<1%).
Phototoxizität kann durch alle Quinolone verursacht werden, es
bestehen jedoch signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen
Wirkstoffen. Insbesondere Quinolone mit einem zusätzlichen
Fluorin-Atom an Position 8 besitzen ein hohes Potential phototoxische
Reaktionen auszulösen. Klinisch kann es von milden Erythemen bis
zu schweren bullösen Eruptionen auf der sonnenexponierten Haut
kommen. Es wird empfohlen sich während einer Therapie mit
Quinolonen vor dem Sonnenlicht und vor künstlicher UVA-Strahlung
zu schützen.
Urogenitaltrakt Da der Metabolit Ciprofloxacin
eine Kristallurie auslösen kann, sollte eine Dehydrierung des
Patienten oder eine zu hohe Dosis bei alkalischen Urin vermieden werden.
Bei Graupapageien trat während der Behandlung mit Enrofloxacin
PU/PD auf. Nach dem Absetzen normalisierte sich die Wasseraufnahme
innerhalb kurzer Zeit.