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Insulin glargin

 

Insulin glargin


Die Primärstruktur von Insulin glargin ist identisch mit der Primärstruktur von Insulin human (Humaninsulin), mit folgenden Ausnahmen:
  • A-Kette: Glycin anstelle von Asparagin an Position 21 
  • B-Kette: Zusätzlich zwei Arginine an Position 31 und 32
Formel bzw. AS-Sequenz Insulin glargin


Wirkstoffklasse

  • Antidiabetikum

Fertigpräparate

  • Lantus® 

Wirkung

Insulin glargin wird gentechnisch aus E. coli-Kulturen (K12-Stämme) gewonnen und unterscheidet sich von normalem Insulin durch drei Aminosäuren. Die Freisetzung aus dem subkutanen Gewebe in den Blutkreislauf ist verzögert, wodurch eine langanhaltende und kontinuierliche Insulinfreisetzung erreicht wird.

Wirkungsmechanismus

Allgemeine Informationen zum Wirkmechanismus der Insuline finden sie hier.

Insulin glargin ist ein Humaninsulin-Analogon mit stark retardierter Wirkung. Das Retardierungsprinzip besteht nicht im Zusatz von Stoffen, sondern ist im Molekül selbst verwirklicht durch die Veränderung des isoelektrischen Punkts mittels Einbau von basischen Aminosäuren. Durch Verschiebung des isoelektrischen Punkts des Insulinproteins wird die Löslichkeit bei verschiedenen pH-Werten beeinflusst. Insulin glargin hat eine geringe Löslichkeit im neutralen pH-Bereich. Im sauren pH-Bereich der Injektionslösung (pH 4) ist es vollständig löslich. Nach der Injektion in das Subkutangewebe wird die saure Lösung neutralisiert, was zu einer Bildung von Mikropräzipitaten führt, aus denen konstant geringe Mengen von Insulin glargin freigesetzt werden. Dies hat ein gleichmäßiges, berechenbares Konzentrations-Zeit-Profil ohne Spitzen und eine verlängerte Wirkdauer zur Folge.
Insulinrezeptorbindung: Insulin glargin ist Humaninsulin in Bezug auf die Kinetik der Insulinrezeptorbindung sehr ähnlich. Es wird daher angenommen, dass Insulin glargin über die Insulinrezeptoren die gleiche Art Wirkung vermitteln kann wie Insulin.
In klinischen pharmakologischen Studien konnte gezeigt werden, dass intravenös verabreichtes Insulin glargin und Humaninsulin die gleiche Wirkstärke besitzen, wenn sie in identischen Dosen verabreicht werden. Allerdings folgt aus der Veränderung der Aminosäuren-Primärstruktur unter anderem eine Veränderung der Affinität gegenüber IGF-1- und Insulinrezeptoren: Insulin glargin besitzt eine ca. 6-8fach stärkere Affinität zu IGF-1-Rezeptoren im Vergleich zu Humaninsulin bei in vitro vergleichbarer mitogener Aktivität.
Die längere Wirkdauer von Insulin glargin hängt direkt mit dessen verzögerter Resorption zusammen und spricht für eine einmal tägliche Verabreichung. Der Zeit-Wirkungs-Verlauf bei Insulin und Insulin-Analoga wie Insulin glargin kann inter- und intraindividuell erheblich verschieden sein.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Insulin glargin

Relative Gegenanzeigen
- Aufgrund begrenzter Erfahrung konnten die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Insulin glargin bei folgenden Patientengruppen nicht beurteilt werden: Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion oder Patienten mit mäßig/stark eingeschränkter Nierenfunktion.
- Schwangerschaft


Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Die Verabreichung von Insulin kann im Körper die Bildung von Insulin-Antikörpern auslösen. In klinischen Studien wurden mit Humaninsulin und Insulin glargin kreuzreagierende Antikörper mit der gleichen Häufigkeit in den NPH-Insulin- und Insulin glargin-Behandlungsgruppen beobachtet. In seltenen Fällen kann das Vorhandensein solcher Insulin-Antikörper die Anpassung der Insulindosis erforderlich machen, um eine Neigung zu Hyper- oder Hypoglykämien auszugleichen.
- Wie bei jeder Insulintherapie kann es an der Injektionsstelle zu einer Lipodystrophie kommen, die die Insulinresorption im betroffenen Bereich verzögert. Ein ständiger Wechsel der Einstichstelle im gegebenen Injektionsbereich kann helfen, diese Reaktionen abzuschwächen oder zu vermeiden.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Hypoglykämie: Schwere Hypoglykämien, insbesondere wenn sie wiederholt auftreten, können zu neurologischen Schäden führen. Anhaltende oder schwere Hypoglykämien können lebensbedrohlich sein.
Bei vielen Patienten gehen die Zeichen der adrenergen Gegenregulation denen einer Neuroglucopenie voraus. Im Allgemeinen sind diese Gegenregulation und ihre Symptome umso ausgeprägter, je stärker und schneller der Blutzuckerspiegel fällt.

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Reaktionen an der Einstichstelle: Diese Reaktionen können sich in Form von Rötung, Schmerz, Juckreiz, Quaddeln, Schwellung oder Entzündung äußern. Die meisten leichteren Reaktionen auf Insulin an der Injektionsstelle bilden sich in der Regel innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen zurück.
- Lipohypertrophie

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Lipoatrophie

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Allergische Reaktionen vom Sofort-Typ: Solche Reaktionen auf Insulin (einschließlich Insulin glargin) oder einen der Hilfsstoffe können z. B. mit generalisierten Hautreaktionen, Angioödem, Bronchospasmus, Blutdruckabfall und Schock einhergehen und lebensbedrohlich sein.
- Ödeme: In seltenen Fällen kann Insulin eine Natriumretention und Ödeme verursachen, insbesondere wenn eine zuvor schlechte Stoffwechseleinstellung durch Intensivierung der Insulintherapie verbessert wird.
- Sehstörungen: Eine deutliche Veränderung der Blutzuckereinstellung kann vorübergehende Sehstörungen verursachen, die durch eine vorübergehende Veränderung des Quellungszustandes und damit der Brechkraft der Augenlinse bedingt sind.
- Retinopathie: Eine über einen längeren Zeitraum verbesserte Blutzuckereinstellung mindert das Risiko des Fortschreitens einer diabetischen Retinopathie. Eine Intensivierung der Insulintherapie mit abrupter Verbesserung des Blutzuckerspiegels kann jedoch zu einer vorübergehenden Verschlechterung einer Retinopathie führen. Bei Patienten mit proliferativer Retinopathie, insbesondere wenn diese nicht laserbehandelt ist, kann eine schwere Hypoglykämie zur vorübergehenden Erblindung führen.

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Geschmacksstörung
- Myalgie