Loratadin ist ein Antihistaminikum der
2.
Generation mit antiinflammatorischer Wirkkomponente, das bei
allergischer Rhinitis und Urtikaria sowie beim atopischen Ekzem zum
Einsatz kommt. Ein aktiver Metabolit von Loratadin ist Desloratadin, er ist der
Wirkstoff im Fertigarzneimittel AERIUS®.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der H1-Antihistaminika finden sich hier.
Die pharmakodynamischen Eigenschaften von Loratadin
sind vergleichbar mit denen der neueren H1-Antihistaminika Terfenadin
und Astemizol. Während die klassischen H1-Antihistaminika wie
Clemastin oder Doxylamin stark sedierende und anticholinerge
Eigenschaften besitzen, sind diese (meist) unerwünschten
Wirkungen
bei den neueren Substanzen wesentlich schwächer
ausgeprägt.
So besitzt Loratadin sowohl in vitro als auch im Tierexperiment eine
hohe Affinität zu peripheren Histamin-H1-Rezeptoren. Dagegen
ist
die Affinität zu H1-Rezeptoren im ZNS nur schwach
ausgeprägt
(Verhältnis 1:3 in vitro).
Zu alpha-Adrenozeptoren oder Cholinozeptoren besitzt Loratadin nur eine
schwache Affinität. Anticholinerge Effekte sind daher - ebenso
wie
bei Astemizol oder Terfenadin - nur schwach ausgeprägt.
Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Loratadin im Gegensatz zu
Tierexperimenten zwar die Freisetzung von Leukotrienen, nicht aber von
Histamin aus humanen Lungenzellfragmenten hemmt.
Loratadin bewirkt in vitro und in vivo eine Reduktion der Expression
von Adhäsionsmolekülen wie ICAM-1 auf
respiratorischem
Epithel, Endothel, Keratinozyten und anderen immunologisch relevanten
Zellarten wie Langerhans-Zellen oder eosinophilen Granulozyten.
Adhäsionsmoleküle sind u.a. für den Austritt
von
Eosinophilen und Neutrophilen aus den Kapillaren und ihren Eintritt in
den Entzündungsherd verantwortlich. Loratadin führt
sowohl in
der Früh- als auch in der Spätphase des allergischen
Geschehens in vivo zu einer signifikanten Reduktion von Granulozyten
und Mastzellen sowie der von Eosinophilen exprimierten Mediatoren
Eosinophilenperoxidase (EPO) und eosinophiles kationisches Protein
(ECP). (Diese letztlich antiinflammatorischen Effekte sind bereits als
potentiell Glucocorticoid-sparende Maßnahme bei Colitis
ulcerosa
erfolgreich erprobt worden.)
Im Vergleich zu anderen H1-Antihistaminika zeigte Loratadin in
tierexperimentellen Studien teilweise eine stärkere (z.B.
gegenüber Terfenadin, Astemizol, Promethazin oder
Diphenhydramin)
oder längere (z.B. gegenüber Azatadin oder
Terfenadin)
antihistaminische Wirkung (diese ist möglicherweise durch eine
sehr langsame Dissoziation des aktiven Metaboliten
Descarboethoxyloratadin (Desloratadin) vom H1-Rezeptor zu
erklären).
Bei einer Langzeitbehandlung mit Loratadin zeigten sich keine klinisch
signifikanten Änderungen hinsichtlich der vitalen Funktionen,
der
Laborparameter, der physischen Befunde und des EKGs. In Studien mit
mehrfach erhöhten Dosen wurde dagegen in Abhängigkeit
von der
Dosierung eine erhöhte Inzidenz von Somnolenz gefunden.
Loratadin besitzt keine signifikante Affinität zu
H2-Rezeptoren,
behindert nicht den Noradrenalin-Reuptake und besitzt praktisch keinen
Einfluss auf Funktion und Schrittmacher-Aktivität des Herzens.
In einer Studie, in der Loratadin über 90 Tage mit der 4fachen
therapeutischen Dosis verabreicht wurde, wurden keine
QTc-Verlängerungen festgestellt.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Loratadin
- Alter <2 Jahre
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
Alter 2-12 Jahre:
- Kopfschmerzen
- Nervosität
- Müdigkeit
Erwachsene und Jugendliche:
- Schläfrigkeit