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Moxifloxacin
Wirkstoffklasse
Antibiotikum
Gyrasehemmer
Fertigpräparate
Avalox®
VIGAMOX®
Wirkung
Das Antibiotikum Moxifloxacin ist ein
Gyrase-Hemmer der 2. Generation. Durch die Hemmung der bakteriellen
Gyrase (Topoisomerase 2) verhindert die Substanz die erforderliche
Entdrillung und Verdrillung der DNA in der Bakterienzelle, was bei
empfindlichen Bakterien zum Zusammenbruch des Stoffwechsels führt.
Moxifloxacin wirkt bakterizid auf viele aerobe gramnegative,
grampositive, atypische Bakterien und Anaerobier. Die Substanz
zählt zu den Breitspektrum-Antibiotika.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informtionen zum Wirkmechanismus von Gyrasehemmern finden sich hier
Moxifloxacin
ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone (Gyrase-Hemmer)
und besitzt ein vergleichbares antibakterielles Wirkspektrum wie andere
neue Vertreter dieser Stoffgruppe. Gegenüber älteren
Chinolonen, wie Ofloxacin oder Ciprofloxacin
weist Moxifloxacin durch Methoxylierung an Position 8 ein deutlich
erweitertes Wirkspektrum auf, das auch atypische Keime und Anaerobier
einschließt, wodurch Moxifloxacin zur 2. Generation der
Gyrasehemmer gehört. Wie bei anderen Fluorchinolonen ist unter
Moxifloxacin gegenüber verschiedenen grampositiven und
gramnegativen Bakterien ein postantibiotischer Effekt zu beobachten,
d.h. das bakterielle Wachstum wird auch nach Elimination des
Antibiotikums noch für eine gewisse Zeit gehemmt. Der
postantibiotische Effekt wird in der Regel in vitro ermittelt und kann
für die Festlegung des therapeutischen Dosierungsintervalls von
Bedeutung sein. Die Dauer ist abhängig von der jeweiligen
Erregerart. In In vitro-Studien hielt der postantibiotische Effekt von
Moxifloxacin zwischen 2,3 und 3,5 Stunden an.
Die antibakterielle Wirkung von Moxifloxacin wird auf eine Hemmung der
bakteriellen DNA-Gyrase (Topoisomerase 2) und teilweise auch der Topoisomerase 4 zurückgeführt.
Kinetische Untersuchungen haben gezeigt, dass Moxifloxacin die
Erreger-konzentrationsabhängig abtötet. Die minimalen
bakteriziden Konzentrationen (MBK) liegen im Bereich der
minimalenHemmkonzentrationen (MHK).
Eine Resistenz gegen Moxifloxacin entwickelt sich nach Untersuchungen
an grampositiven Bakterien langsam durch Mutation in mehreren Schritten
und wird durch Veränderung der Bindungsstellen, z.B. in der
Topoisomerase 2 und 4, und Effluxmechanismen vermittelt. Die
Häufigkeit einer Resistenzentwicklung ist gering und tritt im
Allgemeinen mit einer Häufigkeit von 1 zu 10E7 bis 1 zu 10E10 auf.
Wiederholte 7tägige Exposition von Erregern gegenüber
subinhibitorischen Konzentrationen (50% der MHK) führten nur zu
einem geringen Anstieg der MHK-Werte. Eine Parallelresistenz mit
anderen Chinolonen wird beobachtet. Da Moxifloxacin bei grampositiven
Bakterien beide Topoisomerasen (2 und 4) hemmt, könnten jedoch
einige gegen andere Chinolone resistente grampositive Bakterien und
anaerobe Erreger gegen Moxifloxacin empfindlich sein. Im gramnegativen
Bereich entwickelt sich eine Resistenz gegen Moxifloxacin langsamer und
weniger häufig als z.B. gegenüber Ofloxacin, Grepafloxacin
oder Trovafloxacin. Als Resistenzmechanismen werden vor allem
Mutationen der A-Untereinheiten der Chinolon-empfindlichen
primären Zellstruktur (d.h. bei gramnegativen Bakterien die
Gyrase) und der weniger empfindlichen sekundären Zielstruktur (d.h.
bei gramnegativen Bakterien die Topoisomerase 4) diskutiert. Bei den
meisten grampositiven Bakterien ist diese Hierarchie umgekehrt.
Bevorzugte Stellen für Resistenzmutationen sind hochkonservierte
Aminosäuren innerhalb einer Chinolon-Resistenzdeterminierenden
Region, z.B: Serin-83 oder Aspartat-87 im gryA-Gen der Gyrase oder
Serin-79 oder Aspartat-83 im parC-Gen der Topoisomerase 4. Darüber
hinaus ist in der Regel auch eine verminderte Akkumulation der Chinolone
infolge verstärkter Expression unspezifischer Effluxpumpen
(AcrAB-TolC) beteiligt, wobei dieser Mechanismus vor allem hydrophile
Fluorchinolone wie Norfloxacin oder Ciprofloxacin tangiert,
während hydrophobe Derivate wie Gatifloxacin, Grepafloxacin und
Trovafloxacin kaum betroffen sind. Auch Fluorchinolone wie Moxifloxacin,
die in Position 7 der Chinoloncarbonsäure einen voluminösen
Substituenten besitzen, erweisen sich gegenüber solchen
Effluxmechanismen als weitgehend resistent. Resistenzmechanismen, die
Penicilline, Cephalosporine, Aminoglycoside, Makrolide und Tetracycline
inaktivieren, beeinflussen nicht die antibakterielle Aktivität von
Moxifloxacin. Plasmid-vermittelte Resistenz wurde nicht beobachtet.
Von anderen Fluorchinolonen bekannte photosensibilisierende, d.h.
phototoxische oder photoallergische Reaktionen sind während der
klinischen Prüfung unter Moxifloxacin nicht bekannt geworden.
Unter der Behandlung mit Moxifloxacin ist - wie bei anderen Chinolonen
- mit einer Störung des Gleichgewichts der natürlichen
Darmflora sowie entsprechenden gastrointestinalen Nebenwirkungenzu
rechnen. Bei Probanden waren nach Gabe von Moxifloxacin Bakterien der
natürlichen Darmflora wie Escherichia coli, Bacillus spp.,
Enterokokken, Klebsiella spp. sowie die Anaerobier Bacteroides
vulgatus, Bifidobacterium, Eubacterium und Peptostreptococcus in der
Anzahl vermindert. Bei Bacteroidesfragilis kam es zu einem Anstieg.
Innerhalb von 2 Wochen wurde wieder Normalität erreicht.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Moxifloxacin oder andere Chinolone
- Patienten unter 18 Jahre (systemische Anwendung)
- Sehnenerkrankungen/ -schäden infolge einer Chinolontherapie in der Anamnese
- angeborene oder dokumentierte erworbene QT-Intervallverlängerungen
- Störungen des Elektrolythaushaltes, insbesondere bei unkorrigierter Hypokaliämie
- klinisch relevante Bradykardie
- klinisch relevante Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion
- symptomatische Herzrhythmusstörungen in der Vorgeschichte
- eingeschränkte Leberfunktion (Child Pugh C) und bei Patienten
mit Transaminasen-Anstieg > dem 5fachen des oberen Normwertes
- Schwangerschaft
- Stillzeit
Relative Gegenanzeigen
- ZNS-Erkrankungen, die zu Krampfanfällen prädisponieren oder bei denen die Krampfschwelle herabgesetzt ist
- Disposotion zur Arrhythmien wie z.B. Myokardischämie
- Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (vorliegend oder in der Familienanamnese)
- ältere Patienten, die an Nierenfunktionsstörungen leiden
und die nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, da
Dehydratation zu einem erhöhten Risiko von Nierenversagen
führen kann
- Patienten mit Myasthenia gravis, da sich die Symptome verschlimmern können
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
oral, parenteral:
- gastrointestinale und abdominale Schmerzen
- Kopfschmerzen
- Benommenheit
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- QT-Streckenverlängerung (bei gleichzeitig bestehender Hypokaliämie)
- Transaminasenanstieg
- durch resistente Bakterien oder Pilze verursachte Superinfektionen z.B. orale und vaginale Candidose
- Reaktionen an der Einstichstelle
zusätzlich parenteral:
- γ-GT-Anstieg
okulär:
- Augenbeschwerden (Stechen und Brennen beim Eintropfen)
- okulärer Pruritus
Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
oral, parenteral:
- Anämie, Leukopenie, Neutropenie, Thrombopenie,
Thrombozythämie, Eosinophilie, verlängerte Prothrombinzeit/
INR-Anstieg
- allergische Reaktionen
- Hyperlipidämie
- Angstzustände, psychomotorische Hyperaktivität/Agitiertheit
- Par- und Dysästhesie, Geschmacksstörungen (inkl.
Geschmacksverlust in sehr seltenen Fällen), Verwirrtheit und
Desorientiertheit, Schlafstörungen (überwiegend Insomnie),
Zittern, Schwindel, Schläfrigkeit
- Sehstörungen inkl. Diplopie und verschwommenem Sehen (insb. im Verlauf von ZNS-Reaktionen)
- QT-Intervallverlängerung, Palpitationen, Tachykardie, Vorhofflimmern, Angina pectoris, Vasodilatation
- Dyspnoe (inkl. asthmatischer Zustände)
- Anorexie, Verstopfung, Dyspepsie, Blähungen, Gastritis, Amylaseanstieg
- Leberfunktionsstörung (inkl. LDH-Anstieg), Bilirubinanstieg, γ-GT-Anstieg, Anstieg der alkalischen Phosphatase
- Pruritus, Rash, Urtikaria, Hauttrockenheit
- Arthralgie, Myalgie
- Dehydration
- allgemeines Unwohlsein (überwiegend Asthenie oder
Müdigkeit), Schmerzzustände (inkl. Schmerzen in Rücken,
Brust, Becken und Extremitäten), Schwitzen, Phlebitis
zusätzlich parenteral:
- Ventrikuläre Tachyarrhythmien, Hypotension, Ödeme,
Antibiotika-assoziierte Colitis (inkl. pseudomembranöser Colitis,
in sehr seltenen Fällen mit lebensbedrohlichen Komplikationen),
Krämpfe inkl. Grand-mal Anfällen, Halluzination,
Nierenfunktionsstörung (inkl. Blutharnstoff- und Kreatinin-
Anstieg), Nierenversagen
okulär:
- okuläre Hyperämie, trockenes Auge, Augenschmerzen
- Kopfschmerzen
- Geschmacksmissempfindungen (veränderter, bitterer oder schlechter Geschmack nach dem Eintropfen)
Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
oral, parenteral:
- Anaphylaxie inkl. lebensbedrohlichen Schock, allergisches
Ödem/Angioödem (inkl. Larynxödem, möglicherweise
lebensbedrohlich)
- Hyperglykämie, Hyperurikämie
- emotionale Labilität, Depression (in sehr seltenen
Fällenmöglicherweise bis hin zur Selbstgefährdung),
Halluzination
- Hypästhesie, Geruchsstörungen (inkl. Geruchsverlust),
anormale Träume, Koordinationsstörungen (inkl.
Gangunsicherheit, insb. durch Benommenheit oder Schwindel),
Krämpfe inkl. Grandmal- Anfällen, gestörte
Aufmerksamkeit, Sprachstörungen, Amnesie
- Tinnitus
- ventrikuläre Tachyarrhythmien, Synkope, Hypertonie, Hypotension
- Dysphagie, Stomatitis, Antibiotika-assoziierte Colitis (inkl.
pseudomembranöser Colitis, in sehr seltenen Fällen mit
lebensbedrohlichen Komplikationen)
- Ikterus, Hepatitis (überwiegend cholestatisch)
- Tendinitis, Muskelkrämpfe, Muskelzucken
- Nierenfunktionsstörung (inkl. Blutharnstoff- und Kreatinin-Anstieg), Nierenversagen
- Ödeme
Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
oral, parenteral:
- Anstieg des Prothrombinspiegels/INR-Abfall
- Depersonalisation, psychotische Reaktionen (möglicherweise bis hin zur Selbstgefährdung)
- Hyperästhesie
- unspezifische Arrhythmien, Torsade de pointes, Herzstillstand
- fulminante Hepatitis, möglicherweise bis hin zum lebensbedrohlichen Leberversagen
- bullöse Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom oder toxische
epidermale Nekrolyse (möglicherweise lebensbedrohlich)
- Sehnenruptur, Arthritis, gesteigerte Muskelspannung
oral:
Verschlimmerung der Symptome einer Myasthenia gravis
bei Behandlung mit anderen Fluorchinolonen:
- vorübergehender Verlust des Sehvermögens,
Hypernatriämie, Hypercalcämie, Hämolyse, photosensitive
Reaktionen