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Methotrexat



 

Methotrexat

 Formel Methotrexat

Wirkstoffklasse

  • Zytostatikum
  • Dihydrofolatreduktase-Inhibitior

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Lantarel® 
  • metex®
  • MTX HEXAL®

Wirkung

Methotrexat ist ein zytostatisch wirkender Folsäure-Antagonist (Inhibitor der Dihydrofolat-Reduktase), der zur Behandlung sowohl von verschiedenen neoplastischen Erkrankungen als auch von schwerer Psoriasis und rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis) eingesetzt wird.

Wirkungsmechanismus

Methotrexat ist ein Zytostatikum mit immunsuppressiver Wirkung und zählt als kompetitiver Folsäure-Antagonist zur Gruppe der Antimetaboliten.
Die Substanz bewirkt eine kompetitive Hemmung der Dihydrofolat-Reduktase, einem Schlüsselenzym in der DNA-Synthese, indem es aufgrund struktureller Ähnlichkeiten mit Dihydrofolat um dessen Bindungsstelle konkurriert. Methotrexat wird mit viel höherer Geschwindigkeit ins Zellinnere transportiert und besitzt eine weitaus größere Affinität zur Dihydrofolat-Reduktase als Dihydrofolat selbst (105:1).
In der Folge wird die Reduktion von Dihydrofolat zu Tetrahydrofolat gehemmt. Tetrahydrofolat ist ein essentieller Lieferant von C1-Bausteinen v.a. für die Synthese der methylierten Purin/Pyrimidin-Basen und damit der Nucleoside. Die Thymidilat-Synthese wird durch extrazelluläre Konzentrationen an freiem Methotrexat ab 10E-8 Mol und die Purin-Synthese ab 10E-7 Mol gehemmt. Zellen, die sich im Stadium der DNA-Synthese befinden, wie z.B. maligne Zellen, Knochenmarkzellen, fetale Zellen, Zellen der Mund- bzw. Darmschleimhaut und der Harnblase, sind daher empfindlicher gegen Methotrexat als alle anderen Gewebe, einschließlich der Haut. Die häufigsten Nebenwirkungen der Substanz betreffen daher auch diese Gewebe (Knochenmarkdepression, Blutbildveränderungen, Ulzerationen und Entzündungen der Mund- und Darmschleimhäute). Die intensivste Wirkung hat Methotrexat in der S-Phase des Zellzyklus.
Folinsäure bzw. Calciumfolinat heben den durch Methotrexat bewirkten biochemischen Block im Sinne eines Antidots wieder auf ("Rescue"), indem sie vollständig reduzierte Folate zur Verfügung stellen, ohne dass hierbei Dihydrofolat-Reduktase benötigt wird. Dadurch kann in Abhängigkeit von Dosis und Applikationszeitpunkt sowohl die Toxizität von Methotrexat auf normale Gewebe als auch die erwünschte Wirkung auf die Tumorzellen reduziert werden. Man geht davon aus, dass Tumorzellen schneller durch Methotrexat geschädigt werden als normale schnell proliferierende Körpergewebe. Nach Dosen ab etwa 100 mg/m2 KO soll einige Stunden später Calciumfolinat gegeben werden.
Resistenzen von Tumorzellen sind möglich durch:
- verminderten Transport von Methotrexat in die Zellen
- Produktion veränderter Dihydrofolat-Reduktase-Moleküle mit niedriger Affinität für den Inhibitor
- zunehmende intrazelluläre Konzentration an Dihydrofolat-Reduktase.
Der Wirkmechanismus von Methotrexat bei rheumatoider Arthritis ist unbekannt, immunsuppressive oder antiphlogistische Effekte sind möglich. Da in einer Studie an Patienten mit rheumatoider Arthritis deren kardiovaskuläre Sterblichkeit durch Methotrexat-Gabe gesenkt wurde, ist zudem eine Reduktion der Arthritis-Aktivität und der Mortalität durch kardiovaskuläre Ereignisse in Folge Hemmung gemeinsamer Entzündungsmechanismen denkbar.
Methotrexat wird außerdem mit günstiger Wirkung bei der Therapie der Psoriasis, einer nicht-malignen Hauterkrankung, die durch eine abnorme Proliferation epidermaler Zellen charakterisiert ist, eingesetzt. Nach systemischer Gabe wird die DNA-Synthese in psoriatischen Epidermis-Zellen über 12-16h gehemmt.
Es existieren weiter Hinweise darauf, dass Methotrexat bei Steroid-abhängigen Morbus Crohn-Patienten mit Azathioprin-Unverträglichkeit nicht nur in Kombination mit einem Steroid zur Remission führen, sondern diese auch ohne weitere Steroid-Gabe zu erhalten vermag.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen

- bekannte Überempfindlichkeit gegen Methotrexat
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Immundefizienz
- bestehende schwere Infektionen
- Ulzera des Gastrointestinaltraktes, Stomatitiden
- Leberschäden
- erhöhter Alkoholkonsum
- Erkrankungen des hämatopoetischen Systems (z.B. nach voraus gegangener Strahlen- oder Chemotherapie)
- Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance <60 ml/min oder Serum-Kreatinin >2 mg/dl)
orale Behandlung zusätzlich:
- Kindesalter

Relative Gegenanzeigen

besonders strenge Überwachung:
- Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Aszites, Pleuraerguss)
- voraus gegangene intensive Strahlentherapie
- reduzierter Allgemeinzustand
- starkes Übergewicht
- Insulin-pflichtiger Diabetes mellitus
- Einschränkung der Lungenfunktion
- Zustände, die zur Dehydratation führen (Erbrechen, Diarrhoe, Stomatitis)
- inaktive chronische Infektion (z.B. Herpes zoster, Tuberkulose, Hepatitis B oder C)
hochdosierte Anwendung von Methotrexat:
- Kreatinin-Wert außerhalb des Normbereichs
- in Kombinationstherapien: Leukozytenzahl bzw. Thrombozytenzahl unterhalb des im jeweiligen Protokoll angegebenen Mindestwerts (1000-1500/μl bzw. 50000-100000/μl)

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit

systemische Anwendung:
- bei akuter lymphatischer Leukämie: Schmerz im Oberbauch (Entzündung der Milzkapsel durch Zerstörung der leukämischen Zellen)
- Verschlechterung der Nierenfunktion (v.a. bei vorbestehender Einschränkung der Nierenfunktion, mangelhafter Flüssigkeitszufuhr und unzureichender Alkalisierung des Urins), Anurie, Oligurie
- "recall"-Reaktionen (Wiederauftreten von durch Bestrahlung hervorgerufenenen Dermatitiden oder Sonnenbrand unter Methotrexat)
- allgemeine Blutbildungsstörungen
- Eosinophilie
- Hämorrhagien
- Frösteln, Kältegefühl
- Sepsis
- hämorrhagische Gastroenteritis
- Anstieg des Bilirubins
- Pankreatitis
- bei gleichzeitiger UV-Bestrahlung: Verschlechterung psoriatischer Läsionen
- ungewöhnliche zerebrale Empfindungen wie leichte Wahrnehmungsstörungen, Verstimmungen
- Aphasie
- Pleozytose
- Psychosen
- Teleangiektasien
- Akne
- Furunkulosis
- Petechien
- Ekchymosen
- akute desquamative Dermatitis
- besonders nach voran gegangener Schädel-Bestrahlung, auch bei hochdosierter parenteraler Behandlung: nekrotisierende Leukoenzephalopathie mit fortschreitenden neurologischen Ausfällen, als Spätfolge chronische Meningoenzephalopathie, Ventrikel-Erweiterungen
- Anwendung in onkologischen Indikationen: periorbitales Ödem, Blepharitis, Konjunktivitis, Epiphora, Photophobie oder Sehstörungen
- s.c. Applikation: mild ausgeprägte lokale Hautreaktionen
intrathekale Anwendung:
- akute aseptische Meningitis mit Meningismus, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Rückenschmerzen, Nackensteifheit, Pleozytose im Liquor, nach lumbaler Applikation Myelopathie
- (meist nach Kombination mit voraus gegangener Schädel-Bestrahlung:) nekrotisierende demyelinisierende Leukoenzephalopathie mit fort schreitenden neurologischen Störungen, z.B. Demenz, Dysarthrie, Ataxie, Verwirrtheit, Erregbarkeit, Schläfrigkeit, Lähmungen, außerdem Ventrikelerweiterungen als Spätfolge, u.U. Krampfanfälle, Koma und letaler Ausgang
- Druckerhöhung des Liquor cerebrospinalis

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
systemische Anwendung:
- vorüber gehende Anstiege der Transaminasen auf das 2-3fache der Norm (Maximum bei einmal wöchentlicher Dosis meist nach 4-5 Tagen, Normalisierung nach 1-2 Wochen)
- vorüber gehender Anstieg der alkalischen Phosphatase
- v.a. innerhalb der ersten 24-48h nach Gabe von Methotrexat: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Entzündungen und Ulzerationen der Mund- und Rachenschleimhaut (Mukositis meist innerhalb von 14 Tagen reversibel)

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
systemische Anwendung:
- Leukozytopenie (Beginn einige Tage dach Gabe einer Dosis, Nadir etwa nach 10 Tagen, innerhalb von 14 Tagen meist reversibel, selten nach 12-21 Tagen zweite leukopenische Phase)
- Thrombozytopenie (Beginn einige Tage dach Gabe einer Dosis, innerhalb von 14 Tagen meist reversibel)
- Anämie
- Diarrhoe
- allergisch bedingte interstitielle Pneumonitis/Alveolitis, u.U. mit letalem Ausgang
- Erytheme
- Exantheme
- Pruritus
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Benommenheit

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
systemische Anwendung:
- Agranulozytose
- Panzytopenie
- Ulzerationen des Magen-Darm-Traktes mit gastrointestinalen Blutungen und Perforationsgefahr
- Anstieg von Kreatinin, Harnsäure und Harnstoff im Serum
- Entzündungen und Ulzerationen im Bereich von Harnblase und Scheide
- Blasenentleerungsstörungen
- Leberschäden wie Leberverfettung, portale Fibrose, Leberzirrhose, akute Lebernekrose (v.a. bei Langzeittherapie >2 Jahre mit einer Gesamtdosis >1,5 g Methotrexat sowie bei gleichzeitigem Vorliegen von Vorschädigungen der Leber, Diabetes mellitus, massivem Übergewicht, erhöhtem Alkoholkonsum und bei Exposition gegenüber lebertoxischen Substanzen)
- Abfall des Serumalbumins
- diabetische Stoffwechsellage
- Lungenfibrose
- Urtikaria
- Photosensibilität
- Hyperpigmentierung
- Alopezie
- Zoster
- Zunahme von Rheumaknoten
- (schwere) ausgedehnte herpetiforme Hauteruptionen
- (schwere) Vaskulitis
- Schwindel
- Verwirrtheit
- Depressionen
- Arthralgie
- Myalgie
- osteoporotische Erscheinungen
- häufiger bei Langzeittherapie mit Methotrexat: schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock, Eosinophilie, allergische Vaskulitis, Fieber, Hypogammaglobulinämie, Immunsuppression, Wundheilungsstörungen, Sepsis, Pleuraerguss, Perikarderguss, Perikardtamponade
- i.m. Applikation: lokale Nebenwirkungen an der Injektionsstelle (brennendes Gefühl, Bildung eines sterilen Abszesses, Untergang von Fettgewebe)

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
systemische Anwendung:
- Oligospermie, Menstruationsstörungen (nach Absetzen reversibel)

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
systemische Anwendung:
- schwere Verläufe von Knochenmarkdepression
- megaloblastäre Anämie (v.a. Langzeittherapie älterer Patienten)
- Libidoverlust
- Impotenz
- mangelhafte Oogenese oder Spermatogenese
- akutes Nierenversagen
- akute Hepatitis
- Reaktivierung einer chronischen Hepatitis
- akuter Leberzerfall
- Lungenentzündung duch Infektion mit Pneumocystis carinii
- Dyspnoe
- Asthma bronchiale
- Stevens-Johnson-Syndrom
- Lyell-Syndrom
- verstärkt Pigmentierung der Nägel
- akute Paronychie
- Onycholyse
- bei gleichzeitiger UV-Bestrahlung: Verschlechterung psoriatischer Läsionen
- Sehstörungen
- Schmerzen
- Muskelschwäche
- Parästhesien in den Extremitäten
- Geschmacksveränderungen (metallischer Geschmack)
- Lähmungen
- Erbrechen
- Perikarditis
- Stoffwechselstörungen
- Lymphome (Zusammenhang nicht belegt, Lymphome in einigen Fällen nach Absetzen reversibel)
- Entwicklung einer akuten Leukämie (mit oder ohne präleukämische Phase, meist bei Kombination mit Etoposid)
- ungeklärter Kausalzusammenhang: venöse Thrombose
- Tumorlyse-Syndrom