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Gentamicin


Filzwolle fine uni Farbe: 119 - Filzwolle

 

Gentamicin (Syn: Gentamycin)

Der pharmazeutisch genutzte Wirkstoff enthält fast ausschließlich Gentamicine vom Typ C (siehe Formel). Es handelt sich um ein Gemisch strukturell sehr ähnlicher Aminoglykosidverbindungen, die von dem Bakterium Micromonospora purpurea gebildet werden und zu 20–40 % aus Gentamicin C1 (R=R'=CH3), zu 10–30 % aus Gentamicin C1a (R=R'=H) und zu 40–60 % aus Gentamicin C2, C2a (Stereoisomere mit R=CH3 und R'=H) und C2b (R=H und R'=CH3) bestehen.

Formel Gentamicin


Wirkstoffklasse

  • Aminoglykosidantibiotikum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Cibaflam® 
  • Decoderm® 
  • Dexamytrex® 

Wirkung

Gentamicin ist ein bakterizid wirkendes Aminoglycosid-Antibiotikum.
Die Substanz wird systemisch vorwiegend zur Behandlung von nosokomialen Infektionen, schweren Infektionen mit gram-negativen Bakterien (auf Grund der Toxizität als Therapie der 2. Wahl) sowie in der Dermatologie und Ophthalmologie eingesetzt.


Wirkungsmechanismus

Allgemeine Informationen zum Wirkungsmechanismus der Aminoglycoside finden sich hier.

Gentamicin ist ein aus Micromonospora purpurea gewonnenes, bakterizid wirkendes Aminoglycosid-Antibiotikum mit den strukturell sehr ähnlichen Hauptkomponenten C1, C1a und C2. Die 3 Komponenten zeigen mikrobiologisch vergleichbare Aktivität. Das Homologe C2 gilt als die Komponente mit der größten Toxizität.
Gentamicin wirkt auf sensible Erreger bakterizid sowohl im Proliferations-, als auch im Ruhestadium der Bakterien.
Zwischen Gentamicin und anderen Aminoglycosid-Antibiotika wie Tobramycin, Neomycin und Kanamycin besteht weitgehend Parallelresistenz.
Eine Resistenz gegen Gentamicin kann auf folgenden Mechanismen beruhen:
- Enzymatische Inaktivierung des Aminoglycosid-Moleküls ist der häufigste Resistenz-Mechanismus, verantwortlich sind zumeist Plasmid-kodierte Acetyltransferasen, Phosphotransferasen oder Nukleotidyltransferasen.
- Verminderte Penetration und aktiver Efflux finden sich v. a. bei Pseudomonas aeruginosa.
- Modifikationen innerhalb der ribosomalen Zielstruktur kommen gelegentlich als Ursache einer Resistenz vor.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen

- bekannte Überempfindlichkeit gegen Gentamicin oder andere Aminoglycoside
- 1. Trimenon der Schwangerschaft
- 2. und 3. Trimenon der Schwangerschaft (Anwendung nur bei vitaler Indikation [bzw. bei okulärer Anwendung: bei Gefahr eines Verlustes des Augenlichts])
parenterale Anwendung, zusätzlich:
- vorbestehende Innenohrschwerhörigkeit (Anwendung nur bei vitaler Indikation)
- fortgeschrittene Niereninsuffizienz (Anwendung nur bei vitaler Indikation)
externe (kutane) Anwendung, zusätzlich:
- fortgeschrittene Niereninsuffizienz (Anwendung nur bei vitaler Indikation)
- Anwendung auf Schleimhäuten oder am Auge
- Alter < 3 Jahre (Salbe) bzw. Alter < 4 Jahre (Creme)

Relative Gegenanzeigen

parenterale bzw. externe (kutane) Anwendung:
- neuromuskuläre Vorerkrankungen (wie z. B. bei Myasthenia gravis, Morbus Parkinson bzw. andere Erkrankungen mit neuromuskulärer Schwäche, Anwendung mit besonderer Aufmerksamkeit wegen des erhöhten Risikos einer neuromuskulärer Blockade)
externe Anwendung, zusätzlich:
- Anwendung auf Verbrennungen (eingehende Nutzen/Risiko-Abwägung, Gefahr durch erhöhte Resorption)
- Stillzeit (Abstillen empfohlen)
invasive Anwendung:
- Stillzeit (Abstillen empfohlen)

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.


Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
systemische Anwendung:
- Überempfindlichkeitsreaktionen unterschiedlichen Schweregrades wie Hautausschlag, Juckreiz, Rash, urtikarielles Exanthem
- Schädigung des Nervus statoacusticus (dosisabhängig, Störung des Gleichgewichts- und/oder des Hörorgans mit Symptomen wie Schwindel, Tinnitus, Minderung des Hörvermögens)
- neuromuskulär blockierende Wirkung
- Schmerzen an der Injektionsstelle
externe (kutane) Anwendung:
- Störung der Wundgranulation
- v. a. bei wiederholter Anwendung auf großflächigen Wunden: oto-, vestibulartoxische Erscheinungen
- v. a. bei wiederholter Anwendung auf großflächigen Wunden: nephrotoxische Erscheinungen
invasive Anwendung:
- nicht auszuschließen: Überempfindlichkeitsreaktionen

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

systemische Anwendung:
- Störungen der Nierenfunktion wie Einschränkung der glomerulären Filtrationsrate (meist reversibel, Risikofaktoren: hohe Gesamtdosen, lange Therapiedauer, erhöhte Serum-Spiegel [v. a. Cmin], ggf. Lebensalter, Hypovolämie, Schock) mit Symptomen wie Proteinurie, Zylindrurie, Hämaturie, Oligurie, Erhöhung der Harnstoff-, Kreatinin-Konzentration im Serum

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

okuläre Anwendung:
- Überempfindlichkeitsreaktionen, z. B. vorüber gehendes leichtes Brennen, Kontaktsensibilisierung

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

systemische Anwendung:
- Langzeitanwendung (> 4 Wochen [nicht empfohlen]): Syndrom mit Hypokaliämie, Hypocalcämie, Hypomagnesiämie
- reversibler Anstieg von Leberenzymen (Transaminasen, alkalische Phosphatase) im Serum, reversibler Anstieg der Bilirubin-Konzentration im Serum
externe (kutane) Anwendung:
- vorüber gehendes leichtes Brennen, Juckreiz, Rötung, kontaktallergische Reaktionen auf der Haut

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

systemische Anwendung:
- Thrombozytopenie, Leukozytopenie, Eosinophilie, Granulozytopenie

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

systemische Anwendung:
- schwer wiegende Überempfindlichkeitsreaktionen wie Arzneimittelfieber, anaphylaktischer Schock
- Polyneuropathien, periphere Parästhesien
- akutes Nierenversagen
okuläre Anwendung:
- Mydriasis des behandelten Auges