Metamizol ist ein nichtsaures
Pyrazolderivat
mit starken analgetischen, guten antipyretischen und spasmolytischen
sowie geringen antiphlogistischen Effekten. Es wird oral, rektal und
parenteral bei starken Schmerzen, Koliken und hohem Fieber eingesetzt.
Wirkungsmechanismus
Pyrazol- oder Pyrazolinonderivate
gehören
zur Gruppe der nichtsauren antipyretischen Analgetika. Zur
Substanzklasse gehören neben dem Prototyp der Phenazone, dem
Phenazon selbst, dessen Isopropylderivat Propyphenazon und Metamizol
sowie die Pyrazolidin-3,5-dion-Derivate Phenylbutazon und
Oxyphenbutazon. Die Phenazone wirken gut analgetisch und antipyretisch,
die Pyrazolidin-3,5-dione aufgrund ihres sauren Charakters
außerdem antiphlogistisch. Eingesetzt werden die
Pyrazol-Derivate
üblicherweise bei leichten bis mittelstarken Schmerzen. Das
bei
schweren Fieberzuständen indizierte Metamizol ist hinsichtlich
seiner antipyretischen Potenz Phenazon, Paracetamol und
Acetylsalicylsäure überlegen. Des Weiteren wird
für
Metamizol eine direkte spasmolytische Wirkung an der glatten Muskulatur
diskutiert. Das Agranulozytose-Risiko nach Metamizol-Gabe wird
inzwischen mit einer Größenordnung von 1:1 Mio.
angegeben.
Der Wirkmechanismus der Pyrazol-Derivate ist im Einzelnen nicht
bekannt. Anzunehmen ist eine Hemmung der Prostaglandinsynthese und der
Cyclooxygenase, des Weiteren eine Beeinflussung der
Arachidonsäurewirkung und eine reversible Hemmung der
Thrombozytenaggregation.
Pyrazol-Derivate führen selten zu schweren allergischen
Hauterkrankungen oder zu Blutdruckabfällen. Im Gegensatz zu
dem
inzwischen nicht mehr im Handel befindlichen Aminophenazon wirken die
heute therapeutisch eingesetzten Pyrazol-Derivate nicht
nitrosaminbildend.
Kontraindikationen für Pyrazol-Derivate stellen
Blutbildungsstörungen, hepatische Porphyrie,
Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel und
Nierenfunktionsstörungen dar.
Als Prodrug der pharmakologisch aktiven Metaboliten
4-Methylaminophenazon und 4-Aminophenazon wirkt Metamizol
analgetisch, antipyretisch und gering antiphlogistisch sowie
spasmolytisch. Die analgetischen und antipyretischen Wirkungen sind
stärker ausgeprägt als die von Phenacetin und den
Salicylaten. Unter den Pyrazol-Derivaten besitzt es die
stärkste
analgetische Wirkung. Der Wirkungsmechanismus ist - wie bei anderen
Analgetika - im Einzelnen nicht bekannt. Unter anderem hemmt Metamizol
die Prostaglandinsynthese (PGE1 und PGE2) und reversibel die
Thrombozytenaggregation. Es inhibiert die Cyclooxygenase und
beeinflusst die Arachidonsäurewirkung. Gleichzeitig scheint
eine
zentrale Wirkkomponente vorzuliegen. Diskutiert wird für die
analgetische Wirkungskomponente auch eine Dämpfung der
zentralen
Schmerzperzeption durch Aktivierung von Neuronen im schmerzhemmenden
System.
Die antipyretische Wirkung wird durch zentralen Angriff am
hypothalamischen Wärmeregulationszentrum vermittelt,
unterstützt durch eine vermehrte Wärmeabgabe
über die
Peripherie. Die exsudationshemmenden und
gefäßabdichtenden
Eigenschaften des Metamizol sind die Grundlagen der antiphlogistischen
Wirkung, die - zumindest teilweise - über eine Hemmung der
endogenen Prostaglandinsynthese zustande kommen dürfte.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
- Pyrazolon- und Pyrazolidin-Allergie (Überempfindlichkeit z.
B.
gegen Metamizol-, Propyphenazon-, Phenazon- oder Phenylbutazon-haltige
Arzneimittel)
- Patienten mit bekanntem Analgetika-Asthmasyndrom oder Patienten mit
bekannter Analgetika-Intoleranz vom Urtikaria-Angioödemtyp,
d.h.
Patienten, die mit Bronchospasmus oder anderen anaphylaktoiden
Reaktionsformen auf Salicylate, Paracetamol oder andere
nicht-narkotische Analgetika wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen oder
Naproxen reagieren.
- Störungen der Knochenmarkfunktion (z.B. nach Behandlung mit
Zytostatika, die bei Krebsleiden gegeben werden) oder Erkrankungen des
hämatopoetischen Systems (Erkrankungen der Blutbildung)
- genetisch bedingter Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
(Erbkrankheit mit Gefahr der Auflösung der roten
Blutkörperchen)
- akuter hepatischer Porphyrie (Erbkrankheit mit
Bildungsstörung des roten Blutfarbstoffs)
Relative Gegenanzeigen
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Patienten mit erhöhtem Risiko für anaphylaktoide
Reaktionen, z.B. allergisch bedingtem Asthma bronchiale, chronischer
Urtikaria, Alkoholintoleranz, Farbstoff- und/oder
Konservierungsmittelintoleranz
- Erkrankungen, die mit einer Verminderung der Anzahl der
weißen Blutkörperchen einhergehen,
- Nierenfunktionsstörungen
- Leberfunktionsstörungen
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker. Die wesentlichen Nebenwirkungen von
Metamizol
beruhen auf Überempfindlichkeitsreaktionen. Die wichtigsten
sind
Schock und Agranulozytose. Beide Reaktionen sind selten, aber
lebensbedrohlich und können auch nach mehrfacher
komplikationsloser Anwendung auftreten. Anaphylaktische und
anaphylaktoide Reaktionen können sich während der
Injektion
bzw. unmittelbar danach, aber auch Stunden später entwickeln;
sie
treten aber überwiegend während der ersten Stunde
nach der
Gabe auf. Leichtere Reaktionen manifestieren sich typischerweise in
Haut- und Schleimhautreaktionen (wie z.B. Juckreiz, Brennen,
Rötung, Urtikaria, Schwellungen), Dyspnoe und - seltener -
gastrointestinalen Beschwerden. Solche leichteren Reaktionen
können in schwerere Formen übergehen mit
generalisierter
Urtikaria, schweren Angioödemen (auch im Larynxbereich),
schwerem
Bronchospasmus, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall
(manchmal
mit vorausgehendem Blutdruckanstieg) und Kreislaufschock. Bei Patienten
mit Analgetika-Asthmasyndrom manifestieren sich
Unverträglichkeitsreaktionen typischerweise in Form von
Asthmaanfällen.
Zu den typischen Zeichen einer Agranulozytose gehören
entzündliche Schleimhautveränderungen (z.B. im Mund-,
Hals-,
Anorektal- und Genitalbereich), Halsschmerzen, Fieber
(einschließlich unerwartet andauerndem oder wieder
einsetzendem
Fieber). Bei Patienten, die Antibiotika erhalten, können diese
Anzeichen allerdings minimal sein. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist
stark erhöht, während die Lymphknoten typischerweise
nur
leicht oder überhaupt nicht vergrößert
sind. Auch ein
unerwartete Verschlechterung des Allgemeinbefindens kann Hinweis auf
das Vorliegen einer Agranulozytose sein.
Ein Blutdruckabfall mit oder ohne Vollbild des Schocks kann
insbesondere bei der parenteralen Anwendung auftreten.
Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- schwere und lebensbedrohliche anaphylaktoide oder anaphylaktische
Reaktionen
- Stevens-Johnson-Syndrom
- Lyell-Syndrom
- Agranulozytose
- Thrombozytopenie
- akute Verschlechterung der Nierenfunktion (evtl. mit Oligo- oder
Anurie und akutem Nierenversagen)
- akute interstitielle Nephritis
- Schmerzen und lokale Reaktionen an der Injektionsstelle, evtl.
Phlebitiden
- psychische Störungen wie Depression, Angst, Agitiertheit