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Gemcitabin


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Gemcitabin

Formel Gemcitabin

Wirkstoffklasse

  • Antimetabolit
  • Zytostatikum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Gemzar® 
  • Gemcitan® 
  • Gemcitabin HEXAL® 

Wirkung

Gemcitabin ist ein Antimetabolit und wird systemisch als Zytostatikum verwendet. Eingesetzt wird Gemcitabin bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Pankreas-, Blasen-, Ovarial-, nicht-kleinzelligem Bronchial- oder Mammakarzinom.

Wirkungsmechanismus

Antimetabolite sind in ihrer chemischen Struktur der Struktur von natürlichen Metaboliten sehr ähnlich. Aufgrund dieser Ähnlichkeit übernehmen Antimetabolite im Stoffwechsel den Platz der natürlichen Metaboliten ein, verdrängen diese und führen zur Bildung funktionsuntüchtiger Makromoleküle. Das führt zu einer Blockierung bzw. Veränderung lebenswichtiger Stoffwechselvorgänge in den Zellen und damit zum Zelltod. Ihre Wirkung ist weitgehend unspezifisch, d. h. der Stoffwechsel aller sich schnell teilenden Zellen wird in gleicher Weise betroffen.
Zu den Antimetaboliten zählen neben den Folsäureantagonisten (Hemmung der Dihydrofolsäurereduktase) auch die Antagonisten von Purin- und Pyrimidin-Basen. Zu den Purin-Analogen gehören u. a. Cladribin, Fludarabin, Mercaptopurin und zu den Pyrimidin-Analogen Fluorouracil, Cytarabin und Gemcitabin. Diese Antimetabolite werden als falsche Bausteine in die DNA oder RNA eingebaut oder verhindern den Einbau der korrekten Bausteine, und stören so die Zellteilung und den Stoffwechsel.

Gemcitabin (dFdC) ist ein Prodrug und wird durch Nucleosidkinasen intrazellulär zu wirksamem Di- und Triphosphatnucleosid metabolisiert. Im Detail: durch Desoxycytidinkinase zu Gemcitabinmonophosphat (dFdCMP), durch Desoxycytidylatkinase zu Gemcitabindiphosphat (dFdCDP) und durch Nucleosiddiphosphatkinase zu Gemcitabintriphosphat (dFdCTP). Gemcitabintriphosphat hemmt die DNA-Synthese durch Kompetition mit dem physiologischen Substrat Desoxycytidintriphosphat um die DNA-Polymerase und den Einbau in die DNA.
Die Zytotoxizität der beiden Gemcitabinmetabolite scheint auf zwei oder mehr Mechanismen zu beruhen. Hauptwirkung ist ein maskierter Kettenabbruch: Wenn dFdCTP in die DNA eingebaut wird, erfolgt zunächst der Einbau eines weiteren Nukleotids; danach erst wird die weitere DNA-Synthese vollständig inhibiert. Der maskierte Kettenabbruch schützt Gemcitabin vor DNA-Reparaturvorgängen durch Exonukleasen, die diesen Einbau nicht mehr korrigieren können. Auch die DNA-Polymerase epsilon erkennt das abnormale Gemcitabin durch die Maskierung nicht, eine Reparatur bleibt aus, und Gemcitabin bleibt länger in der Zelle. Nach Einbau in die DNA scheint Gemcitabintriphosphat die Apoptose (programmierten Zelltod) einzuleiten.
Ferner blockiert dFdCDP die Ribonukleotidreduktase, die allein die Desoxynucleosidtriphosphate für die DNA-Synthese liefert. Dadurch sinkt die Konzentration von Desoxynukleotiden, speziell dCTP. Durch die Abnahme an intrazellulärem dCTP wird der Einbau von dFdCTP in die DNA verstärkt ("Self-potentiation"). Außerdem wird die Cytidintriphosphatsynthetase gehemmt; es steht weniger Cytidintriphosphat, Konkurrent von Gemcitabintriphosphat, für den Einbau zur Verfügung. Weiterhin kann in geringem Ausmaß Gemcitabin in die RNA eingebaut werden. Schließlich wird durch Hemmung der Desoxycytidindeaminase der Abbau und die Ausscheidung von Gemcitabin gehemmt. Alle diese Wirkungsmechanismen addieren oder potenzieren sich.
Gemcitabin wirkt Strahlen-sensibilisierend, eine Kombination mit Radiotherapie wird auf Grund der verstärkten Toxizität nicht empfohlen.
Resistenz: Resistente maligne Zellen exprimieren häufig ein membrangebundenes Transportsystem zur Entgiftung (P-170-Glykoprotein: Multi-drug-resistence-efflux-pump, codiert durch die Mehrfachresistenzgene MDR1 und MDR2), das die Zytostatika effektiv aus der Zelle transportiert und wirkungslos macht. Im Gegensatz zu anderen Zytostatika wird der Resistenzmechanismus durch Gemcitabin nicht induziert. Daher soll sich keine Kreuzresistenz entwickeln und Gemcitabin besonders für die Kombinationstherapie geeignet sein. Allerdings existiert in Karzinomen des Gastrointestinaltraktes, der Leber und der Niere oft a priori eine Mehrfachresistenz, so daß die Therapiechancen eingeschränkt sind.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Gemcitabin
- Stillzeit

Relative Gegenanzeigen
- Schwangerschaft (Anwendung nur, wenn es unbedingt erforderlich ist)
Vorsichtige Anwendung bei:
- eingeschränkte Knochenmarkfunktion (besonders bei Behandlungsbeginn)
- Leber- und Niereninsuffizienz
- Anamnese von kardiovaskulären Ereignissen

Nebenwirkungen

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.


Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Strahlenschäden (Toxizität bei gleichzeitiger Strahlentherapie oder im Abstand von ≤ 7 Tagen (Gemcitabin hat eine strahlensensibilisierende Wirkung))
- Nebenwirkungen, die nach der Markteinführung aufgetreten sind:
-- Schlaganfall
-- Arrythmie (überwiegend supraventrikulär), Herzinsuffizienz
-- Klinische Anzeichen einer peripheren Vaskulitis und einer Gangrän
-- Lungenödem, Akutes Atemnotsyndrom beim Erwachsenen
-- Ischämische Colitis
-- Schwere Lebertoxizität, einschließlich Leberversagen und Tod
-- Schwere Hautreaktionen, einschließlich Abschuppung und Ausschlag mit Blasenbildung, Lyell-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom
-- Nierenversagen, Hämolytisch-urämisches Syndrom
-- Radiation Recall
- Die Häufigkeit von Grad 3 und 4 hämatologischen Toxizitäten, insbesondere Neutropenie, nimmt zu, wenn Gemcitabin in Kombination mit Paclitaxel eingesetzt wird. Allerdings ist die Zunahme dieser Nebenwirkungen nicht mit einer erhöhten Inzidenz von Infektionen oder Blutungsereignissen verbunden. Fatigue und febrile Neutropenie tretem häufiger auf, wenn Gemcitabin in Kombination mit Paclitaxel verwendet wird. Fatigue, die nicht mit einer Anämie verbunden ist, klingt üblicherweise nach dem ersten Zyklus ab.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

- Grippeähnliche Symptome: die häufigsten Symptome waren Fieber, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Schwäche und Appetitlosigkeit. Husten, Schnupfen, Unwohlsein, Schwitzen und Schlafstörungen wurden auch berichtet.
- Ödeme/periphere Ödeme einschließlich Gesichtsödeme (üblicherweise reversibel nach Beendigung der Behandlung)
- Übelkeit, Erbrechen
- allergischer Hautausschlag häufig begleitet von Juckreiz
- Erhöhung von Transaminasen (AST und ALT) sowie der alkalischen Phosphatase
- Dyspnoe (üblicherweise leicht und schnell ohne Behandlung abklingend)
- leichte Proteinurie und Hämaturie
- Leukopenie (Neutropenie Grad 3 und 4); die Knochenmarkssuppression ist üblicherweise leicht bis mäßig und betrifft meistens die Granulozytenzahl
- Thrombozytopenie, Anämie
- Haarausfall

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Appetitlosigkeit
- Kopfschmerzen
- Schläfrigkeit
- Schlaflosigkeit
- Husten
- Schnupfen
- Durchfall
- Verstopfung
- Stomatitis und Ulzeration der Mundschleimhaut
- Schwitzen
- Juckreiz
- Muskelschmerzen, Rückenschmerzen
- Fieber
- Schüttelfrost
- Asthenie
- erhöhtes Bilirubin
- febrile Neutropenie

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

- interstitielle Pneumonitis
- Bronchospasmus (üblicherweise leicht und vorübergehend, kann aber auch parenterale Behandlung erfordern)

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

- Myokardinfarkt
- Hypotonie
- Abschuppung der Haut
- Ulzeration
- Blasen- und Geschwürbildung der Haut
- erhöhte Gammaglutamyl Transferase (GGT)
- Reaktionen an der Injektionsstelle, üblicherweise leichter Art

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

- Thrombozytose
- Anaphylaktoide Reaktion
- schwere Hautreaktionen, einschließlich Abschuppung und Ausschlag mit Blasenbildung