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Phenprocoumon

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Phenprocoumon

Formel Phenprocoumon

Wirkstoffklasse

  • Antikoagulans
  • Vitamin K-Antagonist
  • Cumarin

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Marcumar® 
  • Phenprocoumon® 

Wirkung

Phenprocoumon ist ein Arzneistoff, der zur Hemmung der plasmatischen Blutgerinnung eingesetzt wird. Phenprocoumon wirkt als Vitamin K-Antagonist (gehört chemisch zur Gruppe der Cumarine) und hemmt hiedurch in der Leber die Bildung aktiver Gerinnungsfaktoren. Phenprocoumon wird angewendet zur Therapie und Prophylaxe von Thrombosen und Embolien und zur Langzeittherapie des Herzinfarktes, wenn ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen gegeben ist.

Wirkungsmechanismus

Orale Antikoagulantien vom Cumarin- und Indandiontyp hemmen in der Leber die Bildung aktiver Gerinnungsfaktoren (II, VII, IX und X), Protein C und S aus inaktiven "Precursor"-Proteinen. Für die Aktivierung der Precursor-Proteine durch Gamma-Carboxylierung ist Vitamin K notwendig, welches hierbei zum inaktiven Vitamin-K-2,3-Epoxid oxidiert wird und anschließend wieder zum nativen Vitamin K reduziert wird (Vitamin-K-Exposid-Zyklus, siehe Abbildung). Vitamin K ist ein essenzieller Kofaktor für die postribosomale Vitamin K-abhängige Synthese der Blutgerinnungsfaktoren.

Vitamin K Wirkung

Cumarine (Indandione) unterbrechen diesen Zyklus (siehe Abbildung unten am Beispiel des Warfarins), indem sie die enzymatische Reduktion des Epoxides zum Vitamin K hemmen. Hieraus resultiert eine verminderte Regeneration von biologisch wirksamem Vitamin K sowie die Zunahme der inaktiven Vorstufen der Gerinnungsproteine (protein induced by Vitamin K absence [PIVKA]) in Leber und Plasma. Das Ergebnis des in vivo-Effektes ist eine teilweise Hemmung der Faktor VII, IX, X und II-Aktivität. Darüber hinaus werden weitere Vitamin K-abhängige Carboxylierungsreaktionen in anderen Organen gehemmt (z.B. in Niere, Plazenta, Knochen). Antikoagulanzien haben keinen direkten Einfluss auf einen gebildeten Thrombus und können Gewebezerstörungen durch Ischämie nicht umkehren.

Cumarin Wirkung

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Phenprocoumon
- Erkrankungen, die mit einer erhöhten Blutungsbereitschaft einhergehen, z.B. hämorrhagische Diathesen, Leberparenchymerkrankungen, manifeste Niereninsuffizienz, schwere Thrombozytopenie
- Erkrankungen, bei denen der Verdacht auf eine Läsion des Gefäßsystems besteht, z.B. frischer apoplektischer Insult, floride Endocarditis lenta, Perikarditis, Hirnarterienaneurysma, disseziierendes Aortenaneurysma, Ulzera im Magen-Darm-Trakt, Operation am Auge, Retinopathien mit Blutungsrisiko, Traumen oder chirurgische Eingriffe am Zentralnervensystem, fortgeschrittene Arteriosklerose
- fixierte und behandlungsrefraktäre Hypertonie (> 200/105 mmHg)
- kavernöse Lungentuberkulose
- nach urologischen Operationen solange Blutungsneigung (Makrohämaturie) besteht
- ausgedehnte offene Wunden (auch nach chirurgischen Eingriffen)
- Schwangerschaft (Ausnahme: absolute Indikation zur Antikoagulation bei lebensbedrohlicher Heparin-Unverträglichkeit).
- Intramuskuläre Injektionen, Lumbalpunktionen, rückenmarksnahe Regionalanästhesien sowie Angiographien dürfen unter der Behandlung mit Phenprocoumon aufgrund der Gefahr massiver Blutungen nicht durchgeführt werden.
- Abortus imminens

Relative Gegenanzeigen
Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung:
- Anfallsleiden
- chronischem Alkoholismus
- Nephrolithiasis
- Hypertonie
- mangelnder Compliance des Patienten
- während der Stillzeit
- nach invasiven diagnostischen Eingriffe: Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses zwischen Blutungsrisiko und Rethrombose
- Bei allen Patienten mit Bluthochdruck ist wegen des erhöhten Risikos schwerer Blutungen die Indikation für eine Antikoagulation unter besonders sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko zu stellen.

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- allergische Hautreaktionen
- bei Langzeitbehandlung: Osteopenie

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Epistaxis
- Hämaturie einschließlich Mikrohämaturie
- Zahnfleischbluten

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Nasenbluten
- Hämatome nach Verletzungen
- Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Lebensbedrohliche Blutungen können auftreten, z.B. im Bereich von Rückenmark, Gehirn, Nebenniere, Pankreas, Herzbeutel, Pleurahöhle, Peritonealhöhle, Retroperitonealraum; Antikoagulantienabdomen.
Ebenfalls gelegentlich kann es zu Einblutungen in Muskeln oder Gelenke sowie zu Netzhautblutungen kommen.
- Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Diarrhoe
- Urtikaria, Exantheme, Pruritus, Dermatitis, reversible Alopecia diffusa
- brennende Schmerzen in den Großzehen mit gleichzeitiger Verfärbung der Großzehen (purple toes): Die Antikoagulanzientherapie kann zu einer erhöhten Freisetzung von Material aus atheromatösen Plaques führen und das Risiko für Komplikationen durch systemische Cholesterol-Mikroembolisation einschließlich "purple toes syndrome" erhöhen. Die Beendigung der Phenprocoumon-Therapie muss erwogen werden, wenn solche Phänomene beobachtet werden.
- Hepatitiden mit oder ohne Ikterus

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Kompressionssyndrom des Nervus femoralis infolge einer retroperitonealen Blutung
- Hämorrhagische Hautnekrosen (Hautinfarkte), die in einigen Fällen zum Tod oder dauernder Behinderung führten. Ein Zusammenhang mit vorbestehendem Mangel an Protein C oder seines Cofaktors Protein S ist beschrieben worden. Es scheint, dass Nekrosen von lokalen Thrombosen oder Mikrozirkulation begleitet sind, deren Auftreten sich einige Tage nach Beginn der Antikoagulanzientherapie zeigt. Es empfiehlt sich, die Wirkung von Phenprocoumon durch Vitamin K1 zu unterbrechen und die Antikoagulanzientherapie möglichst früh auf Heparin umzustellen, um eine eventuell weitere Thrombosierung zu verhindern. Zusätzlich wird die Verabreichung von Prednison als therapeutische Maßnahme diskutiert.
- Leberparenchymschäden, cholestatische Hepatose
- Purpura





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