Melperon ist ein Neuroleptikum aus der
Reihe der Butyrophenone und ist indiziert zur Behandlung von
Schlafstörungen, Verwirrtheitszuständen und zur
Dämpfung von psychomotorischer Unruhe und
Erregungszuständen, insb. bei Patienten der Geriatrie und
Psychiatrie, bei Psychosen, Oligophrenie, organisch bedingter Demenz,
Psychoneurosen (wenn Tranquilizer wegen Unverträglichkeit oder
Abhängigkeitsgefahr nicht angewendet werden können)
und Alkohol-Krankheit.
Wirkungsmechanismus
Der Wirkmechanismus der Neuroleptika vom
Butyrophenon-Typ (Leitstruktur Haloperidol) und der
Diphenylbutylpiperidine ist nicht eindeutig geklärt. Man geht
davon aus, dass das dopaminerge System die entscheidende Rolle spielt.
Neuroleptika blockieren prä- und postsynaptische
Dopamin-Rezeptoren. Es besteht eine enge Korrelation zwischen der
Dopaminrezeptor-antagonistischen Wirkung und der klinisch relevanten
antipsychotischen Wirksamkeit. Dabei wird ein Angriffspunkt im
mesolimbischen bzw. mesokortikalen System für die
antipsychotische Wirkung angenommen.
Gleichzeitig ist diese Eigenschaft jedoch für teilweise
erhebliche Nebenwirkungen mitverantwortlich. So führt die
Blockade postsynaptischer D2-Rezeptoren im mesolimbischen bzw.
mesokortikalen System zur Besserung psychotischer Symptome,
während die Hemmung von D2-Rezeptoren im nigrostriatalen
System extrapyramidal-motorische Störungen und die im
tubero-infundibulären System endokrin bedingte Nebenwirkungen
auslöst. Weitere Effekte der D2-Rezeptor-Blockade sind eine
antiemetische Wirkung oder ein Anstieg der
Serum-Prolaktin-Konzentration. Durch die Dopamin-Rezeptorblockade wird
die Aktivität dopaminerger Neurone über einen
neuronalen Feedback-Mechanismus aktiviert, was zu einer Steigerung der
Dopaminsynthese führt.
Die antipsychotische Wirkung stellt sich üblicherweise erst im
Verlauf von 1-2 (-6) Wochen ein.
Melperon
ist ein schwach bis mittelstark wirksames Neuroleptikum aus der Reihe
der Butyrophenone. Wie im Tierversuch gezeigt wurde, rufen
Butyrophenone eine Blockade der Dopaminrezeptoren hervor und verringern
dadurch die Wirkung des Dopamin als
Überträgersubstanz. Melperon zeigt bei In
vitro-Versuchen eine um etwa den Faktor 200 schwächere
Affinität zu D2-Rezeptoren als Haloperidol. Im Gegensatz zu
Haloperidol findet auch eine Bindung an D1-Rezeptoren statt.
In vitro zeigt Melperon eine im Vergleich zur antidopaminergen Wirkung
starke antiserotonerge Wirkung an 5-HT2-Rezeptoren. Da durch Blockade
von 5-HT-Rezeptoren die durch Neuroleptika induzierte Katalepsie bei
Ratten (Tiermodell für antipsychotische Wirkung bzw.
extrapyramidal-motorische Systeme) verhindert werden kann,
könnte dieser zusätzliche Angriffspunkt für
das Fehlen der extrapyramidal-motorisch Störungen
verantwortlich sein. Die Wirkung auf das extrapyramidal-motorische
System ist bei Melperon nur schwach ausgeprägt. Deshalb wird
beim Melperon auch von einem atypischen Neuroleptikum gesprochen,
welches als Charakteristikum einen relativ hohen 5-HT2/D2-Quotienten
(bezogen auf die in vitro Bindungsaffinitäten zu den beiden
Rezeptor-Subpopulationen) besitzt.
Sowohl die zentrale, als auch die periphere anticholinerge und
antihistaminerge Wirkung von Melperon ist kaum messbar.
Rezeptorbindungsstudien zeigten auch eine gewisse Affinität
zum zentralen alpha1-adrenergen Rezeptor, wodurch die
dämpfende Wirkung auf
Hypermotilitätszustände erklärbar
wäre. Eine periphere alpha1-Rezeptorblockade könnte
eine Vasodilatation mit kurzfristiger Senkung des Blutdrucks vermitteln.
Melperon führt dosisabhängig zunächst zu
einer affektiven Entspannung mit erhöhter Schlafbereitschaft,
und erst bei höheren Dosierungen tritt eine antipsychotische
Wirkung im Sinne einer Beeinflussung von Sinnestäuschungen,
Wahnvorstellungen und Autismus ein.
Neben diesen für schwach potente Neuroleptika typischen
Hauptwirkungen sind für Melperon muskelrelaxierende sowie
antiarrhythmische (vom Typ Klasse III: Verlängerung der
Aktionspotentialdauer und Refraktärperiode) Wirkungen
beschrieben worden.
Im Gegensatz zu anderen Neuroleptika hat Melperon in therapeutischen
Dosen keinen negativen Einfluss auf die Höhe der zerebralen
Krampfschwelle; Untersuchungen deuten darauf hin, dass es bei Anwendung
im therapeutischen Dosisbereich eher zu einer geringgradigen Anhebung
der Krampfschwelle kommt.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Melperon oder andere
Butyrophenone
- akute Intoxikation und komatöser Zustand durch
zentraldämpfende Psychopharmaka, Opioide, Hypnotika und Alkohol
- hochgradige Leberinsuffizienz
- anamnestisch bekanntes malignes Neuroleptika-Syndrom
- Stillzeit
i.m. zusätzlich:
- Patienten mit schweren Blutgerinnungsstörungen
Relative
Gegenanzeigen
Anwendung nur unter besonderer Vorsicht:
- kardiale Vorschädigung
- Nicht-pharmakogenes Parkinson-Syndrom
- schwere Hypotonie bzw. orthostatische Dysregulation
- Veränderungen des Blutbildes (Leuko-, Thrombozytopenie)
- prolaktinabhängige Tumore, z.B. Mammatumoren
- Hypokaliämie
- Bradykardie
- angeborenes langes QT-Syndrom oder andere klinisch signifikante
kardiale Störungen (insbesondere
Erregungsleitungsstörungen, Arrhythmien)
- Schwangerschaft: Anwendung sollte nicht erfolgen
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Therapeutische Dosen haben in der Regel keinen oder nur einen
geringen Einfluss auf Atmung, Kreislauf, Verdauung, Harnausscheidung
und Leberfunktion. Müdigkeit kann ins. zu Beginn der
Behandlung auftreten.
- Insbesondere bei hoher Dosierung oder bei besonderer individueller
Reaktionsbereitschaft können Störungen im Bereich der
unwillkürlichen Bewegungsabläufe (extrapyramidale
Begleitsymptome) auftreten, die sich in Form von
Frühdyskinesien (krampfartiges Herausstrecken der Zunge,
Verkrampfung der Schlundmuskulatur, okulogyre Krisen, Schiefhals,
Versteifungen der Rückenmuskulatur,
Kiefermuskelkrämpfe), einem Parkinson-Syndrom (Zittern,
Steifigkeit) und Akathisie (Bewegungsunruhe) manifestieren
können. Frühdyskinesien und Parkinson Syndrome sind
durch Dosisreduktion und/oder Verabreichung von anticholinergen
Antiparkinson-Mitteln (z.B. Biperiden) beherrschbar. Diese Symptome
sind nach Absetzen des Neuroleptikums voll reversibel. Die Behandlung
der Akathisie ist schwierig; zunächst kann eine Dosisreduktion
versucht werden, bei Erfolglosigkeit kann ein Therapieversuch mit
Sedativa, Biperiden, Hypnotika oder Beta-Rezeptorenblockern
durchgeführt werden.
- Es ist unter der Therapie mit Butyrophenonen über
allergische Hautreaktionen berichtet worden (Exanthem).
- Das Auftreten von Regulationsstörungen der
Körpertemperatur, Akkomodationsstörungen,
Mundtrockenheit, Gefühl der verstopften Nase,
Erhöhung des Augeninnendruckes, Obstipation und
Miktionsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit,
Erbrechen, Diarrhoe und Appetitverlust können nicht
ausgeschlossen werden.
- Blutzellschäden in Form von Leukopenie, Thrombopenie,
Eosinophilie und Panzytopenie
- Melperon kann das QT-Intervall im EKG verlängern; u. U.
können Torsade de pointes auftreten.
- Das Auftreten einer ausgeprägten Hyponatriämie kann
nicht ausgeschlossen werden.
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Hypotonie bzw. orthostatische Dysregulation
- reflektorische Beschleunigung der Herzfrequenz.
- passagere Erhöhungen der Leberenzymaktivitäten
- Abflussstörungen der Galle (intrahepatische Cholestase)
- Ikterus
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Es kann es unter der Behandlung mit vor allem hochpotenten
Neuroleptika zu einem lebensbedrohlichen malignem neuroleptischen
Syndrom kommen (Fieber über 40 Grad Celsius, Muskelstarre,
vegetative Entgleisung mit Herzjagen und Bluthochdruck,
Bewußtseinseintrübung bis zum Koma), das das
sofortige Absetzen der Medikation erfordert. In diesem Fall sind ebenso
wie bei Überdosierung intensivmedizinische Maßnahmen
erforderlich.
- Menstruationsstörungen
- Galactorrhoe
- Gynäkomastie
- sexuelle Funktionsstörungen
- Gewichtszunahme
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Herzrhythmusstörungen
- Spätdyskinesien sind im zeitlichen Zusammenhang mit der
Behandlung mit Melperon aufgetreten. Jedoch wurde in allen
Fällen gleichzeitig oder früher mit anderen
Arzneimitteln, für die diese Nebenwirkung bekannt ist,
behandelt. Eine gesicherte Therapie dieser Nebenwirkung ist derzeit
nicht bekannt.
- Agranulozytose