Etravirin ist ein Arzneistoff zur
Behandlung von HIV und dessen späteren Stadien im Rahmen einer
HIV-Kombinationstherapie.
Wirkungsmechanismus
Etravirin ist
ein
nicht-nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) des
humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1). Die Substanz bindet direkt
an die Reverse Transkriptase des HI-Virus und blockiert die RNA- und
DNA-abhängigen DNA-Polymerase-Aktivitäten durch
Störung
der katalytischen Bindungsstelle des Enzyms. Dadurch verringert
Etravirin, wenn es in Kombination mit anderen antiviralen Arzneimitteln
eingenommen wird, die HIV-Menge im Blut und hält sie auf einem
niedrigen Niveau. Etravirin ist gegen Virusstämme wirksam, die
gegen andere Wirkstoffe dieser Gruppe resistent sind und zeigt auch bei
vorbehandelten Patienten mit klassischen Resistenzen gegen
nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren eine gute
antiretrovirale Wirksamkeit (keine Kreuzresistenz).
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Etravirin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit
gegen den Wirkstoff.
Unter Etravirin wurden schwere Arzneimittelreaktionen der Haut
berichtet; Stevens-Johnson-Syndrom und Erythema multiforme wurden
selten (< 0,1%) berichtet. Die klinischen Daten sind begrenzt,
und
bei Patienten mit einer Vorgeschichte von NNRTI-assoziierten
Hautreaktionen kann ein erhöhtes Risiko für
Hautreaktionen
nicht ausgeschlossen werden. Bei diesen Patienten ist, besonders im
Fall einer schweren Arzneimittelreaktion der Haut in der Vorgeschichte,
Vorsicht angeraten. Der Arzt sollte sich beim Verschreiben von
Etravirin an Frauen bewusst sein, dass die Inzidenz von Hautreaktionen
im Etravirin-Arm bei Frauen häufiger war als bei
Männern.
Die Erfahrung bei geriatrischen Patienten ist begrenzt. In den
Phase-III-Studien erhielten 6 Patienten, die 65 Jahre oder
älter
waren, Etravirin und 53 Patienten zwischen 56-64 Jahren. Art und
Häufigkeit der Nebenwirkungen bei Patienten > 55 Jahre
waren
mit denen bei jüngeren Patienten vergleichbar. Aufgrund der
begrenzten Erfahrungen zur Anwendung von Etravirin bei Patienten
>
65 Jahre sollte Etravirin in dieser Patientengruppe mit Vorsicht
angewendet werden soll.
Etravirin wird hauptsächlich durch die Leber metabolisiert und
eliminiert und ist größtenteils an Plasmaproteine
gebunden.
Effekte durch Exposition mit ungebundenem Wirkstoff können
erwartet werden (wurde nicht untersucht). Deshalb ist bei Patienten mit
mäßiger Beeinträchtigung der Leberfunktion
Vorsicht
geboten.
Etravirin wurde bei Patienten mit schwerer
Leberfunktionsstörung
(Child-Pugh-Klasse C) nicht untersucht, weshalb eine Anwendung bei
dieser Patientengruppe nicht empfohlen wird.
Aufgrund der derzeit begrenzten Verfügbarkeit von Daten ist
bei
Patienten, die mit dem Hepatitis-B- oder -C-Virus koinfiziert sind,
Vorsicht geboten ist. Ein potenziell erhöhtes Risiko
für eine
Erhöhung der Leberenzyme kann nicht ausgeschlossen werden.
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine weitgehend
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Die Beurteilung der Sicherheit basiert auf allen Daten von 1.203
Patienten aus den placebokontrollierten Phase-III-Studien DUET-1 und
DUET-2 an antiretroviral behandlungserfahrenen HIV-1-infizierten,
erwachsenen Patienten, von denen 599 Etravirin (200 mg 2mal tgl.)
erhielten. In diesen gepoolten Studien betrug die mediane Exposition
der Patienten im Etravirin-Arm 30 Wochen.
Die am häufigsten berichteten unerwünschten
Arzneimittelwirkungen (UAWs) aller Schweregrade, die in den
Phase-III-Studien auftraten (Inzidenz ≥ 10% im Etravirin-Arm),
waren
Hautausschlag (17,0% im Etravirin-Arm versus 9,4% im Placebo-Arm),
Diarrhö (15,0% versus 20,4%) und Übelkeit (13,9%
versus
11,1%). Die Abbruchrate aufgrund jeglicher unerwünschter
Wirkung
betrug 5,8% bei Patienten, die Etravirin erhielten und 4,5% bei
Patienten, die Placebo erhielten.
Die häufigste UAW, die zu einem Abbruch führte, war
Hautausschlag (2,0% im Etravirin-Arm versus 0% im Placebo-Arm). Der
Hautausschlag war am häufigsten leicht bis
mäßig, im
Allgemeinen makular bis makulopapulär oder
erythematös, trat
meistens in der zweiten Woche der Therapie auf und war nach Woche 4
selten. Der Hautausschlag war meistens selbstbegrenzend und klang im
Allgemeinen innerhalb 1-2 Wochen bei fortgeführter Therapie
ab. Im
Etravirin-Arm war die Inzidenz von Hautausschlag bei Frauen
höher
als bei Männern. Es gab keine geschlechtsspezifischen
Unterschiede
bezüglich Schweregrad oder Therapieabbruch aufgrund von
Hautausschlag. Die klinischen Daten sind begrenzt, und bei Patienten
mit einer Anamnese von NNRTI-bedingten Hautreaktionen kann ein
erhöhtes Risiko für Hautreaktionen nicht
ausgeschlossen werden