Morphin, ein Phenanthren-Alkaloid aus
Schlafmohn, wirkt stark analgetisch, antitussiv, sedierend und
atemdepressiv. Als Opioid-Analgetikum wird Morphin bei starken und
stärksten Schmerzen (auch postoperativ) eingesetzt.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der Narkoanalgetika finden sich hier.
Morphin,
ein Phenanthren-Alkaloid aus Schlafmohn, wirkt stark analgetisch,
antitussiv, sedierend, atemdepressiv, miotisch, emetisch sowie als
Späteffekt antiemetisch, außerdem geringgradig
Herzfrequenz-
und Blutdruck-senkend.
Die analgetische Wirkung von Morphin ist v. a. auf eine Interaktion mit
dem μ-Rezeptor zurück zu führen (relative
Affinität
97 [μ-Rezeptoren] zu 0,5 [κ-Rezeptoren]).
Der Metabolit Morphin-6-glucuronid wirkt ebenfalls als Agonist an
Opioid-Rezeptoren und trägt bei Dauerbehandlung mit Morphin
erheblich zur pharmakologischen Wirkung bei.
Auf Grund einer durch Morphin ausgelösten Erhöhung
der
Histamin-Freisetzung kann es v. a. bei vorbestehender
Hypovolämie
zu Hypotension kommen.
Auf zellulärer Ebene antagonisiert Morphin einige Effekte von
Prostaglandin E1 und E2. Die analgetische Wirksamkeit setzt sich aus
zentralen und peripheren Effkten zusammen.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Morphin
- bestehender Ileus
- akutes Abdomen
- Atemdepression
Anwendung als i.v. Infusion, zusätzlich:
- schwere chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen
epidurale/intrathekale Anwendung, zusätzlich:
- Gerinnungsstörungen
- Infektionen im geplanten Anwendungsbereich
Anwendung retardierter Tabletten bei postoperativen Schmerzen,
zusätzlich:
- Verlegung der Atemwege durch Sekretstau
- obstruktive Atemwegserkrankungen
- Krampfleiden
- Schädel-Hirn-Trauma
- erhöhter Hirndruck
- verzögerte Magenentleerung
- akute Lebererkrankung
- postoperative Schmerzen nach Eingriffen am Gallensystem
- 24 h vor Chordotomie
- durch Alkohol oder Hypnotika bedingte Unruhe-Zustände
perorale Anwendung retardierter Darreichungsformen, die eine
tägliche Einzelgabe ermöglichen, zusätzlich:
- dekompensierte respiratorische Insuffizienz
- schwere Leberfunktionsstörung
- unkontrollierte Krampfanfälle
- Stillzeit
- Behandlung perioperativer Schmerzen bzw. Schmerz-Notfallbehandlung
Relative
Gegenanzeigen
- Abhängigkeit von Opioiden (strenge Indikationsstellung)
- Bewusstseinstörungen
- Krankheitszustände, bei denen eine Störung des
Atemzentrums und der Atemfunktion vorliegt bzw. vermieden werden muss
- Cor pulmonale
- Zustände mit erhöhtem Hirndruck ohne gleichzeitige
Beatmung
- Hypotension bei Hypovolämie
- Prostata-Hyperplasie mit Restharn-Bildung (Gefahr der Blasenruptur
durch Harnverhalt)
- Harnwegsverengung
- Koliken der Harnwege
- Gallenwegserkrankungen
- obstruktive und entzündliche Darmerkrankungen
- Phäochromozytom
- Pankreatitis
- Hypothyreose
- vorbestehende epileptische Anfälle oder erhöhte
Krampfbereitschaft des Gehirns
- Alter < 1 Jahr (Anwendung unter besonderer Vorsicht)
- höheres Lebensalter (v. a. > 75 Jahre)
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- prä-, intra-, postoperative Anwendung, v. a. nach Eingriffen
am
Bauchraum (vorsichtige Anwendung, da erhöhtes Risiko von
Atemdepression und Ileus)
epidurale/intrathekale Anwendung, zusätzlich:
- neurologische Vorerkrankungen
rektale Anwendung, zusätzlich:
- Alter < 6 Jahre (unzureichende Erfahrungen)
- anamnestisch bekannter Alkohol- oder Arzneimittel-Missbrauch
perorale Anwendung retardierter Darreichungsformen, die eine
tägliche Einzelgabe ermöglichen, zusätzlich:
- Alter < 18 Jahre (fehlende Erfahrungen)
Nebenwirkungen
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- hohe Dosierung, v. a. epidurale/intrathekale Anwendung: zerebrale
Krampfanfälle
- Gesichtsrötung, Schüttelfrost, Palpitationen,
allgemeine Schwäche (bis hin zur Synkope), Herzversagen
- Toleranz-Entwicklung, Abhängigkeit
- rektale/perorale Anwendung: anaphylaktoide bzw. anaphylaktische
Reaktionen
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- dosisabhängig Atemdepression (bis zu 24 h nach
epiduraler/intrathekaler Anwendung, betroffen insbesondere Kinder im
Alter < 3 Monate), Sedierung in unterschiedlichem
Ausmaß (von
leichter Müdigkeit bis Benommenheit, v. a. bei parenteraler
systemischer Behandlung)
- dosisabhängig Mundtrockenheit bzw. Übelkeit (v. a.
bei
parenteraler systemischer Behandlung), bei Dauerbehandlung Obstipation
- Miosis
- Stimmungsveränderungen (meist Euphorie)
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Kopfschmerzen, Schwindel, Schwitzen
- Dysphorie
- Veränderungen der Aktiviertheit (meist Dämpfung),
Schlaflosigkeit, Veränderungen der kognitiven und sensorischen
Leistungsfähigkeit (z. B. Entscheidungsverhalten,
Wahrnehmungsstörungen/Halluzinationen, Verwirrtheit)
- Krämpfe der glatten Muskulatur (z. B. Koliken,
Miktionsstörungen, Bronchospasmen)
- Erbrechen (v. a. zu Behandlungsbeginn), Appetitlosigkeit,
Geschmacksveränderungen, Dyspepsie
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Urtikaria, Pruritus
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Aktivitätssteigerung
- klinisch bedeutsamer Abfall bzw. Anstieg von Blutdruck und
Herzfrequenz
- intensivmedizinisch behandelte Patienten: nicht kardiogenes
Lungenödem
- epidurale/intrathekale Anwendung: Reaktivierung einer Herpes
labialis-Infektion
- parenterale Anwendung: anaphylaktoide bzw. anaphylaktische Reaktionen