Irbesartan, ein oraler, potenter,
selektiver
Angiotensin II-Rezeptor (Typ AT1)-Antagonist und ist indiziert zur
Behandlung der essentiellen Hypertonie und der Nierenerkrankung bei
Patienten mit Hypertonie und Typ 2 Diabetes mellitus als Teil einer
antihypertensiven Behandlung.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine
Informationen zum
Wirkmechanismus der AT1-Antagonisten finden sich
hier.
Irbesartan
ist ein synthetisch hergestellter, oral wirksamer, kompetitiver
Angiotensin II-Rezeptor (TYP AT1)-Antagonist. Zu AT2-Rezeptoren hat
Irbesartan keine messbare Affinität.
Irbesartan blockiert selektiv den AT1-Rezeptor und damit auch die
Wirkung von Angiotensin II. Die Hemmung der Angiotensin-II-Bindung
durch Irbesartan kann durch Erhöhung der
Angiotensin-II-Konzentration praktisch nicht aufgehoben werden und hat
damit pseudoirreversiblen, nicht-kompetitiven Charakter.
Irbesartan hemmt nicht ACE (= Kininase II), das Enzym, welches
Bradykinin abbaut. Somit kommt es nicht zu einer Verstärkung
Bradykinin-vermittelter unerwünschter Wirkungen (z.B. Husten).
Auch andere Rezeptorsysteme wie adrenerge alpha1- und
alpha2-Rezeptoren, Imidazolin-, Vasopressin, 5-HT1-, Histamin-,
muskarinische M1- und M2- Rezeptoren, Endothelin-, Neurotensin-,
Neuropeptid-Y-Rezeptoren oder Rezeptoren für Substanz P werden
nach in vitro-Studien durch Irbesartan nicht beeinflusst.
Darüber
hinaus hat Irbesartan keine calciumantagonistischen Wirkungen.
Der Blutdruckabfall ist bei einer 1mal täglichen Dosierung
dosisabhängig, erreicht jedoch gewöhnlich bei
Dosierungen
über 300 mg ein Plateau. Eine Dosierung von 1mal
täglich
150-300 mg senkt den Blutdruck im Liegen und im Sitzen zum Zeitpunkt
des minimalen Blutspiegels (d.h. 24h nach Verabreichung) um
durchschnittlich 8-13/5-8 mm Hg (systolisch/diastolisch) mehr als
Placebo. Trotz der deutlichen Blutdrucksenkung zeigt Irbesartan keine
eindeutigen Auswirkungen auf die Herzfrequenz. Absetzen von Irbesartan
führte bei Hypertonikern nicht zu einem abrupten
Blutdruckanstieg
(Rebound). Nach Absetzen der Therapie erreicht der Blutdruck
allmählich wieder die Ausgangswerte.
Es zeigte sich keine klinisch bedeutsame Wirkung auf den
Blutharnsäurespiegel oder die renale
Harnsäureausscheidung.
Im therapeutischen Dosisbereich von Irbesartan beim Menschen scheint
die Hyperplasie/Hypertrophie der renalen juxtaglomerulären
Zellen
nicht relevant zu sein.
Die Irbesartan Studie zur diabetischen Nephropathie (Irbesartan
Diabetic Nephropathy Trial, IDNT) zeigt, dass Irbesartan das
Fortschreiten einer Nierenerkrankung bei Patienten mit chronischer
Niereninsuffizienz und manifester Proteinurie vermindert.
Die Studie zur "Wirkung von Irbesartan auf Mikroalbuminurie bei
Hypertoniepatienten mit Diabetes Mellitus Typ 2 (IRMA 2)" zeigt, dass
300 mg Irbesartan bei Patienten mit Mikroalbuminurie das Fortschreiten
zu manifester Proteinurie verzögert.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegenüber Irbesartan
- 2. und 3. Trimenon der Schwangerschaft
Relative Gegenanzeigen
- Nierenarterienstenose beidseits oder Nierenarterienstenose bei
Patienten mit Einzelniere: erhöhtes Risiko einer schweren
Hypotonie und Niereninsuffizienz bei der Behandlung mit Arzneimitteln,
die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System beeinflussen.
- Patienten kurz nach Nierentransplantation: keine Erfahrungen vorhanden
- Aorten- oder Mitralklappenstenose bzw. obstruktive hypertrophe
Kardiomyopathie: besondere Vorsicht wie bei allen Vasodilatatoren
angezeigt
- primärer Aldosteronismus: Anwendung nicht empfohlen, da
Patienten mit primären Aldosteronismus im allgemeinem nicht
auf
Antihypertonika ansprechen, deren Wirkung auf der Hemmung des
Renin-Angiotensin-Systems beruht.
- Patienten mit ischämischer Kardiomyopathie oder
ischämischer kardiovaskulärer Erkrankung: Wie bei
jedem
blutdrucksenkenden Arzneimittel könnte ein
übermäßiger Blutdruckabfall bei diesen
Patienten zu
einem Myokardinfarkt oder Schlaganfall führen.
- Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion: keine
klinische Erfahrung vorhanden
- 1. Trimenon der Schwangerschaft: Aus Vorsichtsgründen sollte
Irbesartan während des 1. Trimenons der Schwangerschaft
möglichst nicht angewendet werden. Falls eine Schwangerschaft
diagnostiziert wird, muss Irbesartan so bald wie möglich
abgesetzt
werden; bei einer versehentlichen Behandlung über einen
längeren Zeitraum sollten Schädel und Nierenfunktion
echographisch überprüft werden.
- geplante Schwangerschaft: Es sollte vorher auf eine geeignete
Alternativbehandlung umgestellt werden.
- Stillzeit
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
Hypertonie und Typ 2 Diabetes mit Nierenerkrankung:
- Hyperkaliämie trat häufiger bei diabetischen
Patienten auf,
die mit Irbesartan behandelt wurden, als unter Placebo. Bei
diabetischen hypertensiven Patienten mit Mikroalbuminurie oder mit
normaler Nierenfunktion trat Hyperkaliämie (>= 5,5
mEq/l) bei
29,4% (d.h. sehr häufig) der Patienten in der 300 mg
Irbesartan-Gruppe und bei 22% der Patienten in der Placebo-Gruppe auf.
Bei diabetischen hypertensiven Patienten mit chronischer
Niereninsuffizienz und offenkundiger Proteinurie trat
Hyperkaliämie (>= 5,5 mEq/l) bei 46,3% (d.h. sehr
häufig)
der Patienten in der Irbesartan-Gruppe bzw. bei 26,3% der Patienten in
der Placebo-Gruppe auf.
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
Hypertonie:
- Schwindel
- Übelkeit/Erbrechen
- Erschöpfung
- Ein signifikanter Anstieg der Plasma-Kreatinkinase wurde
häufig
beobachtet bei Patienten, die mit Irbesartan behandelt wurden (1,7%).
Dieser Anstieg war in keinem Fall mit nachweisbaren, klinisch
relevanten muskuloskeletalen Ereignissen assoziiert.
Zusätzliche Nebenwirkungen bei Hypertonie und Typ 2 Diabetes
mit Nierenerkrankung:
- Orthostatischer Schwindel
- Orthostatische Hypotonie
- Muskuloskeletale Schmerzen
- Eine Abnahme des Hämoglobins, die klinisch nicht relevant
war,
wurde bei 1,7% (d.h. häufig) der hypertensiven Patienten
beobachtet, die an fortgeschrittener diabetischer Nephropathie leiden
und mit Irbesartan behandelt wurden.
Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
Seit der Markteinführung von Irbesartan berichtete
Nebenwirkungen:
- Wie mit anderen Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten wurde ein
Auftreten von Hypersensitivitätsreaktionen wie Ausschlag,
Urtikaria, Angioödeme berichtet.
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
Seit der Markteinführung von Irbesartan berichtete
Nebenwirkungen:
- Hyperkaliämie
- Kopfschmerzen
- Tinnitus
- Störung des Geschmacksempfindens (Dysgeusie)
- abnormale Leberfunktion
- Hepatitis
- Myalgie (gelegentlich verbunden mit erhöhter
Plasma-Kreatinkinase-Aktivität)
- Arthralgie
- Muskelkrämpfe
- Nierenfunktionsstörungen einschließlich
Einzelfällen von Nierenversagen bei Risikopatienten
- leukozytoklastische Vaskulitis