In Verbindung mit zytotoxischer
Chemotherapie kommt es unter Filgrastim bzw. Pegfilgrastim zu einer
signifikanten Verringerung der Inzidenz, des Schweregrads und der Dauer
von Neutropenien und neutropenischem Fieber.
Wirkungsmechanismus
Filgrastim ist der nicht-glykosilierte
rekombinante humane Methionin Granulozyten Kolonien-stimulierende
Faktor (r-metHuG-CSF), ein gentechnisch hergestelltes Zytokin, das sich
von dem natürlich vorkommenden humanen Granulozyten
Kolonien-stimulierenden Faktor (G-CSF) durch die zusätzliche
Aminosäure Methionin und das Fehlen der Glykosilierung
unterscheidet, biologisch jedoch in vitro und in vivo vergleichbare
Wirkungen besitzt (G-CSF ist nicht Spezies-spezifisch).
Pegfilgrastim ist ein kovalentes Konjugat von Filgrastim (Bindung an
die N-terminale Methionin-Gruppe) mit einem einzelnen 20kDa
Polyethylenglykol (PEG)-Molekül. Im Vergleich zu Filgrastim
weist Pegfilgrastim eine verlängerte Verweildauer im
Organismus auf, die auf einer verminderten renalen Clearance beruht.
Die biologische Wirksamkeit beider Substanzen ist gleich.
Filgrastim und Pegfilgrastim fördern Reifung und
Differenzierung neutrophiler Granulozyten sowie deren erhöhte
Freisetzungsrate aus dem Knochenmark. In der Folge kommt es zu einer
deutlichen Steigerung der Anzahl neutrophiler Granulozyten im
peripheren Blut, begleitet von gering ausgeprägter
Erhöhung der Anzahl von Monozyten und/oder Lymphozyten.
Manchmal kann bei Patienten mit schwerer chronischer Neutropenie ein
geringer Anstieg der Anzahl von zirkulierenden Eosinophilen und
Basophilen gegenüber dem Ausgangswert beobachtet werden
(normalerweise wird deren Konzentration nicht erhöht).
Die Erhöhung der Neutrophilen-Werte durch Filgrastim ist im
empfohlenen Dosierungsbereich Dosis-abhängig.
Wie in Versuchen gezeigt werden konnte, verfügen die als
Reaktion auf eine Behandlung mit Filgrastim bzw. Pegfilgrastim
produzierten Neutrophilen über normale bis erhöhte
chemotaktische und phagozytotische Eigenschaften.
In Verbindung mit zytotoxischer Chemotherapie kommt es unter Filgrastim
bzw. Pegfilgrastim zu einer signifikanten Verringerung der Inzidenz,
des Schweregrads und der Dauer von Neutropenien und neutropenischem
Fieber (Reduktion des Fiebers unter Pegfilgrastim etwas
stärker ausgeprägt).
Die Behandlung mit Filgrastim, entweder als Monotherapie oder nach
voraus gehender Chemotherapie, führt zur Mobilisierung
hämatopoetischer Progenitorzellen in das periphere Blut. Es
konnte gezeigt werden, dass die Verabreichung dieser durch Filgrastim
mobilisierten Stammzellen den Schweregrad und die Dauer von
Thrombozytopenien nach myelosuppressiver oder myeloablativer
Chemotherapie verringert. Nach einer Knochenmarktransplantation wird
durch Reinfusion der gewonnenen autologen Stammzellen die
Regenerationszeit des blutbildenden Systems und damit die Risikozeit
hämorrhagischer Komplikationen verkürzt.
Wie andere hämatopoetische Wachstumsfaktoren hat G-CSF in
vitro stimulierende Eigenschaften auf menschliche Endothelzellen
gezeigt. G-CSF kann das Wachstum myeloider Zellen,
einschließlich maligner Zellen, in vitro fördern,
ähnliche Effekte können bei einigen nicht-myeloischen
Zellen in vitro beobachtet werden.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Filgrastim
- Stillzeit
Filgrastim zusätzlich:
- schwere kongenitale Neutropenie mit zytogenetischen
Abnormalitäten (Kostmann-Syndrom)
- chronisch-myeloische Leukämie
- Myelodysplasie
Pegfilgrastim zusätzlich:
- Überempfindlichkeit gegenüber Pegfilgrastim
- Überempfindlichkeit gegenüber aus E. coli
hergestellten Proteinen
Relative
Gegenanzeigen
Filgrastim:
- vorbestehende verminderte Anzahl myeloischer Stammzellen (fehlende
Untersuchungen, ggf. reduzierte Wirksamkeit von Filgrastim bei
vorbestehender Schädigung des Knochenmarks)
- Sichelzellanämie
- Schwangerschaft
Filgrastim, Onkologie, zusätzlich:
- sekundäre akute myeloische Leukämie (AML,
limitierte Daten zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit)
- de novo AML im Alter <55 Jahre mit guter Zytogenetik (t(8;21),
T(15;17), inv(16), Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nicht belegt)
Filgrastim, Mobilisierung peripherer Blutstammzellen bei gesunden
Spendern vor allogener Blutstammzelltransplantation,
zusätzlich:
- Alter <16 Jahre
- Alter >60 Jahre
Filgrastim, schwere chronische Neutropenie, zusätzlich:
- Neugeborene
- Autoimmun-Neutropenie
Filgrastim, HIV, zusätzlich:
- Neutropenie in Folge Knochenmark-infiltrierender opportunistischer
Infektionen oder maligner Erkrankungen (ungeklärter Einfluss
von Filgrastim auf die Grunderkrankung)
Pegfilgrastim:
- akute Leukämie (unzureichende Erfahrungen hinsichtlich
Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in Kombination mit myelosuppressiver
Chemotherapie)
- Kombination mit Hochdosis-Chemotherapie (unzureichende Erfahrungen
hinsichtlich Wirksamkeit und Unbedenklichkeit)
- Alter <18 Jahre
- Mobilisierung hämatopoetischer Progenitorzellen bei
Patienten oder gesunden Spendern (nicht ausreichend untersuchte
Wirksamkeit und Unbedenklichkeit)
- Sichelzellanämie
- Schwangerschaft
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Pegfilgrastim/Filgrastim, Krebspatienten:
- leichte bis mäßige Miktionsbeschwerden (vorwiegend
Dysurie)
- Über Symptome im Sinne allergischer Reaktionen,
einschließlich Anaphylaxie, Hautausschlag, Urtikaria,
Angioödem, Dyspnoe, Hypotonie, Reaktionen an der
Einstichstelle, Erytheme und Hautrötung, wurde bei der
erstmaligen oder nachfolgenden Behandlung mit Pegfilgrastim/Filgrastim
berichtet. Im Allgemeinen waren die Symptome nach intravenöser
Gabe häufiger.
Filgrastim, Mobilisierung peripherer Blutstammzellen bei gesunden
Spendern:
- vorüber gehende, geringfügige Erhöhungen
der Spiegel von AP, LDH, SGOT und Harnsäure ohne klinische
Folgen
- Kopfschmerzen (unklarer Kausalzusammenhang)
- leichte bis mäßig starke Muskel-, Knochenschmerzen
Filgrastim, schwere chronische Neutropenie:
- Thrombozytopenie
- andere Blutbildveränderungen wie Anämie,
vorüber gehender Anstieg myeloischer Vorläuferzellen
- Hämaturie, Proteinurie
Filgrastim/Pegfilgrastim, Onkologie (unklare Kausalität, da
ebenso Nebenwirkungen von Chemotherapeutika):
- Schmerzen ((auch nicht kardiale Schmerzen im Brustkorb),
Kopfschmerzen, Arthralgie, Myalgie, Rücken-, Glieder-,
Muskel-, Skelett und Nackenschmerzen)
Filgrastim, Krebspatienten:
- Bei Patienten, die Filgrastim nach einer allogenen
Knochenmarktransplantation erhalten hatten, wurde über
Graft-versus-Host-Disease (GvHD) und Todesfälle berichtet.
Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
Filgrastim, Krebspatienten:
- reversible, Dosis-abhängige und in der Regel leichte bis
mäßige Erhöhungen der Spiegel von LDH
(50%), AP (35%) und Serum-Harnsäure (25%)
Filgrastim, Mobilisierung peripherer Blutstammzellen bei gesunden
Spendern:
- Thrombozytopenie <100 x 10E9 Thrombozyten/l (35%, nach
Leukapherese)
- Leukozytose mit einer Anzahl weißer Blutzellen von
>50 x 10E9/l (41%)
Filgrastim, schwere chronische Neutropenie:
- palpable Splenomegalie
- zytogenetische Abnormalitäten einschließlich
Monosomie 7 (bei normalem Ausgangsbefund vor Therapiebeginn)
- Anämie
- reduzierter Serum-Glucosespiegel
- erhöhter AP-, LDH-Serumspiegel, Hyperurikämie
- Schmerzen des Bewegungsapparates
- Epistaxis
Filgrastim, HIV-Infektion:
- Schmerzen des Bewegungsapparates
Pegfilgrastim:
- (im Allgemeinen leichter bis mäßiger)
Knochenschmerz (26%)
- Erhöhung der Serum-LDH (20%)
Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Dosierungen von >3 μg/kg KG/d: Leukozytose mit einer
Anzahl weißer Blutzellen von >=100 x 10E9/l
Filgrastim, Krebspatienten:
- leichte bis mäßige Schmerzen des
Bewegungsapparates (10%)
- schwerere Schmerzen des Bewegungsapparates (3%)
- reversible, Dosis-abhängige und in der Regel leichte bis
mäßige Erhöhungen der Spiegel der
gamma-Glutamyl-Transpeptidase (10%)
Filgrastim, schwere kongenitale Neutropenie:
- Leukämie, myelodysplastische Syndrome (Kausalzusammenhang
unklar, da Auftreten als natürliche Komplikation der
Erkrankung möglich)
Filgrastim, schwere chronische Neutropenie:
- Splenektomie-pflichtige Splenomegalie
- Kopfschmerzen
- Diarrhoe
- Thrombozytopenie
- Hepatomegalie
- Osteoporose
- Haarausfall
- kutane Vaskulitis (2% bei Langzeitanwendung)
- Schmerzen an der Einstichstelle
- Hautausschlag
Filgrastim, HIV-Infektion:
- Milzerkrankung (nicht Splenektomie-pflichtig, ungeklärter
Kausalzusammenhang, da gleichzeitig HIV-Komplikation)
Pegfilgrastim:
- Erhöhungen von Serum-Harnsäure (7%) und Serum-AP
(10%)
- Schmerzen an der Einstichstelle
Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
Filgrastim, Krebspatienten:
- nicht behandlungsbedürftiger, vorüber gehender
Blutdruckabfall
- Sweet-Syndrom (akute febrile Dermatose, Kausalzusammenhang
ungeklärt, da mögliche Begleiterscheinung der
Leukämie)
Filgrastim, schwere chronische Neutropenie:
- Milzerkrankung
- Hämaturie
- Proteinurie
Pegfilgrastim:
- Leukozytose mit einer Anzahl weißer Blutzellen von
>100 x 10E9/l (<1%, vorüber gehend, etwa 24-48h
nach Applikation)
- Übelkeit (<1% nach Vorbehandlung mit Chemotherapie
vs. 11% bei gesunden Probanden)
Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
Pegfilgrastim:
- Sweet-Syndrom (In einigen Fällen könnte eine zu
Grunde liegende hämatologische Erkrankung hierzu beigetragen
haben.)
- Über seltene pulmonale Nebenwirkungen
einschließlich interstitielle Pneumonie, Lungenödem,
Lungeninfiltrate und Lungenfibrose wurde berichtet. Bei einigen der
berichteten Fälle folgten respiratorisches Versagen oder
akutes Atemnotsyndrom, welche tödlich enden können.
Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
Filgrastim, Krebspatienten:
- kutane Vaskulitis
- Verschlechterung einer bestehenden rheumatoiden Arthritis
- pulmonale Infiltrate
Filgrastim, Mobilisierung peripherer Blutstammzellen bei gesunden
Spendern:
- Milzruptur
- Verschlechterung bestehender arthritischer Symptome
- Symptome mit Hinweis auf schwere allergische Reaktionen
- sehr starke Knochenschmerzen
- pulmonale Nebenwirkungen (Hämoptyse, pulmonale
Hämorrhagie, pulmonale Infiltrate, Dyspnoe und Hypoxie)
Pegfilgrastim:
- Milzruptur
- kutane Vaskulitis
- Erhöhungen der ALAT oder ASAT (vorübergehend,
erreichen wieder den Ausgangswert)
Pegfilgrastim/Filgrastim:
Vereinzelt wurde bei Patienten mit Sichelzellanämie
über Sichelzellkrisen berichtet.