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Nilotinib

 

Nilotinib

Formel Nilotinib

Wirkstoffklasse

  • Zytostatikum
  • Tyrosinkinase-Inhibitor

Fertigpräparate

  • Tasigna® 

Wirkung

Nilotinib ist ein spezifischer BCR-ABL-Tyrosinkinase-Inhibitor und zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen und akzelerierten Phase mit Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber einer Vorbehandlung einschließlich Imatinib.

Wirkungsmechanismus

Nilotinib, ein Phenylaminopyrimidin-Derivat mit struktureller Nähe zu Imatinib, ist ein potenter Inhibitor der Abl-Tyrosinkinase-Aktivität des Onkoproteins Bcr-Abl, sowohl in der Zelllinie als auch in primären Philadelphia-Chromosom positiven Leukämiezellen. Das Bcr-Abl-Tyrosinkinase-Onkogen ist für das Auftreten der chronischen myeloischen Leukämie (CML) und der Philadelphia-Chromosom-positiven (Ph+) akuten lymphatischen Leukämie (ALL) verantwortlich. Bei über 95 % der CML-Patienten wird das Philadelphia-Chromosom nachgewiesen, während der Anteil bei erwachsenen ALL-Patienten um 30 % liegt.
Nilotinib bindet mit hoher Affinität an die ATP-Bindungsstelle, sodass es den Bcr-Abl-Wildtyp wirksam inhibiert und diese Aktivität auch gegen 32/33-Imatinib-resistente Mutanten von Bcr-Abl beibehält. Infolge dieser biochemischen Aktivität hemmt Nilotinib selektiv die Proliferation und induziert die Apoptose in Zelllinien und in primären Philadelphia-Chromosom positiven Leukämiezellen von CML-Patienten. Im CML-Mausmodell reduziert Nilotinib als oral angewendetes Monotherapeutikum die Tumorlast und verlängert das Überleben.
Auf die Mehrheit der anderen Proteinkinasen einschließlich Src übt Nilotinib wenig bis keine Wirkung aus. Lediglich auf die PDGF-, Kit- und Ephrin-Rezeptorkinasen wirkt es ebenfalls inhibierend, und zwar in Konzentrationen, die nach oraler Gabe der humantherapeutisch empfohlenen Dosierungen bei CML erreicht werden können:
- Bcr-Abl-Kinase: Phosphorylierung IC50 = 20 nM
- PDGFR-Kinase: Phosphorylierung IC50 = 69 nM
- KIT-Kinase: Phosphorylierung IC50 = 210 nM
In In-vitro-Prüfungen reduzierte Nilotinib die zelluläre Bcr-Abl-Autophosphorylierung und die Proliferation der CML-Zeillinien K-562 und KU812F und der Pro-B-Zeillinie Ba/F3, die sog. Wild-type-Bcr-Abl exprimiert, stärker als Imatinib. Ein vergleichbarer Befund wurde auch erhoben an Zellen, die die Imatinib-resistenten Bcr-Abl-Mutanten M351T, F317L und E255V exprimieren. Mit Nilotinib wurde auch bei diesen Zellen eine höhere Hemmung der Autophosphorylierung und der Proliferation erreicht als mit Imatinib. Nilotinib war auf die Bcr-Abl-Mutanten T351 I und G250E bei Konzentrationen von unter 8 μmol/l ohne Einfluss und zeigte in einer Dosierung von bis zu 10 μmol/l auch keinen Effekt auf die Proliferationsrate der Kontrolle (Ba/F3-Zellen).
Auch in Bcr-Abl-positiven leukämischen Zelllinien war Nilotinib aktiver als Imatinib (geprüfte Zelllinien: K562 (IC50 = 250 vs 80 nmol/l), KCL-22 (450 vs 30 nmol/l) und LAMA-84-Zellen (80 vs 7,5 nmol/l)). Ein ähnliches Ergebnis wurde an primär kultivierten Zellen gezeigt. Eine vollständige Hemmung der Bcr-Abl-Tyrosinkinase-Aktivität sowie eine Apoptose-Induktion wurde in den mit Nilotinib untersuchen Proben bei geringeren Konzentrationen erreicht als mit Imatinib. Im Vergleich zu Imatinib wurde Nilotinib in höherem Maße in die Zellen aufgenommen.
Resistenzen:
Nilotinib weist im Vergleich zu Imatinib eine intensivere Resistenzentwicklung auf. Zelluläre Mutagenese-Prüfungen ergaben, dass im Vergleich zu Imatinib die Erholung von Bcr-Abl-Mutationen in Gegenwart von Nilotinib limitiert ist. Sie nehmen aber mit zunehmender Nilotinib-Konzentration deutlich ab. Unter 2 μmol/l Nilotinib, einer im Plasma erreichbaren Therapiekonzentration, wurden ausschließlich T315l-Mutationen nachgewiesen. Es traten auch einige neue Mutationen auf, die zumeist gegenüber Imatinib resistent waren.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Nilotinib kann die kardiale ventrikuläre Repolarisation gemessen als QT-Intervall auf der EKG-Oberfläche in konzentrationsabhängiger Weise verlängern. Eine signifikante Verlängerung des QT-Intervalls kann auftreten, wenn Nilotinib unangemessen zusammen mit starken CYP3A4-Hemmern und/oder Arzneimitteln gegeben wird, für die bekannt ist, dass sie ein Potenzial zur QT-Verlängerung besitzen und/oder wenn Nilotinib zusammen mit Nahrungsmitteln gegeben wird. Das Vorliegen einer Hypokaliämie und Hypomagnesiämie kann diesen Effekt zusätzlich verstärken. Die Verlängerung des QT-Intervalls kann Patienten dem Risiko für einen tödlichen Ausgang aussetzen.
Die Gabe von Nilotinib in Kombination mit starken CYP3A4-Hemmern (einschließlich aber nicht begrenzt auf Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol, Clarithromycin, Telithromycin, Ritonavir) ist daher zu vermeiden. Wenn der Patient mit einem dieser Wirkstoffe behandelt werden muss, sollte die Einnahme von Nilotinib nach Möglichkeit so lange unterbrochen werden. Wenn eine vorübergehende Unterbrechung der Nilotinib-Therapie nicht vorgenommen werden kann, ist eine engmaschige Überwachung des Patienten auf Verlängerung des QT-Intervalls indiziert.

Nilotinib ist nur unter besonderer Vorsicht anzuwenden bei Patienten, bei denen eine Verlängerung des QTc-Intervalls bereits vorliegt oder die ein signifikantes Risiko für die Verlängerung eines QTc-Intervalls haben, wie z.B.:
- Patienten mit einer kongenitalen QT-Verlängerung
- Patienten mit einer unkontrollierten signifikanten Herzerkrankung, einschließlich kürzlich aufgetretenem Herzinfarkt, dekompensierter Herzinsuffizienz, instabiler Angina oder klinisch signifikanter Bradykardie
- Patienten, die Antiarrythmika (z.B. Amiodaron, Disopyramid, Procainamid, Chinidin oder Solatol) oder andere Arzneistoffe (z.B. Chloroquin, Halofantrin, Clarithromycin, Haloperidol oder Methadon) einnehmen, die zu einer QT-Verlängerung führen.

Eine eingeschränkte Leberfunktion hat einen mäßigen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Nilotinib. Die einmalige Gabe von 200 mg Nilotinib führte zu einem Anstieg der AUC um 35 % bei Patienten mit leichter oder mäßiger Leberfunktionsstörung bzw. um 19 % bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung, verglichen mit einer Kontrollgruppe von Patienten mit normaler Leberfunktion. Der ermittelte Cmax-Wert von Nilotinib im Steady-State zeigte einen Anstieg um 29 %, 18 % und 22 %. Patienten mit Alaninaminotransferase-(ALAT)- und/oder Aspartataminotransferase-(ASAT)-Werten über dem 2,5- Fachen der Obergrenze des Normbereichs (oder dem 5-Fachen, wenn krankheitsbedingt) und/oder Gesamtbilirubin über dem 1,5-Fachen waren von den klinischen Studien ausgeschlossen. Nilotinib wird vorwiegend in der Leber metabolisiert. Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion kann es daher zu einer erhöhten Exposition von Nilotinib kommen, und diese Patienten müssen mit besonderer Vorsicht behandelt werden.

Es sind Fälle von erhöhten Serumlipasewerten aufgetreten. Bei Patienten mit einer Pankreatitis in der Vorgeschichte wird zu besonderer Vorsicht geraten.

Schwangerschaft
- Es liegen keine Daten für die Verwendung von Nilotinib bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt.
- Nilotinib sollte nicht während der Schwangerschaft verwendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich. Wenn es während der Schwangerschaft verwendet wird, muss die Patientin über das potenzielle Risiko für den Fetus aufgeklärt werden.
- Frauen im gebärfähigen Alter müssen den Rat erhalten, während der Behandlung mit Nilotinib ein wirksames Verhütungsmittel anzuwenden.

Stillzeit
- Ob Nilotinib in die Muttermilch übertritt, ist nicht bekannt. In tierexperimentellen Studien war ein Übertritt in die Milch zu beobachten. Während der Behandlung mit Nilotinib ist daher auf das Stillen zu verzichten, da ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden kann.

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Kopfschmerzen
- Übelkeit, Obstipation, Diarrhö
- Exanthem, Pruritus
- Müdigkeit
- Lipase erhöht
- Neutropenie Grad 3-4, Thrombozytopenie Grad 3-4
- Anämie Grad 3-4

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Erbrechen, Bauchschmerzen
- Alopezie
- Myalgie, Arthralgie, Muskelspasmen, Knochenschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Asthenie, peripheres Ödem
- Blutamylase erhöht, Alaninaminotransferase erhöht, Aspartataminotransferase erhöht, Blutbilirubin erhöht, alkalische Phosphatase im Blut erhöht, Gammaglutamyltransferase erhöht, Blutkreatininkinase erhöht, Blutzucker erhöht, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme
- Palpitationen, QT-Zeit im Elektrokardiogramm verlängert
- Febrile Neutropenie, Panzytopenie
- Benommenheit, Parästhesien
- Schwindel
- Dyspnoe, Belastungsdyspnoe, Husten, Dysphonie
- Magenbeschwerden, Dyspepsie, Flatulenz
- Nächtliche Schweißausbrüche, Ekzem, Urtikaria, Erythem, Hyperhidrose, Hauttrockenheit
- muskuloskelettale Schmerzen im Brustraum, muskuloskelettale Schmerzen
- Hypomagnesiämie, Hyperkaliämie, Hyperglykämie
- Hypertonie, Hitzegefühl/Hautröte
- Fieber
- Insomnie

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

- Blutlactatdehydrogenase erhöht, Blutzucker erniedrigt, Blutkreatinin erhöht, Blutharnstoff erhöht
- Herzversagen, Angina pectoris, Vorhofflimmern, Perikarderguss, koronare Herzkrankheit, Kardiomegalie, Herzgeräusche, Bradykardie
- Thrombozytämie, Leukozytose
- Intrakranielle Blutungen, Migräne, Tremor, Hypoästhesie, Hyperästhesie
- Augenblutungen, verminderte Sehschärfe, periorbitales Ödem, Konjunktivitis, Augenreizung, Sicca-Syndrom
- Lungenödem, Pleuraerguss, interstitielle Lungenkrankheit, Pleuraschmerzen, Pleuritis, Epistaxis, pharyngolaryngeale Schmerzen, Halsreizung
- Pankreatitis, gastrointestinale Blutungen, Meläna, Magenaufblähung, Ulzeration im Mund, gastroösophagealer Reflux, Stomatitis, Mundtrockenheit
- Dysurie, verstärkter Harndrang, Nokturie, Pollakisurie
- Exfoliatives Exanthem, Ekchymose, Schwellungen im Gesicht
- Muskelschwäche
- Hyperthyreose
- Hypokaliämie, Hyponatriämie, Hypocalcämie, Hypophosphatämie, Dehydratation, Appetitverlust, gesteigerter Appetit
- Pneumonie, Harnwegsinfektion, Gastroenteritis, Pharyngitis
- Hypertone Krise, Hämatom
- Schmerzen im Brustraum, Gesichtsödem, Stauungsödem, Influenza-ähnliches Krankheitsbild, Schüttelfrost, Unwohlsein
- Hepatitis
- Brustschmerzen, Gynäkomastie, Erektionsstörungen
- Depression, Angst
- In klinischen Studien und/oder "compassionate use"-Programmen wurde bei Patienten mit Herzerkrankungen in der Vorgeschichte oder signifikanten kardialen Risikofaktoren gelegentlich über plötzlich aufgetretene Todesfälle berichtet.

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

- Troponin erhöht, Blutkalium erniedrigt, unkonjugiertes Blutbilirubin erhöht
- Herzinfarkt, ventrikuläre Dysfunktion, Perikarditis, Herzflattern, Extrasystolen
- Hirnödem, Bewusstseinsverlust, Optikusneuritis, periphere Neuropathie
- Papillenödem, Doppeltsehen, verschwommenes Sehen, Photophobie, Augenschwellung, Blepharitis, Augenschmerzen
- Vermindertes Hörvermögen, Ohrenschmerzen
- Pulmonale Hypertonie
- Perforation eines Magen-Darm-Ulkus, retroperitoneale Blutungen, Hämatemesis, Ulcus ventriculi, ulzerierende Ösophagitis, Subileus
- Niereninsuffizienz, Hämaturie, Harninkontinenz
- Erythema nodosum, Hautulkus, Petechien, Photosensitivität
- Arthritis, Gelenkschwellungen
- Hypothyreose, Thyreoiditis
- Diabetes mellitus, Hypercalcämie, Hyperphosphatämie
- Sepsis, Bronchitis, Herpes simplex, Candidose
- Hämorrhagischer Schock, Hypotonie, Thrombose
- Hepatotoxizität, Hepatomegalie, Ikterus
- Orientierungsstörungen, Verwirrtheitszustand



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