Wirkstoffklasse
- Antineoplastikum
- Zytostatikum
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- Croloxat®
- Eloxatin®
- Riboxatin®
- Medoxa®
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Wirkung
Oxaliplatin ist ein zytostatisch
wirksamer
Arzneistoff aus der Gruppe der Platin-Derivate. Es ist in Kombination
mit 5-Fluoruracil (5-FU) und Folinsäure (FS) zur Therapie des
kolorektalen Karzinoms zugelassen (FOLFOX-Schema).
Wirkungsmechanismus
Die Wirkung der zytostatisch wirksamen
Platinkomplexe beruht letztlich - wie die der Alkylanzien, z.B.
Cyclophosphamid - auf einer Reaktion mit der DNA und daraus folgend auf
einer Hemmung der Zellteilung. In wässrigen Medien, wie auch
den Körperflüssigkeiten, entstehen durch Hydrolyse
des jeweiligen Komplexes einfach oder zweifach geladene
Platin-Wasserkomplexe, die mit nucleophilen Zentren anderer
Moleküle, wie der DNA reagieren. Im Falle der DNA hat dies
eine Quervernetzung mit anschließender
Funktionsunfähigkeit zur Folge.
Oxaliplatin
ist eine antineoplastische Substanz und gehört zu einer neuen
Klasse von Platin-Derivaten, bei denen das Platin-Atom mit
1,2-Diaminocyclohexan und einer Oxalatgruppe komplexiert ist.
Oxaliplatin ist ein reines Enantiomer, das
[(1R,2R)-1,2-Cyclohexandiamin-N,N'][oxalato(2-)-O,O']platin.
Oxaliplatin zeigt in verschiedenen Tumormodellsystemen,
einschließlich humaner kolorektaler Krebs-Modelle, ein
breites Spektrum zytotoxischer Aktivitäten (in vitro) und
antitumoraler Wirkungen (in vivo). Oxaliplatin weist auch in vitro und
in vivo Aktivität in verschiedenen Cisplatin-resistenten
Modellen auf. Eine synergistische zytotoxische Wirkung in Kombination
mit 5-Fluorouracil wurde in vitro und in vivo beobachtet.
Der Wirkmechanismus von Oxaliplatin ist noch nicht restlos
geklärt. Es ist aber davon auszugehen, dass Aquo-Derivate, die
bei der Biotransformation von Oxaliplatin entstehen, mit DNA
interagieren und Intra- und Interstrang-Quervernetzungen bilden. Dies
führt zu einem Abbruch der DNA-Synthese und damit zu
Zytotoxizität und antitumoraler Wirkung. Die höhere
Aktivität von Oxaliplatin im Vergleich zu Cisplatin
lässt sich mit Unterschieden in der chemischen Struktur
erklären: Bei Oxaliplatin fungiert Diaminocyclohexan (DACH)
als Carrierligand. Die Diaminocyclohexan-Platin-Addukte sind sperriger
als die Cisplatin-Addukte, was eine effektivere Hemmung der
DNA-Synthese zur Folge hat.
Das im Vergleich zu Carboplatin/Cisplatin veränderte
Aktivitätsspektrum wird auch auf die fehlende Interaktion mit
dem DNA-Mismatch-Repair-System (MMR) zurückgeführt.
Störungen im MMR-System, wie sie in Tumorzellen, insbesondere
beim kolorektalen Karzinom häufig vorkommen, gelten als
mögliche Ursache für Cis- und
Carboplatin-Resistenzen. Oxaliplatin ist dagegen auch bei Tumoren mit
MMR-Defekt aktiv.
Die klinische Erfahrung bei Patienten mit unvorbehandeltem
metastasierenden kolorektalen Karzinom zeigt, dass die Behandlung mit
Oxaliplatin (85 mg/qm KO alle 2 Wochen) kombiniert mit
5-Fluorouracil/Folinsäure verglichen mit
5-Fluorouracil/Folinsäure allein die Ansprechrate mehr als
verdoppelt (49% versus 22%) und das progressionsfreie
Überleben verlängert (8,2 Monate versus 6 Monate).
Hinsichtlich der Lebensqualitätsdimensionen wurden keine
statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden
Behandlungsgruppen festgestellt, wobei die Testergebnisse für
den globalen Gesundheitsstatus und für Schmerz im Kontrollarm
besser und das Testergebnis für Übelkeit und
Erbrechen im Oxaliplatin-Arm schlechter ausfielen.
Bei unvorbehandelten Patienten mit metastasierendem kolorektalen
Karzinom wurde Oxaliplatin auch in einer Dosierung von 130 mg/m2 KOF
(Körperoberfläche) alle 3 Wochen kombiniert mit
5-Fluorouracil/Folinsäure im Vergleich zu
5-Fluorouracil/Folinsäure allein geprüft. Die
Ergebnisse hinsichtlich Wirksamkeit waren in derselben
Größenordnung wie die mit dem 85
mg/m2-alle-2-Wochen-Schema. Oxaliplatin kombiniert mit
5-Fluorouracil/Folinsäure erhöht die Ansprechrate auf
mehr als das Doppelte (34% versus 12%) und verlängert das
progressionsfreie Überleben (8,3 versus 4,2 Monate).
Allerdings gab es Unterschiede im Verträglichkeitsprofil.Mit
dem alle 3 Wochen gegeben Schema wurde eine höhere Inzidenz an
gastrointestinalen Nebenwirkungen beobachtet. Die Pro-Zyklus-Inzidenz
von Diarrhoe nimmt mit ansteigender Zykluszahl ab.
Mäßiggradiges Fieber und Infektionen (Grad 1-2)
wurden bei dem alle 3 Wochen gegebenen Schema weniger häufig
berichtet (2 bzw 6% der Patienten). Die neurologische
Toxizität war ähnlich, wobei das Risiko für
das Auftreten von funktionellen Störungen bei einer
kumulativen Dosis von 800 mg/m2 (z.B. 6 Zyklen) bei bis zu 15% lag.
Für Dosisanpassungen galten beim Schema alle 3 Wochen
dieselben Regeln wie beim Schema alle 2 Wochen (Dosisreduktion von 130
auf 100 mg/m2 KOF).
Die Wirksamkeit in der Second-line-Behandlung wurde nicht vergleichend
geprüft. In einer Phase-II-Studie bei Patienten mit
dokumentierter Progression unter 5-Fluorouracil ergab die Zugabe von
Oxaliplatin zu dem gleichen 5-Fluorouracil-Schema eine Ansprechrate von
20% mit mindestens 30% nichtprogredienten Patienten nach 6 Monaten.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Oxaliplatin;
- Stillzeit;
- Myelosuppression vor Beginn der ersten Anwendung, belegt durch
Neutrophilenzahlen unter 2000/μl und/oder Thrombozytenzahlen
unter 100000/μl;
- periphere sensorische Neuropathie mit Funktionseinschränkung
vor Beginn der ersten Anwendung;
- schwere Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance
<30 ml/min).
Relative
Gegenanzeigen
- Patienten mit mäßig eingeschränkter
Nierenfunktion;
- Schwangerschaft.
Nebenwirkungen
(unerwünschte Wirkungen)
Unerwünschte
Wirkungen - (Art und Schweregrad)
Nebenwirkungen
während der klinischen Entwicklung von Oxaliplatin in der
Behandlung
des metastasierenden kolorektalen Karzinoms wurden bei insgesamt 244
Patienten in der Monotherapie (130 mg/m2 KOF alle 3 Wochen) und bei
beinahe 1500 Patienten, die Oxaliplatin in Kombination mit
5-Fluorouracil erhalten haben, untersucht.
Oxaliplatin hat eine
dosislimitierende Neurotoxizität. Die Dauer dieser
Beschwerden, die
sich normalerweise zwischen den Behandlungszyklen
zurückbilden, nimmt
mit zunehmender Anzahl von Behandlungszyklen zu. Nach
größeren
Operationen kann es - vermutlich durch Hämolyse und damit
Freisetzung
von Oxaliplatin aus den Erythrozyten - zu einer Verschlechterung der
Neuropathien kommen.
Auftretende funktionelle Beschwerden sind eine
mögliche Konsequenz einer sensorischen
Beeinträchtigung. Bei der
Mehrheit der Fälle besserten sich die neurologischen Symptome
nach
Therapieunterbrechung.
Akute neurosensorische Manifestationen sind
berichtet worden. Sie beginnen innerhalb von Stunden nach der Anwendung
und treten oft im Zusammenhang mit Kälteexposition auf. Sie
können als
Parästhesie, Dysästhesie und Hypoästhesie
oder als akutes
laryngopharyngeales Dysästhesie-Syndrom in Erscheinung treten.
Obwohl
Antihistaminika und Bronchodilatatoren in diesen Fällen
verabreicht
wurden, war die Symptomatik auch ohne Behandlung schnell reversibel.
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
-
Reaktionen an der Injektionsstelle
- Fieber, Müdigkeit, Allergie/allergische Reaktionen,
Asthenie, Schmerzen, Gewichtszunahme (adjuvante Behandlung)
- Periphere sensorische Neuropathie, Kopfschmerzen, sensorische
Störungen
- Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Stomatitis/Mukositis,
Bauchschmerzen, Verstopfung, Anorexie
- Rückenschmerzen
- Epistaxis
- Infektionen
- Dyspnoe, Husten
- Hauterkrankungen, Alopezie
- Geschmacksstörungen
- Anämie, Neutropenie, Thrombozytopenie, Leukopenie,
Lymphopenie
-
Erhöhte alkalische Phosphatase, erhöhtes Bilirubin,
Störungen des
Blutzuckergehaltes, erhöhtes LDH, Hypokaliämie,
erhöhte Leberenzyme
(SGPT/ALAT, SGOT/ASAT), Veränderungen des Serumnatriumspiegels
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
-
Flush
- Brustschmerzen, Gewichtszunahme (Behandlung des metastasierenden
kolorektalen Karzinoms)
- Schwindel, motorische Neuritis, Meningismus
- Dyspepsie, gastro-ösophagealer Reflux, Schluckauf
- Dehydratation
- Arthralgie, Ostealgie
- Hämorrhagien, Hämaturie, tiefe Thrombophlebitis,
Lungenembolie, rektale Blutungen
- Depression, Insomnie
- Rhinitis, Infektionen der oberen Atemwege
- Exfoliation (z.B. an den Händen und
Füßen), Erythem, Hautausschlag, gesteigertes
Schwitzen, Nagelerkrankungen
- Dysurie, anormale Miktionshäufigkeit
- Konjunktivitis, verschlechtertes Sehvermögen
- Febrile Neutropenie/neutropenische Sepsis (z.B. Neutropenie Grad 3,4
und dokumentierte Infektionen)
- Erhöhtes Kreatinin
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
-
Ileus, intestinale Obstruktion
- Metabolische Azidose
- Nervosität
- Otoxizität
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
-
Immuno-allergische Thrombozytopenie, hämloytische
Anämie
- Dysarthrie
- Colitis einschließlich Clostridium difficile
Diarrhö
- Interstitielle Lungenerkrankung, pulmonale Fibrose
- Taubheit
- Vorübergehende Verminderung der Sehkraft, Störungen
des Sehfeldes, Optikusneuritis
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
-
Sehnervenentzündung;
- neurologische Symptome (Verlust des tiefen Sehnenreflexes, Auftreten
des Lhermitte-Zeichens);
-
Lebersinusoides Obstruktionssyndrom, auch bekannt als
Venenverschlusskrankheit der Leber oder pathologische Symptome, die mit
solch einer Leberfunktionsstörung in Zusammenhang stehen,
einschließlich Peliosis hepatis, noduläre
regenerative Hyperplasie,
perisinusoide Fibrose. Klinische Symptome können portale
Hypertonie
und/oder erhöhte Transaminasen sein.
- Akute tubulär-interstitielle Nephropathie, die zu einer
akuten Niereninsuffizienz führen kann.