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Imatinib
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Imatinib

Formel Imatinib


Wirkstoffklasse

  • Zytostatikum
  • Tyrosinkinase-Inhibitor

Fertigpräparate

  • Glivec® 

Wirkung

Imatinib ist ein Inhibitor der Tyrosinkinase bcr-abl. Dieses Enzym wird von einem mutierten Chromosom, dem Philadelphia-Chromosom, codiert und ist in den meisten Fällen für die unkontrollierte Proliferation weißer Blutzellen bei der chronisch myeloischen Leukämie verantwortlich. Durch den Einsatz von Imatinib kommt es zum Zelltod dieser speziellen Leukämie-Zellen. Imatinib hemmt außerdem noch eine Reihe anderer Tyrosinkinasen, die am Wachstum bestimmter Tumore (z.B. GIST) beteiligt sind.

Wirkungsmechanismus

Imatinib ist der erste Vertreter einer Substanzklasse, die als Signal-Transduktions-Hemmstoffe bezeichnet werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Zytostatika ist ein zielgenauer Angriffspunkt kennzeichnend für diese Arzneistoffe.
Imatinib ist ein Protein-Tyrosinkinase-Inhibitor, der die konstitutive Tyrosinkinase-Aktivität von bcr-abl (non Rezeptor Tyrosin-Proteinkinase Nukleotid Austauschfaktor mit stärkerer Tyrosin-Kinase-Aktivität als das normale Enzym c-abl) auf der zellulären Ebene in vitro und in vivo sehr stark hemmt.
(Das Hybrid-Gen bcr-abl kommt durch eine genetische Mutation zu Stande. Bei den meisten CML-Patienten wird eine reziproke Translokation nachgewiesen, die die Chromosomen 9 und 22 betrifft, das mutierte Chromosom 22 wird Philadelphia Chromosom genannt.
Das Hybrid-Gen bcr-abl auf dem Philadelphia-Chromosom codiert die dauerhaft aktivierte Tyrosinkinase. Der genaue onkogene Mechanismus, der letztlich zur Ausbildung der CML führt, ist nicht bekannt.)
Auf molekularer Ebene wird Imatinib reversibel in die Bindungstasche des Enzyms für ATP eingelagert, dadurch kommt es zur Hemmung der Phosphorylierungsreaktion bzw. des Enzyms.
In bcr-abl-positiven Zelllinien und frischen Leukämie-Zellen von Patienten mit Philadelphia Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie (CML) oder akuter lymphatischer Leukämie (ALL) inhibiert der Wirkstoff selektiv die Proliferation und induziert die Apoptose.
In vivo zeigt Imatinib als Monotherapie in tierischen Modellsystemen unter Verwendung von bcr-abl-positiven Tumorzellen eine anti-Tumor-Aktivität.
Imatinib hemmt auch die Tyrosinkinase-Aktivität des platelet derived growth factor Rezeptors (PDGFR) und des Rezeptors für Stammzellfaktor (stem cell factor, SCF), c-kit, und inhibiert PDGF- und SCF-vermittelte zelluläre Reaktionen.
In vitro hemmt Imatinib die Proliferation und induziert Apoptose von Zellen gastrointestinaler Stroma-Tumoren (GIST), die eine aktivierende Kit-Mutation (c-kit) aufweisen.
Obwohl GIST eine seltene Erkrankung ist, wird nach innovativen Therapiemöglichkeiten gesucht, da bei Diagnosestellung in den meisten Fällen bereits Metastasierung festgestellt wird und die Patienten weder chirurgisch noch mit herkömmlicher Chemotherapie erfolgreich behandelt werden können. Die spezielle genetische Veränderung bei GIST führt zu einer Liganden-unabhängigen Signal-Transduktion der Tyrosinkinase c-kit.
Die konstitutive Aktivierung des PDGF-Rezeptors oder der abl-Protein-Tyrosinkinasen als Folge der Fusion mit verschiedenen Partnerproteinen oder die konstitutive Produktion von PDGF wurden mit der Pathogenese von myelodysplastischen/myeloproliferativen Erkrankungen (MDS/MPD), hypereosinophilem Syndrom und chronischer eosinophiler Leukämie (HES/CEL) und Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP) in Verbindung gebracht.
Imatinib verhindert die durch Dysregulation des PDGF-Rezeptors und durch die abl-Kinase-Aktivität gesteuerte Signal-Übertragung und Proliferation von Zellen.
Bei Erwachsenen und Kindern mit chronischer myeloischer Leukämie basiert die Wirksamkeit von Imatinib auf den hämatologischen und zytogenetischen Gesamtansprechraten und auf dem progressionsfreien Überleben, bei Philadelphia-Chromosom (bcr-abl) positiver (Ph+) akuter lymphatischer Leukämie (ALL) und myelodysplastischen/myeloproliferativen Erkrankungen (MDS/MPD) auf den hämatologischen und zytogenetischen Gesamtansprechraten, bei hypereosinophilem Syndrom/chronischer eosinophiler Leukämie (HES/CEL) auf der hämatologischen Ansprechrate und bei gastrointestinalen Stroma-Tumoren (GIST) und Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP) auf den objektiven Ansprechraten.
Die Erfahrung mit der Anwendung von Imatinib bei Patienten mit MDS/MPD in Verbindung mit Gen-Umlagerungen des platelet derived growth factor-Rezeptors (PDGFR) ist sehr begrenzt.
Außer für neu diagnostizierte CML in der chronischen Phase liegen keine kontrollierten Studien vor, die einen klinischen Vorteil oder ein verlängertes Überleben bei diesen Erkrankungen belegen.
Wie nach 6-jähriger Nachbeobachtungszeit gezeigt werden konnte, führt die initiale kontinuierliche Therapie mit Imatinib bei der Mehrzahl der Patienten mit CML zu einem dauerhaften Ansprechen, so dass Imatinib in dieser Indikation als Standard gilt.
Resistenzbildungen bei CML wurden beobachtet, sie beruhen z. B. auf einer Änderung der ATP-Bindungsstelle an der Tyrosinkinase. Daher wird eine möglichst langfristige Behandlung empfohlen.
Auch bei GIST kommt es teilweise zu Resistenzbildung gegen Imatinib, z. B. durch c-kit-Überexpression.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Imatinib
- Stillzeit

Relative Gegenanzeigen

- Leberfunktionsstörungen
- kardiale Funktionsstörungen
- Schwangerschaft (Anwendung nur nach strengster Indikationsstellung)
chronische myeloische Leukämie, zusätzlich:
- Alter < 2 Jahre (fehlende Erfahrungen)
alle Indikationen außer chronische myeloische Leukämie, zusätzlich:
- Alter < 18 Jahre

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Tumor-Blutungen, Tumor-Nekrose
- anaphylaktischer Schock
- Perikarditis, Herz-Tamponade
- Hirn-Ödem
- Glaskörper-Hämorrhagie
- akute respiratorische Insuffizienz (bei bestehender fortgeschrittener Erkrankung, schweren Infektionen, schwerer Neutropenie u. a. schweren Begleiterkrankungen in einigen Fällen mit letalem Ausgang), interstitielle Lungenerkrankung
- gastrointestinale Perforation, Divertikulitis
- lichenoide Keratose, Lichen planus, toxische epidermale Nekrolyse
- avaskuläre Nekrose/Nekrose des Hüftkopfs
- Thrombose/Embolie

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Gewichtszunahme
- Neutrozytopenie, Thrombozytopenie, Anämie
- Kopfschmerzen (am häufigsten bei GIST)
- Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Dyspepsie, Abdominalschmerzen (am häufigsten bei GIST)
- periorbitale Ödeme, Dermatitis/Ekzem/Hautausschlag
- Muskel-Spasmen, Muskel-Krämpfe, Muskel-/Skelett-Schmerzen einschließlich Myalgie, Arthralgie, Knochenschmerzen (häufiger bei CML als bei GIST)
- Flüssigkeitsretention, periphere Ödeme, Müdigkeit

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Gewichtsverlust
- Panzytopenie, fiebrige Neutrozytopenie
- Schwindel, Parästhesien, Geschmacksstörungen, Hypästhesie
- Augenlid-Ödem, vermehrter Tränenfluss, Bindehautblutung, Konjunktivitis, trockene Augen, verschwommenes Sehen
- Dyspnoe, Epistaxis, Husten
- Flatulenz, geblähter Bauch, Magen- und Speiseröhrenreflux, Verstopfung, Mundtrockenheit, Gastritis
- Pruritus, Gesichtsödem, trockene Haut, Erythem, Alopezie, nächtliches Schwitzen, Lichtempfindlichkeitsreaktionen
- Anschwellen der Gelenke
- Anorexie
- Flushing (am häufigsten bei GIST), Hämorrhagie (am häufigsten bei fortgeschrittener CML und GIST)
- Schwäche, Fieber, generalisierte Ödeme des Unterhautgewebes (Anasarka), Kälte-Gefühl, Schüttelfrost
- erhöhte Leber-Enzyme
- Schlaflosigkeit

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- erhöhte Blut-Werte für Kreatinin, Kreatinkinase, LDH, alkalische Phosphatase
- Palpitationen, Tachykardie, Stauungsherzinsuffizienz (häufiger bei fortgeschrittener CML als bei chronischer CML), Lungenödem
- Thrombozythämie, Lymphozytopenie, Myelosuppression, Eosinophilie, Lymphadenopathie
- Migräne, Schläfrigkeit, Synkope, periphere Neuropathie, Gedächtnisschwäche, Ischias-Beschwerden, Restless Leg Syndrom, Tremor, Hirnblutung
- Augenreizung, Augenschmerzen, Augenhöhlenödem, Glaskörper-Hämorrhagie, Retina-Blutungen, Blepharitis, Makula-Ödem
- Schwindel, Tinnitus, Hörverlust
- Pleura-Erguss (häufiger bei GIST und bei fortgeschrittener CML als bei chronischer CML), Rachen- und Kehlkopfschmerzen, Pharyngitis
- Stomatitis, Mundulzera, Blutungen im Gastrointestinaltrakt (am häufigsten bei GIST), Aufstoßen, Meläna, Ösophagitis, Aszites, Magengeschwür, Hämatemesis, Lippenentzündung, Dysphagie, Pankreatitis
- Nierenschmerzen, Hämaturie, akutes Nierenversagen, erhöhte Miktionsfrequenz
- pustulöser Hautausschlag, Kontusion, vermehrtes Schwitzen, Urtikaria, Hautblutungen, verstärkte Tendenz zu Hämatomen, Hypotrichose, Hypopigmentierung der Haut, exfoliative Dermatitis, Brüchigwerden der Nägel, Follikulitis, Petechien, Psoriasis, Purpura, Hyperpigmentierung der Haut, bullöser Hautausschlag
- Gelenk-/Muskel-Steifigkeit
- Hypokaliämie, verstärkter Appetit, Hypophosphatämie, verminderter Appetit, Dehydration, Gicht, Hyperurikämie, Hypercalcämie, Hyperglycämie, Hyponatriämie
- Herpes zoster, Herpes simplex, Nasopharyngitis, Pneumonie (am häufigsten bei fortgeschrittener CML und GIST), Sinusitis, Haut-Infektionen, Infektionen der oberen Atemwege, Influenza, Harnwegsinfektionen, Gastroenteritis, Sepsis
- Hypertonie, Hämatome (am häufigsten bei fortgeschrittener CML und GIST), peripheres Kälte-Gefühl, Hypotonie, Raynaud-Syndrom
- Brust-Schmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl
- Hyperblirubinämie, Hepatitis, Ikterus
- Gynäkomastie, erektile Dysfunktion, Menorrhagie, unregelmäßige Menstruation, Störungen der Sexualfunktion, Schmerzen der Brustwarzen, Brustvergrößerung, Scrotum-Ödem
- Depression, verminderte Libido, Angst-Zustände

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- erhöhte Blut-Werte für Amylase
- Arrhythmie, Vorhofflimmern, Herzstillstand, Myokardinfarkt, Angina pectoris, Perikard-Erguss
- hämolytische Anämie
- erhöhter intrakranieller Druck, Konvulsionen, Sehnervenentzündung
- Katarakt, Glaukom, Papillenödem
- Rippenfell-Schmerzen, Lungenfibrose, pulmonale Hypertonie, Lungenblutung
- Kolitis, Ileus, Darm-Entzündung
- akute febrile neutrophile Dermatose (Sweet-Syndrom), Verfärbung der Nägel, angioneurotisches Ödem, Bläschen-förmiges Exanthem, Erythema multiforme, leukozytoklastische Vaskulitis, Stevens-Johnson-Syndrom
- Muskel-Schwäche, Arthritis
- Hyperkaliämie, Hypomagnesiämie
- Pilz-Infektionen
- Leberversagen (in einigen Fällen mit letalem Ausgang), Lebernekrose (in einigen Fällen mit letalem Ausgang)
- Verwirrung




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