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Erythromycin
Erythromycin bezeichnet eine Gruppe
organischer chemischer Verbindungen, die zu den Glycosiden
zählen.
Die natürlichen Antibiotika werden von verschiedenen
Actinobacteria-Gattungen (Streptomyceten) produziert, wonach die Gruppe
auch benannt wurde. Industriell wird Erythromycin aus Streptomyces
erythreus (Saccharopolyspora erythraea)
gewonnen. Abgebildet ist Erythromycin A.
Erythromycin ist ein
Makrolidantibiotikum mit einem weiten Spektrum gegen grampositive Keime
(Streptokokken, Staphylokokken), Anaerobier
(P. acnes, Corynebakterien)
sowie Mykoplasmen. Die Substanz ist gut verträglich und
insbesondere bei der Akne papulopustulosa wirksam.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der Makrolide finden sich hier.
Erythromycin ist ein
Makrolid-Antibiotikum zur oralen, kutanen und parenteralen Anwendung,
das bakteriostatisch auf proliferierende Keime wirkt. Erythromycin
besteht aus einem 14-gliedrigen Lactonring und 2 Zuckern: einem
neutralen Zucker (Cladinose) und einem Aminozucker (Desosamin).
Erythromycin ist eine schwache Base. Mittels seiner Dimethylaminogruppe
kann es mit Säuren Salze bilden. Die alkoholische
Hydroxygruppe in 2'-Stellung des Desosamins kann verestert werden.
Mikrobiologisch wirksam ist nur die freie Erythromycin-Base. Diese ist
bei einem pH unter 6,0 sehr instabil; das Wirkungsmaximum wird bei
einem pH-Wert von 8,5 erreicht.
Therapeutisch verwendet werden die Erythromycin-Base, die
Erythromycinester Erythromycinethylsuccinat und Erythromycinpropionat
(letzteres als Salz mit Lauralsulfonsäure unter dem Namen
Erythromycinestolat), das in Wasser unlösliche Salz
Erythromycinstearat (für die orale Anwendung) sowie die in
Wasser löslichen Salze Erythromycinglucoheptonat und
Erythromycinlactobionat (beide für die parenterale
Applikation).
Erythromycin ist säurelabil. Deshalb sind für die
orale Anwendung magensaftresistente Filmtabletten üblich.
Ferner werden Erythromycinmethylsuccinat, Erythromycinestolat und
Erythromycinstearat p.o. appliziert. Diese Verbindungen sind als
Prodrug anzusehen.
Erythromycin wirkt bakteriostatisch gegen sämtliche Keime, die
bei der Entstehung der Akne von Bedeutung sind, insbesondere gegen
Propionibacterium acnes (Corynebacterium acnes). Dies
schließt u.a. eine Hemmung der Lipolyse der Serumlipide ein.
Aufgrund seiner antiinflammatorischen Wirkung hat sich Erythromycin
für die topische Aknebehandlung als besonders günstig
erwiesen.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
Erythromycin darf nicht angewendet werden bei
Überempfindlichkeit gegen Makrolid-Antibiotika. Eine
Kreuzreaktion mit anderen Makrolidantibiotika kann bestehen.
Relative
Gegenanzeigen
- Bei Patienten mit Lebererkrankungen ist besondere Vorsicht geboten.
- Wegen des leberschädigenden Potentials einiger
Erythromycinsalze sollte die Anwendung von Erythromycin bei
Säuglingen und Kleinkindern mit Vorsicht erfolgen.
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Häufige
unerwünschte Wirkungen (1-10%)
- Gastrointestinale Störungen in Form von
Magendrücken, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen,
Blähungen, weichen Stühle oder Durchfall, meist
leichter Natur und häufig während, sonst nach
Absetzen der Therapie rasch abklingend. Diese Nebenwirkungen sind
applikations- und dosisabhängig.
- Von Erythromycinlactobionat bzw. -glucoheptonat können
venöse Reizerscheinungen auftreten, die im Allgemeinen jedoch
flüchtiger Natur sind und durch Verlangsamung der
Infusionsgeschwindigkeit vermindert werden können.
Außerdem können bei i.v.-Applikation krampfartige
Oberbauchbeschwerden auftreten, die mit Spasmolytika kontrolliert
werden können.
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (< 1%)
- Allergische Reaktionen in Form von Hautausschlag und Juckreiz,
Nesselsucht, (sehr selten:) Schwellungen (Quincke-Ödem,
Gelenkschwellungen) und Arzneimittelfieber; diese Reaktionen treten
teilweise schon nach Erstanwendung auf.
- Anstieg bestimmter Leberenzyme (GPT,GOT, LDH, AP, gamma-GT) als
Ausdruck einer leichten Leberzellschädigung
- (sehr selten:) nach längerdauernder Therapie (2-3 Wochen)
intrahepatische Cholestase bzw. cholestatischer Ikterus z.T. mit
kolikartigen Leibschmerzen, besonders bei schon vorher bestehender
Leberschädigung, bei Wiederholungsbehandlungen und bei
Allergikern; Begleitsymptome einer Cholestase können u.a.
Brechreiz, Erbrechen, Urtikaria, Eosinophilie, Fieber und
Bauchkrämpfe sein; (Reaktionen schon bei Erstanwendungen
möglich, Gefahr des Auftretens steigt durch wiederholte
Anwendung bzw. bei länger als 10 Tage andauernder Therapie)
- Agranulozytose
- interstitielle Nephritis (sehr selten)
- Demaskierung bzw. Verschlimmerung des Krankheitsgeschehens bei
Myasthenia gravis (sehr selten)
Lokal: mildes Erythem oder leichte Schälung (zu Beginn der
Behandlung, verschwinden bei Weiterbehandlung).
Unerwünschte
Wirkungen, Einzelfälle
- lebensbedrohlicher, anaphylaktischer Schock (teilweise schon bei
Erstanwendung); hier muss die Therapie sofort abgebrochen werden und
die entsprechenden Notfallmaßnahmen (z.B. Antihistaminika,
Corticosteroide, Sympathomimetika und gegebenenfalls Beatmung)
eingeleitet werden
- schwere Hauterscheinungen (Erythema exsudativum multiforme) mit
lebensbedrohlichen Allgemeinreaktionen bis hin zu einem
Stevens-Johnson-Syndrom (vor allem bei Kindern aller Altersstufen) und
einer toxischen epidermalen Nekrolyse
- Hepatitis, Hepatomegalie und Leberversagen
- akute Pankreatitis
- Tinnitus und verübergehender Hörverlust bzw.
Taubheit; diese Störungen sind konzentrationsabhängig
und treten eher bei Patienten mit stark eingeschränkter
Nieren- und/oder Leberfunktion bzw. nach Erythromycin-Infusionen oder
bei hoher Dosierung (4g Erythromycin pro Tag und mehr) auf.
- bei Kindern: spastisch-hypertrophische Pylorusstenose.
- insbesondere bei Patienten, die ein verlängertes
QT-Intervall im EKG haben: gefährliche ventrikuläre
Arrhythmien (Torsades de pointes) und ventrikuläre
Tachykardien (besonders zu beachten bei gleichzeitiger Gabe von
potentiell proarrhythmogenen oder QT-Zeit beeinflussenden Substanzen)
- sehr selten: pseudomembranöse Kolitis (schwere, anhaltende,
manchmal blutig-schleimige Durchfälle und krampfartige
Bauchschmerzen) während oder nach der Therapie; in diesem Fall
ist ein sofortiger Therapieabbruch erforderlich und eine geeignete
Therapie einzuleiten. Peristaltikhemmende Präparate sind
kontraindiziert.
- vorübergehende zentralnervöse Störungen,
wie Verwirrtheitszustände, Krampfanfälle,
Halluzinationen und Schwindel (ursächlicher Zusammenhang
fraglich)
- lokal: mildes Erythem oder leichte Schälung als Ausdruck
einer Überempfindlichkeitsreaktion (allerg. Kontaktekzem)
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Bei Patienten unter hoher Erythromycin-Gabe (über 4 g/Tag und
intravenöser Anwendung) wurden Fälle von
Abdominalkrämpfen und Ototoxizität mit reversiblem
Hörverlust beobachtet.