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Nalidixinsäure



 

Nalidixinsäure

Formel Nalidixinsäure


Wirkstoffklasse

  • Antibiotikum
  • Gyrasehemmer

Fertigpräparate

  • Wintomylon® (BR, ZA)
  • Nevigramon® (H, PL, ZA)

in D keine Fertigarzneimittel mehr im Handel

Wirkung

Das Antibiotikum Nalidixinsäure ist ein Gyrase-Hemmer der 1. Generation. Durch die Hemmung der bakteriellen Gyrase (Topoisomerase II) verhindert die Substanz die erforderliche Entdrillung und Verdrillung der DNA in der Bakterienzelle, was bei empfindlichen Bakterien zum Zusammenbruch des Stoffwechsels führt. Nalidixinsäure wirkt bakterizid auf wenige aerobe gramnegative Bakterien und besitzt ein schmales Wirkspektrum.

Wirkungsmechanismus

Nalidixinsäure gehört zu den Gyrasehemmern der 1. Generation. Diese sind gekennzeichnet durch vergleichsweise schmales Wirkungsspektrum, rasche Resistenzentwicklung und geringe Gewebegängigkeit.
Bei systemischen Infektionen kann Nalidixinsäure wegen zu geringer Plasmaspiegel nicht eingesetzt werden. Antibakterielle Konzentrationen werden nur im Harn erreicht, so daß Nalidixinsäure nur bei akuten Hohlrauminfekten der ableitenden Harnwege indiziert ist. Die Wirksamkeit der Substanz in Abhängigkeit vom pH-Wert wird unterschiedlich beurteilt. Es wurde berichtet, daß Nalidixinsäure bei pH 5 bis 6,5 ihr Wirkungsoptimum besitzt und bei pH 8 zwei bis vierfach höhere Hemmkonzentrationen resultieren. Andere Autoren beschreiben die Wirksamkeit von Nalidixinsäure als unabhängig vom pH-Wert.
Die antibakterielle Wirkung von Nalidixinsäure ist auf proliferierende Bakterien beschränkt. In sehr geringen Konzentrationen wirkt Nalidixinsäure nur bakteriostatisch. Durch Blockade der RNA-oder Proteinbiosynthese (z.B. vorherige Gabe von Chloramphenicol) wird die bakterizide Wirkung von Nalidixinsäure aufgehoben und die Substanz wirkt nur bakteriostatisch. Zusätzlich wird eine Erhöhung der Membranpermeabilität durch Nalidixinsäure diskutiert.
Es besteht komplette Kreuzresistenz zu den anderen Vertretern der Gyrasehemmern der 1. Generation, teilweise auch zu den der 2. Generation. Bei den Gyrasehemmern der 1. Generation tritt eine Resistenzentwicklung relativ rasch ein (one-step-mutation).

Mehr zum Wirkmechanismus von Gyrasehemmern findet sich hier


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel;
Kreatininclearance unter 10 ml/min;
Neugeborene und Säuglinge; da es wegen metabolischer Unreife zu einer metabolischen Azidose kommen kann, sowie Knorpelschädigungen hervorgerufen werden können.
Schwangerschaft;
Stillzeit;
Die Anwendung von Nalidixinsäure in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte unterbleiben, da in Tierexperimenten eine Wachstumsstörung der Feten unter Therapie von Gyrasehemmern beobachtet wurde.
Epilepsie;
Überempfindlichkeit gegen Nalidixinsäure oder Chinolone

Relative Gegenanzeigen

Lebererkarankungen; Bei Lebererkrankungen sollte Nalidixinsäure nur unter Abwägung der Risiken gegeben werden.
Zerebrale Arteriosklerose; Bei zerebraler Arteriosklerose ist äußerste Zurückhaltung geboten.


Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)
Gastrointestinale Störungen (5%) wie Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Diarrhöen, gelegentlich Blutungen;
Sehstörungen (7%)
Allergische Reaktionen (5%) wie Urtikaria, Erythema multiforme, exfoliative Dermatitis;

Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)

Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Verwirrtheitszustände, Depressionen, Psychosen, Krämpfe (Vorsicht bei Epileptikern), intrakranielle Druckerhöhung (u.a. bei Säuglingen), Cholestase;

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit

Polyneuropathien, Photosensibilisierung, hämolytische Anämie (insbesondere bei Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel), Leukopenie, Thrombozytopenie; Bei Kindern und Erwachsenen mit Niereninsuffizienz kann Nalidixinsäure eine metabolische Acidose hervorrufen. Bei Kindern unter 1 Jahr kann Nalidxinsäure Krämpfe oder Erhöhung des Schädelinnendrucks auslösen. Die Erscheinungen klingen nach Absetzen des Medikaments wieder ab.



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