Fentanyl gehört zur
Gruppe der
Narkoanalgetika, deren schmerzhemmende Wirkung über
Angriffspunkte
im zentralen Nervensystem zustande kommt. Es wird als analgetische
Komponente in Kombinationsnarkosen, als Monoanästhetikum, zur
Behandlung von Durchbruchschmerzen und chronischen Schmerzen sowie zur
Schmerzbehandlung in der Intensivmedizin eingesetzt.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der Narkoanalgetika finden sich hier.
Fentanyl ist
ein stark wirksames Opioid, das zur intravenösen und
intramuskulären Schmerzbehandlung in der Anästhesie
und
postoperativ eingesetzt wird. Fentanyl hat
grundsätzlich
die gleichen Eigenschaften wie Morphin und bindet wie dieses im
Zentralnervensystem vorwiegend an
μ-Rezeptoren.Fentanyl hat
somit die typischen Wirkungen von Opioiden: Analgesie, Euphorie,
Abhängigkeitspotential und Atemdepression. Bei parenteraler
Verabreichung wird mit 100 μg Fentanyl ca. die
gleiche
Wirkung erreicht wie mit 5-10 mg Morphin.
Auf zellulärer Ebene
antagonisiert Fentanyl einige
Effekte von Prostaglandin E1 und E2 und hemmt in bestimmten Bereichen
des Nervensystems die Freisetzung verschiedener Neurotransmitter.
Im Gegensatz zu Morphin besitzt Fentanyl eine hohe
Lipidlöslichkeit, welche den Transfer durch die
Blut-Hirn-Schranke
erleichtert. Aufgrund der Lipidlöslichkeit und des niedrigen
Molekulargewichts eignet sichFentanyl zur Verabreichung
über
ein transdermales therapeutisches System (TTS).
Fentanyl ist ein Opioid-Analgetikum, das in erster Linie durch
Wechselwirkung mit μ-Opioid-Rezeptoren im Gehirn, im
Rückenmark
sowie in der glatten Muskulatur wirkt. Daneben besitzt es eine dem
Morphin entsprechende Affinität zu δ- und
κ-Rezeptoren. Die wichtigsten therapeutischen Effekte sind
Analgesie und Sedierung. Fentanyl zeichnet sich durch
sehr
geringe Herz-Kreislauf-Belastung aus und unterdrückt in
höheren Dosen stressinduzierte hormonale
Veränderungen. Ein
Blutdruckanstieg als Folge intraoperativer Schmerzreize ist jedoch
nicht völlig auszuschließen.
100 μg Fentanyl sind äquianalgetisch
zu etwa 10 mg
Morphin. Obwohl die Wirkung schnell einsetzt, wird der maximale
analgetische und atemdepressorische Effekt erst nach mehreren Minuten
erreicht. Die Dauer der analgetischen Wirkung nach einem
intravenösen Bolus von bis zu 100
μg Fentanyl beträgt
üblicherweise etwa 30
Minuten. Bei Patienten mit chronischen Tumorschmerzen, die mit gleich
bleibenden Dosen regelmäßig angewendeter Opioide
wirksam
eingestellt sind, ist mit oral
angewendetem Fentanyl eine
signifikant stärkere Linderung von auftretenden
Durchbruchschmerzen als mit Placebo zu erreichen.
Abhängig von Dosis und Injektionsgeschwindigkeit
kann Fentanyl muskulösen Rigor, Euphorie,
Miosis und
Bradykardie auslösen. Serumanalysen und intradermale Tests auf
Histamin haben beim Menschen - ebenso wie In vivo-Tests beim Hund -
gezeigt, dass eine klinisch relevante Histamin-Ausschüttung
unterFentanyl ein seltenes Ereignis ist.
Weitere sekundäre Wirkungen sind unter anderem ein Anstieg des
Tonus und eine Verminderung der Kontraktionen der glatten Muskulatur
des Magen-Darm-Traktes, was zu einer Verlängerung der
Durchgangszeit im Magen-Darm-Trakt führt und für die
Obstipation hervorrufenden Wirkungen der Opioide verantwortlich sein
dürfte. Während Opioide im Allgemeinen den Tonus der
glatten
Muskulatur des Harntrakts erhöhen, schwankt die Gesamtwirkung,
wobei in einigen Fällen Harndrang und in anderen
Fällen
Schwierigkeiten beim Harnlassen ausgelöst werden.
Fentanyl verursacht wie alle Opioide eine
dosisabhängige
Atemdepression. Das Risiko einer Atemdepression ist bei
Schmerzpatienten und bei Patienten unter chronischer Opioid-Therapie
geringer, weil hier eine Toleranzentwicklung gegenüber
Atemdepression und anderen Opioid-Wirkungen eintritt. Die Neigung zu
Toleranzentwicklung ist interindividuell stark unterschiedlich. Bei
Personen ohne Toleranzentwicklung treten die stärksten
Atemwirkungen in der Regel 15-30 Minuten nach Anwendung von
oralem Fentanyl auf und können mehrere
Stunden lang
anhalten.
Alle Effekte von Fentanyl sind durch einen
Opiatrezeptor-Antagonisten wie Naloxon reversibel.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
1) parenteral
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Fentanyl oder andere
Opioide
- Epileptiker, bei denen eine intraoperative Herdlokalisation
vorgenommen werden soll, da Fentanyl auch in gesunden Hirnarealen
epileptische Potentiale elektrokortikographisch anzeigen kann.
- Patienten mit Atemdepression ohne Beatmung
- gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern oder innerhalb von zwei
Wochen nach Beendigung der Anwendung von MAO-Hemmern
- erhöhter intrakranialer Druck, Schädel-Hirn-Trauma
- Hypovolämie und Hypotension
- Myasthenia gravis
- Schwangerschaft
2) transdermal
- kurzfristige Schmerzzustände z.B. nach operativen Eingriffen
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Fentanyl und Bestandteile
des transdermalen Pflasters
- bradykarde Rhythmusstörungen
- schwer beeinträchtigte ZNS-Funktion
- Schwangerschaft
- während der Geburt (wegen möglicher Atemdepression
beim Neugeborenen)
3) intraoral
- Überempfindlichkeit gegenüber Fentanyl
- gleichzeitige Anwendung von MAO-Hemmern oder innerhalb von zwei
Wochen nach Beendigung einer Therapie mit MAO-Hemmern
- schwerwiegende Ateminsuffizienz oder schwerwiegende obstruktive
Lungenerkrankungen
4) sublingual
- Überempfindlichkeit gegenüber Fentanyl
- Anwendung bei opioid-naiven Patienten
- schwerwiegende Atemdepression
- schwerwiegende obstruktive Lungenerkrankung
Relative
Gegenanzeigen
1) parenteral
- Bewusstseinsstörungen
- Störungen des Atemzentrums und der Hirnfunktion
- erhöhter Hirndruck
- Hypotension oder Hypovolämie
- Bradyarrhythmien
- Phäochromozytom
- Gallenwegserkrankungen
- obstruktive und entzündliche Darmerkrankungen
- Kinder unter 1 Jahr
Bei Patienten mit früherem Drogenmissbrauch und
-abhängigkeit
ist eine besonders sorgfältige Abwägung von Nutzen
und Risiko
einer Behandlung mit Fentanyl erforderlich.
2) transdermal
- bestehende Atemdepression (z.B. durch andere medizinische
Behandlungen, Urämie oder ernste Infektionen)
- chronisch obstruktive Lungenerkrankungen
- eingeschränkte Leberfunktion
- eingeschränkte Nierenfunktion
- Patienten, die besonders anfällig für CO2-Retention
sind
(Kopfverletzungen, Hirntumoren, Anzeichen von erhöhtem
intrakraniellem Druck, Bewusstseinsstörungen oder Koma)
- Patienten mit Arzneimittel- oder Alkoholsucht
3) intraoral
- nicht schwerwiegende chronisch obstruktive Lungenerkrankungen
- Krankheiten, die mit einer Anfälligkeit für
Atemdepression einhergehen
- Patienten, die noch nicht mit Opioiden vorbehandelt sind
- Patienten, die auf die intrakraniellen Wirkungen der CO2-Retention
besonders empfindlich reagieren können, z.B. mit Hinweisen auf
erhöhten intrakraniellen Druck oder mit
Bewusstseinsstörungen
- Patienten mit Kopfverletzung (außer die Anwendung ist
klinisch erforderlich)
- Bradyarrhythmien
- Leberfunktionsstörungen
- Nierenfunktionsstörungen
- Hypovolämie
- Hypotonie
4) sublingual
- Bradyarrhythmie
- Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
- Hypovolämie, Hypotonie
- Wunden im Mund, Mucositis
- mit äußerster Vorsicht anwenden bei Patienten mit
Hinweisen auf einen erhöhten intrakraniellen Druck,
Bewußtseinsstörungen, Koma oder Gehirntumoren, bei
Patienten
mit Kopfverletzungen
Nebenwirkungen
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
1) parenteral
- Euphorie
- Schluckauf
- Methämoglobinämie
- Toleranzentwicklung nach längerer, insbesondere wiederholter
Anwendung
- Arzneimittelabhängigkeit ist nicht auszuschließen.
- bei Kindern Bewegungsstörungen, außerordentliche
Reizempfindlichkeit und Symptome des Opiat-Entzugs nach Beendigung
länger dauernder Infusionen
2) transdermal
- Toleranz
- physische Abhängigkeit
- psychische Abhängigkeit
- Entzugserscheinugen (wie z.B. Übelkeit, Erbrechen,
Durchfall,
Angstzustände, Kältezittern) bei abruptem Abbruch der
Therapie
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
1) parenteral
- Übelkeit
- Erbrechen
- Freisetzung von antidiuretischem Hormon
- Benommenheit
- Sedierung
- Schwindel
- erhöhter Hirndruck
- Miosis
- Bradykardie
- Blutdruckabfall, periphere Vasodilatation
- Nach i.v. Gabe hoher Dosen kann erhöhte
Skelettmuskelspannung
(Muskelrigidität), insbesondere Thoraxsteife mit
atmungshemmender
Wirkung auftreten. Bei Muskelrigidität können
Muskelrelaxantien gegeben werden.
2) transdermal
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Somnolenz
- Übelkeit
- Erbrechen
- Obstipation
- Pruritus
- Schwitzen
- Hypästhesie, unwillkürliche Muskelkontraktionen
3) intraoral
- Übelkeit, Obstipation
- Schläfrigkeit, Schwindel
4) sublingual
- Schwindel, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Müdigkeit
5) buccal
- Schwindel
- Übelkeit
- Beschwerden am Verabreichungsort wie Schmerzen, Ulzeration, Reizung,
Parästhesie, Anästhesie, Erythem, Ödem,
Schwellung und
Bläschenbildung
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
1) parenteral
- Konvulsionen
- Schwere Bradykardie, bis hin zum Herzstillstand. Bradykardien
können durch die Gabe von Atropin aufgehoben werden.
- Hyperkapnie, Laryngospasmus, schwere Atemdepression bis hin zum
Atemstillstand (bei hohen Dosen). Die Atemdepression kann
länger
anhalten als die analgetische Wirkung, sie kann außerdem
postoperativ erneut auftreten. Ein postoperatives Monitoring ist daher
zwingend notwendig.
- Muskelzuckungen (Myocloni)
2) transdermal
- Amblyopie
- Arrhythmie
- Vasodilatation
- Schluckauf
- Ödeme
- Kältegefühl
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
1) parenteral
- Bronchospasmus
- Lungenödem
- Das Einlegen eines Narkosetubus kann durch Glottisverschluss aufgrund
Glottisrigidität erschwert sein.
2) transdermal
- Koordinationsstörungen
- Wahnideen
- Erregungszustände
- Atemdepression
- Apnoe
- Harnblasenschmerzen
- Oligurie
- Asthenie
- Störung der Sexualfunktion
- schmerzhafte Blähungen
- Ileus
- Entzugserscheinungen
- anaphylaktischer Schock, anaphylaktische Reaktion, anaphylaktoide
Reaktion