Metoprolol
ist ein chiraler Arzneistoff und wird als Racemat [1:1 Mischung aus
(R)- und (S)-Metoprolol] vermarktet (R-Form oben; S-Form unten).
In Fertigarzneimitteln werden folgende Salze des Metoprolos eingesetzt: Metoprololsuccinat (Salz der Bernsteinsäure), Metoprololtartrat (Salz der Weinsäure) und Metoprololfumarat (Salz der Fumarsäure).
Metoprolol ist ein schwach lipophiler,
kardioselektiver β-Adrenozeptorenblocker, ohne intrinsische
sympathomimetische Aktivität (ISA) und nur schwach
ausgeprägter membranstabilisierender Wirkung. Durch die
relative
Selektivität blockiert Metoprolol β1-Rezeptoren im
Herzen bei
Dosierungen, die deutlich niedriger sind als für die Blockade
von
β2-Rezeptoren erforderlich. Metoprolol gehört zu den
Klasse-II-Antiarrhythmika nach Vaughan Williams.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der Betablocker finden sich hier.
Die Hauptwirkungen von Metoprolol
werden durch dessen kompetitiven Antagonismus an
β-Adrenozeptoren
vermittelt. Die Substanz hat eine relative Selektivität zu den
β1-Rezeptoren
(“Kardioselektivität“), die
vorwiegend am Herzmuskel lokalisiert sind. Bei höheren
Dosierungen
hat Metoprolol allerdings auch einen Einfluss auf die
β2-Rezeptoren z. B. der Bronchien und
Blutgefäße. Die
Substanz senkt in Abhängigkeit von der Höhe des
Sympathikustonus die Frequenz und für die Kontraktionskraft
des
Herzens die AV-Überleitungsgeschwindigkeit sowie die
Plasma-Renin-Aktivität, d. h. der stimulierende Effekt der
Katecholamine (freigesetzt insbesondere in Zusammenhang mit
körperlichem und mentalem Stress) auf das Herz wird durch
Metoprolol reduziert. Als Folge wird die Erregungsleitung im AV-Knoten
verlangsamt, die Herzfrequenz und das Schlagvolumen werden verringert,
die Herzarbeit insgesamt reduziert. Der periphere Widerstand bleibt bei
Langzeittherapie im Allgemeinen unverändert oder verringert
sich.
Bei höheren Dosierungen hat Metoprolol allerdings auch einen
Einfluss auf die β2-Rezeptoren, z. B. der Bronchien und
Blutgefäße. Metoprolol kann durch Hemmung von
β2-Rezeptoren eine Erhöhung des Tonus der glatten
Muskulatur
bewirken.
Elektrophysiologisch wirkt Metoprolol durch eine Hemmung der
katecholamininduzierten spontanen Depolarisation (Phase IV des
Aktionspotentials). Dadurch wird der Rhythmus der Zellen des
Automatie-Gewebes verlangsamt.
Klinisch verlangsamt Metoprolol die Generatorfrequenz des Sinusknotens
und ektopischer Schrittmacherherde und steigert die funktionelle
Refraktärzeit des AV-Knotens. Die Substanz verringert ebenso
die
Überleitung (sowohl anterograd als auch retrograd) in
anormalen
Leitungsbahnen des Herzens. Metoprolol gehört somit zu den
Klasse-II-Antiarrhythmika nach Vaughan Williams.
Falls erforderlich kann Metoprolol gleichzeitig mit einem
β2-Agonisten an Patienten mit Symptomen einer obstruktiven
Lungenerkrankung gegeben werden.
Bezüglich der Unterdrückung ventrikulärer
Tachykardien
bzw. Kammerflimmern wurde Metoprolol in verschiedenen Studien mit
anderen Betablockern verglichen. Als Ergebnis wurde eine vergleichbare
Wirksamkeit als Antiarrhythmikum in diesen speziellen
Herzrhythmusstörungen beobachtet, dies gilt auch für
deren
Behandlung nach Myokardinfarkt. Metoprolol führt zu einer
deutlichen Senkung des Mortalitätsrisikos durch
plötzlichen
Herztod nach einem Myokardinfarkt.
In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass
β-Adrenozeptorenblocker u. a. Metoprolol, gegeben als initiale
antihypertensive Therapie, die Gesamtmortalität
stärker
senken als Thiazid-Diuretika.
Für Metoprolol existieren folgende Indikationen:
- essentielle Hypertonie,
- arterielle Hypertonie,
- koronare Herzkrankheit,
- funktionelle Herz-Kreislauf-Störungen,
- tachykarde Herzrhythmusstörungen,
- Reinfarkt- und Migräneprophylaxe,
- Akutbehandlung des Herzinfarktes und
- stabile, chronische, nur gering bis mäßig
ausgeprägte Herzinsuffizienz.
Hämodynamik: Durch akute β1-Blockade senkt Metoprolol
sofort
die Herzfrequenz und die sympathikusabhängige
Kontraktilität,
wohingegen die Wirkung auf den erhöhten Blutdruck etwas
verzögert einsetzt. Bei der parenteralen Verabreichung kann es
durch eine zu hohe Injektionsgeschwindigkeit zu einem hypotensiven
Effekt kommen.
Im Gegensatz zu nichtselektiven Blockern bleibt unter Metoprolol die
durch Adrenalin bedingte, über β2-Rezeptoren
vermittelte
Vasodilatation innerhalb der Skelettmuskulatur erhalten, sodass in der
Belastungssituation der periphere Widerstand nicht ansteigt. Da auch
auf der venösen Seite des peripheren Systems Metoprolol eine
geringere Wirkung ausübt als nichtselektive Blocker,
beeinflusst
Metoprolol durch die mangelnde periphere Wirkung die
linksventrikulären Füllungsdrücke geringer
als
nichtselektive Blocker. Dies zeigt sich auch darin, dass das
Schlagvolumen sich weniger ändert bzw. unter
Belastungsbedingungen
bei suffizientem Herzen nicht abnimmt. Die Reduktion des
Herz-Zeit-Volumens erfolgt damit praktisch ausschließlich
durch
Frequenzreduktion.
Sollte die erhöhte Frequenz für die Aufrechterhaltung
der
Hämodynamik lebensnotwendig sein, so ist Metoprolol wie alle
anderen Betarezeptorenblocker kontraindiziert. Wird durch eine
Digitalistherapie eine Anhebung der Kontraktilität erreicht,
so
stellt die Herzinsuffizienz (kompensierte Herzsuffizienz) keine
Kontraindikation für den Einsatz von Metoprolol dar.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Metoprolol oder anderen
β-Rezeptorblockern;
- Schock;
- Herzinfarkt, wenn die Herzfrequenz <45 Schläge/Minute
ist,
ein AV-Block II. und III. Grades vorliegt, das P-R-Intervall im EKG
länger als 240 ms ist, der systolische Blutdruck niedriger als
90-100 mm Hg ist und eine mittlere bis schwere Herzinsuffizienz
vorliegt;
- AV-Block II. und III. Grades;
- Bradykardie (Ruhepuls vor der Behandlung <50
Schläge/min);
- Sinusknoten-Syndrom (sick sinus syndrome);
- sinuatrialer Block;
- bronchiale Hyperreagibilität (z.B. bei schwerem Asthma
bronchiale oder schwerer chronisch obstruktiver Lungenerkrankung);
- Spätstadien peripherer Durchblutungsstörungen;
- Hypotonie (systolisch <90 mm Hg);
- Azidose;
- unbehandeltes Phäochromozytom.
- Bei herzinsuffizienten Patienten mit:
-- instabile, dekompensierte Herzinsuffizienz (Lungenödem,
Hypoperfusion oder Hypotonie);
-- einer Herzfrequenz <68 Schlägen/min in Ruhe vor der
Behandlung;
-- einem wiederholten systolischen Blutdruck <100 mmHg (erneute
Untersuchung vor Behandlungsbeginn notwendig).
Relative
Gegenanzeigen
- AV-Block I. Grades;
- Diabetikern mit stark schwankenden Blutzuckerwerten (wegen
möglicher schwerer hypoglykämischer
Zustände);
- längerem strengen Fasten und schwerer körperlicher
Belastung (wegen möglicher schwerer hypoglykämischer
Zustände);
- Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion;
- Patienten mit Phäochromozytom (Gabe eines
α-Rezeptorenblockers vor Gabe von Metoprolol notwendig);
- schwere Überempfindlichkeitsreaktionen in der Vorgeschichte;
- gleichzeitige Desensibilisierungstherapie
(überschießende anaphylaktische Reaktionen);
- Psoriasis in der Eigen- oder Familienanamnese;
- periphere arterielle Durchblutungsstörungen (z. B.
Raynaud-Krankheit, Claudicatio intermittens);
- Schwangerschaft;
- Stillzeit
Zusätzlich bei Herzinsuffizienz (keine ausreichenden
Erfahrungen):
-- instabile Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse IV (Patienten mit
Hypoperfusion, Hypotension und/oder Lungenödem)
-- akuter Myokardinfarkt oder instabiler Angina pectoris in den letzten
28 Tagen
-- Nierenfunktionsstörungen
-- Leberfunktionsstörungen
-- Patienten über 80 Jahren
-- Patienten unter 40 Jahren
-- hämodynamisch relevante Herzklappenerkrankungen
-- obstruktive hypertrophe Kardiomyopathie
-- nach oder bei geplanten operativen Eingriffen am Herzen innerhalb
von vier Monaten vor Behandlungsbeginn
Nebenwirkungen
(unerwünschte Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- ausgeprägter Blutdruckabfall und orthostatische Hypotension,
sehr selten mit Synkope;
- Müdigkeit (insbesondere zu Beginn der Behandlung)
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Schwindel;
- Kopfschmerzen;
- Bradykardie;
- Gleichgewichtsstörungen (sehr selten mit Synkope assoziiert);
- Palpitationen;
- kalte Hände und Füße;
- Belastungsdyspnoe, Atemnot bei Patienten mit Neigung zu
bronchospastischen Reaktionen;
- Diarrhoe;
- Übelkeit, Erbrechen;
- Bauchschmerzen (meist vorübergehend);
- Obstipation
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Gewichtszunahme;
- Depression;
- Konzentrationsstörungen;
- Benommenheit oder Schlaflosigkeit;
- Alpträume, verstärkte Traumaktivität;
- Parästhesien;
- vorübergehende Verschlechterung der Symptome der
Herzmuskelschwäche;
- AV-Block 1. Grades;
- Präkordialschmerz;
- Bronchospasmen (auch bei Patienten ohne obstruktive Lungenerkrankung
in der Anamnese);
- Erbrechen;
- Hautausschlag (psoriasiforme Urtikaria und dystrophe
Hautläsionen);
- vermehrtes Schwitzen;
- Muskelkrämpfe;
- Ödeme
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Verschlimmerung eines latenten Diabetes mellitus;
- Nervosität, Spannung, Ängstlichkeit;
- Sehstörungen;
- trockene oder gereizte Augen;
- Konjunktivitis;
- funktionelle Herzbeschwerden, Arrhythmien,
AV-Überleitungsstörungen;
- allergische Rhinitis;
- Mundtrockenheit;
- anormale Werte bei Leberfunktionstests (Erhöhung der
Transaminasen im Serum);
- reversibler Haarausfall;
- Impotenz- und andere Sexualstörungen;
- Induratio penis plastica, (Peyronie-Krankheit)
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Thrombozytopenie;
- Leukopenie;
- Vergesslichkeit oder kurz dauernde
Gedächtnisstörungen,
Verwirrtheit, Halluzinationen,
Persönlichkeitsveränderung,
(z. B. Veränderung der Stimmung);
- Tinnitus;
- Schwerhörigkeit (nach überhöhter
Dosierung);
- Nekrose bei Patienten mit schweren peripheren
Durchblutungsstörungen vor der Behandlung;
- Verschlechterung einer Claudicatio intermittens oder eines
Raynaud-Syndroms;
- Geschmacksstörungen;
- Störungen im Fettstoffwechsel: meist normales
Gesamtcholesterol,
Verminderung des HDL-Cholesterol, Erhöhung der Triglyceride;
- Warnzeichen einer Hypoglykämie (insbesondere Tachykardie und
Tremor) nach längerem strengen Fasten oder schwerer
körperlicher Betätigung können verschleiert
werden;
- Verstärkung der Anfälle bei Angina
pectoris-Patienten;
- Verstärkung (bis zur Gangrän) bereits bestehender
peripherer Durchblutungsstörungen;
- Verstärkung der Beschwerden bei Morbus Raynaud-Syndrom und
Claudicatio intermittens;
- Hepatitis;
- Lichtempfindlichkeit mit Auftreten von Hautausschlägen nach
Lichteinwirkung;
- psoriasiforme Hautveränderungen, Neuauftreten einer
Psoriasis;
- Arthralgie;
- Muskelschwäche