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Glibenclamid

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Glibenclamid

Formel Glibenclamid

Wirkstoffklasse

  • Antidiabetikum
  • Sulfonylharnstoff

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Euglucon® 
  • Maninil® 
  • GlibenHEXAL® 

Wirkung

Glibenclamid, ein orales Antidiabetikum vom Sulfonylharnstoff-Typ, stimuliert die Insulin-Sekretion des endokrinen Pankreas. Die Wirkung ist an eine Restfunktion der pankreatischen B-Zellen gebunden.

Wirkungsmechanismus

Orale Antidiabetika vom Sulfonylharnstoff-Typ stimulieren die Insulin-Sekretion des endokrinen Pankreas. Voraussetzung sind funktionstüchtige B-Zellen. Die Wirkung ist an die Anwesenheit von Glucose gebunden. Glucose und Sulfonylharnstoffe verstärken sich in ihrer Wirkung an der B-Zelle, indem sie das Ansprechen der B-Zellen auf den physiologischen Glucose-Stimulus verbessern.
Sulfonylharnstoffe binden an einen Rezeptor der B-Zellmembran. Über die Schließung ATP-abhängiger Kalium-Kanäle kommt es zu einer Depolarisation der B-Zellmembran mit Öffnung der spannungsabhängigen Calcium-Kanäle. Eine erhöhte Calciumionen-Konzentration im Zytosol bewirkt durch die Stimulation des Mikrotubulus-/Mikrofilamentsystems den Transport von Insulin-Granula in Richtung Zelloberfläche, eine anschließende Verschmelzung der Granula mit der Zellmembran (Exozytose) und damit die Ausschüttung von Insulin.
Vermutlich sind auch extrapankreatische Effekte an der Blutglucose-senkenden Wirkung beteiligt genauso wie "post-receptor"-Effekte, die dem Insulin-Rezeptor nachgeschaltet sind. Zudem wurde eine Reduktion der hepatischen Glucose-Produktion beschrieben.
Sulfonylharnstoffe wirken auch bei Stoffwechselgesunden Blutglucose-senkend.
Sulfonylharnstoffe sind nicht bei juvenilem Diabetes indiziert, da ihre Wirkung an eine Restfunktion der B-Zelle gebunden ist.

Glibenclamid wirkt sowohl bei Stoffwechsel-Gesunden als auch bei Patienten mit einem nicht-Insulin-abhängigen Diabetes mellitus (Typ II, NIDDM) Blutglucose-senkend durch eine Steigerung des Insulin-Sekretion aus den B-Zellen des Pankreas (im Gegensatz zu anderen Sulfonylharnstoffen penetriert Glibenclamid über Anionenkanäle in die B-Zellen).
3,5 mg Glibenclamid sind etwa 1g Tolbutamid, etwa 5 mg Glipizid und 250 mg Chlorpropamid äquieffektiv. Die ED30 (Dosis, die die Blutglucose um 30% senkt) beträgt etwa 0,032 mg/kg KG (nach längerer Anwendung ggf. weniger).
Dieser Effekt ist abhängig von der Glucose-Konzentration in der Umgebung der B-Zellen. Unter sehr hohen Blutglucose-Konzentrationen, unter denen die Sekretionsstimulation bzgl. Insulin bereits maximal ist, ist nicht mit einer starken zusätzlichen Insulin-Freisetzung durch Glibenclamid zu rechnen. Die klinische Relevanz dieser Beobachtung an gesunden Testpersonen für Patienten mit Diabetes mellitus ist nicht bekannt.
Eine Hemmung der Glucagon-Freisetzung aus den A-Zellen des Pankreas ist ebenso beschrieben wie extrapankreatische Wirkungen (Vermehrung der Insulin-Rezeptoren, Zunahme der Insulin-Empfindlichkeit peripherer Gewebe), die klinische Relevanz ist nicht geklärt.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Glibenclamid
- Überempfindlichkeit gegen andere Sulfonylharnstoffe, Sulfonamide, Sulfonamid-Diuretika oder Probenecid (Kreuzreaktionen nicht auszuschließen)
- Insulin-pflichtiger Diabetes mellitus: Insulin-abhängiger Diabetes mellitus Typ I, komplettes Sekundärversagen der Therapie mit Glibenclamid bei Diabetes mellitus Typ II, azidotische Stoffwechsellage, Präcoma bzw. Coma diabeticum, Pankreas-Resektion
- schwere Einschränkung der Nierenfunktion (Umstellung auf Insulin)
- schwere Leberfunktionsstörungen (Umstellung auf Insulin)
- Schwangerschaft (Umstellung auf Insulin)
- Stillzeit (Abstillen oder Umstellung auf Insulin)

Relative Gegenanzeigen

- eingeschränkte Leberfunktion
- eingeschränkte Nierenfunktion
- Unterfunktion der Schilddrüse
- Unterfunktion der Hypophyse
- Unterfunktion der Nebennierenrinde
- längere Nahrungskarenz, unzureichende Kohlenhydrat-Zufuhr, ungewohnte physische Belastung, Diarrhoe oder Erbrechen
- vorbestehende deutliche Zeichen einer Zerebralsklerose
- mangelhafte Kooperation des Patienten
- höheres Lebensalter

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- bei vorbestehenden deutlichen Zeichen einer Zerebralsklerose bzw. bei mangelhafter Kooperation: verstärkte Gefahr der Hypoglykämie
- längere Nahrungskarenz, unzureichende Kohlenhydrat-Zufuhr, ungewohnte physische Belastung, Diarrhoe oder Erbrechen: hohes Hypoglykämie-Risiko
- höheres Lebensalter: Gefahr der prolongierten Hypoglykämie

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Hypoglykämie mit Senkung des Blutglucose-Spiegels auf <50 mg/dl, ggf. protrahiert (bei sehr schleichendem Verlauf bzw. vorbestehender autonomer Neuropathie mit abgeschwächten oder fehlenden Warnsymptomen), Symptome: plötzliches Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, Hungergefühl, Unruhe, Kribbeln im Mundbereich, Blässe, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Unsicherheit der Bewegungen, vorüber gehende neurologische Ausfallserscheinungen (z.B. Sprech- und Sehstörungen, Lähmungserscheinungen oder Empfindungsstörungen), bei fortschreitender Hypoglykämie Verlust der Selbstkontrolle, Bewusstlosigkeit bei feuchter kühler Haut und Krampfneigung
- Gewichtszunahme

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

oft passager:
- Übelkeit
- Magendruck
- Völlegefühl
- Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- Aufstoßen
- metallischer Geschmack
vorüber gehende Überempfindlichkeitsreaktionen:
- Pruritus
- Urtikaria
- Erythema nodosum
- morbiliforme oder makulopapulöse Exantheme
- erhöhte Photosensibilität
- Purpura

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

- Thrombozytopenie

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

- schwache Diurese
- vorüber gehende Proteinurie
- Hyponatriämie
- lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktionen mit Atemnot und Blutdruckabfall bis hin zum lebensbedrohlichen Schock
- generalisierte Überempfindlichkeitsrekationen mit Hautausschlag, Arthralgie, Fieber, Proteinurie, Ikterus
- lebensbedrohliche allergische Vaskulitis
im Allgemeinen beim Absetzen reversibel, sehr selten lebensbedrohlich:
- Leukozytopenie
- Erythrozytopenie
- Granulozytopenie bis hin zur Agranulozytose
- Panzytopenie
- hämolytische Anämie
- v.a. zu Behandlungsbeginn: Seh- und Akkomodationsstörungen
bei Absetzen teilweise reversibel, teilweise Fortschreiten zu lebensbedrohlichem Leberversagen:
- vorüber gehende Erhöhung von SGOT, SGPT, alkalischer Phosphatase
- Arzneimittel-induzierte Hepatitis
- intrahepatische Cholestase