Etanercept ist ein gentechnologisch
hergestelltes Fusionsprotein, das in Ovarialzelllinien des chinesischen
Hamsters (CHO-Zellen) produziert wird. Es ist ein dimeres
chimäres
Protein, das aus der extrazellulären
Ligandenbindungsdomäne
des humanen Tumornekrosefaktor-Rezeptors 2 (TNFR2/p75) verbunden mit
der Fc-Untereinheit des IgG1-Antikörpers des Menschen besteht.
Etanercept besteht aus 934 Aminosäuren und besitzt eine
Molekülmasse von etwa 150 kDa.
Wirkstoffklasse
Immunsuppressivum
TNFalpha-Antagonist
Fertigpräparate (Auswahl)
Enbrel®
Wirkung
Etanercept ist ein Arzneistoff, der u.a.
zur
Behandlung rheumatischer Erkrankungen und der Psoriasis eingesetzt
wird. Er ist ein gentechnolgisch hergestelltes Protein, das
entzündungsinduzierende Zytokine bindet und somit inaktiviert.
Etanercept greift also in das Immunsystem ein.
Wirkungsmechanismus
Tumornekrosefaktor-alpha-Antagonisten
(TNFalpha-Antagonisten) unterbinden durch Bindung an TNFalpha dessen
Wirkung an membranständigen (zytotoxische Wirkung) und
löslichen TNFalpha-Rezeptoren (TNFalpha-antagonistische
Wirkung).
Das Zytokin TNFalpha spielt zusammen mit Interleukin 1 (IL-1) eine
zentrale Rolle bei der Aktivierung von Lymphozyten und Makrophagen, wie
sie im Rahmen einer Abwehrreaktion, aber auch für die
Unterhaltung
und Intensivierung einer Entzündung notwendig sind. TNFalpha
wird
in erster Linie von Makrophagen und von aktivierten T-Lymphozyten
gebildet und löst seine Wirkung über zwei
verschiedene
Rezeptoren (p55- und p57-Rezeptor) aus. Die Stimulation dieser
Rezeptoren führt über eine Aktivierung von
Transkriptionfaktoren (NfkappaB, NFAT u.a.) zu einer
verstärkten
Expression entzündungsrelevanter Proteine, u.a. der
induzierbaren
Form der Cyclooxygenase (Prostaglandinsynthese: Extravasation mit
Schwellung, Gefäßerweiterung mit Hyperämie,
Sensibilisierung von Nozizeptoren mit Schmerz), der induzierbaren Form
der NO-Synthase (NO-Radikal: Gefäßerweiterung mit
Hyperämie) und von proteolytischen Enzymen wie
Metalloproteinasen
(Kollagenasen, Stromelysin mit Chondrolyse, Osteolyse).
TNFalpha aktiviert, im Zusammenspiel mit Prostaglandinen und den
Interleukinen 1 und 6, Osteoklasten (konsekutive Osteolyse) und
stimuliert Synoviozyten zur Proliferation (mit der Folge der
Pannus-Bildung). TNFalpha aktiviert B-Lymphozyten zur Synthese von
Immunglobulinen (z.B. Rheumafaktoren) sowie Endothelzellen zur
Expression von Adhäsionsmolekülen (Diapedese,
Granulozyten-Infiltration). Darüber hinaus aktiviert TNFalpha
autokrin in T-Lymphozyten die eigene Synthese.
Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische, progressive
entzündliche Erkrankung, bei der die entzündete
Synovialmembran zu einem stark vaskularisierten Gewebe umgewandelt
wird. Die eigentliche Ursache ist noch nicht bekannt, es wird jedoch
angenommen, dass der noch unbekannte Auslöser in einem
genetisch
prädisponierten Individuum T-Lymphozyten aktiviert.
Viele pathologische und klinische Manifestationen der rheumatoiden
Arthritis sind das Ergebnis der lokalen und systemischen Produktion von
Zytokinen, von denen der Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) und
Interleukin-1 von besonderer Bedeutung sind. Auch die
Zerstörung
von Knochen und Knorpel wird durch diese Zytokine vermittelt, die von
aktivierten Entzündungszellen, insbesondere Makrophagen,
freigesetzt werden.
Etanercept
ist ein Fusionsprotein aus der extrazellulären
Ligandenbindungsdomäne des menschlichen 75-kDa-TNF-Rezeptors
(p75)
und der Fc-Domäne des menschlichen Immunglobulins G1. Es kann
zwei
Moleküle TNF (alpha und beta) binden. Etanercept besteht aus
934
Aminosäuren und hat eine relative Molekülmasse von
ungefähr 150 kDa. Es wird gentechnisch aus einer
Eierstockzelllinie des Chinesischen Hamsters (CHO-Zellen) gewonnen. Das
Dimer bindet an 2 Stellen der zirkulierenden TNF-Trimere und blockiert
dadurch die Interaktion von TNF-alpha mit den membranständigen
TNF-alpha-Rezeptoren, die beim Entzündungsprozess eine
wichtige
Rolle spielen. Auf diese Weise verhindert Etanercept die
Signalübertragung, die zur Freisetzung proinflammatorischer
Zytokine, wie z.B. IL-1 und IL-6 führen würde, d.h.
durch die
Blockade von TNF-alpha wird die proinflammatorische Zytokinkaskade
unterbrochen. Die dimere Bindung bewirkt eine substanziell
stärkere Hemmung des TNF-alpha als die der monomeren
löslichen körpereigenen Rezeptoren. Die bei
Etanercept
verwendete Immunglobulin-Fc-Region als Fusionselement IgG1 hat eine
längere Halbwertszeit im Vergleich zu den monomeren
löslichen
Rezeptoren zur Folge.
Neben diesem primären Wirkmechanismus führt
Etanercept
zusätzlich zu einer Hemmung der Bindung von Lymphotoxin alpha
(LT-alpha) an die membranständigen TNF-Rezeptoren. Es
verursacht
jedoch keine Lyse der TNF-produzierenden Zellen. Darüber
hinaus
moduliert Etanercept indirekt biologische Reaktionen durch Kontrolle
und Hemmung von Stoffwechselwegen, die durch TNF-alpha induziert oder
reguliert werden. Hierzu zählt die Expression von
Adhäsionsmolekülen (E-Selectin, ICAM1), die
für die
Leukozytenmigration verantwortlich sind, und die Beeinflussung der
Serumspiegel wie z.B. Interleukin-6, Matrixmetalloproteinase-3 oder
Stromelysin.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Der Wirkstoff darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Etanercept oder einen der sonstigen Bestandteile
- Sepsis oder Risiko einer Sepsis.
- Kindern unter 4 Jahren (fehlende Untersuchungen).
Die Kanülenkappe der Fertigspritze (Enbrel®) enthält
Latex (Trockenkautschuk), der Überempfindlichkeitsreaktionen
verursachen kann, wenn das Arzneimittel von Personen mit bekannter oder
möglicher Latex-Überempfindlichkeit gehandhabt oder bei
diesen angewendet wird.
Eine Behandlung mit Etanercept sollte bei Patienten mit aktiven
Infektionen, einschließlich chronischer oder lokalisierter
Infektionen, nicht begonnen werden.
Wird eine aktive Tuberkulose diagnostiziert, darf eine
Etanercept-Therapie nicht eingeleitet werden. Wird eine inaktive
(latente) Tuberkulose diagnostiziert, muss die Anti-Tuberkulose-
Therapie vor der ersten Gabe von Etanercept entsprechend nationaler
Empfehlungen durchgeführt werden. In diesem Fall sollte das
Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Etanercept-Therapie sehr
sorgfältig abgewogen werden.
Eine Reaktivierung des Hepatitis-B-Virus (HBV) wurde von Patienten
berichtet, die chronische Träger dieses Virus sind und
TNF-Antagonisten, einschließlich Etanercept, erhalten haben.
Patienten, bei denen ein besonderes Risiko einer HBV-Infektion besteht,
sollten vor Einleiten einer Etanercept-Therapie auf Anzeichen einer
stattgefundenen HBV-Infektion hin evaluiert werden. Vorsicht ist
geboten, wenn Etanercept bei HBV-Überträgern angewendet wird.
In diesem Fall sollten die Patienten auf Anzeichen und Symptome einer
aktiven HBV-Infektion hin überwacht werden und falls nötig,
sollte eine geeignete Therapie eingeleitet werden.
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Etanercept bei Patienten mit
Immunsuppression oder chronischen Infektionen wurden bisher nicht
untersucht.
Bei Patienten, die mit Etanercept behandelt wurden, wurde in seltenen
Fällen über das Auftreten von Panzytopenien und in sehr
seltenen Fällen über aplastische Anämien berichtet, von
denen einige einen tödlichen Ausgang hatten. Daher sollte das
Arzneimittel mit Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit
Blutdyskrasie (fehlerhafter Blutzusammensetzung) in der Anamnese.
In seltenen Fällen wurde über entmyelinisierende Erkrankungen
des ZNS bei mit Etanercept behandelten erwachsenen Patienten berichtet.
Obwohl keine klinischen Studien mit Etanercept an Patienten mit
Multipler Sklerose durchgeführt wurden, haben klinische Studien
mit anderen TNF-Antagonisten bei Patienten mit Multipler Sklerose einen
Anstieg der Krankheitsaktivität gezeigt. Bei Patienten mit
vorbestehender oder jüngst neu aufgetretener
ZNS-Entmarkungskrankheit oder bei Patienten, bei denen in Betracht
gezogen werden muss, dass ein erhöhtes Risiko für die
Entwicklung einer ZNS-Entmarkungskrankheit besteht, sollte Etanercept
daher nur nach sorgfältiger Abwägung des
Nutzen-Risiko-Verhältnisses, einschließlich einer
neurologischen Untersuchung, angewendet werden.
Der Arzt sollte Etanercept bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz mit
Vorsicht anwenden. Berichte nach Markteinführung zeigten bei mit
Etanercept behandelten Patienten eine Verschlechterung der
Herzinsuffizienz mit und ohne nachweisbare prädisponierende
Faktoren. Zwei groß angelegte klinische Studien, welche die
Anwendung von Etanercept bei der Behandlung der Herzinsuffizienz
bewerten sollten, wurden frühzeitig aufgrund fehlender Wirksamkeit
beendet. Obwohl nicht eindeutig belegbar, deuten die Daten einer dieser
Studien auf eine mögliche Verschlechterung der Herzinsuffizienz
bei mit Etanercept behandelten Patienten hin.
Die Ergebnisse einer Placebo-kontrollierten klinischen Prüfung mit
89 erwachsenen Patienten, die zusätzlich zu ihrer laufenden
Standardtherapie (Cyclophosphamid, Methotrexat,
Glukokortikoide) für die mediane Dauer von 25 Monaten mit
Etanercept behandelt wurden, zeigten nicht, dass Etanercept eine
wirksame Behandlung der Wegenerschen Granulomatose ist. Die Inzidenz
verschiedener maligner Erkrankungen, die nicht die Haut betreffen, war
bei den mit Etanercept behandelten Patienten signifikant höher als
in der Kontrollgruppe. Das Arzneimittel wird zur Behandlung der
Wegenerschen Granulomatose nicht empfohlen.
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine weitgehend
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Es liegen Berichte über eine Verschlechterung von dekompensierter Herzinsuffizienz vor.
- Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse in klinischen Studien:
maligne Erkrankungen, Asthma, Infektionen, Herzinsuffizienz,
Myokardinfarkt, Myokardischämie, Schmerzen im Brustkorb, Synkope,
zerebrale Ischämie, Hypertonie, Hypotonie, Cholezystitis,
Pankreatitis, gastrointestinale Blutungen, Bursitis, Verwirrtheit,
Depression, Dyspnoe, gestörte Wundheilung, Niereninsuffizienz,
Nierensteine, tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, membranöse
Glomerulonephropathie, Polymyositis, Thrombophlebitis,
Leberschäden, Leukopenie, Parese, Parästhesie, Schwindel,
allergische Alveolitis, Angioödem, Skleritis, Knochenfraktur,
Lymphadenopathie, Colitis ulcerosa, Ileus, Eosinophilie, Hämaturie
und Sarkoidose.
- Berichte über verschiedene Malignome (einschließlich
Brust- und Lungenkarzinom sowie Lymphom) wurden in der Zeit nach
Markteinführung bekannt.
- Über schwerwiegende und tödlich verlaufende Infektionen
wurde bei der Anwendung von Etanercept berichtet; bei den berichteten
Krankheitserregern handelt es sich um Bakterien, Mykobakterien
(einschließlich Tuberkulose), Viren und Pilze. Davon traten
einige innerhalb weniger Wochen nach Beginn der Etanercept-Behandlung
bei Patienten auf, bei denen neben der rheumatoiden Arthritis noch
Begleiterkrankungen vorlagen (z.B. Diabetes, Stauungsherzinsuffizienz,
aktive oder chronische Infektionen in der Vorgeschichte). Die Daten
einer klinischen Studie zur Sepsis, die nicht spezifisch mit Patienten
mit rheumatoider Arthritis durchgeführt wurde, weisen darauf hin,
dass eine Behandlung mit Etanercept die Mortalität bei Patienten
mit bestehender Sepsis erhöhen kann.
- Art und Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen bei
Patienten mit juveniler chronischer Arthritis waren den in klinischen
Studien mit Etanercept bei Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis
beobachteten unerwünschten Ereignissen ähnlich, die Mehrheit
davon verlief leicht. Einige unerwünschte Ereignisse wurden im
Vergleich zu den 349 an rheumatoider Arthritis erkrankten erwachsenen
Patienten häufiger bei den 69 Patienten mit juveniler chronischer
Arthritis, die über 3 Monate mit Etanercept behandelt wurden,
festgestellt. Diese umfassten Kopfschmerzen, Übelkeit,
Unterleibsschmerzen und Erbrechen.
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse die bei Patienten mit
juveniler chronischer Arthritis beobachtet wurden waren:
Varizellen-Infektionen mit den Zeichen und Symptomen einer aseptischen
Meningitis, die ohne Folgeschäden überstanden wurden,
Gastroenteritis, Depression/Persönlichkeitsstörungen,
Hautgeschwür, Ösophagitis/Gastritis, septischer Schock
(hervorgerufen durch Gruppe A-Streptokokken), Typ I-Diabetes mellitus,
Weichteilinfektion und postoperative Wundinfektion.
- Makrophagen-Aktivierungs-Syndrom, antineutrophile cytoplasmatische Antikörper-positive Vaskulitis
- Es gibt Berichte zu Lymphomen und anderen Krebskrankheiten bei
Kindern und Jugendlichen unter Behandlung mit TNF-α-Blockern,
Post-Marketing-Berichten zu Leukämien bei allen Altersgruppen
sowie New-onset-Psoriasis bei Patienten, die mit TNF-α-Blockern
behandelt wurden.
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Infektionen
(einschließlich Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis,
Zystitis, Hautinfektionen)
- Reaktionen an der Injektionsstelle (einschließlich Blutung,
Bluterguss, Erythem, Juckreiz, Schmerzen, Schwellung)
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Allergische Reaktionen,
Bildung von Autoantikörpern
- Pruritus
- Fieber
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Schwere Infektionen
(einschließlich Pneumonie, Phlegmone, septische Arthritis,
Sepsis)
- Thrombozytopenie
- Angioödem, Urtikaria, Hautausschlag
- interstitielle Lungenerkrankung (einschließlich pulmonaler
Fibrose und Pneumonitis), einige von ihnen verliefen tödlich
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Tuberkulose
- Anämie, Leukopenie, Neutropenie, Panzytopenie (einige
Fälle verliefen tödlich)
- Schwere allergische/anaphylaktische Reaktionen
(einschließlich Angioödem, Bronchospasmus)
-
Anfälle, entmyelinisierende Ereignisse des ZNS mit Verdacht
auf
Multiple Sklerose oder lokalisierte entmyelinisierende
Zustände wie
Neuritis nervi optici und Querschnittsmyelitis
- Cutane Vaskulitis (einschließlich leukozytoklastische
Vaskulitis)
- Subakuter cutaner Lupus erythematodes, diskoider Lupus erythematodes,
Lupus-ähnliches Syndrom
- erhöhte Leberenzyme