Das Antiepileptikum Gabapentin ist ein
GABA-Strukturanalogon, dessen genauer Wirkungsmechanismus noch
unbekannt ist. Es ist zur Mono- oder Zusatztherapie von partiellen
Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung sowie
zur
Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen zugelassen.
Wirkungsmechanismus
Die Wirkmechanismen der Antepileptika
können in drei Hauptkategorien unterteilt werden:
- Unterdrückung wiederholter, anhaltender Neuronenentladungen
durch Aufrechterhaltung des inaktiven Zustandes spannungsaktivierter
Natriumkanäle.
- Erhöhung der, von Gamma-Amino-Buttersäure (GABA)
abhängigen, synaptischen Inhibition.
- Unterdrückung der Aktivierung eines bestimmten
spannungsabhängigen Ca2+-Kanals.
Gabapentin ist ein Antiepileptikum mit struktureller Verwandtschaft zu
dem inhibitorischen Neurotransmitter GABA.
Nach heutigem Kenntnisstand ist wahrscheinlich ein Ungleichgewicht
zwischen exzitatorischen und inhibitorischen Neurotransmittern an der
Pathogenese der Epilepsie beteiligt. In der Folge ist eine
pathologische zentralnervöse Erregungsbildung bei gleichzeitig
unzureichender Reizunterdrückung möglich.
Der Wirkmechanismus von Gabapentin unterscheidet sich von dem anderer
Arzneistoffe, die mit der GABAergen Neurotransmission in Wechselwirkung
treten.
Obwohl es als GABA-Analogon entwickelt wurde, das, im Gegensatz zu
GABA, die Blut-Hirn-Schranke penetrieren kann, besitzt es keine
direkten mimetischen Eigenschaften bezüglich der GABA-
Wirkungen
an den inhibitorischen Synapsen. Es hat keine Affinität zu
GABA-Rezeptoren oder Benzodiazepin-Rezeptoren.
Neueste Erkenntnisse lassen vermuten, dass Gabapentin eine Steigerung
der GABA-Synthese bewirkt, wobei der Mechanismus dieses Effekts nicht
bekannt ist.
Weiterhin wird ein Effekt von Gabapentin auf zentrale
Serotonin-Metabolismen diskutiert.
Bisher wurde außerdem bekannt, dass Gabapentin die
Konzentrationen von exzitatorischen Aminosäuren durch
Veränderung des Transports aus dem Extrazellulärraum
in die
Nervenzellen beeinflusst und außerdem deren Metabolismus in
den
Neuronen des ZNS verändert.
Spezielle Bindungsstellen für Gabapentin wurden im Neocortex,
in
den Basalganglien, im Hippocampus und im Cortex des Kleinhirns
nachgewiesen. Der genaue Wirkmechanismus ist jedoch nicht bekannt.
Klinische Studien zeigen bei Zusatzbehandlung mit Gabapentin zur
Standardtherapie eine deutliche Anfallsreduktion bei sonst
therapieresistenten Patienten mit fokalen und sekundär
generalisierten tonisch-klonischen (Grand-mal-)Anfällen.
Gabapentin ist nicht wirksam bei primär generalisierten
Anfällen (z.B. Absencen), und kann den Zustand von Patienten
mit
Lennox-Gastaut-Syndrom sogar verschlechtern.
Der potentielle Vorteil von Gabapentin liegt in seiner vermeintlich
geringeren Toxizität, verglichen mit anderen Antiepileptika.
Für die Therapie von Kindern und Jugendlichen scheint es
deshalb
besonders geeignet zu sein. Auch wurden bisher keine Auswirkungen von
Gabapentin auf die kognitiven Fähigkeiten beobachtet und es
scheint nicht mit der Begleitmedikation zu interagieren.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen - Überempfindlichkeit gegen
Gabapentin
- akute Pankreatitis
Relative Gegenanzeigen - Gabapentin ist nicht wirksam gegen
primär generalisierte Anfälle wie z.B. Absencen; es
kann
diesen Anfallstyp sogar verschlechtern.
- Schwangerschaft
- Stillzeit
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Unter der Behandlung
mit Gabapentin
wurden Fälle von akuter Pankreatitis berichtet. Der
Kausalzusammenhang mit Gabapentin
ist unklar.
-
Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei
Patienten,
die mit Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden,
berichtet.
- Über Atemwegsinfekte, Otitis media, Krämpfe und
Bronchitis wurde nur in klinischen Studien bei Kindern berichtet.
Außerdem wurde in klinischen Studien bei Kindern
häufig aggressives
Verhalten und Hyperkinesien berichtet.