Phenytoin wurde 1908 erstmals durch
Heinrich
Biltz synthetisiert. Dabei wurden Benzil und Harnstoff erhitzt, wodurch
nach Benzilsäure-Umlagerung Phenytoin gebildet wurde.
Wirkstoffklasse
Antikonvulsivum
Antiarrhythmikum
Fertigpräparate
Phenhydan®
Phenytoin AWD®
Zentropil®
Wirkung
Phenytoin ist ein Hydantoin, das durch
Hyperpolarisation stabilisierend auf die Membranen zentraler und
peripherer Nervenbahnen wirkt. Eingesetzt wird Phenytoin u.a. bei
verschiedenen epileptischen Anfällen, zur Prophylaxe von
Krampfanfällen und bei neurogenen Schmerzzuständen.
Wirkungsmechanismus
Phenytoin wirkt stark antikonvulsiv. Es
hat
durch Hyperpolarisation einen stabilisierenden Effekt auf die Membranen
zentraler und peripherer Nerven. Dadurch hemmt Phenytoin die
Ausbreitung von Anfallspotentialen in der Großhirnrinde. Die
Förderung inhibitorischer Impulse im Kleinhirn trägt
zur
antikonvulsiven Wirkung bei.
Phenytoin hat außerdem einen stabilisierenden Effekt auf
neuronale Membranen, der durch eine direkt und indirekte Beeinflussung
von Ionenbewegungen zustande kommt. Phenytoin kann dabei die
spannungsabhängigen Natriumkanäle blockieren, wobei
eine
Verschiebung von einem aktiven in einen instabilen Zustand vermittelt
bzw. der inaktive Zustand stabilisiert wird. Diese hyperpolarisierende
Wirkung auf erregbare Membranen dürfte auch für die
antiarrhthymische Wirkung verantwortlich sein. Am Herzen
verkürzt
Phenytoin die effektive Refraktärperiode. Die Depolarisations-
und
Leitungsgeschwindigkeit und die AV-Überleitungsgeschwindigkeit
werden bei normalem Ruhepotential nur wenig, bei erniedrigtem
Ruhepotential jedoch zunehmend vermindert.
An der Nervenfaser hat Phenytoin, im Gegensatz zu
Lokalanästhetika, keinen Einfluss auf die
Leitfähigkeit. Auch
hier werden die Reizschwelle und der normale Erregungsablauf nicht
verändert. Phenytoin stabilisiert jedoch die Membran des
Neurons
gegen den Einfluss repetitiver Reize.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Phenytoin und andere Hydantoine
- AV-Block II. und III. Grades
- Syndrom des kranken Sinusknotens (Sick-Sinus-Syndrom)
- innerhalb der ersten drei Monate nach Myokardinfarkt
- eingeschränkter Herzleistung (linksventrikuläres
Auswurfvolumen geringer als 35%)
- vorbestehende schwere Schädigungen der Blutzellen und des
Knochenmarks
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 10%)
Dosisabhängige unerwünschte Wirkungen treten bei
einem
Drittel der Patienten meist bei Plasmakonzentrationen über 20
μg/ml auf:
- Diplopie (Doppelsehen)
- Nystagmus (Augenzittern)
- Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie, Dyskinesie)
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- zunehmende Erregbarkeit
- hochfrequenter Ruhetremor
- bulbäre Sprache
- Abgeschlagenheit
- Merkfähigkeitsstörungen
- Störungen der intelektuellen Leistungsfähigkeit
Bei länger anhaltender Überdosierung:
- starrer Blick
- Appetitlosigkeit
- Erbrechen
- Gewichtsverlust
- Apathie
- Sedierung
- Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)
- Zahnfleischwucherungen (Gingivahyperplasie)
- Hautveränderungen wie übermäßige
Pigmentierung (Chloasma)
- Veränderungen der Behaarung
- Dupuytren-Kontraktur
Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)
- Stevens-Johnson-Syndrom
- Lyell-Syndrom
- allergische Hautausschläge (Exantheme)
- Blutbildveränderungen (wie z.B. Leukopenien)
- Störungen der Leberfunktion
In den oben genannten Fällen wird ein Absetzen von Phenytoin
empfohlen, evtl. können sich die Symptome auch nach
Dosisminderung
zurückbilden.
- Hirsutismus (bei jungen Mädchen und Frauen)
insbesondere bei intravenöser Gabe:
- Asystolien durch Hemmung des Sinusknotens
- Blockade der Überleitung
- Unterdrückung des Kammerersatzrhythmus bei totalem AV-Block
Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle
- Auslösung eines Kammerflimmerns
- myasthenisches Syndrom
Schwere allergische Reaktionen, wie
- exfoliative Dermatitis
- Fieber
- Lymphdrüsenschwellungen
- Beeinträchtigungen der blutbildenden Organe und des
Knochenmarks
- Leberfunktionsstörungen, eventuell unter Beteiligung anderer
Organsysteme
Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- proarrhythmische Wirkungen in Form von Veränderungen oder
Verstärkungen der Herzrhythmusstörungen, die zu
starker
Beeinträchtigung der Herztätigkeit bis hin zum
Herzstillstand
führen
- Vorhofflimmern und -flattern wird durch Phenytoin nicht durchbrochen.
Da die Refraktärzeit des AV-Knotens verkürzt werden
kann, ist
eine Beschleunigung der Ventrikelfrequenz möglich
- Polyneuropathie (Langzeittherapie)
- Bei einer langfristigen Therapie mit Phenytoin-Plasmakonzentrationen
über 25 μg/ml und klinischen Zeichen einer Intoxikation
kann
möglicherweise eine irreversible Kleinhirnatrophie auftreten,
auch
wenn die empfohlenen Standarddosierungen eingehalten wurden.
- Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion, insb.
bei Kindern möglich.
- Blutdruckabfall (insb. bei i.v. Anwendung)
- Verschlechterung einer vorbestehenden Herzinsuffizienz (insb. bei
i.v. Anwendung)
- Verschlechterung einer vorbestehenden Ateminsuffizienz (insb. bei
i.v. Anwendung)
- megaloblastäre Anämie meist durch
Folsäuremangel bedingt
- Auslösung von akuten Porphyrie-Attacken
- i.v. Gabe zusätzlich:
Bei zu rascher intravenöser Gabe können passagere
Symptome
auftreten die sich innerhalb von 60 Minuten zurückbilden,
sofern
nicht mit Phenytoin vorbehandelt wurde:
-- Schwindel
-- Erbrechen
-- Mundtrockenheit
- bei größeren Mengen i.v. zusätzlich (da
stark alkalisch):
-- Phlebitis am Injektionsort
-- Alkalose
- Bei empfindlichen Patienten bzw. gestörtem
Calciumstoffwechsel
(erhöhte alkalische Phosphatase) kann sich eine Osteomalazie
entwickeln, die auf Vitamin-D-Gaben gut anspricht.
- Bei einer Langzeittherapie zusammen mit anderen Antiepileptika,
insbesondere Valproinsäure, kann es zu Zeichen einer
Hirnschädigung (Enzephalopathie) kommen: vermehrte
Krampfanfälle, Antriebslosigkeit (Stupor),
Muskelschwäche
(muskuläre Hypotonie), Bewegungsstörungen
(choreatiforme
Dyskinesien) und schwere Allgemeinveränderungen im EEG.