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Metronidazol


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Metronidazol

Formel Metronidazol

Wirkstoffklasse

  • Antibiotikum
  • 5-Nitroimidazol-Derivat

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Arilin® 
  • Metrocreme® 
  • Clont® 

Wirkung

Das Antibiotikum Metronidazol aus der Gruppe der Nitroimidazole wird unter anaeroben Bedingungen durch bakterielle Enzyme zu Nitroso-Radikalen metabolisiert, die an der DNS angreifen. Nitroso-Radikale führen zur Adduktbildung mit der DNS, wodurch es zu DNS-Strangbrüchen und nachfolgend zum Zelltod kommt. Die Substanz ist gegen obligat anaerobe Bakterien und Protozoen wirksam.

Wirkungsmechanismus

5-Nitroimidazol-Derivate interferieren mit dem Stoffwechsel von obligat anaeroben Bakterien und Protozoen (Entamoeba histolytica, Trichomonas vaginalis und Giardia lamblia). Der Wirkungstyp ist bakterizid. Der Wirkungsmechanismus ist noch nicht vollständig gesichert. Es ist wahrscheinlich, dass die Nitroimidazole in der Bakterienzelle zu hochwirksamen, die DNA angreifenden Metaboliten reduziert werden. Die Reduktion erfolgt vorzugsweise durch spezielle Elektronentransport-Systeme der Anaerobier. Die enzymatische Reduktion führt wahrscheinlich über die reaktiven Zwischenstufen Nitroradikal, Nitroso-Gruppe und Hydroxylamin zum Amin. Die bei der Reduktion der Nitrogruppe entstehenden Zwischenprodukte oder Aminoimidazol können selbst mutagen sein oder durch mikrobielle Transacetylasen weitere mutagene Aktivierung erfahren. Die DNA-Schädigung entsteht vorwiegend durch kovalente Addukt-Bildung von 2 benachbarten Basenpaaren eines DNA-Stranges mit deletären Strangbrüchen. Ebenfalls wird eine Entspiralisierung der Doppelhelix diskutiert. Diese Wirkungen erklären neben den antimikrobiellen die mutagenen Effekte der Nitroimidazole (z.B. positiver Ames-Test). In menschlichen Zellen findet die Reduktion durch den vorwiegend oxidativen Stoffwechsel und die geringe Nitroreduktase-Aktivität in nur sehr geringem Umfang statt. In anaeroben Arealen wie entzündeten Geweben oder Tumoren wird die DNA durch die Kernmembran geschützt.

Metronidazol ist ein unter aeroben Bedingungen chemisch stabiles Prodrug.
Die Substanz wird in strikt anaerob wachsenden Bakterien und empfindlichen Protozoen zu Acetamid und N-(2-Hydroxyethyl)oxamidsäure reduziert. In Folge Einwirkung der mikrobiellen Pyruvat-Ferredoxin-Oxidoreduktase werden unter Oxidation von Ferredoxin und Flavodoxin Nitroso-Radikale gebildet.

Die Mechanismen der Resistenz-Bildung gegen Metronidazol sind erst teilweise aufgeklärt. In Metronidazol-resistenten Bacteroides-Stämmen werden Nitroimidazol-Reduktasen codiert, die Nitroimidazole in Aminoimidazole reduzieren und damit die Nitroso-Radikal-Bildung verhindern. Resistente Helicobacter pylori-Stämme weisen mutierte Gene auf, die eine veränderte Aminosäure-Sequenz der NADPH-Nitroreduktase codieren, was letztlich in einem Funktionsverlust des Enzyms und damit dem Ausbleiben der Metronidazol-Bioaktivierung resultiert. Auch bei primärer Resistenz von Trichomonas vaginalis und T. foetus liegt eine deutlich verminderte Fähigkeit zur Metronidazol-Reduktion auf Grund herab gesetzter Enzym-Aktivität vor. Zwischen Metronidazol, Tinidazol, Nimorazol und Omidazol besteht vollständige Kreuzresistenz. Zu anderen antibakteriellen Wirkstoffen besteht keine Parallelresistenz.

In in vitro- und in vivo-Studien wurden antiinflammatorische und immunsuppressive Wirkungen von Metronidazol nachgewiesen. Die Substanz erwies sich als wirksam im Rattenpfotenödem-Test (2-4 mg/kg) und verminderte Dosis-abhängig die Generation von aktiven Sauerstoff-Radikalen in neutrophilen Granulozyten. Dieser antioxidative Effekt kann der Grund der antiinflammatorischen Wirkung in vivo sein. Metronidazol reduziert durch einen noch nicht bekannten Mechanismus Papeln und Pusteln bei Patienten mit Rosacea. Die mit Rosacea in Verbindung gebrachten Erreger (z.B. Demodex folliculorum) werden von Metronidazol nicht erfasst, und es ist auch kein Einfluss von Metronidazol auf die Mikroflora der Haut nachzuweisen. Inwieweit dieser Effekt auf die antiinflammatorische oder immunsuppressive Wirkung zurückzuführen ist, ist nicht bekannt. In Hautzellen sind Reduktionsreaktionen von Metronidazol unwahrscheinlich, da hier keine aneaeroben Bedingungen vorliegen.

Bei der unterstützenden Behandlung der Parodontitis wird Metronidazol als Prodrug (Ester) angewendet und am Applikationsort (subgingival) in Folge Hydrolyse freigesetzt. Die Wirksamkeit beruht auf antibakteriellen Effekten gegenüber den in der Zahnfleisch-Flora Erwachsener vorkommenden Erreger.  Bei Patienten mit Morbus Crohn (keine Zulassung in Deutschland) erhöht Metronidazol die Geschwindigkeit der pathologisch erniedrigten Leukozyten-Migration. Eine Leukozyten-Migration normaler Geschwindigkeit wird nicht beschleunigt. Unspezifische Entzündungsreaktionen nach Injektion von Divinylbenzen-Copolymer-Kügelchen bei Mäusen werden nicht beeinflusst. Ebenso wenig unterdrückt Metronidazol die Abstoßung von Haut-Fremdtransplantaten bei der Maus.
Es besteht keine Parallelresistenz zu antibakteriellen Wirkstoffen mit anderem Wirkmechanismus.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Metronidazol oder andere 5-Nitro-imidazole (Ausnahme: vitale Indikation, Wirkungslosigkeit von Therapie-Alternativen)
- Stillzeit
- 1. Trimenon der Schwangerschaft (Ausnahme: vitale Indikation)
dermale und subgingivale Anwendung, zusätzlich:
- Alter < 18 Jahre (fehlende Erfahrungen)

Relative Gegenanzeigen

- Störungen der Blutbildung
- 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel (Anwendung nur bei fehlender Alternative)
- schwere Leberschäden
- Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.


Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
lokal/dermale Anwendung:
- Kontaktdermatitis (Brennen, Prickeln und Rötung)
- Kontaktallergie (Juckreiz, Rötung und Blasenbildung) im gesamten Berreich und darüber hinaus (sog. Streureaktion)

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

systemische Anwendung:
- metallischer Geschmack, bitteres Aufstoßen, Zungenbelag, Glossitis, Stomatitis, Magendrücken, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Diarrhoe
- Dunkelfärbung des Urins ohne Krankheitswert (Ursache: Metabolit von Metronidazol)
lokal/dermale Anwendung:
- Verschlechterung des Hautzustandes, trockene Haut, Erythem, Pruritus, brennendes Gefühl auf der Haut, Hautreizung
- Schmerzen (stechend)

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

systemische Anwendung:
- Leukopenie, Granulozytopenie
- nach sehr hoher Dosierung oder Langzeitbehandlung, reversibel nach Dosisreduktion oder Absetzen: Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Verwirrtheitszustände, Erregbarkeit, Depression, Ataxie, periphere Neuropathien, Krampfanfälle
- Hautreaktionen (z.B. Juckreiz, urtikarielles Exanthem)
- Arzneimittelfieber
- Sehstörungen
- Dysurie, Cystitis, Harninkontinenz, Candida-Superinfektion im Genitalbereich
- Schwächegefühl
- anaphylaktische Reaktionen
- Leberfunktionsstörungen (z.B. Erhöhung von Transaminasen und Bilirubin im Serum)
lokal/subgingivale Anwendung:
- vorüber gehend lokale Empfindlichkeit
lokal/dermale Anwendung:
- Hypästhesie, Parästhesie
- Geschmacksstörung, Übelkeit

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

lokal/intravaginale Anwendung:
- UAW auf Grund von und entsprechend systemischer Verfügbarkeit
lokal/subgingivale Anwendung:
- Stomatitis, Gingivitis, Geschmacksstörungen, Schluckbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Exantheme u.a. allergische Reaktionen
lokal/dermale Anwendung:
- Angioödeme und Anaphylaxie

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

systemische Anwendung:
- anaphylaktischer Schock
- Agranulozytopenie, Thrombozytopenie
- Pankreatitis, cholestatische Hepatitis
- pseudomembranöse Enterocolitis
- Enzephalopathie, subakutes Kleinhirnödem (mit z.B. Sprech- und Gangstörung, Nystagmus, Tremor)